Sommerweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommerweizen

Sommerweizen stand heuer, wie auch in den meisten Jahren zuvor, bayernweit auf weniger als 1 % der Getreidefläche. 2021 betrug der Frühjahrsanbau in Bayern rund 5.000 ha. Nicht berücksichtigt ist bei dieser Erhebung der im Spätherbst bestellte Sommerweizen, da dieser in der Statistik in der Regel zu den Winterweizen gezählt wird.
Sind die Saatbedingungen im Herbst ungünstig oder fällt ein Teil der Winterungen durch Auswinterung aus, wie 2012 in Nordbayern, ist Sommerweizen als Lückenfüller gefragt. Dies führt dann zwangsläufig zu Engpässen beim Saatgut. Vom Kauf unbekannter ausländischer Sommerweizen ist jedoch auch bei Saatgutknappheit abzuraten, da der Anbau von nicht angepassten Sorten sowie die Frühjahrsaussaat von Winterweizen in der Vergangenheit immer wieder zu Missernten führten.

Wechselweizen

Sommerweizen wird häufig nach spät räumenden Vorfrüchten wie Körnermais oder Zuckerrübe angebaut. Wird er im Spätherbst gesät, kommen Wechselweizen zum Einsatz. Dies sind Sommerweizen, die bei später Herbstaussaat eine gewisse Winterhärte besitzen, aber keinen oder nur einen geringen Kältereiz zum Schossen benötigen. Diese Wechselweizen stehen in Konkurrenz zu spätsaatverträglichen Winterweizen. Verschiedene außerbayerische Versuchsergebnisse zeigen, dass Wechselweizen in der Regel bei Saatterminen ab Ende November Vorteile gegenüber spätsaatverträglichen Winterweizen haben.
Teilweise sind die Aussaatbedingungen nach spät räumenden Vorfrüchten im Spätherbst schlecht. Die Entscheidung für einen Wechselweizen kann hier wegen seiner großen Saatzeitflexibilität von Vorteil sein, da auf bessere Saatbedingungen - notfalls bis in das Frühjahr hinein - gewartet werden kann.

Landessortenversuche

Aufgrund der geringen Bedeutung des Sommerweizens gibt es in Bayern nur in Frankendorf (Erding) und Köfering (Regensburg) einen Landessortenversuch (LSV).

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Heuer wurden 9 Sorten in zwei Intensitätsstufen geprüft. Die intensive Stufe 2 wird nach Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die extensive Stufe 1 erhält dagegen keine Fungizide und keinen bzw. nur eine geringe Menge an Wachstumsreglern. Der Ertragsvorteil der Intensivvarianten beträgt im fünfjährigen Mittel 9 dt/ha (12 %), wobei die Mehrerträge, in Abhängigkeit von der Sorte sowie dem Krankheits- und Lagerdruck, erheblich schwanken. Die Mehrkosten für Pflanzenschutzmittel, ohne deren Ausbringung, betragen im Mittel gut 100 €/ha.

Winterhärte

Die meisten Sommerweizensorten wurden im Rahmen der Sortenzulassung sowohl bei Frühjahrs- als auch bei später Herbstaussaat (Ende Oktober / November) getestet. Da in den letzten Jahren jedoch keine Auswinterungsschäden bei den Spätsaatversuchen auftraten, sind Aussagen über die Winterhärte bei den neueren Sorten nicht möglich. Vom Bundessortenamt werden deshalb nur ältere Sorten wie Jack (E) und Lennox (E) als überdurchschnittlich winterhart beschrieben.

Ergebnisse 'Anbaugebiete Süddeutschland'

Die Datenbasis bei Sommerweizen ist in allen Bundesländern gering. Deshalb werden alle Versuche aus der Südhälfte von Deutschland gemeinsam verrechnet und unter dem Begriff „Anbaugebiete Süddeutschland“ veröffentlicht. In die mehrjährige Ertragsverrechnung gingen 48 Versuchsergebnisse aus den letzten fünf Jahren ein. Wegen der geringen Anzahl an bayerischen Versuchen wurden auch Standorte aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen mit einberechnet. Die am intensivsten geprüfte Sorte Quintus war überall vertreten. Bei den anderen Sorten wurden die fehlenden Ergebnisse mit einem Rechenmodell hochgerechnet. So können alle Sorten, unabhängig von ihrer Prüfdauer, direkt miteinander verglichen werden. Da die Neuzulassung WPB Troy erst in relativ wenigen Versuchen stand, wird ihr Ertragsergebnis unter der Rubrik „vorläufige Bewertung“ in der Tabelle ausgewiesen.
Den einjährigen Erträgen liegen 4 bis 7 Ergebnisse zugrunde.