Sommerweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommerweizen

Sommerweizen wurden heuer im Frühjahr in Bayern auf rund 4.200 ha gesät. Die Fläche liegt damit auf ähnlich niedrigem Niveau wie im Vorjahr. Der Anteil von Sommerweizen an der Getreidefläche beträgt derzeit lediglich 0,5 %. Unberücksichtigt bei dieser Erhebung bleibt der im Spätherbst gedrillte Sommerweizen. Da dieser in der Statistik in der Regel zu den Winterweizen gezählt wird, liegen nur Daten zum Frühjahrsanbau vor.
Die Sommerweizenfläche steigt in manchen Jahren stark an. Dies ist immer dann der Fall, wenn entweder ein Teil der Winterungen durch Auswinterung ausfällt oder wenn die Saatbedingungen im Herbst schlecht sind. Gut zu beobachten war dies in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein 2018. Wegen der nassen Herbstwitterung 2017 stieg die Saatgutnachfrage dort um ein Vielfaches. Engpässe beim Saatgut sind dann vorprogrammiert. Vom Anbau unbekannter ausländischer Sommerweizen ist zu warnen, da nicht angepasste Sorten genauso wie die Frühjahrsaussaat von Winterweizen des Öfteren schon zu Missernten führten. Winterweizen im Frühjahr anzubauen, ist nie sinnvoll. Denn wenn er keinem mehrwöchigen Kältereiz ausgesetzt wird, schosst er nicht und bildet auch keine Ähren und Körner.

Sommerweizen wird bevorzugt nach spät räumenden Vorfrüchten wie Zuckerrübe oder Körnermais angebaut. Soll er noch im Spätherbst gesät werden, kommen Wechselweizen zum Einsatz. Dies sind Sommerweizen, die bei später Herbstaussaat eine gewisse Winterhärte besitzen, aber keinen oder nur einen geringen Kältereiz zum Schossen benötigen. Diese Wechselweizen stehen in Konkurrenz zu spätsaatverträglichen Winterweizen. Verschiedene außerbayerische Versuchsergebnisse deuten darauf hin, dass bei Saatterminen ab etwa Ende November Wechselweizen ertraglich im Vorteil sind gegenüber spätsaatverträglichen Winterweizen.

Landessortenversuche

Aufgrund der geringen Bedeutung von Sommerweizen gibt es in Bayern nur in Frankendorf (Erding) und Köfering (Regensburg) einen LSV. Die ohnehin schon geringe Anzahl an Standorten wurde heuer noch weiter reduziert, da der Oberpfälzer Versuch in Köfering kurz vor der Ernte durch Hagel zerstört wurde.

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Heuer wurden 11 Sorten in zwei Intensitätsstufen geprüft. Die intensive Stufe 2 wird nach Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die extensive Stufe 1 erhält dagegen keine Fungizide und keinen bzw. wenig Wachstumsregler. Gemittelt über alle süddeutschen Versuche beträgt der Mehrertrag in der Intensivvariante im Fünfjahresmittel 7 dt/ha bzw. 10 %. In den bayerischen Versuchen konnten im mehrjährigen Schnitt 11 dt/ha (15 %) mehr in Stufe 2 geerntet werden, wobei der Ertragsvorsprung je nach Krankheits- und Lagerdruck, zwischen 7 und 24 dt/ha schwankt. Die Mehrkosten für Pflanzenschutzmittel ohne deren Ausbringung betragen im Mittel rund 110 €/ha.

Winterhärte

Einige Sommerweizensorten wurden im Rahmen der Sortenzulassung sowohl im Frühjahr als auch im Herbst ausgesät (Ende Oktober / November). Ein Ziel der späten Herbstsaat ist die Winterhärte der Sommerweizen zu testen. In den letzten Jahren traten jedoch nur vereinzelt Auswinterungsschäden auf. Deshalb sind Aussagen über die Winterhärte kaum möglich. Da der LSV ausschließlich im Frühjahr gesät wird, kann dieser auch nicht zur Beurteilung der Auswinterungsneigung herangezogen werden. Vom Bundessortenamt werden Jack (E), Lennox (E) und Matthus (A) als überdurchschnittlich winterhart beschrieben.

Ergebnisse 'Anbaugebiet Süddeutschland'

Die Datenbasis bei Sommerweizen ist in allen Bundesländern gering. Deshalb werden alle Versuche aus der Südhälfte von Deutschland gemeinsam verrechnet und unter dem Begriff „Anbaugebiet Süddeutschland“ veröffentlicht. Bei der mehrjährigen Ertragsverrechnung gingen 52 Versuche aus den letzten fünf Jahren ein. Da nur die Sorte Quintus in allen Versuchen vertreten war, werden die fehlenden Ergebnisse bei den anderen Sorten mit einem Rechenmodell „hochgerechnet". Der Vorteil an diesem Vorgehen ist, dass so alle Sorten, unabhängig von ihrer Prüfdauer, direkt miteinander verglichen werden können. Da die Prüfgenauigkeit bei den jüngsten Sorten geringer ist, werden ihre Ertragsergebnisse unter der Rubrik „vorläufige Bewertung“ in der Tabelle ausgewiesen.