Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand.

In diesem Jahr brachte die Sommergerste hohe Erträge. Mit rund 56 dt/ha konnte eines der besten Sommergerstenergebnisse erzielt werden. Die Hektarerträge lagen im bayerischen Schnitt um 6 dt/ha über dem Zehnjahresmittel.
Das Drei-Säulen-Modell, bestehend aus dem Anbau von Sommergerste im Frühjahr, der Herbstsaat von Sommergerste und dem Winterbraugerstenanbau, hat sich mittlerweile etabliert und trägt zur Sicherung der Rohstoffversorgung der deutschen Malz- und Brauwirtschaft bei.

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik wurde heuer auf rund 84.600 ha Sommergerste angebaut. Damit ist die Fläche im Vergleich zum Vorjahr, in dem mit 77.400 ha ein historischer Tiefstand erreicht wurde, wieder leicht angestiegen. Dennoch bleibt der langfristige Trend rückläufig. Vor 50 Jahren wurde in Bayern noch mehr als viermal, vor 20 Jahren noch rund doppelt so viel Sommergerste angebaut wie heuer.
Die im Spätherbst, meist ab Mitte Oktober bis November, gesäte Sommergerste fließt nicht in diese Erhebung ein, da sie in der Statistik zur Wintergerste gezählt wird. Heuer überstanden die Herbstsaaten der Sommergerste den Winter meist gut. Im Vorjahr war dies häufig nicht der Fall. Bei etlichen der im Herbst 2023 gesäten Sommergersten zeigte sich ihre, im Vergleich zur Wintergerste, schwächere Winterhärte. Vor allem an Standorten mit zweistelligen Minusgraden und ohne schützende Schneedecke kam es zu Schäden durch Auswinterung bis hin zu Totalausfällen. Bei Winterbraugerste waren hingegen keine Auswinterungsschäden zu verzeichnen.

Anbau- und Erntebedingungen

Nach guten Aussaatbedingungen entwickelten sich die Sommergersten im Trockenjahr 2025 zunächst gut. Obwohl von Februar bis Juni bayernweit in jedem Monat unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen fielen, reichte in den meisten Regionen das Wasser bis zur Ernte aus und es wuchsen schöne und aufgrund der Trockenheit auch gesunde Bestände heran. Ertragseinbußen durch Wassermangel traten lediglich auf schwachen Böden und bevorzugt in den von Trockenheit stärker betroffenen nordbayerischen Regionen auf. Eine gut zweiwöchige Regenperiode, die bis Anfang August anhielt, führte zu einer längeren Ernteunterbrechung. Während die früh geernteten Partien helle, goldgelbe Körner aufwiesen, waren Stroh und Körner von den nach der Regenphase gedroschenen Gersten oft stärker von Schwärzepilzen befallen und dunkler, gräulich verfärbt, teils trat auch verdeckter, im ungünstigsten Fall sogar sichtbarer Auswuchs auf.

Qualität in der Praxis

Jährlich werden von etwa 110 bayerischen Praxisschlägen Qualitätsdaten von Sommergerste erhoben.

Rohproteingehalt und Kornqualität

Nachdem der Rohproteingehalt im Vorjahr mit im Schnitt 9,9 % sehr gering ausfiel, lag er heuer bei 10,8 % und damit im Bereich des zehnjährigen Mittels. Rund 60 % der Proben erreichten im Jahr 2025 die von der verarbeitenden Industrie angestrebten Rohproteingehalte von 9,5 bis 11,5 %. Der Vollgerstenanteil (> 2,5 mm) bewegte sich mit 92 % etwas über dem Schnitt und das Tausendkorngewicht (TKG) war mit 49 g hoch.

Landessortenversuche

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten, wovon einer aufgrund von Trockenschäden nicht ausgewertet werden konnte.

Rentabilität des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

In den LSV werden alle Sorten in einer extensiven (Stufe 1, ohne Fungizide, ohne/wenig Wachstumsregler) und einer intensiven Stufe, die Fungizide und Wachstumsregler nach Bedarf erhält, geprüft. Heuer wurden wegen der Frühjahrstrockenheit weder in Stufe 1 noch in Stufe 2 Wachstumsregler eingesetzt. Die Stickstoffdüngung orientiert sich am Produktionsziel Braugerste und erfolgt in beiden Stufen einheitlich.
In den intensiv geführten Varianten (Stufe 2) konnten im Mittel der Jahre 2021-25 rund 7 dt/ha bzw. 11 % mehr geerntet werden. Dem gegenüber steht ein Mehraufwand von gut 100 €/ha. Im Vorjahr führte der starke Krankheitsdruck zu einem deutlichen Stufenunterschied von 13 dt/ha (26 %), sodass sich die Intensitätssteigerung meist lohnte. Ganz anders stellte sich die Situation heuer dar. Die Bestände waren weitgehend gesund und Lager trat kaum auf. Bei vier der sechs Versuche wurden lediglich Mehrerträge von 1 bis 3 dt/ha erzielt – zu wenig, um die zusätzlichen Kosten zu decken.
Die Intensitätssteigerung wirkt sich häufig auch auf die Gerstenqualität aus. Im Zehnjahresmittel konnten durch den zusätzlichen Pflanzenschutzaufwand der Vollgerstenanteil von 86 auf 92 % erhöht und der Rohproteingehalt um 0,1 Prozentpunkte gesenkt werden. Das Hektolitergewicht stieg um 1,6 kg, das TKG um 3,2 g. Heuer hatte die Intensitätssteigerung in den Versuchen keinen oder nur einen geringen Einfluss.

Sortenempfehlung

In die staatliche Sortenempfehlung wird eine Braugerstensorte erst nach mehrjähriger Prüfung im LSV aufgenommen. Neben hohen und stabilen Erträgen und ansprechenden Anbaueigenschaften muss sie auch eine gute Malz- und Brauqualität aufweisen.
Die Qualitätsbewertung wird vom Sortengremium des Berliner Programms vorgenommen. Grundlage hierfür sind Mälzungs- und Brauversuche. Diese werden im Sorten-Zulassungsverfahren und parallel dazu im Rahmen des Berliner Programms mit den meisten Neuzulassungen durchgeführt. Wenige ausgewählte Sorten werden zusätzlich in praxisnahem Maßstab (großtechnische Verarbeitung) geprüft. Wird eine Sorte in der Großtechnik für gut befunden, erhält sie eine Verarbeitungsempfehlung. Von den im LSV stehenden Sorten bekamen Amidala, Lexy, Sting, LG Caruso und Ostara diese Empfehlung. Die Neuzulassungen Excalibur und LG Baryton werden derzeit großtechnisch verarbeitet. Anfang Februar entscheidet sich, ob sie eine Verarbeitungsempfehlung erhalten. Diese ist für eine Sorte sehr wichtig, denn bis jetzt ist es nur RGT Planet gelungen, ohne Empfehlung eine größere Anbaubedeutung zu erlangen. Die weiteren Neuzulassungen KWS Enduris, RGT Corella und Belladonna haben nicht die Möglichkeit, diese Empfehlung zu bekommen.