Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand

Auf 103 600 ha stand heuer in Bayern Sommergerste und damit etwas weniger als im Vorjahr. In Deutschland lag die Fläche mit rund 360 000 ha wieder im normalen Bereich, nachdem der Anbau witterungsbedingt vor allem in Norddeutschland 2018 stark ausgedehnt wurde.

Bayernweit erntete die Praxis im Schnitt 46 dt/ha Sommergerste und verfehlte das Zehnjahresmittel damit um 6 dt/ha. Auch das Vorjahresergebnis von 49 dt/ha wurde nicht erreicht. Hauptverantwortlich für das schwache Abschneiden war die teilweise extreme Trockenheit im Juni und Juli. Vor allem die Oberpfalz, Oberfranken und Teile von Mittelfranken hatten mit Wassermangel zu kämpfen. Dies spiegelte sich dort in den geringen Erträgen wider. In Südbayern und in den regenreicheren fränkischen Gebieten lagen die Erntemengen dagegen im Mittel, nur etwas unterhalb des mehrjährigen regionalen Schnitts.
Die leichte Abnahme der Sommergerstenfläche, die geringen Erträge, die erhöhten Eiweißgehalte sowie die unterdurchschnittlichen Vollgerstenanteile führen heuer zu einer deutlich geringeren Menge an bayerischer Qualitäts-Braugerste als in den letzten beiden Jahren.

Kornqualität in der Praxis

Jedes Jahr werden von 115 zufällig ausgewählten und jährlich wechselnden bayerischen Sommergerstenschlägen die Erträge und verschiedene Qualitätsparameter gemessen. Anhand dieser Daten wird dann das bayerische Mittel gebildet.
Die Rohproteingehalte liegen heuer im Schnitt mit 11,6 % deutlich über dem Zehnjahresmittel von 10,9 % sowie über dem Vorjahresergebnis (11,1 %), was aufgrund der unterdurchschnittlichen Erträge nicht verwundert. Hohe Werte traten vor allem in den stark von Trockenheit betroffenen Regionen auf. Von den Mälzern und Brauern wird in der Regel ein Rohproteingehalt zwischen 9,0 und 11,5 % gewünscht. Diese Anforderungen konnten im Schnitt der letzten zehn Jahre etwa zwei Drittel der bayerischen Sommergersten erfüllen. Heuer erreichten dieses Ziel nur knapp 50 % der Partien. Ein ähnlich schwaches Ergebnis wurde zuletzt 2010 erzielt.
Auch die Vollgerstenanteile liegen mit 87 % unter dem langjährigen Mittel von 89 %. Hohe Werte wiesen zahlreiche Partien südlich der Donau auf. Dort regnete es während der Kornfüllung meist ausreichend und große Körner konnten heranreifen. Unterdurchschnittlich fiel die Sortierung dagegen in den regenarmen nordbayerischen Regionen aus.

Landessortenversuche

Rentabilität des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten, wobei der Versuch in Neuhof (Lkr Donau-Ries) aufgrund von Trockenheit nicht auswertbar war. Im LSV werden alle Sorten bei intensiver (Stufe 2) und extensiver Bestandesführung (Stufe 1) geprüft. In der Intensivvariante, die dazu dient, das Leistungsniveau der Sorten zu ermitteln, kommen Wachstumsregler und Fungizide entsprechend der Pflanzenentwicklung und dem Krankheitsbefall zum Einsatz. Anhand der extensiven Variante, die keinen oder nur wenig Wachstumsregler und keine Fungizide erhält, werden dagegen Informationen über Krankheitsresistenzen, Lagerneigung und Strohstabilität der Sorten gewonnen. Düngung, Herbizid- und Insektizideinsatz sind in beiden Stufen einheitlich.
Der Mehraufwand in den optimal geführten Varianten beträgt im Fünfjahresmittel rund 100 €/ha. Dem gegenüber steht ein Mehrertrag von im Schnitt 8 dt/ha, wobei die Ertragszuwächse zwischen –3 und +27 dt/ha schwankten. Häufig wird auch eine Verbesserung der Qualität erzielt. Im Mittel der Jahre 2015 bis 2019 konnten der Vollgerstenanteil von 87 auf 93 %, das Hektolitergewicht um 1,7 kg und das Tausendkorngewicht um 3 g durch die Intensitätssteigerung verbessert werden.

Sortenempfehlung

In die staatliche Sortenempfehlung wird eine Braugerstensorte erst nach intensiver mehrjähriger Prüfung im LSV aufgenommen. Neben hohen und stabilen Erträgen und ansprechenden Anbaueigenschaften muss sie auch eine gute Malz- und Brauqualität aufweisen.
Die Bewertung der Qualität wird vom Sortengremium des Berliner Programms vorgenommen. Dieses setzt sich aus Vertretern der Landwirtschaft, der deutschen Mälzereien und Brauereien sowie aus Wissenschaftlern zusammen. Entscheidend für die Qualitätsbeurteilung sind Mälzungs- und Brauversuche, die im Rahmen des Berliner Programms mit allen Neuzulassungen in kleinerem und mit ausgewählten Sorten in größerem Umfang durchgeführt werden. Wird eine Sorte für gut befunden, erhält sie eine Verarbeitungsempfehlung. Bis auf RGT Planet bekamen alle mehrjährig geprüften LSV-Sorten diese Empfehlung.
Die Beurteilung der agronomischen Eigenschaften, der Krankheitsresistenzen und des Ertragspotentials erfolgt durch Experten aus den Fachzenten Pflanzenbau der Landwirtschaftsämter und der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft