Forschungs- und Innovationsprojekt
Greentopping-Starter

Kühe auf der Weide

Anlage und Evaluierung der Etablierung regional angepasster Saatgutmischungen zur Steigerung der Multifunktionalität mittelintensiv genutzten Grünlands

Dass extensives Grünland oft artenreich, aber auch wenig produktiv ist, ist hinlänglich beschrieben und erforscht.
Das Projekt behandelt - bei aktiver Mitarbeit der beteiligten Landwirte - Möglichkeiten der kurzfristigen Anreicherung von erwünschten Kräutern im produktiven mittelintensiven Grünland sowie deren möglichst langer Erhalt im Bestand bei drei (bis maximal vier) Nutzungen im Jahr.

Hintergrund

Grünland stellt einen Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands dar und trägt damit in der bayerischen Landwirtschaft auch zur Produktion von Milch und Fleisch bei. Rund 40 % aller gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen haben ihr Hauptvorkommen im Grünland, welches gleichzeitig gut ein Drittel unserer gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche darstellt (BfN 2014). Während es zur Artenanreicherung in extensiv genutzten Grünlandbeständen und Landschaftsrasen umfangreiche Untersuchungen und Ergebnisse gibt, beschränkt sich das Wissen und die Anwendung in intensiver genutztem Grünland auf das Artenspektrum von Gräsern und Kleearten mit hohem Ertragspotenzial. Hierfür liegen differenziert nach Region, Anbauziel und -intensität Sorten- und Mischungsempfehlungen vor.
Für Kräuter hingegen gibt es aktuell vergleichsweise wenig agronomisch ausgerichtete Untersuchungen in intensiver genutzten Futterbaubeständen. Der Mangel an Praxisuntersuchungen liegt an der allgemein als gering angesehenen Durchsetzungsfähigkeit von Dikotylen in mit Stickstoff gut versorgten Grünlandbeständen sowie an der früher nicht ausreichenden Saatgutverfügbarkeit gebietsheimischer Arten.
Mit der Entwicklung eines erfolgreichen Marktes für regional gewonnenes und vermehrtes Saatgutes von Arten, die nicht im Artenverzeichnis stehen, eröffnen sich neue Chancen für landwirtschaftliche Betriebe. Mittlerweile werden vom Handel erste Mischungen vertrieben, die diesen neuen Markt in Deutschland erschließen.

Zielsetzung

Ziel ist es, Ansaat- und Nachsaatmischungen für den Bereich der Drei- bis Vierschnittwiesen zu entwickeln, die zu Beständen führen, die die Anforderungen an Qualität und Ertrag für eine wirtschaftliche betriebliche Verwertung erreichen und dabei ein zu den Ausgangsbeständen erweitertes Artenspektrum aufweisen. Dazu zählen:
  • die Blühdauer und Pollenlieferung für Honigbienen und Wildinsekten steigern
  • das Landschaftsbild - vor allem von Erholungslandschaften aufwerten
  • einen Beitrag bei der Zurückdrängung von Kreuzkrautarten und anderen Giftpflanzen leisten sowie zum Erhalt einer dichten Grasnarbe
Neben der Entwicklung der Mischungen ist eine an diesen Zielen optimierte Nutzungsempfehlung zu erarbeiten.
Der landwirtschaftlichen Praxis sollen damit Mittel und Methoden an die Hand gegeben werden, um die Artenvielfalt mittelintensiv genutzter Grünlandbestände gezielt zu erweitern und diese für eine ausgewogene Fütterung und positive Umweltwirkungen wirtschaftlich multifunktional nutzbar zu machen.

Methode

Streulagenversuch in Form von zwölf zwei-faktoriellen Streifenanlagen an sechs Betrieben im Landkreis Garmisch-Partenkirchen:
  • eine empfohlene Grundmischung
  • vier "Kräuter-Toppings" (mögliche Ergänzungen der Grundmischung durch definierte Kräuterzugaben)
  • zwei Saatstärken dieser "Kräuter-Toppings"
Anlage der Versuche: Frühjahrsansaat 2020
Technik: Praxistechnik der teilnehmenden Betriebe

Ergebnis

Ergebnisse zur Etablierung der Ansaaten werden bis Ende Juli erwartet. Das Projekt dient als Tastversuch bzw. Einstieg für ein Folgeprojekt mit deutlich erweitertem Ansatz (drei Regionen in Bayern) und mindestens drei Jahren Laufzeit.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. S. Hartmann
Projektbearbeitung: K. Möhrle
Projektpartner: TUM, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Prof. Kollmann
Unterstützende Partner: Zugspitzregion GmbH, Naturpark Ammergauer Alpen e.V., Bauernverband Werdenfelser Land
Laufzeit: 01.09.2019 - 30.08.2020
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/19/07