Kreuzungszüchtung mit der Landsorte Tettnanger

Die Landsorte Tettnanger mit ihrem feinwürzigen Hopfenaroma ist nach wie vor bei Brauern sehr gefragt. Aber für die Pflanzer wird der Anbau dieser Landsorte immer schwieriger. Als einzige Option zur Verbesserung der Schwachstellen der alten Landsorte bietet sich die Kreuzungszüchtung an.

Zielsetzung

Pinsel auf BlüteZoombild vorhanden

Bestäubung einer weiblichen Hopfenblüte

Zielsetzung dieses Züchtungsprogrammes ist es, die Landsorte Tettnanger in ihrem Ertrags-potenzial und ihrer Pilzresistenz deutlich zu verbessern. Zugleich soll jedoch die Aroma-ausprägung der Neuzüchtungen möglichst dem ursprünglichen Tettnanger entsprechen. Durch eine bessere Klimaanpassung soll das Problem der Frühblüte im Zusammenhang mit den höheren Temperaturen gelöst werden. Außerdem wird von einer modernen Sorte optimierte Nährstoffeffizienz verlangt, die im Kontext der neuen Düngeverordnung von größter Bedeutung ist.

Methode

Durch reine Auslesezüchtung innerhalb der natürlich vorhandenen Variabilität der Tettnanger Landsorte ist dies nicht zu realisieren. Daher muss versucht werden, dieses Ziel durch gezielte Kreuzung von Tettnanger mit vorselektierten männlichen Aromalinien zu erreichen, die breite Krankheitsresistenz und aufgrund ihrer Verwandtschaft gute agronomische Leistungen mitbringen.
Durch minimalen Pflanzenschutzmitteleinsatz und reduzierte Stickstoffgaben bei den Anbauprüfungen (Sämlings- und Stammesprüfung) in unseren Zuchtgärten wird seit Jahren schon auf die robustesten, widerstandsfähigsten und nährstoffeffizientesten Hopfen hin selektiert.

Ergebnis

Sämlingsprüfung

Seit 2010 wurden über 37 gezielte Kreuzungen durchgeführt und über 1.600 weibliche Sämlinge, auf Resistenz und Wüchsigkeit vorselektiert, im Zuchtgarten in Hüll ausgepflanzt und über drei Jahre geprüft.
Aufgrund guter agronomischer Leistungsmerkmale, Resistenzen/Toleranzen und ansprechender Inhaltstoffe wurden bislang insgesamt 21 aussichtsreiche Kandidaten für die Stammesprüfungen ausgewählt.

Stammesprüfung

Die Zuchtstämme aus den Stammesprüfungen 2015, 2016 und 2017 konnten aus unterschiedlichen Gründen (Frühblüte, zu geringe/schwankende Alphagehalte, Peronospora – bzw. Welkeanfälligkeit,…) weder in der Hallertau noch in Straß/Tettnang überzeugen. Daher werden bzw. wurden sie gerodet.
2020 wird mit insgesamt zehn Stämmen in dieser 4-jährigen Stammesprüfphase neu begonnen. Unter verschiedenen Boden- und Witterungsbedingungen können die neuen Stämme ihr Potenzial zeigen. Zuverlässige Aussagen zu Wüchsigkeit, Ertrag, Resistenzen, Inhaltsstoffen und Aroma stehen erst in 2 bis 3 Jahren zur Verfügung.

Ausblick - Praxisanbauprüfungen

Der Züchter begutachtet jeden Sämling. Aus Tausenden werden nur die vielversprechendsten Sämlinge ausgewählt und im nächsten Jahr im Zuchtgarten geprüft.Zoombild vorhanden

Der Züchter begutachtet jeden Sämling. Aus Tausenden werden nur die vielversprechendsten Sämlinge ausgewählt und im nächsten Jahr im Zuchtgarten geprüft.

Nach der Stammesprüfung folgt die Hauptprüfung und darüber hinaus muss sich ein Stamm in den Parzellenprüfungen auf Praxisbetrieben (Reihenanbau und Großflächenversuchsanbau) bewähren. Dieser Prüfabschnitt kann frühestens ab 2022 mit den ersten Neuzüchtungen aus diesem Kreuzungsprogramm in Angriff genommen werden.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. E. Seigner, A. Lutz
Projektbearbeitung: A. Lutz, J. Kneidl, D. Ismann und Züchtungsteam (alle IPZ 5c); Dr. K. Kammhuber, C. Petzina, B. Wyschkon, M. Hainzlmaier und S. Weihrauch (alle IPZ 5d)
Laufzeit: 01.05.2011 - 31.12.2020
Förderung: Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Baden-Württemberg; Hopfenpflanzerverband Tettnang; Erzeugergemeinschaft Hopfen HVG e.G.; Gesellschaft für Hopfenforschung e.V. (2011-2014)
Projektpartner: Hopfenversuchsgut Straß des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ), Baden-Württemberg,