Forschungs- und Innovationsprojekt
Biodiversität im Einklang mit Hopfenbau

Biodiversität ist auch in der Sonderkultur Hopfen von hoher Bedeutung. Die Hallertau ist durch den Hopfenanbau geprägt und weist dadurch eine kleinräumige Landschaftsstruktur auf. Diese bietet eine große Vielfalt an Lebensräumen und Lebewesen. Beispielhaft soll für das zusammenhängende Gebiet der ‚Biodiversitätskulisse Eichelberg‘ gezeigt werden, welche biologische Vielfalt dort bereits herrscht, aber vor allem wie sich die Biodiversität durch einzelne, einfache Maßnahmen gezielt verbessern lässt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Maßnahmen die wirtschaftliche Produktivität nicht schmälern, indem keine landwirtschaftlich genutzten Flächen beeinträchtigt werden. Seit 2018 laufen Vorarbeiten zu diesem Projekt, von 2021 bis 2023 läuft die praktische Umsetzung in und um die Hopfengärten in der Biodiversitätskulisse Eichelberg.

Blühfläche vor Hopfengarten, Feldgehölz im Hintergrund, als Beispiel für eine vielfältige landwirtschaftliche Kulisse

Blühfläche vor Hopfengarten, Feldgehölz im Hintergrund, als Beispiel für eine vielfältige landwirtschaftliche Kulisse

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist nicht, generell die Produktivität oder die produktiven Flächen zu beeinträchtigen. Hochwertige Hopfengärten, Acker- und Forstflächen sollen weiterhin durch die Landwirte gewinnbringend genutzt werden. Weniger produktive oder gar ungenutzte Flächen sollen dagegen aufgewertet werden, um einen Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität zu leisten. Insbesondere die Einbindung aller betroffenen Verbände bzw. Akteure aus Landwirtschaft und Naturschutz soll zur Akzeptanz des Vorhabens beitragen. Das Projekt beinhaltet speziell die Erstellung eines exemplarischen Konzeptes und den Anstoß von Folgeprojekten.
Im Demo-Gebiet „Eichelberg“ erfolgt die Identifikation und Einbindung von agrarökologischen Sonderstandorten und nutzbaren Kleinstrukturen für die Maßnahmen. Zu bewertende Faktoren werden festgelegt – v.a. Artengruppen (z.B. Ackerwildkräuter, Heuschrecken, Tagfalter, Netzflügler, Brutvögel), auch mit Definition von ‚Flaggschiff-Arten‘ (z.B. Heidelerche, Rebhuhn, Hopfenvogel) für die Öffentlichkeitsarbeit. Eine Bestandsaufnahme des Status Quo erfolgt über gezielte Kartierungen relevanter Arten oder Gruppen (z.B. Rebhuhn, Netzflügler, Tagfalter). Der Katalog umfasst u.a. den Verzicht auf die Nutzung marginaler, unproduktiver oder kritischer Flächen, die Eingewichtung bereits vorhandener, landschaftsprägender Kleinstrukturen zur gezielten ökologischen Aufwertung, die Schaffung von Pufferstreifen, von Saumstrukturen und von Blühstreifen und -flächen oder die Etablierung mehrjähriger Stilllegungsflächen.

Markierung der Gebietskulisse Eichelberg: Umfang ca. 4,9 km Fläche ca. 85 ha davon  ca. 34 ha Hopfen (40%) ca. 28 ha Ackerland (33%) ca. 12 ha Wald/Gehölz (15%) ca. 3 ha Grünland/Blühfläche (4%) ca. 4 ha Sonderstandorte/Eh-da (4%)

Überblick über die Biodiversitätskulisse Eichelberg

Methoden

Flaggschiff-Arten im Hopfen

Das Konzept der ‚flagship species‘ im Hopfen soll helfen, die Ziele und Erfolge der Biodiversitätsförderung im Hopfen greifbar zu machen. Folgende Arten wurden ausgewählt, da sie selten vorkommen, ihren Lebensraum aber typischerweise unter anderem in und um Hopfenflächen der Hallertau finden – also Hopfen-spezifische Arten sind:
  • Heidelerche Lululla arborea: kommt bereits in der Gegend vor, soll weiter gefördert werden
  • Rebhuhn Perdix perdix
  • Feldsperling Passer montanus: brütet gerne an Hopfengerüsten
  • C-Falter/Hopfenvogel Nymphalis c-album
  • Hopfen-Taghaft Hemerobius humulinus
  • Ameisenlöwen (Myrmeleon formicarius, Euroleon nostras)

Schaffung vielfältiger Lebensräume, Gezielte Förderung einzelner Arten

Um biologische Vielfalt zu fördern, müssen vielfältige Lebens- und Rückzugsräume zur Verfügung stehen, die den unterschiedlichen Ansprüchen verschiedener Arten gerecht werden. Verteilt über die Biodiversitätskulisse werden diverse Strukturen geschaffen:
  • Lesesteinhaufen (z.B. für Reptilien)
  • Sandhaufen (z.B. für Sandlaufkäfer, Wildbienen, Ameisenlöwen)
  • Totholzhaufen (z.B. für Wildbienen, Reptilien)
  • Feldgehölz (Vögel, Niederwild)
  • Benjeshecke (Totholzhecke, z.B. für Vögel, Reptilien und Amphibien)
  • Blühstreifen (z.B. für bestäubende Insekten)
  • Schmetterlingsflieder Buddleja davidii als Nahrungsbrennpunkt für Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen etc.
  • Brennnesselranken (für Raupen von Edelfaltern, Raubmilben, weitere Nützlinge)
  • Rohboden-/Brachflächen (z.B. für Bodenbrüter wie die Heidelerche)
  • Weinstöcke im Hopfengarten (für Raubmilben und weitere Nützlinge)
  • Wilder Wein am Rand/Ranken von Hopfengärten (für Raubmilben und weitere Nützlinge; auch Nahrungsquelle für Honigbienen, Hummeln und viele Vogelarten)
  • Nistkästen speziell für bestimmte Vogelarten: Feldspatz (kleine Fluglöcher)
  • Untersaaten in den Fahrgassen im Hopfen
Beispiele für Rohboden, Brache, Sandhaufen, Totholzhaufen
Brennnesselranken zwischen zwei Hopfengärten bzw. am Rand zwischen den Ankerseilen
Einige dieser Strukturen werden auch in freiwilligen Förderprogrammen (Agrarumweltmaßnahmen, Vertragsnaturschutz) berücksichtigt, andere werden darüberhinausgehend von den Landwirten der Interessengemeinschaft Niederlauterbach (IGN) und den Studierenden der Meisterklasse der Dr. Eisenmann-Landwirtschaftsschule angelegt.

Lehrpfad

TafelZoombild vorhanden

Entwurf einer Schautafel für den Lehrpfad

Im Gewanne bei Eichelberg wird ein Lehrpfad von etwa 2 km Länge mit Schautafeln erstellt. Der Lehrpfad soll Besuchern die Vielfalt der heimischen Natur in der durch Hopfenbau intensiv geprägten Landschaft nahe bringen. Auf den Schautafeln entlang des Wegs werden Spaziergängern die Bewohner der Biodiversitätskulisse vorgestellt und Maßnahmen werden erläutert. Diese anschauliche Information der Öffentlichkeit soll die Wahrnehmung der Umgebung bei den Besuchern schärfen und die Akzeptanz für die Maßnahmen erhöhen (Elemente wie Totholzhaufen und Brennnesselranken werden oft als „unordentlich“ eingestuft). Daneben sollen die Verbundenheit und der verantwortungsvolle Umgang der Landwirte mit der Natur verdeutlicht werden.
Bewusst werden einige Elemente abseits des Lehrpfads angelegt, um eine Störung empfindlicher Tiere zu verhindern

Ergebnisse

Da das Projekt erst beginnt und viele Maßnahmen erst im Sommer umgesetzt werden, sind erste Zwischenergebnisse im Projektverlauf voraussichtlich ab Herbst 2022 zu erwarten.

Hopfen Logos 3

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Florian Weihrauch, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Hopfenforschungszentrum, Arbeitsgruppe IPZ 5e
Projektbearbeitung: Dr. Florian Weihrauch, Maria Obermaier
Kooperation u. a. mit IGN, AELF PAF, LBV, TUM
Laufzeit: 03/2018 bis 12/2023
Projektförderung: Erzeugergemeinschaft Hopfen HVG e.G.