Aktuelles aus der Saatgutuntersuchung
Welche Rolle spielen die samen- und bodenbürtigen Krankheitserreger Fusarien, Steinbrand und Zwergsteinbrand für das Saatgut heute noch?

Die Prognosemodelle und Schadschwellen für einen optimalen Pflanzenschutzmitteleinsatz werden immer ausgereifter so dass angenommen werden kann, dass samen- und bodenbürtige Krankheiten zumindest im konventionellen Landbau keine Rolle mehr spielen. Doch dem ist nicht so wie die letzten Jahre gezeigt haben.

Fusarien im Feldbestand

In 2012 war das Frühjahr zunächst trocken bis Anfang Mai. Dann setzten Niederschläge ein, die bis zur Ernte anhielten. Der viele Regen bot den Fusarienpilzen optimale Entwicklungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass es für die Praxis, trotz aller Prognosemodelle schwierig ist den richtigen Zeitpunkt für die Behandlung zu bestimmen, insbesondere wenn mehrere Niederschlagsereignisse wie 2012 als Infektionszeitpunkt in Frage kommen. Darüber hinaus haben die Fungizide keine ausgeprägte kurative oder Dauerwirkung. Das heißt bei zu früher Spritzung reicht der Schutz nicht aus und bei zu später Behandlung ist die Infektion bereits gesetzt und kann nicht mehr ausreichend bekämpft werden.
Wie schwierig es ist den Infektionszeitpunkt zu bestimmen zeigen die Ergebnisse aus den Infektionsversuchen, wo der Infektionszeitpunkt bekannt ist und die Wirkung der Spritzung trotzdem nicht befriedigend ist. Wegen der oft unzureichenden Wirkung sowie der hohen Kosten für eine zusätzliche Behandlung gegen Fusarien ist eine Spritzung nur bei sehr hohem Risiko sinnvoll.

Fusarien in der Keimprüfung

Fusariumbefall breitet sich im Keimbett aus

Fusariumbefall breitet sich im Keimbett aus
Bei der Keimprüfung von Getreide werden 4 x 100 Körner in sterilem Quarzsand oder Filterpapier bei 20 °C zum Keimen gebracht. Bei der Ernte 2012 fiel auf, dass ein deutlich höherer Anteil anomaler Keimlinge bei Roggen, Triticale und Weizen auftrat. Ursache dafür war der Befall der Keimlinge mit Fusarien.

Sehr stark befallenes Korn

sehr stark befallenes Korn, sehr deutlich ist die Rotfärbung zu erkennen
Bei besonders starkem Befall keimen die Körner überhaupt nicht und bilden während der Keimphase ein rotes Pilzmyzel. Am häufigsten kommt vor, dass die Körner zum Keimen beginnen, aber gleichzeitig mit dem Keimling wachsen auch die am Korn befindlichen Fusarienpilze. Die Pilze wachsen schneller als die Keimlinge, dadurch werden die Keimlinge braun und sterben ab. Dies ist der Nachweis der wärmeliebenden Fusarien wie F. graminearum und F. culmorum, jene Arten die auch die DON-Gehalte verursachen.

Von Schneeschimmel befallene Getreidepflanze

von Schneeschimmel befallene Getreidepflanze
Schneeschimmel, der auch zu den Fusarien gehört, übt seine keimschädigende Wirkung nur bei Temperaturen unter 10 °C aus. Deshalb wird in einem weiteren Keimtest bei 10 °C der Befall mit Schneeschimmel ermittelt. Bei den konventionellen Vermehrungen kann der Befall mit Fusarien in der Keimprüfung wirkungsvoll mit einer Beizung bekämpft werden. Schwieriger ist die Situation für den Ökolandbau, hier stehen keine hochwirksamen Beizmittel zur Verfügung. Aufgrund der gesünderen Fruchtfolgen und deutlich weniger Maisanteil sowie wegen des geringeren Stickstoffangebotes ist der Krankheitsdruck etwas geringer, aber wie die Ernte 2012 zeigte nicht unproblematisch.

Brandkrankheiten

Steinbrand, Zwergsteinbrand und Flugbrand sind Krankheiten, die viele nur noch aus der Schul- oder Studienzeit in Erinnerung haben. Mittlerweile treten sie wieder häufiger auf. Der Hauptgrund dafür ist, dass Ökosaatgut nicht mit chemischen Beizmitteln behandelt werden darf. Zu Steinbrand und Zwergsteinbrand wurden im Rahmen von zwei Öko-Forschungsprojekten Labor- und Feldversuche durchgeführt um das Befallsgeschehen sowohl an der Pflanze als auch das Brandsporenpotenzial im Boden genau beobachten zu können. Dabei zeigte sich, dass bei Steinbrand das Erntegut aus der Frühsaat Anfang Oktober einen viermal so hohen Befall aufwies als die Ernteware der Spätsaat Ende Oktober.
sehr starker Steinbrandbefall bei Weizen

sehr starker Steinbrandbefall bei Weizen

kein Befall mit Steinbrand

kein Befall mit Steinbrand

Unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber Steinbrand und Zwergsteinbrand

Sortenanfälligkeitsversuch bei Zwergsteinbrand

Sortenanfälligkeitsversuch bei Zwergsteinbrand

Darüber hinaus konnte bei den Sorten eine unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber Steinbrand und Zwergsteinbrand festgestellt werden. Ein weiteres Ergebnis war der Nachweis, dass Steinbrandbefall auch vom Boden ausgehen kann. Bisher galt die Annahme, dass Steinbrand nur saatgutbürtig ist. Auf Flächen mit Befall genügt es also nicht beim nächsten Weizenanbau sauberes geprüftes Zertifiziertes Saatgut zu verwenden, sondern es ist darauf zu achten, dass eine wenig anfällige Sorte ausgewählt und eine 3 bis 4jährige Anbaupause eingehalten wird.

Details zur Sortenanfälligkeit von Winterweizen gegenüber Zwergsteinbrand

Beizmittel

Bei Zwergsteinbrandbefall sind die Pflanzen deutlich kürzer

Bei Zwergsteinbrandbefall sind die Pflanzen deutlich kürzer

Steinbrand bereitet den konventionellen Betrieben nur geringe Probleme, da alle Beizmittel eine Steinbrandwirkung haben. Probleme treten auf, wenn Beizmittelaufwandmengen reduziert werden oder die Beizmittelverteilung auf den Körnern sehr ungleichmäßig und ein Teil der Körner völlig ungebeizt ist.
Zwergsteinbrand gehört zu den bodenbürtigen Krankheitserregern und bleibt im Boden mehr als 10 Jahre infektionsfähig. Für eine hohe Infektion sind ein nicht gefrorener Boden und eine mehrwöchige Schneedecke erforderlich. Dies war 2010/11 der Fall, so dass trotz chemischer Beizung im konventionellen Landbau der Zwergsteinbrandbefall bei Weizen und Dinkel so hoch war wie nie zuvor.

Ursache dafür war, dass es derzeit nur ein wirksames Beizmittel gegen Zwergsteinbrand gibt. Vielen Landwirten und Saatguthändlern war dies nicht bewusst und waren daher über den Befall sehr überrascht. Flugbrandbefall kommt hauptsächlich bei Winter- und Sommergerste im ökologischen Landbau vor. Wichtig ist, dass nur untersuchtes Saatgut zur Aussaat gelangt. Nicht untersuchtes Nachbausaatgut ist die häufigste Schadursache bei Flugbrand. Bei der Untersuchung hat nur der volle Untersuchungsumfang von 2000 Embryonen einen Sinn, da bei reduzierter Untersuchung die Gefahr einer Fehlinterpretation und damit das Befallsrisiko sehr hoch sind.

Ergebnisse und Diskussion

Samenbürtige Krankheiten haben trotz ständig weiterentwickelter Fungizide, Prognosemodellen und Schadschwellen auch heute noch eine Bedeutung. Je nach Witterungsverlauf treten im konventionellen Landbau Fusarien immer wieder stärker auf und führen zu einem hohen Befall am Saatgut. Durch eine ordnungsgemäße Saatgutbeizung lässt sich der Befall in der Regel gut bekämpfen. Im ökologischen Landbau kommen Steinbrand und Zwergsteinbrand bei Weizen und Dinkel und Flugbrand bei Gerste häufiger vor als Fusarien. Um eine vermarkungsfähige Ernte zu bekommen, soll im Ökolandbau nur gesundes, d. h. untersuchtes Saatgut zur Aussaat verwendet werden. Bei der Sortenwahl ist ein verstärktes Augenmerk auf die Anfälligkeit gegenüber Brandkrankheiten zu richten.