Sortenanfälligkeit von Winter- und Spelzweizen gegenüber Steinbrand

zwei Schalen mit Weizenkörnern

links: stark von Steinbrand befallener Weizen ("schwarzer" Weizen), rechts: gesunder Weizen

Steinbrandbefall im Feldbestand riecht man eher, als das man ihn sieht. Im Vergleich zum Zwergsteinbrand sind beim Steinbrand die Halme nicht verkürzt und anstelle der Körner bilden sich Brandbutten in den befallenen Ähren. Beim Drusch werden die Brandbutten meist zerschlagen. Ein Teil der Brandsporen haftet sich an die Weizenkörner, da die Sporen klebrig sind. Bei sehr starkem Befall sind die Weizenkörner durch die Brandsporen dunkel gefärbt und riechen nach Heringslake (Wirkstoff: Trimethylamin). Der andere Teil der Brandsporen haftet sich an das Stroh bzw. gelangt mit der Spreu auf das Feld und bildet die Infektionsquelle für den nächsten Weizenanbau.
Steinbrand ist samen- und bodenbürtig, d.h. der Befall geht vom Saatgut und vom Boden aus. Es genügt also nicht nur gesundes, sporenfreies Saatgut auszusäen. Wichtig ist der Anbau einer Sorte die eine geringe Anfälligkeit gegenüber Steinbrand hat, um den Befall möglichst gering zu halten.

3-jähriger Anbauversuch

In einem dreijährigen Anbauversuch hat die Arbeitsgruppe Saatgutuntersuchung und Saatgutforschung der LfL die Anfälligkeit von Weizen und Spelzweizen gegenüber Steinbrand untersucht. Im Vergleich zu den meisten anderen Krankheiten wird der Befall mit Steinbrand bei der Sortenzulassung nicht geprüft. 27 Winterweizen- und sechs Spelzweizensorten wurden aus den Landessortenversuchen am Standort Manching in Oberbayern (lS, 650 mm Niederschlag) mit vier Wiederholungen in Reihen von 10 m Länge angebaut. Auf dem Standort trat vor Versuchsbeginn sehr hoher Befall mit Steinbrand auf d. h. das Brandsporenpotenzial im Boden mit Steinbrandsporen im Boden war mit zirka 1.500 Brandsporen in 10 g Boden entsprechend hoch.

Ergebnis

Die Reihen wurden von Hand geerntet und gedroschen Anschließend wurde die Anzahl Brandsporen pro Korn ermittelt. Die Darstellungen zeigen die unterschiedliche Anfälligkeit der einzelnen Sorten sehr deutlich.

Winterweizen

Zu den Sorten die sehr anfällig für Steinbrand sind gehören Bernstein, Julius, Rumor und Faustus. Der Befall lag bei über 20.000 Brandsporen pro Korn. Alle vier Sorten stammen aus konventioneller Züchtung. Die Anfälligkeit von Steinbrand hat im konventionellen Landbau keine Bedeutung, da das Saatgut chemisch gebeizt wird. Als anfällig zeigten sich die Sorten Akratos, Meister, Elixer, Tiger, Scaro und Bombus mit einem Befall zwischen 10.000 und 20.000 Sporen pro Korn. Die im Ökolandbau verbreiteten Sorten wie Capo, Wiwa und Achat hatten eine mittlere Anfälligkeit. Eine sehr geringe Anfälligkeit war bei den Sorten Butaro und Graziaro, die beide aus ökologischer Züchtung stammen, festzustellen. Auch die drei Sorten (Spontan, Genius und Florian) aus konventioneller Züchtung wiesen eine sehr geringe Anfälligkeit auf. Derzeit gibt es keine Sorte die völlig befallsfrei ist.
Vergleicht man die Ergebnisse der Anfälligkeit gegenüber Steinbrand mit den Ergebnissen der Anfälligkeit gegenüber Zwergsteinbrand so zeigt sich, dass die sehr anfälligen Sorten gegenüber Zwergsteinbrand eine mittlere Anfälligkeit gegenüber Steinbrand hatten. Sorten die gegenüber beiden Brandkrankheiten eine geringe Anfälligkeit zeigen sind sehr selten. Derzeit erfüllt dieses Kriterium nur die Sorte Florian, da die Anfälligkeit der neuen Sorte Graziaro gegenüber Zwergsteinbrand nicht bekannt ist.

Spelzweizen

Die Anfälligkeit der geprüften acht Spelzweizensorten gegenüber Steinbrand ist deutlich geringer, als die der Winterweizensorten. So liegt der Befall der anfälligsten Sorte Badenstern bei ca. 800 Sporen/Vese. Die meisten Sorten zeigten einen sehr geringen Befall von unter 50 Sporen/Vese.
Die Aussaat des Spelzweizens mit den Vesen ist technisch nicht ganz einfach. Oft kommt es bei der Ablage im Boden zur Häufchenbildung. Um das Problem zu lösen geht die Saatgutwirtschaft dazu über die Ware zu entspelzen. Technisch gelingt dies mittlerweile recht gut ohne die Keimfähigkeit zu schädigen. Fraglich ist allerdings, ob sich die geringe Anfälligkeit gegenüber Steinbrand verändert. Deshalb wurden im letzten Versuchsjahr von den weit verbreiteten Sorten Zollernspelz und Franckenkorn die bespelzte und unbespelzte Form ausgesät. Bei beiden Sorten lag bei der bespelzten Variante der Befall bei 20 Sporen/Vese. Bei den unbespelzten Varianten wurde ein deutlich höherer Befall mit 60 bzw. 80 Sporen/Vese festgestellt.

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