Tierphysiologische Anforderungen an die Silagequalität

Landwirtschaftliche Fahrzeuge beim Gras mähen
Die Anforderungen an den Futterwert und den Trockenmassegehalt der Silagen variieren je nach Nutztier und Leistungsrichtung. Für Milchkühe und die Rindermast sind hohe Verdaulichkeiten und Energiegehalte unverzichtbar. Die Silagequalität muss auf hohe Futteraufnahmen ausgerichtet sein. Zur Umsetzung der Ziele ist eine starke Abstimmung von Futterbau, Futterkonservierung und Fütterung nötig.

Einführung

Die Basis der Fütterung ist beim Wiederkäuer und das Pferd das Grobfutter. Hierbei sind die
Grasprodukte und der Silomais die wichtigsten Futtermittel. In der praktischen Rationsgestaltung wird das Grobfutter durch Saft- und Kraftfutter ergänzt, um die Ansprüche der Tiere entsprechend des aufgestellten Leistungsziels zu erreichen. Beim Gras wird sowohl Heu als auch Silage gewonnen. Die Anforderungen an Heu und Silage unterscheiden sich aus Sicht der Tierernährung, da der Einsatzzweck vielfach differiert und bei gleicher Energiedichte höhere Futteraufnahmen beim Heu resultieren. Neben den Grasprodukten kommt den Leguminosen und der Getreidepflanze eine gewisse Bedeutung zu. In den weiteren Ausführungen wird auf Grund der Bedeutung der Schwerpunkt auf Gras- und Maissilage gelegt.

Zielgrößen zur Silagequalität

Voraussetzung einer an den Nährstoffansprüchen der Nutztiere orientierten Fütterung sind beste Silagen. Entscheidend ist hierbei, dass die Qualität bis zur Futteraufnahme am Trog gewährleistet ist. Futterwert und Futteraufnahme sind maßgebend für die Leistungsfähigkeit der Ration. Neben dem Energiegehalt und dem Proteinwert sind Aspekte der Strukturwirkung, der Kohlenhydratversorgung, der Wirkstoffversorgung und nicht zuletzt der Gärqualität, der hygienischen Beschaffenheit und der Stabilität der Silage von Belang. Zur energetischen Futterbewertung wird beim Wiederkäuer das System der Umsetzbaren Energie (ME) bzw. beim Milchvieh das System der Netto-Energie-Laktation (NEL) angewendet. Beim Proteinwert sind für Wiederkäuer die Wirkungen im Vormagen über die Größen Ruminale Stickstoff-Bilanz (RNB) und nutzbares Rohprotein (nXP) zu berücksichtigen. Die physikalische und chemische Strukturwirkung des Futters beim Rind wird über den Strukturwert (SW) erfasst. Eine Abschätzung des Strukturwertes kann bei Gras-, Mais- und Getreideganzpflanzensilage auf Basis der Gehalte an Rohfaser oder NDF erfolgen. Bei Häcksellängen unter 20 mm ist auch diese bei der Abschätzung des Strukturwerts zu berücksichtigen. Ziel- bzw. Orientierungswerte für die analytisch fassbaren Größen des Futterwertes sind der Tabelle zu entnehmen. Die Werte beziehen sich auf die Fütterung von Milchkühen und Mastrindern.
Orientierungswerte für gute Gras- und Maissilagen in der Milcherzeugung und der Rindermast
Orientierungswerte
Parameter Einheit Grassilage Maissilage
Trockenmasse % 30 – 40 28 – 35 1)
Rohasche % i. d. TM < 10 < 4,5
Rohprotein % i. d. TM < 17 2) < 9
Rohfaser % i. d. TM 22 – 25 17 – 20
NDF % i. d. TM 40 – 48 35 – 40
SW /kg TM 2,6 – 2,9 1,5 – 1,7
Stärke % i. d. TM keine > 30
ME MJ/kg TM > 10,6 bzw. > 10,0 3) > 10,8
NEL MJ/kg TM > 6,4 bzw. > 6,0 3) > 6,5
nXP g/kg TM > 135 > 130
RNB g/kg TM < 6 - 7 bis – 9
1) in Abhängigkeit vom Kornanteil
2) 15% bei Ackergras
3) 1. Schnitt bzw. Folgeschnitte

Bestimmungsgründe

Liniendiagramm zu NEL-Gehalt und Grobfutterverzehr in Abhängigkeit vom LaktationsmonatZoombild vorhanden

NEL-Gehalt und Grobfutterverzehr in Abhängigkeit vom Laktationsmonat

Die in der Tabelle aufgeführten Anforderungen an die Silagequalität werden in erster Linie durch den starken Einfluss der Silagequalität auf den Verzehr an Futter bedingt. Für die Regulation der Futteraufnahme sind physikalische und chemische Faktoren maßgebend. Verdaulichkeit, Abbaugeschwindigkeit und Abflussrate bestimmen die Kapazität zur Futteraufnahme im Vormagen. Von besonderer Bedeutung ist eine hohe Verdaulichkeit des Grobfutters insbesondere zu Beginn der Laktation. Die Bedeutung des Energiegehalts im Grobfutter ist abhängig vom Laktationsmonat (siehe Grafik). Neben der physikalischen Steuerung ist die chemische Regulation der Futteraufnahme zu beachten. Von entscheidender Bedeutung sind die Gehalte an flüchtigen Fettsäuren. Zu beachten sind die Gehalte an Gärsäuren in der Silage und die Bildung der Säuren im Vormagen. Es ist nicht nachgewiesen, dass höhere Gehalte an Butter- und Essigsäure in der Silage zwingend die Futteraufnahme senken. Hier ist wie bereits angesprochen, die Gesamtheit der Säuren in der Silage und die Synthese im Vormagen zu beachten. Dennoch sind Silagen mit erhöhten Gehalten an Buttersäure und auch Essigsäure nicht wünschenswert, da durch die Energieverluste bei der Silierung geringere Energiegehalte in der Silage resultieren.

Strukturwirkung

Da die Grobfutter auch die Strukturwirkung der Ration bestimmen, sind die physikalischen Eigenschaften Teilchengröße, Starrheit und das spezifische Gewicht zu beachten. Aus Sicht der Silierbarkeit, Verdichtbarkeit und der Mischbarkeit empfehlen sich kurze Partikel. Hier ist ein Kompromiss aus Sicht der Tierernährung und der Technik erforderlich. Beim Silomais wäre aus Sicht der Tierernährung eine Häcksellänge von 15-20 mm zur Steigerung der Strukturwirkung sinnvoll. Vorraussetzung derartiger Techniken ist jedoch keine Einschränkung bei der Verdichtbarkeit, um das Problem der Nacherwärmung nicht zu
fördern.

Zur Silierung ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • TM-Gehalt: 28 bis 35 % bei Mais; 30 bis 40 % bei Gras
  • gleichmäßige Zerkleinerung; Häcksellänge: 4 bis 6 mm bei Mais; < 4 cm bei Gras
  • ausreichende Zerkleinerung der Körner
Fazit
Die Anforderungen an Silagen aus Sicht der Tierernährung sind weitgehend bekannt. Es ist die Aufgabe des Futterbaus und der Konservierung die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Anbau, Konservierung und Fütterung sind aufeinander abzustellen, um mit Erfolg Milch- und Fleischerzeugung zu betreiben. Die aufgestellten Ziele sollten über ein sachgerechte Futter- und Rationsplanung sowie ein darauf abgestelltes Controlling im Bereich der Konservierung und der Fütterung realisiert werden.