Forschungs- und Innovationsprojekt
Einflussfaktor Gülleapplikationstechnik auf die Futterhygiene ("Grashygiene")

Mikroskopaufnahme des Laktobazillus sakei

Hintergrund

Ab 2025 soll die Gülleapplikation auf Grünland und mehrschnittigem Feldfutterbau generell über bodennahe Ausbringungstechniken (z.B. Schleppschuh/Schleppschlauch) oder injizierende Verfahren erfolgen. Hintergrund ist die Vermeidung von Stickstoffverlusten, insbesondere Ammoniak, sowie die Reduktion von Geruchsemissionen im Vergleich zu der Ausbringung von Gülle über Breitverteilung. Durch die unterschiedlichen Gülleapplikationstechniken können anhaftende Güllereste am Grasbestand das Futter verschieden verunreinigen. Dies konnte besonders unter trockenen Bedingungen, in denen wenige Niederschläge zwischen Düngung und Erntetermin fielen, beobachtet werden. Grundsätzlich gelten bodennahe Ausbringungstechniken als förderlich zur Vermeidung von Futterverschmutzungen. Im Trockenjahr 2018 kamen aus der Praxis in Bayern allerdings verstärkt Hinweise zur Problematik von sichtbaren Gülleverunreinigungen bei bodennaher Ausbringtechnik. Effekte auf die Futterhygiene des konservierten Futters lassen sich jedoch schwer abschätzen, da bis jetzt nur wenige Untersuchungen zu der Thematik vorliegen und die Silagequalität zudem von vielen Parametern abhängig ist.

Zielsetzung

Ziel des Projekts ist es, die Futterhygiene bei Einsatz von verschiedenen Gülleapplikationstechniken auf trockenheitsgefährdetem Grünland unter standardisierten Bedingungen im Versuch zu vergleichen und zu bewerten. Die Ergebnisse sollen bei der Beantwortung der Frage helfen, ob eine emissionsarme Gülleausbringung möglicherweise zu einer erhöhten Futterverschmutzung und beeinträchtigten Hygiene des Futters führen kann. Aus den gewonnen Erkenntnissen werden Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.
Weiterhin sollen die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen mit Hilfe konventioneller und neuer Techniken einen wichtigen Beitrag zu deren Etablierung in der Routinediagnostik zu Fragen der Futterhygiene leisten.

Methoden

31648 Silierversuch Im GlasZoombild vorhanden

Silierversuch im Glas

Art des Probenmaterials
Im Rahmen des Projekts werden Versuche unter kontrollierten Bedingungen angelegt und ausgewertet. Dazu werden vorher definierte Grünlandparzellen auf dem Standort mit Hilfe eines speziellen Versuchsdüngefasses und verschiedenen Gülleapplikationstechniken gedüngt. Als Kontrolle dient die mit Mineraldünger behandelte Variante. Es werden mikrobiologische Trackinguntersuchungen von den Flächen vor der Gülledüngung durchgeführt sowie von der Gülle, dem Erntematerial und den hergestellten Laborsilagen.
Analytik
Dabei wird insbesondere auf verschiedene Leitbakterien wie beispielsweise Escherichia coli geachtet; dieses Bakterium gibt einen Hinweis auf fäkale Verunreinigung und dient somit als Hygieneindikator. Aber auch in der Gülle und im Boden vorkommende Clostridien können, da sie sich unter bestimmten Voraussetzungen unter den in der Silage vorherrschenden anaeroben Bedingungen vermehren, zu mangelhafter Futterqualität führen. Daneben finden weitere unerwünschte, aber auch nützliche Mikroorganismen Berücksichtigung, die mit Hilfe kultureller Methoden angezüchtet und im Anschluss unter Anwendung moderner molekularbiologischer Verfahren vergleichend analysiert werden. Die Ergebnisse spiegeln den Weg der Bakterien und Pilze von der Gülle über die Pflanze in die Silage wider. Durch diese Versuche wird überprüft, ob und wenn ja inwiefern ein Einfluss der Düngemethode auf die Silagequalität besteht und wie dieser zu bewerten ist. Um den Jahresverlauf abzubilden werden alle Schnitte eines Jahres einbezogen. Die Witterungsdaten werden ebenfalls erhoben und fließen in die Auswertung ein.

Ergebnisse

Ergebnisse werden zum Ende der Projektlaufzeit veröffentlicht.
Projektinformation
Projektleitung und -bearbeitung: Dr. Katrin Harms (LfL-Tierernährung, Grub), PD Dr. Karin Schwaiger (LMU, München), Jule Schättler (LfL-Tierernährung, Grub), Hanna Geissler (LMU, München), Dr. Michael Diepolder (LfL-Agrarökologie, Freising), Sven Raschbacher (LfL-Agrarökologie, Freising), Julian Goppelt (LfL-Agrarökologie, Schwarzenau)
Laufzeit: 01.02.2020-31.01.2022
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
Förderkennzeichen/Forschungsnummer: A/19/13

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