Effiziente Futterwirtschaft und Nährstoffflüsse in Futterbaubetrieben

Grünlandernte mit Häcksler

Grasernte mit Feldhäcksler am LVFZ Achselschwang

Mit steigenden Futterkosten und zunehmender Flächenknappheit gewinnt bei begrenzten Ressourcen die Effizienz der Futterwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Für einen Milchviehbetrieb ist es entscheidend, wie viel qualitativ hochwertiges Grobfutter „frei Trog“ zur Fütterung angeboten wird. Nach wie vor sind in der Praxis erhebliche Reserven in der Futterwirtschaft vorhanden.

Mit einer konsequenten Verfahrensplanung und einem systematischen Controlling können die Masse- und Nährstoffverluste vom „Feld bis zum Trog“ verringert werden. Ein wesentlicher Ansatz dazu liegt in einer konsequenten Ertrags- und Futtermengenerfassung.

Zielsetzung

Ziel des Forschungsvorhabens war es, anhand einer Gesamtanalyse der Futterwirtschaft die Nährstoffströme entlang der Futterproduktionskette auf einzelbetrieblichem Niveau zu erfassen und somit die Masse- und Nährstoffverluste zu quantifizieren. So können Schwachstellen identifiziert und Optimierungsstrategien für die bayerischen Futterbaubetriebe abgeleitet werden. Mit diesen Ansätzen wird es für möglich erachtet, eine Minderung an Verlusten um 10 %-Punkte in der Futterwirtschaft zu erreichen.
Die Bearbeitung erfolgte durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der LfL-Institute für Tierernährung und Futterwirtschaft, Landtechnik und Tierhaltung, Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz, der Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen sowie der Abteilung Versuchsbetriebe.

Methode

Bayernkarte mit den Standorten der LVFZ in BayernZoombild vorhanden

Standorte der LVFZ in Bayern

Das Kerngerüst bildete die vierjährige Ermittlung und Analyse der Stoffströme der Futterwirtschaft sowie deren Optimierung an den Lehr-, Versuchs- und Fachzentren (LVFZ) Achselschwang, Almesbach, Kringell und Spitalhof sowie dem Versuchsbetrieb in Grub.

Lehr-, Versuchs- und Fachzentren der LfL

Die Datenerhebungen umfassten:

  • Ertrags- und Futtermengen (über Wiegungen, Einsatz neuer Messtechniken, z.B. Ertrags- und Feuchteermittlung am Feldhäcksler),
  • Nährstoffentzüge
  • Futter- und Gäreigenschaften (Qualitätsparameter über Laboranalysen)
  • Dichten und Temperaturen am Silo (Verfahren aus dem Projekt „Controlling am Silo“)
  • Tierbestände, Leistungsumsätze (Milchleistung, Lebendmasse-Zunahmen)
  • Wirtschaftsdüngeranfall
Mit den unter Praxisbedingungen erhobenen Daten wurden anhand von Differenzberechnungen die Masse- und Nährstoffverluste vom 'Feld bis zum Trog' ermittelt.

Ergebnisse

Aus der Gesamtanalyse der Futterwirtschaft wurde vor allem die Grobfutterproduktion „vom Feld bis zum Trog“ in den Fokus genommen. Dazu werden die wichtigsten Ergebnisse aus Teilbereichen dargestellt und auf weitere Beiträge verwiesen.

Futtererträge

Abb 3: Mittlere Grünlanderträge (dt TM/ ha und Jahr) mit Standardabweichung (Spanne) zwischen den Schlägen je Standort in den Jahren 2009 – 2012 und im vierjährigen Mittel (Querbalken) je StandortZoombild vorhanden

Mittlere Grünlanderträge mit Standardabweichung zwischen den Schlägen je Standort

Bei dem Grünland handelt es sich überwiegend um intensiv genutztes Wirtschaftsgrünland mit betriebsspezifisch unterschiedlicher Düngungsintensität. Die N-Düngung reichte von 90 bis 290 kg Gesamt-N/ha und Jahr im Mittel des Untersuchungszeitraums. Im vierjährigen Mittel lagen die Grünlanderträge bei vier bis fünf Schnitten im Bereich von 60 - 98 dt TM/ha je nach Betriebsstandort und am Standort Almesbach mit drei bis vier Schnitten bei 81 dt TM/ha. Anhand der Ertragsermittlungen vom Grünland zeigten sich an den sechs Betriebsstandorten auf Betriebs- und Schlagebene hohe Ertragsunterschiede und Schwankungen zwischen den Standorten, Jahren und Schlägen. Auch bei den Silomaiserträgen waren Ertragsunterschiede zwischen den Standorten, Jahren und Schlägen festzustellen. Diese schlagbezogenen Ertragsdaten verdeutlichen, dass ohne eine konsequente Ertragsermittlung keine ausreichend genaue Ertragseinschätzung als Grundvoraussetzung für eine verbesserte Futterwirtschaft vorgenommen werden kann. Zur kontinuierlichen Ermittlung von Ertragsdaten - möglichst auf Schlagebene - sind automatisierte Messtechniken an Erntemaschinen zu nutzen.

Silomanagement

Messprinzip nach der „allin:allout“-Methode zur Erfassung von SiloverlustenZoombild vorhanden

Messprinzip nach der „allin:allout“-Methode

Mit dem Verfahren „Controlling am Silo“ mit Feststellung der Silagedichte, Temperatur und Gärqualität ist eine Kontrolle zur Sicherung hoher Grobfutterqualitäten bis zum Trog möglich. Die Auswertungen zu den Silagen zeigten einerseits keine Auffälligkeiten bei den Gärqualitäten, was auf die Einhaltung einer guten fachlichen Praxis beim Silieren zurückgeführt werden kann. Andererseits belegen die Ergebnisse der erzielten Silagedichten, dass die Maissilagen häufig unter den Orientierungswerten lagen (siehe LfL-Schriftenreihe "Hygiene bayerischer Silagen - Controlling am Silo"). In Bezug auf die Vermeidung von Siloverlusten ist verstärkt auf die Zusammenhänge von Verdichtung, Vorschub und Nacherwärmungsgeschehen zu achten. Die Auswertungen zu den Siloverlusten nach der „allin:allout“-Methode, zeigen bei Gras-, Mais- und Luzernesilagen im Mittel 10 % an TM-Verluste mit einer erheblichen Streuung zwischen den Silos. Ein Einfluss auf die TM-Verluste konnte bei Gras- und Maissilagen in Bezug auf den Vorschub und darüber hinaus bei den Maissilagen in Bezug auf nicht zufriedenstellende Verdichtung ermittelt werden. Diese Punkte sind bei der Planung der Erntekette und bei der Fütterung besonders zu beachten. Anhand der in Abbildung 4 dargestellten Methode der Futtermengenerfassung kann in der Praxis eine Kontrolle des Futtervorrates durchgeführt werden. Ziel im Silagemanagement sollte es sein, die TM-Verluste in jedem Silo auf maximal 8 % zu beschränken und dies sollte als Hilfsinstrument Eingang in die Beratung finden.

Futtereinsatz

Die Auswertungen zu den Futtermengen auf Betriebsebene - beispielhaft anhand zweier Betriebe - verdeutlichen, dass im Bereich der Grobfutterwirtschaft vielfach Reserven zur Verbesserung des Grobfuttereinsatzes vorhanden sind. Im Laufe des Projektzeitraumes konnten durch verbesserte Grobfutterqualitäten, verbessertes Silomanagement (Verminderung von Verlusten) und einen exakten Futtermitteleinsatz (genaue Zudosierung von Kraftfutter) Kraftfuttermengen sowie auch Zukäufe von Eiweißfuttermitteln eingespart werden. Die Grobfutterleistungen lagen bei Betrieb A im Bereich von 2.700 bis 3.000 kg ECM//Kuh und Jahr und bei Betrieb B im Bereich von 3.200 bis 4.000 kg ECM/Kuh und Jahr während des Untersuchungszeitraums. Die Effizienz des Grobfuttereinsatzes kann gesteigert werden, beginnend bei der nutzbaren Futtermenge, der Futterqualität über reduzierte Konservierungsverluste bis zum Trog, bis hin zur Vermeidung von Luxuskonsum via Rationskontrollen.

Zusammenfassung

Mit der Gesamtanalyse der Futterwirtschaft wurden unter Praxisbedingungen wichtige Ansätze zur Erzielung einer Effizienzsteigerung geprüft und weiter umgesetzt. Als Grundvoraussetzung für eine effiziente Futterwirtschaft wird die Etablierung eines praxisfähigen Ertrags- und Futtermengenerfassungssystems gesehen. Dies beinhaltet auch ein systematisch aufgebautes „Controlling“ auf Betriebsebene zur Erzielung hoher Grobfutterqualitäten und geringen Verlusten „vom Feld bis zum Trog“. Unter Anwendung der vorhandenen Messeinrichtung am Futtermischwagen wurde eine Methode zur Ermittlung von Siloverlusten entwickelt, die für den Einsatz in Beratung und Praxis dient. Mit der Erfassbarkeit der Mengenströme beim Grobfutter ist eine ständige Kontrolle im gesamten System der Futterwirtschaft und der Fütterung möglich. Die angestrebte Minderung der Verluste um 10 %-Punkte hat sich als realistisch erwiesen. Die weitere Umsetzung im Rahmen der Verbundberatung ist anzustreben. Unter anderem wurden die zukünftigen Handlungsoptionen für Beratung und Praxis in Form eines gemeinsam mit der Verbundberatung organisierten Beratertags am 30.10.2012 in Grub an die Multiplikatoren weitergegeben.

Empfehlungen für die Landwirte

Der Weg zu einer effizienten Futterwirtschaft kann nur über einen ganzheitlichen Ansatz „vom Feld bis zum Trog“ erfolgen. Aus den Ergebnissen des Effizienzprojektes an der LfL werden für die Praxis folgende Aussagen getroffen:

  • Ertragserfassung (TM/ha) schlagspezifisch nutzen.
    Erträge sind Basis für:
    • Düngung nach konkretem Entzug
    • Ertrags- und Produktionssteuerung
    • Anbauplanung
    • Futter- und Rationsplanung
    • Siliermitteleinsatz, Siloplanung etc.
    • Controlling der Futterwirtschaft
  • Waage am Futtermischwagen zum Controlling nutzen:
    • Futterverbrauch
    • Datum für die Betriebszweigauswertung (BZA)
    • Abschätzung von Verlusten
    • Kontrolle der Fütterung
    • Bilanzierung der Vorräte für Futter- und Finanzplanung

Fazit

Eine konkrete Futtermengenerfassung „vom Feld bis zum Stall“ eröffnet einzelbetriebliche Reserven und senkt bei konsequenter Umsetzung durch mehr Effizienz den Flächendruck. Futtermengenerfassung ist die Milchkontrolle des 21. Jahrhunderts.
Die ausführlichen Schlussfolgerungen sind in schriflicher Form nachzulesen unter:
Projektinformation
Projektleitung: Dr. H. Spiekers, S. Thurner, Dr. M. Diepolder, J. Mayr
Projektbearbeitung: B. Köhler, J. Gaigl, D. Schneider,
Laufzeit: 01.07.2008 - 31.12.2012
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Projektpartner: LVFZ Achselschwang, Almesbach, Kringell, Spitalhof, Versuchsbetrieb Grub, Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen

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