Harnstoff

Harnstoff
Harnstoff ist eine Nicht-Protein-Stickstoff-Verbindung mit einem Stickstoffgehalt von 46%. Er kann von Pansenbakterien bei Verfügbarkeit von Energie und Mineralstoffen u.a. zu Ammoniak abgebaut (N-Quelle) und zum Aufbau von Mikrobenprotein genutzt werden. Futterharnstoff wird i.d.R. in geprillter Form als Sackware ausgeliefert. Der Futterharnstoff ist fest, weiß und fast geruchlos (evtl. leichter Ammoniakgeruch).

1. Harnstoff als Futtermittel für Rinder

  • NPN-Verbindung (= Nicht-Protein-Stickstoff-Verbindung) mit einem Stickstoffgehalt von 46 %, RNB = +460 g N / kg Frischmasse.
  • Nur Futterharnstoff verwenden!
  • Ist Zusatzstoff, daher Eigenkontrolle mit Dokumentation erforderlich (siehe Protokollblatt).
  • Registrierung nach EG-Verordnung Nr. 183/2005 bei der Regierung von Oberbayern notwendig. Falls 2006 noch nicht erfolgt, Meldebogen unter:

2. Beachte

  • Futterharnstoff kann bei falscher Handhabung zu schweren gesundheitlichen Störungen bzw. Tod des Tieres führen (tödlich ab 50 g/100 kg Körpergewicht).
  • Futterharnstoff nur für Tiere mit entwickeltem Pansen füttern, nicht an Kälber!
  • Nach Futtermittelrecht dürfen maximal 30 % des Gesamtstickstoffs der Ration aus Harnstoff-Stickstoff stammen. Gleichzeitig dürfen max. 8,8 g Futterharnstoff je kg Alleinfutter (bezogen auf 88% TM) enthalten sein, d.h., pro kg TM dürfen max. 1 % oder 10 g Futterharnstoff enthalten sein. Es gilt der niedrigere Wert.
  • Nur bei negativer RNB und gleichzeitig hohen Anteilen an pansenverfügbaren Kohlenhydraten (über 20 %) einsetzen, z. B. Rationen mit Maissilageanteilen über 60 % in Verbindung mit Getreide und/oder Melasseschnitzel.
  • Kein Einsatz von Futterharnstoff bei Grünlandrationen, da positiver RNB und geringer Anteil an pansenstabilem Protein (erhöhte Ammoniakfreisetzung im Pansen - stärkere Leberbelastung).
  • Kein Einsatz von Futterharnstoff bei unerhitzten Sojaprodukten, da Urease zu erhöhter Ammoniakfreisetzung im Pansen führt (Leberbelastung).
  • Futterharnstoff in Silomais:
    • über Zudosierung am Häcksler ca. 3 – 6 kg Futterharnstoff / to Silomais
    • bei Fütterung in die Rationsberechnung miteinbeziehen – vorher Futteruntersuchung!

3. Handhabung

  • Futterharnstoff möglichst in die Grundration (TMR-Mischung) einmischen (kontinuierliche Verteilung über den ganzen Tag sicherstellen).
  • Grundsätzlich vorher Rationsberechnung durchführen.
  • Harnstoffkonzentration in 1 – 2 Wochen langsam auf Zielwert steigern.
  • Überprüfung der Dosiergenauigkeit mit Waage oder auslitern
  • Festlegen der Mischzeit
  • Überprüfung des Mischerfolgs z.B. durch visuelle Kontrolle auf gleichmäßige Verteilung oder Analyse (siehe Beispiel Protokollblatt)
  • Kontrolle des Verbrauchs
  • Lagerung:
    • Futterharnstoff ist wasserlöslich - trocken lagern
    • bei sachgerechter Lagerung mindestens 24 Monate lagerfähig

4. Einsatzempfehlungen

NutzungsrichtungEinsatzempfehlungGesetzlicher Höchstgehalt
Milchkuh und Aufzuchtrinder ab 6 MonatenBis zu 0,5 % der gesamten Futter-TM oder
15 g / 100 kg LG
10 g / kg TM und maximal 30 % des Gesamtstickstoffs der Ration aus Harnstoff
Mastrinder ab 200 kgBis zu 0,5 % der gesamten Futter-TM oder
15 g / 100 kg LG
10 g / kg TM und maximal 30 % des Gesamtstickstoffs der Ration aus Harnstoff

5. Weiterführende Literatur