Kann die Esparsette mehr als schön zu blühen?

Blühende Esparsettepflanze

Ein Blickfang allemal, doch verdient auch der Futterwert der Esparsette mehr Aufmerksamkeit?

Die Esparsette (Onobrychis viciifolia) ist seit je her eine bei Pferden und Wiederkäuern eingesetzte Futterpflanze. In den letzten Jahrzehnten verlor sie jedoch deutlich an Bedeutung, zugunsten der ertragsstärkeren Futterleguminosen Klee und Luzerne.

Die Besonderheit der Esparsette liegt in ihren vergleichsweise hohen Gehalten an kondensierten Tanninen. Diese sekundären Pflanzenstoffe zeigen anthelmintische (wurmabtötende) Wirkung. Mehrerer Versuche in jüngerer Vergangenheit befassten sich daher mit einem möglichen gezielten Einsatz der Esparsette bei Weidetieren. Darüber hinaus sind kondensierte Tannine in der Lage Futterprotein in einem Komplex vorübergehend zu binden und somit für mikrobielle Umsetzungsprozesse im Vormagen unangreifbar zu machen. Diese Eigenschaft könnte zu gesteigerten UDP-Gehalten in der Ration führen und sich möglicherweise günstig in der Fütterung auswirken.

Versuchsaufbau

Vor diesem Hintergrund wurde in an der Versuchsstation Grub ein Fütterungsversuch an 38 Fleckviehkühen, darunter 20 Jungkühe, über eine Versuchsdauer von 8 Wochen hinweg durchgeführt. Die Versuchsgruppen „Luzerne“ (Kontrollgruppe) und „Esparsette“ waren im Gruber Offenfrontstall mit Liegeboxen und automatischem Melksystem (AMS) untergebracht und wurden unter Berücksichtigung von Laktationsstand, Leistung und Milchinhaltsstoffen zusammengesetzt. Zu Versuchsbeginn befanden sich die Kühe durchschnittlich am 145 ± 85 Laktationstag der 2. Laktation. Ergänzend zur ad libitum angebotenen und auf 25 kg Milch/Tier und Tag ausgerichteten Teilmischration (PMR), erhielten die Kühe milchleistungsabhängig Leistungskraftfutter (LKF). Erstlingskühen wurde auf Grund der geringeren Futteraufnahmekapazität bereits ab einer Milchleistung von 23 kg/Tag LKF zugeteilt.

Zusammensetzung der Teilmischration

Die PMR in der Gruppe Luzerne basierte auf Maissilage, Grassilage, Maiskornsilage, Heu und Kraftfutter. Der Luzernesilageanteil (12,9 % der TM) wurde in der Gruppe „Esparsette“ vollständig durch Esparsettesilage ersetzt. Aufgrund der niedrigeren Energiegehalte der Luzernesilage gegenüber der Esparsettesilage (Tabelle 1) ergab sich ein um 0,2 MJ NEL/kg TM niedrigerer Energiegehalt in der „Luzerne-PMR“. Die Gehalte an Rohnährstoffen und nutzbarem Rohprotein (nXP) in den Teilmischrationen waren dagegen vergleichbar.
Während des Versuchs wurden laufend Proben von den Einzelkomponenten gezogen und diese auf die Rohnährstoffgehalte nach Weender untersucht sowie die Energiekonzentrationen mit dem Programm „Zifo“ berechnet. Außerdem war es möglich, die tägliche, einzeltierbezogene Energie- und Nährstoffaufnahme aus den erhobenen Daten zu berechnen. Kondensierte Tannine (Flavanole) können auf unterschiedliche Art nachgewiesen werden. Bei der Esparsettesilage geschah dies sowohl mittels HPLC-MS/MS als auch HCl-Butanol-Methode. Dabei wurden sehr unterschiedliche Gehalte von < 0,01% bzw. 1 % der TM ermittelt.
Tabelle 1: Rohnährstoff- und Energiegehalte der eingesetzten Silagen
FuttermittelTM
g/kg
XP
g/kg TM
XF
g/kg TM
nXP
g/kg TM
RNB
g/kg TM
NEL
MJ/kg TM
Esparsettesilage33520222614795,92
Luzernesilage36318222612394,61
Maissilage35968177132-106,81
Grassilage34916628812965,52
Maiskornsilage6878427160-128,69

Futteraufnahme und Milchleistung etwas niedriger

Die Futteraufnahme lag in der Gruppe Esparsette um 0,8 kg TM/Tag nominal niedriger als in der Gruppe Luzerne (Tabelle 2), wobei sich die Unterschiede auch durch einen unterschiedlichen Abruf bzw. Zuteilung an Leistungskraftfutter ergeben. Aber auch in der Luzernegruppe zeigten sich nicht die in früheren Fütterungsversuchen in Grub festgestellten und daher erwarteten hohen Futteraufnahmen. Einen Grund könnte die hohe Zahl an Erstlingskühen mit noch verminderter Futteraufnahmekapazität darstellen.
Tabelle 2: Futteraufnahme, Energie- und Nährstoffaufnahme
 LuzernegruppeEsparsettegruppe
TM-Aufnahme, kg/Tag20,5 ± 1,919,7 ± 1,8
NEL-Aufnahme, MJ/Tag138 ± 13136 ± 13
XP-Aufnahme, g/Tag3199 ± 3473079 ± 363
nXP-Aufnahme, g/Tag3164 ± 3133080 ± 320
Dass die Unterschiede in der Futteraufnahme relativ gering sind überrascht nicht, da auch in der Literatur keine oder gar negative Effekte, allerdings von Esparsetteheu, auf die Futteraufnahme von Milchkühen zu finden sind. Bei Lämmern zeigten sich hingegen positive Auswirkungen, welche möglicherweise mit der anthelmintischen Wirkung im Zusammenhang stehen. Da der verwendete Esparsetteaufwuchs recht stark mit Purpurroter Taubnessel durchsetzt war, ist ein störender Einfluss dieses Beikrauts auf die Futteraufnahme nicht auszuschließen.

Milchharnstoffgehalt unerklärbar niedrig

Auch die Milchleistung in der Gruppe „Esparsette“ war gegenüber der Luzernegruppe nominal um 1 kg/Tier und Tag reduziert, was sich mit der Futter- und Nährstoffaufnahme deckt. Der Milchfettgehalt lag in vorliegender Untersuchung insgesamt auf einem relativ niedrigen Niveau (Tabelle 3). Wie auch beim Milcheiweißgehalt ergaben sich jedoch keine Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen. Die Unterschiede im Milchharnstoffgehalt lassen sich nicht vollständig durch die kalkulierte ruminale Stickstoffbilanz (RNB) erklären. Da für die Esparsette nur wenige Daten zur Schätzung von nXP und RNB vorliegen, ist hier sicherlich eine gewisse Unsicherheit bei der Schätzung hinzunehmen. Dies könnte eine Erklärung darstellen. Dabei lassen sich die Unterschiede im Milchharnstoffgehalt jedoch im Sinne eines erhöhten UDP-Gehaltes bzw. einer erniedrigten RNB in der Esparsette deuten.
Tabelle 3: Milchleistung und Milchinhaltsstoffe
LuzernegruppeEsparsettegruppe
Milchleistung, kg/Tag29,4 ± 7,228,3 ± 6,9
Milchfettgehalt, %3,75 ± 0,433,75 ± 0,33
Milcheiweißgehalt, %3,52 ± 0,283,46 ± 0,28
ECM, kg/Tag28,6 ± 6,227,5 ± 5,7
Milchharnstoffgehalt, mg/l204 ± 35a178 ± 28b
a,b) Angaben mit Hochbuchstaben unterscheiden sich bei P<0,05 signifikant

Fazit

Mit Esparsettesilage lassen sich somit vergleichbar hohe Leistungen erzielen wie beim Einsatz von Luzernesilage. Ein besonders positiver Einfluss konnte ihr in diesem Versuch jedoch nicht attestiert werden. Ob sich diese erste Einschätzung dauerhaft bestätigen lässt, soll in folgenden Untersuchungen geklärt werden.

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