Rapsextraktionsschrot – eine Alternative für die Milchviehfütterung

Rapsschrot

Proteinfuttermittel machen einen hohen Anteil der Kosten in der Milchviehfütterung aus. Ob Rapsextraktionsschrot im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot eine erfolgsversprechende Alternative für hochleistende Milchkühe darstellt, wurde in einem Fütterungsversuch an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) untersucht.

In Bayern wird die Proteinergänzung in Milchviehrationen häufig über Sojaextraktionsschrot vorgenommen. Rapsextraktionsschrot steht unter den verwendeten Proteinkonzentraten oft an zweiter Stelle.
In der Praxis wird teils befürchtet, dass insbesondere bei sehr hohen Milchleistungen ein vollständiger Ersatz von Soja- durch Rapsextraktionsschrot nicht erfolgsversprechend ist. Dabei zeigen neuere Erkenntnisse, dass der Proteinwert von Rapsextraktionsschrot höher liegt als bisher angenommen. Dementsprechend wird für Rapsextraktionsschrot nun ein UDP-Gehalt von 35 % angenommen, für Sojaextraktionsschrot bleibt der UDP-Gehalt wie früher bei 30 %. Für den Rapsextraktionsschrot ergeben sich daher bei gleichbleibenden Energiegehalten höhere nXP-Gehalte als bisher. Welche Auswirkungen der Ersatz von Soja- durch Rapsextraktionsschrot bei energie- und nährstoffgleichen Rationen unter Annahme der neuen Proteinwerte für Rapsextraktionsschrot hat, wurde allerdings bisher kaum untersucht. Diese Frage sollte deshalb an der LfL Bayern am Standort Achselschwang mit einem Milchviehfütterungsversuch, der im Rahmen des bayerischen Aktionsprogrammes „Heimische Eiweißfuttermittel“ durchgeführt wurde, überprüft werden. Der Milchviehstall in Achselschwang wurde 2011 mit 24 Futterwiegetrögen ausgestattet, wodurch die Möglichkeiten zur Durchführung von Milchviehfütterungsversuchen an der LfL Bayern deutlich verbessert wurden. Im Folgenden wird der erste in der neuen Anlage erfolgreich durchgeführte Versuch dargestellt.

Tiermaterial

Für die Untersuchung wurden insgesamt 48 Milchkühe unter Berücksichtigung von Rasse (jeweils 18 Fleckvieh- und 6 Brown Swiss-Kühe), Laktationsstand, Zahl der Laktationen, Milchleistungskriterien und Futteraufnahme auf die Fütterungsgruppen „Soja“ und „Raps“ aufgeteilt. Zu Versuchsbeginn befanden sich die Tiere im Mittel am 117. Laktationstag der 3. Laktation. In jeder Gruppe befanden sich 5 Erstlingskühe. Die Kühe wurden in einem Offenfrontstall mit Liegeboxen gehalten, der mit automatischen Wiegetrögen ausgestattet ist. Der Versuch wurde über eine Zeitdauer von 12 Wochen durchgeführt. Die Futteraufnahme wurde tierindividuell über die Wiegetröge erfasst. Die Milchleistung wurde täglich erfasst, Milchproben wurden einmal je Woche vom Morgen- und Abendgemelk eines Tages gezogen.

Rationszusammensetzung

Es wurde eine Totale Mischration (TMR) ad libitum angeboten, die in beiden Gruppen auf gleichen Anteilen Gras- und Maissilage, Heu/Stroh und Kraftfutter basierte. Im Kraftfutter der Sojagruppe waren 29 % der TM Sojaextraktionsschrot enthalten, im Kraftfutter der Rapsgruppe dagegen 40 % der TM Rapsextraktionsschrot. Für die Rationsplanung wurde entsprechend den aktuellen Vorgaben für Sojaextraktionsschrot ein UDP-Gehalt von 30 % angenommen, für Rapsextraktionsschrot von 35 %. Um bezüglich Energie- und Rohnährstoffgehalten vergleichbare Rationen zu erhalten, wurden die Anteile der anderen Kraftfutterkomponenten entsprechend variiert.

Ergebnisse

Der Milchviehfütterungsversuch verlief ohne Zwischenfälle. Zwischen den Versuchsgruppen ergaben sich keine Unterschiede in der täglichen Futteraufnahme (siehe Tabelle 1). Verschiedentlich wurden die im Raps enthaltenen Glucosinolate bzw. deren Abbauprodukte auch beim Wiederkäuer mit einer verringerten Schmackhaftigkeit des Futters und einer verringerten Futteraufnahme in Verbindung gebracht. Bei den heute zur Verfügung stehenden „00-Sorten“ (Erucasäurefrei und Glucosinolatarm) ist diese Befürchtung jedoch unbegründet. Der Glucosinolatgehalt lag auch bei vorliegend eingesetztem Rapsextraktionsschrot mit 10 µmol/g in einem für den Wiederkäuer unkritischen Bereich. Rapsextraktionsschrot verfügt zudem im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot über höhere Anteile an Methionin im Futtereiweiß und über höhere Gehalte an Zucker.

Futter-, Energie- und Nährstoffaufnahme

Da die Futteraufnahme aber auch die Energie- und Nährstoffgehalte der Rationen zwischen den Gruppen vergleichbar waren, zeigten sich auch bei der täglichen Energie- und nXP-Aufnahme keine Gruppenunterschiede. Der XP-Gehalt der Ration mit Sojaextraktionsschrot lag laut Analytik etwas niedriger als geplant und unterschied sich damit im Mittel der gezogenen Proben kaum von der Ration Rapsextraktionsschrot. Als Folge ergeben sich zwischen den Gruppen nur geringe Unterschiede in der XP-Aufnahme und der täglichen RNB.
Tabelle 1: Futter-, Energie- und Nährstoffaufnahme im Versuch
 Versuchsgruppe
Sojaextraktionsschrot
Versuchsgruppe Rapsextraktionsschrot
Futteraufnahme, kg TM/Tag22,2 ± 2,122,1 ± 2,5
XP-Aufnahme, g/Tag3453 ± 3203405 ± 380
nXP-Aufnahme, g/Tag3446 ± 3203453 ± 385
NEL-Aufnahme, MJ/Tag154 ± 14152 ± 17

Milchleistung und -inhaltsstoffe

Die Milchleistung lag im Durchschnitt aller Tiere und Versuchstage bei etwa 32 kg. Zwischen den Versuchsgruppen zeigten sich kaum Unterschiede, ebensowenig beim Milchfett- und Milcheiweißgehalt. Auch bei getrennter Betrachtung der jeweils 12 besten Kühe in den beiden Versuchsgruppen ergibt sich ein ähnliches Bild: bei diesen Kühen ergaben sich mittlere Milchleistungen von 35,4 und 36,4 kg/Tag in den Gruppen Soja- und Rapsextraktionsschrot. Damit bestätigt vorliegender Versuch neuere Ergebnisse aus anderen deutschen Landeseinrichtungen, die ebenfalls zeigen, dass Sojaextraktionsschrot bei der hochleistenden Milchkuh bei energiegleicher Rationsgestaltung ohne Leistungseinbußen durch Rapsextraktionsschrot ersetzt werden kann. Es ist lediglich zu beachten, dass auf Grund des geringeren nXP-Gehaltes des Rapsextraktionsschrotes im Vergleich zum Sojaextraktionsschrot etwas höhere Mengen an Rapsextraktionsschrot einzusetzen sind. Auch der Energiegehalt muss beachtet und an den Bedarf der Kühe angepasst werden.
Tabelle 2: Milchleistung und -inhaltsstoffe im Versuch
 Versuchsgruppe
Sojaextraktionsschrot
Versuchsgruppe Rapsextraktionsschrot
Milchmenge, kg/Tag31,7 ± 4,732,0 ± 5,2
Milchfett, %3,90 ± 0,203,78 ± 0,26
Milcheiweiß, %3,44 ± 0,253,49 ± 0,21
ECM, kg/Tag31,4 ± 4,531,3 ± 4,5
Harnstoff, mg/100 ml236 ± 38a160 ± 26b
a, b) Angaben mit Hochbuchstaben unterscheiden sich bei P<0,05 signifikant (Irrtumswahrscheinlichkeit, 5 %)
Größere Unterschiede ergaben sich in vorliegendem Versuch beim Milchharnstoffgehalt, er lag in der Rapsgruppe deutlich niedriger als in der Sojagruppe. Der Milchharnstoffgehalt weist grundsätzlich eine recht enge Beziehung zur RNB der Ration auf. In der Sojagruppe war die RNB leicht positiv, in der Rapsgruppe leicht negativ. Allerdings sind die Unterschiede in der RNB zwischen den Gruppen bei Verwendung der Standardwerte für den UDP-Gehalt relativ gering und können die große Differenz im Harnstoffgehalt nicht erklären. Da die im Verdauungsversuch ermittelten Energiegehalte der Rationen vergleichbar waren und andererseits die XP-Gehalte auf gleichem Niveau lagen, kommen für Unterschiede in den Milchharnstoffgehalten lediglich unerwartet hohe Unterschiede im UDP-Gehalt des Raps- und des Sojaextraktionsschrotes in Betracht. Dieser Frage soll in weiteren Untersuchungen an den verwendeten Extraktionsschroten noch nachgegangen werden.

Ökonomik

Die im Versuch eingesetzten Rationen wurden auch einer ökonomischen Betrachtung unterzogen. Bei beiden Rationen werden die Kosten wesentlich durch den Preis von Soja- bzw. Rapsextraktionsschrot bestimmt. Bei der derzeitig anzunehmenden Kostensituation (Sojaextraktionsschrot: 51 €/dt TM, Rapsextraktionsschrot: 34 €/dt TM) wurden für die Sojaration 22,2 €/dt TM errechnet, für die Raps-Ration 21,0 €/dt TM. Lässt man den Preis für Rapsextraktionsschrot konstant bei 34 €/dt TM, dürfte der Sojaextraktionsschrot in vorliegendem Beispiel für Preisgleichheit zwischen den Rationen nur 41 €/dt TM betragen. Es ist zu beachten, dass die Rationen für vorliegenden Versuch nicht auf Kostenoptimierung ausgelegt wurden, sondern auf eine möglichst hohe Vergleichbarkeit der Inhaltsstoffe und Energiegehalte. Trotzdem zeigt sich, dass der Einsatz von RES auch ökonomisch sinnvoll ist.

Fazit

Die Ergebnisse des Versuchs zeigen deutlich, dass der Ersatz von Soja- durch Rapsextraktionsschrot in Rationen für Hochleistungskühe ohne Auswirkungen auf Futteraufnahme und Milchleistung möglich ist. Bei der Rationsgestaltung ist zu beachten, dass Rapsextraktionsschrot geringere Energie- und nXP-Gehalte aufweist, als Sojaextraktionsschrot. Dementsprechend müssen die Anteile an Rapsextraktionsschrot in der Ration etwas höher liegen als die Anteile an Sojaextraktionsschrot, wenn energie- und nährstoffäquivalente Rationen erstellt werden sollen. Bei den aktuell hohen Sojapreisen können die Rationskosten bei Verwendung von Rapsextraktionsschrot dennoch gesenkt werden.

Mehr zum Thema

Eiweißstrategie

Futtermittelimporte aus Übersee spielen derzeit für die Versorgung landwirtschaftlicher Nutztiere mit Eiweißträgern eine große Rolle. Insbesondere der Import von Sojabohnen und Sojaschrot gleicht die Unterversorgung Europas an Eiweißfutter aus. Der Einfuhrbedarf an Futtereiweiß lässt sich vermindern. Anstrengungen in unterschiedlichen Bereichen der Tierernährung und des Pflanzenbaus sind gefragt. Mehr