Forschungs- und Innovationsprojekt
Einfluss der Fütterung einer "Kompakt-Mischration" auf Futteraufnahme und Leistung bei Milchkühen

Kühe mit Kompakt-TMR

In Dänemark wird in den letzten Jahren von Teilen der Beratung das System der "Kompakt-TMR" stark diskutiert.

Vordergründig handelt es sich bei der Kompakt-TMR um eine Totale Mischration (oder auch Teilmischration, PMR), die unter Zulage von Wasser erstellt wird. Darüber hinaus zeichnet sich das System jedoch auch durch eine exakt definierte Reihenfolge bei der Befüllung des Mischwagens, durch Einweichen des Kraftfutters in Wasser und durch Vorgaben bezüglich Mischdauer und Drehzahlen bei der Mischereinstellung aus.

Zielsetzung

Die Thematik der Kompakt-TMR wurde auch stark in die bayerische Fütterungspraxis und -beratung eingetragen.
Insgesamt soll das System zu verringerter Futterselektion führen, aber auch zu höherer Futteraufnahme, was in Konsequenz die Leistung verbessern könnte. Aber können diese Effekte auch im Versuch nachgewiesen werden? Die Hypothesen sollen daher in entsprechenden Milchviehfütterungsversuchen am LVFZ Achselschwang überprüft werden.

Methode

Tastversuch

Zur Überprüfung der technischen Umsetzbarkeit wurde Anfang 2016 ein "Tastversuch" mit 48 Milchkühen der Rassen Fleckvieh und Braunvieh über 7 Wochen hinweg durchgeführt. Die Teilmischration für die 24 Kühe der ersten Fütterungsgruppe auf Basis Gras- und Maissilage, Heu/Stroh und Kraftfutter wurde nach betriebsüblichem Vorgehen erstellt. Für die Erstellung der "Kompakt-PMR", die an die zweite Fütterungsgruppe verabreicht wurde, wurde der Kraftfutteranteil der Ration 1:1 mit Wasser gemischt und eingeweicht. Darüber hinaus wurde beim Erstellen der Mischration im Futtermischwagen nach den Angaben von Kristensen (2015) vorgegangen und dementsprechend insbesondere die Mischdauer und Mischintensität erhöht. Diese unterschiedliche Vorgehensweise wurde über 5 Wochen hinweg durchgeführt, anschließend wurde der Versuch bei für beide Versuchsgruppen einheitlichen Bedingungen über weitere zwei Wochen hinweg fortgeführt. Erfasst wurden die tierindividuelle Futteraufnahme und Milchleistungskriterien

Hauptversuch

Aus dem Tastversuch ergab sich, dass die Erstellung der Kompaktmischration am Versuchsbetrieb ohne Umrüstung des Futtermischwagens möglich ist. Es ergab sich kein Wasseraustritt aus dem Futtermischwagen und der Mischwagen zeigte die erforderliche Mischkraft zur Erstellung der Kompaktmischration.
Im Hauptversuch über 12 Wochen wurden zusätzlich Grascobs (3,5 kg TM/Tag) in die Ration genommen, um mögliche positive Effekte der Kompaktmischration herausarbeiten zu können. Bezüglich der Zusammensetzung unterschieden sich die Mischrationen lediglich durch die Wasserzugabe in Höhe des Kraftfutteranteils bei der Kompaktmischration. Die Vorgaben zur Erstellung der Kompaktmischration wurden eingehalten, lediglich die Einweichzeit des Kraftfutters inclusive Grascobs wurde auf ca. 18 Stunden erhöht. Die Kontrollmischration wurde nach betriebsüblichem Vorgehen erstellt.
Die Kühe wurden in einem Offenfrontstall mit Liegeboxen gehalten. Die Futteraufnahme wurde tierindividuell über Wiegetröge gemessen. Die Milchleistung wurde täglich erfasst, Milchproben wurden einmal je Woche vom Morgen- und Abendgemelk eines Tages gezogen. Die Körperkondition wurde zu Versuchsbeginn, zur Versuchsmitte und zu Versuchsende erfasst. Dabei wurde der Body Condition Score (BCS) auf einer 5-stufigen Skala beurteilt. Die Rückenfettdicke (RFD) wurde mit einem Ultraschallgerät gemessen. Zusätzlich wurden die Kühe zu Versuchsbeginn, zur Versuchsmitte und zum Versuchsende gewogen. Von den Kraft- und Grobfuttermitteln wurden monatliche Mischproben erstellt, an denen die Rohnährstoffgehalte nach Standardmethoden bestimmt wurden. Die Energiegehalte der Futtermittel wurden nach derzeit gültigen Vorgaben berechnet. Die Rohnährstoff- und Energiegehalte der PMR wurden aus den Analysenwerten der Einzelkomponenten und den über den Mischwagen erfassten tatsächlich täglich eingewogenen Mengen errechnet.

Phase 1 – Einweichen
Alle Kraftfutterbestandteile (Pellets, trockene Futtermittel) werden in Mischwagen einwiegen und anschließend mit mindestens der gleichen Menge an Wasser einweichen. Zielgröße für den TM-Gehalt der TMR sind 36–38 % bei Verwendung eines Vertikalmischers und 38–40 % TM bei Horizontalmischern. Die Dauer dieser Einweichphase variiert je nach Futtermittel von mindestens 1 Stunde bis 8–12 Stunden (z. B. länger bei hohen Anteilen Zuckerrübenschnitzel)

Phase 2 – Strukturierung
Grassilage, weitere Strukturfuttermittel und das Mineralfutter, in den Futtermischwagen zum eingeweichten Kraftfutter geben. Anschließende Mischdauer: 15 bis 20 Minuten. Für Vertikalmischer wird eine typische Umdrehungszahl von 26 bis 32 je Minute angegeben.

Phase 3 –Endphase
Zugabe der Maissilage. Anschließende Mischdauer: 15 bis 20 Minuten. Für Vertikalmischer wird eine typische Umdrehungszahl von 26 bis 32 je Minute angegeben.

Ergebnisse

Tastversuch

Obwohl im Versuch eine Grassilage mit einem sehr geringen TM-Gehalt von etwa 18 % eingesetzt wurde, konnte die Kompakt-PMR aus technischer Sicht (Dichtheit des Futtermischwagens, Einweichen relativ geringer Kraftfuttermengen bei Horizontalmischer, Homogenität der Mischung etc.) problemlos erstellt werden. Die Futteraufnahme stieg mit Versuchsbeginn in der Kontrollgruppe deutlich an, in der Gruppe Kompakt-PMR war eine Abnahme der Futteraufnahme zu verzeichnen. Nach der Umstellung auf eine einheitliche Vorgehensweise bei der Erstellung der Ration glich sich die Futteraufnahme der beiden Gruppen wieder an. Die natürliche Milchleistung unterschied sich zwischen den Versuchsgruppen nicht. Aufgrund von tendenziell höheren Milchfett- und Milcheiweißgehalten in der Kontrollgruppe ergab sich eine nominal höhere ECM als in der Gruppe Kompakt-PMR.

Hauptversuch

Im Hauptversuch wurden an wöchentlich gezogenen Proben der Kompaktmischration und der Kontrollration TM-Gehalte von durchschnittlich 39,8 und 46,8 % TM ermittelt. Die Futteraufnahme lag in der Kontrollgruppe mit 24,9 kg TM/Tag numerisch höher als in der Vergleichsgruppe mit 23,7 kg TM/Tag (Tabelle 1), was eine entsprechend höhere Energie- und Nährstoffversorgung nach sich zieht. Auch in der Milchleistung waren die Kühe der Kontrollgruppe den Kühen der Gruppe Kompaktmischration um etwa 1 kg überlegen, wobei die Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch nicht abzusichern sind (Tabelle 2). Bei den Milchinhaltsstoffen ergaben sich keine Gruppenunterschiede, ebensowenig bei der Körperkondition. Ergänzend wurden den postulierten Vorzügen der Kompaktmischration entsprechend die Fresszeiten an den Wiegetrögen errechnet (Abbildung 1). Es ergaben sich nur minimale Unterschiede zwischen den Gruppen. Das gleiche gilt auch für die Häufigkeit der Fressakte an den Wiegetrögen.

Tabelle 1: Einfluss der Vorlage der Ration als Kompaktmischration auf Futteraufnahme und Nährstoffversorgung
 KompaktmischrationKontrolles.e.p
TM-Aufnahme, kg/Tag23,724,90,70,237
Grobfutteraufnahme (Inkl. Cobs), kg TM/Tag15,716,70,50,166
Kraftfutteraufnahme, kg TM/Tag7,958,150,320,661
Wasseraufnahme, kg/Tag9,300,2<0,001
NEL-Aufnahme, MJ/Tag1641724,950,251
nXP-Aufnahme, g/Tag369838741120,263
aNDFom-Aufnahme, g/Tag 832987682500,215
Stärke + Zucker-Aufnahme, g/Tag 649167922000,283
s.e.= Standardfehler; p= signifikante Gruppenunterschiede wenn p < 0,05
Tabelle 2: Einfluss der Vorlage der Ration als Kompaktmischration auf Milchleistungskriterien
 KompaktmischrationKontrolles.e.p
Milch, kg/Tag34,035,30,90,322
Fett, %3,883,870,090,968
Eiweiß, %3,683,660,050,794
Harnstoff, mg/l1381456,10,424
ECM, kg/Tag33,935,30,850,259
Fett, kg/Tag1,301,360,040,307
Eiweiß, kg/Tag1,241,290,030,299
s.e.= Standardfehler; p= signifikante Gruppenunterschiede wenn p < 0,05

Fazit

Zusammenfassend ergibt sich, dass im Versuch keine positiven Auswirkungen der Verfütterung einer Kompaktmischration gezeigt werden konnten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass am Versuchsbetrieb nach Erwerb eines neuen Futtermischwagens mit Horizontalschnecken auch die betriebsübliche Mischration eine sehr hohe Homogenität aufweist. Soll die Kompaktmischration am Betrieb umgesetzt werden, ist zu bedenken, dass der Futtermischwagen vor allem bei langen Einweichzeiten für die Erstellung weiterer Mischungen für andere Tierkategorien blockiert ist. Weiterhin lässt sich ein erhöhter Treibstoffaufwand und Maschinenverschleiß ableiten. Die Empfehlung dass die Kühe nicht vor dem leeren Futtertrog stehen sollen, ist in der deutschen Fütterungsberatung seit langem Standard. Der Gedanke, durch starkes Mischen und den Verzicht auf Stroh die Strukturwirksamkeit der Ration zu verringern widerspricht dagegen den hiesigen Beratungsaussagen. Zu beachten ist auch, dass bei Wasserzugabe und längeren Einweichzeiten die Gefahr des mikrobiellen Verderbs wächst. Dies gilt insbesondere bei hohen Außentemperaturen. Trotz aller Kritikpunkte sollte der Landwirt in der Praxis sicherstellen, dass seine Futtermischung tatsächlich eine „vermischte Mischung“ ist. Ein konsequentes, täglich gleiches Vorgehen nach durchdachten Vorgaben verbessert dabei zweifellos den Erfolg in der Milchviehfütterung. In dieser Hinsicht ist das System der Kompaktmischung sicher als positiv zu bewerten.

Projektinformation
Projektleitung: Dr. T. Ettle
Projektbearbeitung: A. Obermaier, P. Edelmann
Laufzeit: Juni 2016 bis Dezember 2017