Forschungs- und Innovationsprojekt
Abbau von Proteinüberhängen in der Rinderfütterung durch optimierte Rationsgestaltung mit Einsatz pansengeschützter Aminosäuren

Stall mit Kühen

Milchviehstall in Achselschwang

In der bayerischen Rinderfütterung (wachsende Rinder, Mutterkühe) wird zum Teil noch mit starken Rohprotein-(XP)-überhängen bzw. mit einer stark positiven ruminalen N-Bilanz (Milchkühe) der Rationen gearbeitet. Dies bedingt zunächst einen hohen Einsatz von Pro-teinkonzentraten, häufig in Form von importiertem Sojaextraktionsschrot. In Abhängigkeit der jeweiligen Kostenlage für Proteinträger folgen daraus Mehrkosten für den Landwirt. Andererseits ist davon auszugehen, dass das gefütterte Rohprotein nur unzureichend für die Milchbildung genutzt wird und die N-Ausscheidungen ansteigen. Vor dem Hintergrund der Novellierung der Düngeverordnung und den Vorgaben zur Minderung der NH3-Ausgasung steht die Landwirtschaft hier unter starkem Zugzwang, damit im Extremfall nicht über eine Reduzierung der Tierzahlen reagiert werden muss. Andererseits haben Eiweißträger wie z.B. Rapsextraktionsschrot hohe Gehalte an P, so dass über einen verminderten Einsatz auch die P-Überschüsse reduziert werden könnten.

Zielsetzung

Die Rationsgestaltung im Bereich der Rinderfütterung ist zum Teil von Rohprotein (XP) – Überhängen sowie stark positiven ruminalen Stickstoffbilanzen (RNB) geprägt. Diese Überversorgung der Tiere mit Eiweißträgern geht häufig einher mit der Verwendung von importierten Proteinkonzentraten (z. B. Sojaextraktionsschrot). Die Verwendung solcher Futtermittel kann unter Umständen finanzielle Nachteile für den Landwirt mit sich bringen. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass das verfütterte XP nicht in gewünschtem Maße zur Milchbildung genutzt wird und folglich die Stickstoff - Ausscheidungen ansteigen. Gerade in Zeiten der Novellierung der Düngeverordnung und den restriktiven Vorgaben zur Ammoniak-Ausgasung steht die Landwirtschaft unter Zugzwang. Mit einer alleinigen Reduzierung der XP-Überhänge kann jedoch nicht Abhilfe geschaffen werden, da dieser bei unzureichenden Gehalten an nutzbarem Rohprotein (nXP) im Futtermittel und stark negativer RNB mögliche Leistungsminderungen entgegenstehen. Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen eines vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geförderten Projektes Untersuchungen zu den Auswirkungen proteinreduzierter Fütterung bei gleichzeitiger Zulage von pansengeschützten Aminosäuren bei wachsenden Rindern und Milchkühen durchgeführt werden. Im Jahr 2017 wurde ein erster entsprechender Milchviehfütterungsversuch zur Frage des Aminosäureinsatzes bei abgesenkten XP-Gehalten der Ration angelegt.

Methode

In diesem Versuch wurden 48 Tiere der Milchviehherde des LVFZ Achselschwang nach zwei Wochen Vorperiode auf drei verschiedene Fütterungsgruppen (FG) aufgeteilt:

  • FG 1 (Kontrolle) erhielt eine nach Milcherzeugungswert Netto-Energie-Laktation (NEL) und nXP ausgeglichene Teil-Mischration (148 g nXP/kg TM, ausgeglichene RNB), die bei 21 kg unterstellter TM-Aufnahme/Tag eine Milchleistung von 31 kg abdeckt.
  • In FG 2 (neg. RNB) wurde durch Herausnahme des Futterharnstoffes die RNB auf -50 g/Tag (135 g XP/kg TM) abgesenkt.
  • In FG 3 (neg. RNB + Methionin) wurde zu der in FG 2 beschriebener Ration pansengeschütztes Methionin zugelegt (17 g/Tier und Tag).
Die Aufteilung der Tiere erfolgte so, dass die Gruppen im Mittel (bez. auf, Laktationstag, Milchleistung, Milchinhaltsstoffe, Futteraufnahme, Rasse, Lebendmasse, BCS, RFD) ausgeglichen waren.
Für Milchleistungen über 31 kg/Tier und Tag wurde entsprechend Leistungskraftfutter zugeteilt.
Einmal wöchentlich wurde eine Mischprobe aus Morgen- und Abendgemelk gezogen und auf Milchinhaltsstoffe sowie Harnstoff (chemisch und infrarot) untersucht.
Die Lebendmasse der Kühe wurde nach dem Melken automatisch, sowie zu Versuchsbeginn und -ende zusammen mit Rückenfettdicke und Body Condition Score manuell erfasst.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. T. Ettle
Projektbearbeitung: V. Inhuber, A. Obermaier, P. Edelmann
Kooperation: Prof. Dr. W. Windisch (Lehrstuhl für Tierernährung, TUM)
Förderung: StMELF
Förderkennzeichen: A/17/18