Orientierungswerte für gute Grasfuttermittel und Maissilagen

Grassilo wird mit Traktor befüllt

Foto: LfL

Die Futtergrundlage für Wiederkäuer bilden Grobfuttermittel wie z.B. Grassilage, Maissilage und Heu, die zum Großteil von den tierhaltenden Betrieben selbst erzeugt werden.

Der Einsatz von Grobfutter ist wichtig, um Futterrationen wiederkäuergerecht gestalten zu können. Um die Nährstoffansprüche der Tiere erfüllen, möglichst viel Milch bzw. Fleisch aus dem betriebseigenen Grobfutter erzeugen zu können und somit teures Kraftfutter einzusparen ist eine gute Qualität der Grobfutter entscheidend.

In der nachfolgenden Tabelle sind die vom Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft für Wiederkäuer entwickelten Orientierungswerte für gute Grasfuttermittel und Maissilagen aufgelistet. Bei der Entwicklung dieser Werte wurden sowohl die Nährstoffansprüche der Tiere als auch in Bayern erreichbare Futterqualitäten berücksichtigt. Die Orientierungswerte sollen dazu dienen Futteruntersuchungsergebnisse einschätzen zu können und ggf. Ziele für Veränderungen bei der Futtergewinnung abzuleiten. Dies können z.B. Anpassungen beim Erntezeitpunkt, Technikeinsatz (Verringerung von Verschmutzung), Sortenwahl und Konservierung sein.
Die Orientierungswerte basieren auf den neuen Empfehlungen der GfE (2023).
 EinheitGrassilageMaissilageWiesen- und BelüftungsheuGrascobs / Heißluftheu
Trockenmasseg/kg FM300 – 400300 – 3806)≥ 860≥ 900
Rohascheg/kg TM< 90 bzw. < 1004)< 35< 70 bzw. < 904)< 95 bzw. < 1004)
Rohproteing/kg TM150 – 170< 80≥110 bzw. ≥1504)≥ 150 bzw. ≥ 1804)
sidP1)g/kg TM≥ 88 bzw. ≥ 874)≥ 82≥ 80 bzw. ≥ 894)≥ 100 bzw. ≥ 1034)
Rohfettg/kg TM35 – 4525 – 4020 – 3030 – 40
ADFomg/kg TM< 260 bzw. < 2804)< 230<300 bzw. <2804)< 230 bzw. < 2604)
aNDFomg/kg TM< 430 bzw. < 4604)< 390<540 bzw. <5104)< 450 bzw. < 4804)
Stärkeg/kg TM-> 350--
Zuckerg/kg TM30 – 6020 – 40< 200< 200
Gasbildungml/200
mg TM≥ 48 bzw. ≥ 454)-≥ 48 bzw. ≥ 474)≥ 54 bzw. ≥ 484)
ELOSg/kg TM> 700
OMD2)g/kg TM≥ 77 bzw. ≥ 754)≥ 75≥ 66 bzw. ≥ 724)≥ 79 bzw. ≥ 774)
NELMJ/kg TM≥ 6,4 bzw. ≥ 6,14)≥ 6,8≥ 5,7 bzw. ≥ 6,04)≥ 6,7 bzw. ≥ 6,44)
MEWK20233)MJ/kg TM≥ 11,5 bzw. ≥ 11,04)≥ 11,4≥9,6 bzw. ≥10,34)≥11,4 bzw. ≥11,34)
pH-Wert4,0 – 4,85)< 4,2
Milchsäureg/kg TM> 50> 50
Essig- und
Propionsäureg/kg TM20 – 3020 – 30
Buttersäureg/kg TM< 3< 3
Ammoniak-N am Gesamt-N%< 8< 8
1) Dünndarmverdauliches Protein nach GfE 2023 auf Basis Futteraufnahmeniveau 1 (FAN1)
2) Verdaulichkeit der organischen Masse auf Basis FAN1
3) Umsetzbare Energie nach GfE 2023 auf Basis FAN1
4) Erster Schnitt bzw. Folgeschnitte
5) Je niedriger die Trockenmasse, desto niedriger sollte der pH-Wert sein
6) Je höher der Kornanteil, desto höher darf die Trockenmasse sein 
Nitrat (mg): Bei Werten über 5.000 mg/kg TM Bestandeszusammensetzung und Düngemanagement prüfen

Erläuterungen zu den Orientierungswerten:

Rohasche (CA)
Beinhaltet Erdanhaftungen (Verschmutzung) und Mineralstoffe in Oxidform
Rohprotein (CP)
Für die Fütterung wertbestimmend; bei Mais > 80 Düngergabe zu hoch
sidP
Dünndarmverdauliches Protein; setzt sich zusammen aus:
- dünndarmverdaulichem MCP (Mikrobielles Rohprotein)
- dünndarmverdaulichem UDP (im Pansen nicht abgebautes Futter-Rohprotein)
Rohfett (CL)
Übliche Spannbreite; ist Bestandteil der Energieschätzung
ADFom
Besteht aus Cellulose und Lignin, zeigt daher Alterung der Pflanze an
aNDFom
Besteht aus Hemicellulose, Cellulose und Lignin; Orientierungswert für die Strukturbeurteilung
Stärke (ST)
Bei Maissilage wertbestimmend
Zucker (ZU)
Bei Silagen weist diese Spannweite auf ausreichend Zucker für den Silierprozess hin; bei Heu wertbestimmend; je höher, desto höher die Fruktankonzentration; pansenabbaubare Zucker und Stärke in der Ration berücksichtigen!n
Gasbildung (GB) und ELOS
Messwerte zur Bestimmung der Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD) (ELOS = Enzymlösliche Organische Substanz)
OMD
Verdaulichkeit der organischen Masse; geht in die Berechnung von MEWK2023 und sidP (bei Mikrobiellem Rohprotein) ein. Je nach Futtermittel verschiedene Formeln mit folgenden Parametern, z.B.:
  • bei Grasfuttermitteln: CA, aNDFom, GB, CP
  • bei Grobfutter-Leguminosen: CA, ADFom, GB
  • bei Mais-Grobfuttermitteln: CA, ADFom, ELOS
MEWK2023
Die neue ME (umsetzbare Energie) wird berechnet, indem die Energie im Kot, Harn und Methan von der Gesamtenergie abgezogen wird. Sie kann deswegen mehr oder weniger große Unterschiede zur alten ME aufweisen. Zukünftig wird sie die Einheit NEL (Netto Energie Laktation) ablösen.
pH-Wert
Ist ein Indikator für die Lagerstabilität von Silagen. Je niedriger die Trockenmasse von Grassilagen, desto niedriger sollte der pH-Wert sein.
Milchsäure
Senkt den pH-Wert am sichersten und schnellsten ab; Nährstoffverluste sind bei der Milchsäuregärung am geringsten; niedrige Milchsäurekonzentrationen treten bei zu nassem oder zu trockenem Siliergut oder zu wenig Milchsäurebakterien auf
Essig- und Propionsäure
Essigsäure erhöht die aerobe Stabilität. Hohe Essigsäurekonzentrationen (über 30 g/kg TM) treten oft in nassen Silagen (unter 25 % TM) oder in Silagen mit hoher Pufferkapazität (z. B. bei hoher Rohproteinkonzentration) auf und können die Futteraufnahme beeinträchtigen. Propionsäure wird bei der Silierung - mit Ausnahme von Nasssilagen – nur in ganz geringen Mengen gebildet und bei der Beurteilung nach dem DLG-Schlüssel der Essigsäure zugerechnet.
Buttersäure
Ist ein Indikator für eine schlechte Silierung und die Aktivität von Clostridien; tritt verstärkt bei nassem, stark verschmutztem Siliergut auf und ist meist am Geruch wahrnehmbar; verursacht Energieverluste (ca. 20 %) und senkt die Futteraufnahme
Ammoniak-N am Gesamt-N
Ist ein Endprodukt des Eiweißabbaus. Hohe Konzentrationen sind ein Indikator für mangelhaften Konservierungserfolg und deuten auf Fehlgärungen und Qualitätsverluste beim Futterprotein hin.