Stark mit Deoxynivalenol belasteter Körnermais in der Ferkelaufzucht

Stark und wenig mit Deoxynivalenol belastete Maiskörner

Mais mit hohem und geringem Gehalt an Deoxynivalenol

Laut Untersuchungen des Tiergesundheitsdienstes Bayern wurden im Erntejahr 2014 bei Körnermais sehr hohe Gehalte an Deoxynivalenol festgestellt. Im Mittel aller Proben wurden etwa 2.700 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm analysiert. Die höchste gemessene Konzentration lag bei 27.000 Mikrogramm je Kilogramm. Bei Getreide und Getreideprodukten außer Maisnebenprodukten wird für Deoxynivalenol ein Richtwert von 8.000 Mikrogramm je Kilogramm Frischmasse angegeben. Der Richtwert für Ergänzungs- und Alleinfutter für Schweine liegt mit 900 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm wesentlich niedriger.
Da in Bayern auch hohe Anteile an Körnermais in Ferkelrationen eingesetzt werden, wurde in Schwarzenau ein Fütterungsversuch mit unterschiedlich kontaminiertem Mais durchgeführt. Dabei kam auch ein Zusatzstoff zur Verringerung der Kontamination von Mykotoxinen zum Einsatz.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 80 Absetzferkel nach Lebendmasse, Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Behandlungsgruppen aufgeteilt:
  • Gruppe 1: Mais mit geringer Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 30 Prozent in der Ration (Kontrolle)
  • Gruppe 2: Mais mit hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 30 Proznt in der Ration (Negativkontrolle)
  • Gruppe 3: Mais mit hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 30 Prozent in der Ration plus Zusatzstoff Mycofix Plus 3.EG
  • Gruppe 4: Mais mit geringer und hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Gesamtanteil 30 Prozent in der Ration (Verschneidungsgruppe)
Die Ferkel wurden in 8 Buchten zu je 10 Tieren auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten. Sie waren zu Versuchsbeginn im Durchschnitt 32 Tage alt und wogen 8,6 Kilogramm. Die Futterzuteilung erfolgte über Abrufstationen mit integrierter Futterverwiegung für das Einzeltier. Die Lebendmassen wurden wöchentlich am Einzeltier erfasst. Zur Bestimmung der Gehalte an Deoxynivalenol in den Futtermitteln wurden täglich Proben gezogen. Die Proben einer Woche wurden zu Sammelproben vereint und an das Labor der Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gesandt.

Ergebnisse

Gehalte an Deoxynivalenol im Mais

Der in der Kontrollgruppe eingesetzte Mais wurde in Schwarzenau angebaut. Er wies einen Gehalt von 1.038 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm auf. Der stark kontaminierte Mais stammte von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus Südbayern. Er wies Gehalte zwischen 9.590 und 15.880 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm auf. Die Gehalte an Deoxynivalenol aller Maischargen sind in nebenstehender Abbildung dargestellt.

Gehalte an Deoxynivalenol im Ferkelaufzuchtfutter

Der Verlauf der Gehalte an Deoxynivalenol in den Futtermischungen während der Aufzucht ist in nebenstehender Abbildung dargestellt. In der Kontrollgruppe wurde im Mittel ein Gehalt von 567 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm Futter festgestellt. Die Einzelergebnisse lagen zwischen 527 und 600 Mikrogramm je Kilogramm. In den Gruppen mit belastetem Mais wurden im Mittel 4.526 beziehungsweise 4.496 Mikrogramm je Kilogramm Futter analysiert. Die Gehalte variierten hier zwischen 4.152 und 4.826 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm Futter. In der Verschneidungsgruppe ergaben sich im Mittel 3.529 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm Futter, mit Werten zwischen 3.220 und 4.513 Mikrogramm pro Kilogramm.

Futteraufnahme und Aufzuchtleistungen

In nachfolgender Tabelle sind die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch sowie der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs zusammengestellt. Im Mittel der Aufzucht lag der Futterverbrauch in den Gruppen mit stark kontaminiertem Mais um etwa 170 bis 220 Gramm pro Tier und Tag niedriger als in der Kontrollgruppe mit etwas über 700 Gramm. In der Verschneidungsgruppe wurden nur rund 100 Gramm Futter pro Tier und Tag weniger verbraucht als in der Kontrollgruppe. Mit 476 Gramm täglichen Zunahmen ergab sich in der Kontrollgruppe ein mittleres Leistungsniveau. Die Gruppen mit stark kontaminiertem Mais lagen bei diesem Parameter mit Werten zwischen 326 und 345 Gramm deutlich niedriger. Signifikant besser als die Gruppen 2 und 3 schnitt hier die Verschneidungsgruppe mit 423 Gramm täglichen Zunahmen ab. Mit Ausnahme der Futter- und Energieeffizienzzahlen wurden bei allen untersuchten Parametern signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Versuchsgruppen festgestellt.
Gruppe 1: Kontrolle Gruppe 2: Negativkontrolle Gruppe 3:Mit Zusatzstoff Mycofix Plus 3. EG Gruppe 4: Verschneidungsgruppe
Tägliche Zunahmen (g) 476 326 345 423
Futterverbrauch (g/Tag) 705 489 539 603
Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 1,48 1,52 1,61 1,43
Die deutlichen Unterschiede bei den Aufzuchtleistungen veranschaulicht nebenstehende Grafik. Die Tiere wurden im Mittel mit etwa 8,7 Kilogramm Lebendmasse in das Abteil eingestallt. Bereits während der ersten Tage begannen sich Unterschiede in der Lebendmasseentwicklung abzuzeichnen. Nach Ende des Versuchs betrug der Lebendmasseunterschied zwischen Tieren der Kontroll- und der Negativkontrollgruppe im Mittel knapp 7 Kilogramm. Tiere der Gruppe mit dem Zusatzstoff zeigten nur eine geringfügig bessere Lebendmasseentwicklung. Deutlich besser schnitten die Tiere der Verschneidungsgruppe ab. Der Unterschied zur Kontrolle betrug hier am Ende des Versuchs im Mittel nur 2,5 Kilogramm.

Fazit

Bei stark mit Deoxynivalenol kontaminierten Futtermischungen, größer 3.000 Mikrogramm pro Kilogramm zeigte das getestete Produkt keine Wirkung. Es verteuerte die Futtermischung um etwa 2,40 Euro pro Dezitonne. Das Verschneiden von stark mit Deoxynivalenol belastetem Mais mit unbelasteter beziehungsweise nur geringer belasteter Ware verbesserte in vorliegender Untersuchung sowohl gegenüber der Negativkontrolle als auch gegenüber der Gruppe mit dem getesteten Zusatzstoff Futteraufnahme und Leistung. Das Verschneiden scheint diesbezüglich das Mittel der Wahl zu sein.

Stark mit Deoxynivalenol belasteter Körnermais in der Ferkelaufzucht

Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
Laufzeit: Mai 2015 bis Dezember 2015

Mehr zum Thema

Stark mit Deoxynivalenol belasteter Körnermais in der Schweinemast

Körnermais wird in Bayern mit 50 Prozent und mehr in Rationen für Mastschweine eingesetzt. Leider hatte Mais aus dem Erntejahr 2014 hohe Gehalte an Deoxynivalenol. Ein Fütterungsversuch aus Schwarzenau sollte klären, welche Auswirkungen sich ergeben, wenn mit Deoxynivalenol belastetes Futter an Ferkel eingesetzt wird und welchen Nutzen dabei Zusatzstoffe, sogenannte "Mykotoxinbinder" haben. Mehr