Stark mit Deoxynivalenol belasteter Körnermais in der Schweinemast

Schwein

Ausgeprägt langer Kopf nach Einsatz von Futter mit hohem Gehalt an Deoxynivalenol

In Bayern, insbesondere im Süden werden in der Mast von Schweinen hohe Anteile an Körnermais in der Ration eingesetzt. Anteile von 50 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Jedoch wurden im Erntejahr 2014 bei diesem Futtermittel laut Untersuchungen des Tiergesundheitsdienstes Bayern sehr hohe Gehalte an Deoxynivalenol festgestell. So wurden im Mittel der untersuchten Proben etwa 2.700 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm gefunden. Der höchste analysierte Wert lag bei 27.000 Mikrogramm je Kilogramm. Bei Getreide und Getreideprodukten außer Maisnebenprodukten wird für Deoxynivalenol ein Richtwert von 8.000 Mikrogramm je Kilogramm Frischmasse angegeben. Der Richtwert für Ergänzungs- und Alleinfutter für Schweine liegt mit 900 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm wesentlich niedriger. In der Tagesration wird für Mastschweine ein Orientierungswert von 1.000 Mikrogramm Deoxynivalenol genannt. Unter praxisüblichen Einsatzraten im Mastfutter lässt sich bei angeführten Kontaminationen weder der Richtwert für das Alleinfutter noch der Orientierungswert für die Tagesration erreichen. Welche Auswirkungen hohe Gehalte an Deoxynivalenol im Futter für Mastschweine haben, wurde in einem Fütterungsversuch in Schwarzenau gezeigt. In dem Versuch wurden auch zwei Zusatzstoffe zur Verringerung der Kontamination von Mykotoxinen, sogenannte „Toxinbinder“ eingesetzt.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 96 Mastferkel nach Lebendmasse, Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Behandlungsgruppen aufgeteilt:
  • Gruppe A: Mais mit geringer Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 50 Prozent in der Ration (Kontrolle)
  • Gruppe B: Mais mit hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 50 Prozent in der Ration (Negativkontrolle)
  • Gruppe C: Mais mit hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 50 Prozent in der Ration plus Zusatzstoff "Mycofix Plus 3.EG"
  • Gruppe D: Mais mit hoher Kontamination an Deoxynivalenol, Anteil 50 Prozent in der Ration plus Zusatzstoff "Mycofix Plus BBSH"
Die Tiere wurden in 8 Buchten zu je 10 Tieren auf Betonspalten ohne Einstreu gehalten. Sie waren zu Versuchsbeginn im Durchschnitt 74 Tage alt und wogen im Mittel 33 Kilogramm. Die Futterzuteilung erfolgte über Abrufstationen mit integrierter Futterverwiegung für das Einzeltier. Die Lebendmassen wurden alle 14 Tage am Einzeltier erfasst. Zur Bestimmung der Gehalte an Deoxynivalenol in den Futtermitteln wurden täglich Proben gezogen. Die Proben einer Woche wurden zu Sammelproben vereint und an das Labor der Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gesandt.

Ergebnisse

Gehalte an Deoxynivalenol im Mais

Der in der Kontrollgruppe eingesetzte Mais wurde in Schwarzenau angebaut. Er wies einen Gehalt von 1.038 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm auf. Der stark kontaminierte Mais stammte von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus Südbayern. Er wies Gehalte zwischen 9.590 und 15.880 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm auf. Die Gehalte an Deoxynivalenol aller Maischargen sind in nebenstehender Abbildung dargestellt.

Gehalte an Deoxynivalenol im Mastfutter

Der Verlauf der Gehalte an Deoxynivalenol in den Futtermischungen während der Mast ist in nebenstehender Abbildung dargestellt. In der Kontrollgruppe wurde im Mittel ein Gehalt von 904 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm Futter festgestellt. Die Einzelergebnisse lagen zwischen 624 und 1.316 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm. In den Gruppen mit stark kontaminiertem Mais wurden im Mittel 5.609 Mikrogramm (Gruppe B), 6.370 Mikrogramm (Gruppe C) und 6.446 Mikrogramm (Gruppe D) Deoxynivalenol je Kilogramm Futter analysiert. Die Gehalte variierten zwischen 3.150 und 8.049 Mikrogramm Deoxynivalenol je Kilogramm Futter sehr stark.

Futteraufnahme, Mast- und Schlachtleistungen

Nachfolgender Tabelle sind die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs sowie ausgewählte Schlachtparameter zu entnehmen. Im Mittel der Mast lag der Futterverbrauch in den Gruppen mit hoher Kontamination um 0,5 bis 0,6 Kilogramm pro Tier und Tag niedriger als in der Kontrollgruppe mit knapp 2 Kilogramm. In der Kontrollgruppe mit dem gering belasteten Mais ergab sich mit 727 Gramm täglichen Zunahmen nur ein mittleres Leistungsniveau. Tiere der Gruppen mit stark kontaminierten Mais lagen bei den täglichen Zunahmen mit Werten zwischen 422 und 496 Gramm deutlich niedriger. Auch bei den Futtereffizienzzahlen waren die Tiere der Kontrollgruppe mit 2,75 Kilogramm Futter je Kilogramm Zuwachs gegenüber denen der Gruppen mit stark belastetem Mais überlegen. In diesen Gruppen wurden 3,08 beziehungsweise 3,66 Kilogramm Futter pro Kilogramm Zuwachs benötigt.
Signifikante Unterschiede zwischen den Schlachtkörpern ergaben sich im Wesentlichen durch die niedrigeren Mastendgewichte in den Gruppen mit hohen Gehalten an Deoxynivalenol im Futter. Hiervon betroffen waren insbesondere das Schlachtgewicht, die Fleischfläche, die Fettfläche, das Fleischmaß und das Speckmaß. Die Schlachtgewichte in der Kontrollgruppe waren mit knapp 93 Kilogramm signifikant höher als in den Gruppen mit hohen hohen Gehalten an Deoxynivalenol und Schlachtgewichten zwischen 75,7 und 84,3 Kilogramm. Bei der berechneten Größe Muskelfleischanteil ergaben sich mit Werten zwischen 59,3 und 60,3 Prozent im Geschlechtermix keine signifikanten Unterschiede. Beim Fleischanteil im Bauch zeigten die Tiere mit niedrigeren Schlachtgewichten in den Gruppen mit hohen Gehalten an Deoxynivalenol mit Werten über 61 Prozent signifikant höhere Gehalte als in der Kontrolle mit 58,3 Prozent.
Gruppe A, Kontrolle Gruppe B, Negativkontrolle Gruppe C, Mycofix Plus 3.EG Gruppe D, Mycofix Plus BBSH
Tägliche Zunahmen (g) 727 496 429 422
Futterverbrauch (kg/Tier und Tag) 2,0 1,5 1,4 1,5
Futterverbrauch (kg/kg Zuwachs) 2,75 3,08 3,33 3,66
Schlachtgewicht (kg) 92,8 84,3 75,9 75,7
Fleischfläche (cm²) 54,5 50,4 44,9 44,6
Fettfläche (cm²) 15,7 13,7 12,4 12,1
Muskelfleischanteil (%) 59,8 60,2 60,1 59,3
Fleischanteil im Bauch (%) 58,3 61,6 60,1 62,9
Die deutlichen Unterschiede bei den Mastleistungen veranschaulicht nebenstehende Grafik. Die Tiere wurden im Mittel mit etwa 33 Kilogramm Lebendmasse in das Abteil eingestallt. Bereits während der ersten Tage begannen sich Unterschiede in der Lebendmasseentwicklung abzuzeichnen. Nach Ende des Versuchs betrug der Lebendmasseunterschied zwischen Tieren der Kontrollgruppe und der Negativkontrollgruppe trotz einer um einen Monat längeren Mastdauer im Mittel über 10 Kilogramm. Tiere der Gruppen mit dem Zusatzstoff hatten eine noch ungünstigere Lebendmasseentwicklung. Hier wurden Unterschiede von bis zu 20 Kilogramm bei einer ebenfalls um einen Monat längeren Mastdauer festgestellt.

Fazit

Bei stark mit Deoxynivalenol kontaminierten Futtermischungen, über 3.000 Mikrogramm pro Kilogramm, zeigten die eingesetzten Produkte keine Wirkung. Selbst der in den ersten Wochen gegenüber der Negativkontrolle um etwa 760 beziehungsweise 850 Mikrogramm pro Kilogramm Futter höhere Gehalt an Deoxynivalenol im Futter in den Gruppen C und D konnte durch die Zulage dieser Produkte nicht kompensiert werden. Die Tiere dieser Gruppen erreichten nicht das Leistungsniveau der Negativkontrolle. Die Produkte verteuerten die Futtermischungen um etwa 2,40 beziehungsweise 1,80 Euro pro Dezitonne.
Die Auswirkungen des Verschneidens von stark mit Deoxynivalenol belastetem Mais mit unbelasteter beziehungsweise nur gering belasteter Ware zeigte ein parallel mit Ferkeln durchgeführter Fütterungsversuch. Sowohl gegenüber der Negativkontrolle als auch gegenüber einer Gruppe mit einem Zusatzstoff hatte das Verschneiden eine deutlich bessere Futteraufnahme und Leistung bei den Tieren zur Folge. Es scheint diesbezüglich das Mittel der Wahl zu sein.

Stark mit Deoxynivalenol belasteter Körnermais in der Schweinemast

Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
Laufzeit: März 2016 bis Februar 2016

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