Mastversuch mit abgesenktem Gehalten an Sojaextraktionsschrot in den einzelnen Mastabschnitten

Sojaschrot
Ziel der bayerischen Eiweißstrategie ist es, den Import von Sojaextraktionsschrot aus Übersee zu reduzieren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Einsatzmenge an Sojaextraktionsschrot deutlich zu senken und die notwendigen Aminosäuren über entsprechende Mineralfutter beziehungsweise Vormischungen zu ergänzen. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es aufzuzeigen, dass mit 10 Prozent Sojaextraktionsschrot im Mittel der Mast beziehungsweise 25 Kilogramm Sojaextraktionsschrot pro Mastschwein umwelt- und ressourcenschonend Schweinefleisch produziert werden kann. In der Praxis sind jedoch noch Rationen mit über 16 Prozent Sojaextraktionsschrot im Mittel der Mast verbreitet. Somit werden immer noch 40 Kilogramm und mehr Sojaextraktionsschrot pro erzeugtes Mastschwein eingesetzt! In der Praxis ließe sich deshalb noch viel mehr Sojaextraktionsschrot einsparen.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 192 weibliche und männlich kastrierte Mastläufer ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Behandlungsgruppen aufgeteilt:
  • Standardration: Mineralfutter mit 10 Prozent Lysin, 2 Prozent Methionin und 3 Prozent Threonin
  • Sojareduzierte Ration: Mineralfutter mit 13 Prozent Lysin, 3,5 Prozent Methionin, 4,5 Prozent Threonin und 0,3 Prozent Tryptophan
In nachfolgender Tabelle sind die einzelnen Versuchsmischungen zusammengestellt. Sie basierten auf heimischem Getreide, ergänzt um Sojaextraktionsschrot mit 48 Prozent Rohprotein und Mineralfutter. Die beiden im Versuch eingesetzten Mineralfuttertypen waren identisch aufgebaut. Sie hatten mit Ausnahme der Aminosäuren die gleichen Inhalts- und Futterzusatzstoffe. Der Anteil an Sojaextraktionsschrot war in den sojareduzierten Mischungen um 3 bis 3,5 Prozentpunkte niedriger als in den Standardmischungen. Die analysierten Aminosäurengehalte der Standardrationen und der sojareduzierten Rationen waren vergleichbar.
Zusammensetzung der Versuchsmischungen
 StandardSojareduziertStandardSojareduziertStandardSojareduziert
Mastabschnitt30 bis 60 kg Lebendmasse30 bis 60 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse90 bis 120 kg Lebendmasse90 bis 120 kg Lebendmasse
Gerste (%)404040404040
Weizen (%)40,54444474750,2
Sojaextraktionsschrot mit 48 % Rohprotein (%)16,51313,510,5117,5
Mineralfutter, Standard (%)3 2,5 2 
Mineralfutter, sojareduziert (%) 3 2,5 2,3
Die analysierten Rohprotein- und Aminosäurengehalte sowie die Gehalte an umsetzbarer Energie der eingesetzten Rationen gehen aus nachfolgender Tabelle hervor. Die Gehalte an Lysin, Methionin und Cystin, Threonin sowie Tryptophan stimmten in den einzelnen Mastabschnitten der beiden Versuchsgruppen gut überein.
Gehalte an umsetzbarerer Energie, Rohprotein und Aminosäuren in den Versuchsrationen
 StandardSojareduziertStandardSojareduziertStandardSojareduziert
Mastabschnitt30 bis 60 kg Lebendmasse30 bis 60 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse90 bis 120 kg Lebendmasse90 bis 120 kg Lebendmasse
Umsetzbare Energie (MJ ME)13,413,413,413,713,613,5
Rohprotein (g)165158160153151143
Lysin (g)10,310,39,29,18,48,4
Methionin + Cystin (g)5,65,55,75,55,75,6
Threonin (g)6,46,36,16,05,85,7
Tryptophan (g)2,62,52,42,42,32,3

Ergebnisse

Mastleistung

In der Standardgruppe wurden 911 und in der sojareduzierten Gruppe 884 Gramm tägliche Zunahmen erzielt. Dieser Unterschied ließ sich gerade noch statistisch absichern. Kein Effekt war beim Futterverbrauch mit rund 2,7 Kilogramm pro Tier und Tag sowie beim Futteraufwand mit etwa 3 Kilogramm pro Kilogramm Zuwachs zu verzeichnen. Durch die Absenkung des Gehalts an Sojaextraktionsschrot in der Ration konnte der Sojaverbrauch von 35,3 auf 26,4 Kilogramm pro Mastschein reduziert werden. Das bedeutete eine Einsparung von etwa 25 Prozent pro Mastschwein. In nachfolgender Tabelle sind die wichtigsten Mastleistungsparameter zusammengefasst.
Tägliche Zunahmen, Futterverbrauch und Futterverwertung
 StandardrationSojareduzierte Ration
Lebendmasse zu Beginn (kg)33,934,2
Lebendmasse beim Schlachten (kg)119,6118,8
Tägliche Zunahmen (g)911884
Futterverbrauch (kg/Tier, Tag)2,712,66
Futteraufwand (kg/kg Zuwachs)2,983,02

Schlachtleistung

bei allen angeführten Schlachtparametern gab es keine signifikanten Unterschiede. In den Schlachtgewichten unterschieden sich die Tiere beider Gruppen kaum. In beiden Versuchsgruppen war die Ausschlachtung der Tiere identisch. Unterschiede im Fleisch- beziehungsweise im Fettansatz waren nicht zu erkennen. Der bezahlungsrelevante Muskelfleischanteil erreichte mit 58,7 Prozent in beiden Gruppen ein hohes Niveau. Er wurde durch die sojareduzierte Fütterung nicht negativ beeinflusst. In nachfolgender Tabelle sind die Schlachtleistungsparameter zusammengestellt.
Schlachtleistungsparameter
 StandardrationSojareduzierte Ration
Schlachtgewicht (kg)95,094,4
Ausschlachtung (%)79,379,3
Fleischfläche (cm²)55,654,7
Fettfläche (cm²)17,317,5
Fleischmaß (mm)66,966,2
Speckmaß (mm)15,515,3
Muskelfleischanteil (%)58,758,7
Fleischanteil im Bauch (%)57,056,8

Stickstoffausscheidung und Futterkosten

Durch die Reduzierung des Sojaanteiles ließ sich die Stickstoff-Ausscheidung von 4,4 auf 4,0 Kilogramm beziehungsweise um 8 Prozent pro erzeugtes Mastschwein reduzieren. Die erweiterte und höhere Ausstattung mit Aminosäuren in der Gruppe mit der Sojareduzierung verteuerte das Mineralfutter gegenüber dem in der Standardgruppe um rund 10 Euro pro Dezitonne. Dennoch reduzierten sich die Futterkosten durch die Herausnahme von Sojaextraktionsschrot um 0,29 bis 0,40 Euro pro Dezitonne Futter beziehungsweise um etwa einen Cent pro Kilogramm Zuwachs.

Fazit

Die stickstoffreduzierte Fütterung führte zu keinen negativen Auswirkungen auf die Schlachtleistung. Der bezahlungsrelevante Parameter Muskelfleischanteil war in beiden Versuchsgruppen gleich. Mit 27 Gramm lagen jedoch die täglichen Zunahmen bei der sojareduzierten Fütterung niedriger. Dieser Unterschied ließ sich gerade noch statistisch absichern. Auf Futteraufnahme, Futter- und Energieeffizienz hatte die Sojareduzierung keinerlei Auswirkungen. Trotz höherer Preise für das Mineralfutter ließen sich Futterkosten einsparen. Die Stickstoff-Ausscheidung pro Mastschwein ließ sich um 8 Prozent reduzieren.

Eiweißstrategie - Mastversuch mit abgesenkten Soja - beziehungsweise Rohproteingehalten

Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
Laufzeit: Dezember 2014 bis Mai 2016

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Arbeitsschwerpunkt Eiweiß

Landwirtschaftliche Nutztiere werden in hohem Maße mit Eiweißträgern aus Übersee gefüttert. Insbesondere der Import von Sojabohnen und Sojaschrot gleicht derzeit die Unterversorgung Europas an Eiweißfutter aus. Im Rahmen der Bayerischen Eiweißinitiative sollen der Import an Überseesoja reduziert und der Anbau heimischer Eiweißpflanzen gefördert werden. Der interdisziplinäre Arbeitsschwerpunkt an der LfL unterstützt die Erforschung und Praxiseinführung von Lösungsansätzen im Bereich der Tierernährung und des Pflanzenbaus. Mehr