Mono-, Di- und Triglyceride der Laurinsäure in der Fütterung von Ferkeln

Frisch abgesetzte Ferkel in einer Bucht
Organische Säuren und Säuregemische beziehungsweise deren Salze werden seit längerer Zeit in der Schweinefütterung zur Absenkung des pH-Wertes und der Pufferkapazität des Futters genutzt. Ziel ist, eine optimale enzymatische Magenverdauung insbesondere des Proteins zu erreichen. Einige der verwendeten Säuren stabilisieren darüber hinaus durch ihre bioziden Eigenschaften die Darmflora, indem sie unerwünschte Darmkeime in ihrer Entwicklung hemmen und so die Tiergesundheit fördern. Schon vor der Verfütterung sorgen die meisten Säuren für die Konservierung der Mischfutter im Vorrats- beziehungsweise Anmischbehälter, in den Verteil- oder Ausdosierleitungen und im Trog. Besonders gute Wirkung zeigten Ameisensäure, Milchsäure, Sorbinsäure sowie Fumarsäure, Zitronensäure und Apfelsäure.
Seit geraumer Zeit wird auch der Einsatz der Laurinsäure, einer mittelkettigen Fettsäure mit 12 C-Atomen propagiert. Diese wird nicht als freie Fettsäure sondern gebunden an Glycerin als Gemisch aus Mono- Di- und Triglyceriden im Handel angeboten. Besonders dem Monoglycerid der Laurinsäure, dem Monolaurin werden antibakterielle und antivirale Wirkungen zugeschrieben. Monolaurin ist geruchsneutral, nicht korrosiv und verändert den pH-Wert des Futters nicht. Somit werden Geschmacksbeeinträchtigungen des Futters auch bei hohen Dosierungen vermieden. Darüber hinaus ist es bei verschiedenen pH-Werten stabil, wirkt also unter verschiedensten Milieubedingungen im Körper. In der Praxis wird Monolaurin besonders bei Problemen mit Streptokokken eingesetzt, um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. In der Praxis wird es auch zusammen mit phytogenen Substanzen eingesetzt.

Versuchsdurchführung

Zur Überprüfung der Wirkung von Monolaurin wurden vier Versuchsdurchgänge mit Ferkeln durchgeführt. Pro Durchgang werden jeweils 192 Ferkel ausgewählt und gleichmäßige nach Gewicht, Geschlecht und Abstammung auf jeweils 2 Behandlungsgruppen aufgeteilt. Die Ferkel werden bis zu einem Endgewicht von etwa 30 Kilogramm flüssig gefüttert. Die Futtermengen werden täglich pro Bucht mittels Spotmix ermittelt. Die Ferkel werden wöchentlich einzeln gewogen.
  • Durchgang 1 und 2
    • Kontrollgruppe: Ferkelaufzuchtfutter mit Fumarsäure
    • Testgruppe: Ferkelaufzuchtfutter ergänzt mit einem Gemisch aus Mono- und Diglyceriden der Laurinsäure, kein Fumarsäurezusatz
  • Durchgang 3
    • Kontrollgruppe: Ferkelaufzuchtfutter mit Fumarsäure
    • Testgruppe: Ferkelaufzuchtfutter ergänzt mit einem Gemisch aus Mono- und Diglyceriden der Laurinsäure sowie Fumarsäure
  • Durchgang 4
    • Kontrollgruppe: Ferkelaufzuchtfutter mit Fumarsäure
    • Testgruppe: Ferkelaufzuchtfutter ergänzt mit einem Gemisch aus Mono-, Di- und Triglyceriden der Laurinsäure plus eines phytogenen Futterzusatzstoffes sowie Fumarsäure

Ergebnisse

Tägliche Zunahmen

In den Durchgängen 1 und 2 wurden in der Kontrollgruppe mit 582 gegenüber 561 Gramm in der Testgruppe signifikant höhere tägliche Zunahmen festgestellt. In Durchgang 3 wurden mit 587 und 591 Gramm in der Kontroll- und Testgruppe nahezu identische tägliche Zunahmen ermittelt. Mit 578 Gramm in der Kontroll- und 561 Gramm in der Testgruppe konnten die Unterschiede bei den täglichen Zunahmen in Durchgang 4 nicht mehr statistisch abgesichert werden.

Futterverbrauch

Der Futterverbrauch pro Tier war in allen Durchgängen in den Kontrollgruppen höher. Für die Durchgänge 1 bis 3 ließen sich die Unterschiede statistisch absichern. In den Durchgängen 1 und 2 verbrauchten die Tiere im Mittel 998 Gramm Futter pro Tag in der Kontrollgruppe und 924 Gramm Futter pro Tag in der Testgruppe. In Durchgang 3 waren es 1045 Gramm in der Kontroll- und 989 Gramm in der Testgruppe. In Durchgang 4 wurden 1016 Gramm in der Kontroll- und 959 Gramm in der Testgruppe verbraucht.

Futteraufwand

Durch den höheren Futterverbrauch in den Kontrollgruppen errechnete sich in allen Durchgängen in den Testgruppen ein günstigerer Futteraufwand. Für die Durchgänge 1 bis 3 ließen sich die Unterschiede statistisch absichern. In den Durchgängen 1 und 2 wurden je Kilogramm Zuwachs im Mittel 1,71 Kilogramm Futter in der Kontrollgruppe und 1,64 Kilogramm Futter in der Testgruppe benötigt. In Durchgang 3 waren es 1,76 Kilogramm in der Kontroll- und 1,65 Kilogramm in der Testgruppe. In Durchgang 4 wurden 1,74 Kilogramm in der Kontroll- und 1,71 Kilogramm in der Testgruppe pro Kilogramm Zuwachs benötigt.
In Nachfolgender Tabelle sind die Leistungen für die einzelnen Versuchsdurchgänge zusammengestellt.
Kontrollgruppe Testgruppe
Tägliche Zunahmen (Gramm) Durchgang 1 und 2 582 561
Durchgang 3 587 591
Durchgang 4 578 561
Futterverbrauch (Gramm pro Tier und Tag) Durchgang 1 und 2 998 924
Durchgang 3 1045 989
Durchgang 4 1016 959
Futteraufwand (Kilogramm pro Kilogramm Zuwachs) Durchgang 1 und 2 1,71 1,64
Durchgang 3 1,76 1,64
Durchgang 4 1,74 1,71

Tierarzneimitteleinsatz und Tierausfälle

In den ersten beiden Durchgängen wurden insgesamt an 17 in der Kontrollgruppe und 18 Tieren in der Testgruppe medikamentös behandelt. Es mussten jeweils 7 Tiere der Kontroll- und Testgruppe aus dem Versuch genommen werden. Allein im Durchgang 1 waren es nach einem Krankheitsausbruch 6 Tiere der Kontroll- und 5 Tiere der Testgruppe.
In Durchgang 3 mussten 12 Tiere der Kontrollgruppe und 9 Tiere der Testgruppe medikamentös behandelt werden. In Durchgang 4 waren es 8 Tiere in der Kontrollgruppe und 5 Tiere in der Testgruppe, die Tierarzneimittel verabreicht bekamen. In Durchgang 3 verendete ein Tier der Testgruppe, In Durchgang 4 verendeten 5 Tiere in der Kontroll- und 3 Tiere in der Testgruppe.
In der Bewertung der Kotbeschaffenheit wurden keine Unterschiede festgestellt. In allen Gruppen und Durchgängen wurde die Kotbeschaffenheit mit der Note 2 als normal bewertet.

Fazit

Der Ersatz von 1 Prozent Fumarsäure durch 0,4 bzw. 0,1 Prozent eines Gemisches von Mono- und Diglyceriden der Laurinsäure konnte im Versuch nicht überzeugen. Sowohl die täglichen Zunahmen als auch der Futterverbrauch sanken signifikant ab. Etwas verbessert waren die Futter- und Energieeffizienzwerte.
Wurde das Gemisch on top zu mit Futtersäuren abgesicherten Rationen gegeben, wurden keine Leistungseinbußen, jedoch ein geringerer Futterverbrauch verzeichnet. Dies führte zu deutlich verbesserten Futter- und Energieeffizienzwerten. Eine ähnliche Wirkung zeigte auch die on top Zulage von Mono-, Di- und Triglyceriden der Laurinsäure zusammen mit einemphytogenen Futterzusatzstoff.
Ein Effekt der Zulage der Gemische auf den Tierarzneimitteleinsatz und die Tierverluste war in allen vier Durchgängen kaum zu erkennen.
Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
Laufzeit: September 2016 bis März 2018