Stickstoff- und phosphorreduzierte Schweinemast mit Soja- und Rapsextraktionsschrot

Rapsextraktionsschrot

Rapsextraktionsschrot

Ziel der bayerischen Eiweißinitiative ist es, unter anderem auch den Einsatz „heimischer“ Eiweißfutter-mittel wie Rapsextraktionsschrot zu fördern. Problematisch beim Rapsextraktionsschrot ist, dass er im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot weniger Lysin aufweist. Zudem ist die Dünndarmverdaulichkeit des Lysins geringer. Aber auch der relativ hohe Phosphorgehalt im Rapsextraktionsschrot wird hinsichtlich der Düngeverordnung als problematisch erachtet. In vorliegender Untersuchung wurden deshalb Rationen mit Sojaextraktionsschrot als alleinigem Eiweißträger und Rationen mit Rapsextraktionsschrot als Haupteiweißquelle miteinander verglichen. In beiden Behandlungsgruppen wurde versucht, die Rohproteingehalte in den Rationen möglichst niedrig zu halten. Die Ergänzung mit Phosphor und Aminosäuren erfolgte deshalb über Mineralfutter mit speziell an die Fütterung von Raps- beziehungsweise Sojaextraktionsschrot angepassten Gehalten.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 192 weibliche und männlich kastrierte Mastläufer ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Behandlungsgruppen aufgeteilt:
  • Sojagruppe, ausschließlich Sojaextraktionsschrot als Eiweißfutterkomponente
  • Rapsgruppe: Rapsextraktionsschrot als Haupteiweißkomponente
Die Versuchsmischungen basierten auf heimischem Getreide, ergänzt um die entsprechenden Eiweißfutterkomponenten und Mineralfutter. In der Rapsgruppe belief sich der Anteil des Rapsextraktionsschrot in der Anfangs- und Mittelmast auf jeweils 16 und in der Endmast auf 14 Prozent in der Ration. In der Anfangs- beziehungsweise Mittelmast wurden zusätzlich noch 5 beziehungsweise 2,5 Prozent Sojaextraktionsschrot eingesetzt.
Das im Versuch eingesetzten Mineralfutter in der Rapsgruppe wies gegenüber dem in der Sojagruppe verminderte Kalzium-, Phosphor-, Methionin- und Threoningehalte auf. Der eingesetzte Sojaextraktionsschrot hatte einen Rohproteingehalt von 48 Prozent. In der Rapsgruppe wurde zur energetischen Aufwertung zusätzlich Pflanzenöl eingesetzt.
Die analysierten Inhaltsstoffe der Versuchsrationen sind in folgender Tabelle zusammengestellt. Die Gehalte an umsetzbarer Energie wurden in Verdauungsversuchen ermittelt. Sie lagen etwa 0,4 Megajoule höher als die nach Mischfutterformel kalkulierten Werte. Die analysierten Werte passten für Schweine mit rund 850 Gramm täglichen Zunahmen. Abweichungen nach unten von den Vorgaben der DLG, die jedoch im Rahmen der Analysenspielräume lagen, gab es in der Anfangsmast beim Lysin in der Rapsgruppe und beim Methionin in Sojagruppe sowie in der Mittelmast beim Lysin in der Rapsgruppe.
Analysierte Gehalte an Rohprotein und Aminosäuren sowie aus Verdauungsversuchen ermittelte Energiegehalte der Versuchsrationen
 SojaRapsSojaRapsSojaRaps
Mastabschnitt30 bis 60 kg Lebendmasse30 bis 60 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse60 bis 90 kg Lebendmasse90 bis 120 kg Lebendmasse30 bis 120 kg Lebendmasse
Umsetzbare Energie (MJ ME)13,5013,5513,6013,6513,7413,79
Rohprotein (g)167177150157137148
Lysin (g)10,29,79,08,57,88,1
Methionin und Cystin (g)5,06,25,16,14,65,0
Threonin (g)6,47,46,05,95,45,8
Tryptophan (g)2,01,92,32,21,61,6

Ergebnisse

Die Mast- und Schlachtleistungen sind in folgender Tabelle zusammengestellt. Der Mastdurchgang von knapp 29 bis etwa 121 Kilogramm Lebendmasse verlief trotz extremer Hitze auf einem noch passablen Niveau.
Schlacht- und Mastleistungen (LSQ-Mittelwerte)
 Gruppe SojaGruppe Raps
Lebendmasse, Beginn (kg)28,929,0
Lebendmasse, Schlachtung (kg)120,3122,3
Tägliche Zunahmen (g)809807
Futterverbrauch (kg/Tag)2,482,65
Futteraufwand (kg/kg Zuwachs)3,073,31
Muskelfleischanteil (%)58,858,1
Fleischanteil im Bauch (%)57,056,8
Fleischfläche (cm³)54,654,2
Fettfläche (cm³)16,317,6

Mastleistungen

Im Mittel des Versuches gab es bei den täglichen Zunahmen und beim Futterverbrauch zwischen den Behandlungen keine statistisch signifikanten Unterschiede. Beim Futteraufwand zeigten sich signifikante Unterschiede zugunsten der Sojagruppe. Im gesamten Mastabschnitt konnten in beiden Gruppen jeweils rund 810 Gramm tägliche Zunahmen erzielt werden. Mit knapp 2,50 Kilogramm in der Soja- beziehungsweise 2,65 Kilogramm in der Rapsgruppe war jedoch der Futterverbrauch sehr hoch. In einem vorausgegangenen Versuch ebenfalls mit Rapsextraktionsschrot wurden im gleichen Stall lediglich 2,25 Kilogramm Futter pro Tier und Tag verbraucht. Möglicherweise erhöhten sich aufgrund der extremen Witterung im Sommer 2015 die Futterverluste, zumal insbesondere im 2. Mastabschnitt mit 2,89 Kilogramm in der Soja- beziehungsweise 3,05 Kilogramm in der Rapsgruppe ein sehr hoher Futterbrauch pro Tier und Tag verzeichnet wurde. Entsprechend hoch war mit 2,75 in der Soja- bzw. 3,17 Kilogramm in der Rapsgruppe der Futteraufwand pro kg Zuwachs in diesem Mastabschnitt. Somit war auch insgesamt mit 3,07 beziehungsweise 3,31 kg der Futteraufwand in der Soja- beziehungsweise Rapsgruppe als sehr hoch einzustufen.

Schlachtleistungen

Mit 97,5 gegenüber 94,7 Kilogramm wurden in der Rapsgruppe signifikant höhere Mastendgewichte erzielt. Auf die Ausschlachtung, die Fleischfläche und das Fleischmaß zeigte die Fütterung keinen signifikanten Effekt. Demgegenüber war bei den Tieren der Rapsgruppe die Fettfläche mit 17,6 gegenüber 16,3 Quadratzentimeter signifikant größer und das Speckmaß mit 16,0 gegenüber 15,1 Zentimeter signifikant höher. Der bezahlungsrelevante Parameter Muskelfleischanteil war in der Sojagruppe mit 58,8 gegenüber 58,1 Prozent höher. Der Unterschied ließ sich gerade noch statistisch absichern. Auch der Fleischanteil im Bauch war bei Sojafütterung mit 57,0 gegenüber 56,8 Prozent signifikant erhöht.

Stickstoff- und Phosphorbilanzierung

Mit 4,05 Kilogramm pro Mastschwein beziehungsweise 44,3 Gramm pro Kilogramm Zuwachs lagen die errechneten Stickstoffausscheidungen in der Sojagruppe zwischen den DLG-Werten für eine 2-Phasenmast mit Vormast und einer 3-Phasenmast mit Vormast. In der Sojagruppe konnte somit trotz ungünstiger Begleitumstände die Stickstoffreduzierung erfolgreich umgesetzt werden. Anders sah es in der Rapsgruppe aus. Wegen des sehr ungünstigeren Futteraufwandes errechneten sich hier Ausscheidungen von 5,05 Kilogramm pro Mastschwein beziehungsweise 54,09 Gramm pro Kilogramm Zuwachs. Diese Werte lagen über den DLG-Werten für die Universalmast mit Vormast bei 750 g täglichen Zunahmen.
In der Sojagruppe lagen die errechneten Phosphorausscheidungen mit 0,54 Kilogramm pro Mastschwein beziehungsweise 5,94 Gramm pro Kilogramm Zuwachs niedriger als die DLG-Werte für eine 3-Phasenmast mit Vormast und einem Leistungsniveau von 750 g täglichen Zunahmen. Mit 0,78 Kilogramm pro Mastschwein beziehungsweise 8,41 Gramm pro Kilogramm Zuwachs lagen die kalkulierten Phosphorausscheidungen in der Rapsgruppe trotz des sehr ungünstigen Futteraufwandes immerhin noch zwischen den DLG-Angaben für eine 2-Phasenmast mit Vormast und einer Universalmast mit Vormast. Zu diskutieren wäre der gänzliche Verzicht auf mineralischen Phosphor beziehungsweise der Verzicht zumindest ab der Mittelmast bei Einsatz von Rapsextraktionsschrot.
Stickstoff- und Phosphorausscheidung
 Gruppe SojaGruppe Raps
Stickstoffausscheidung pro Tier (kg)4,055,05
Stickstoffausscheidung pro kg Zuwachs (g)44,3054,09
Phosphorausscheidung pro Tier (kg)0,540,78
Phosphorausscheidung pro kg Zuwachs (g)5,948,41

Zusammenfassung und Fazit

Der Einsatz von Rapsextraktionsschrot konnte im Vergleich zu Rationen mit abgesenkten Sojaextraktionsschrotgehalten nur wenig überzeugen. Auf das Leistungsniveau hatte die Fütterung zwar keinen Ein-fluss, jedoch war der Futterverbrauch bei Rapseinsatz wie in vorausgegangenen Versuchen höher und der Einfluss auf die Schlachtparameter insbesondere auf die Parameter des Fleischansatzes eher ungünstig.
Durch Reduzierung des mineralischen Phosphorgehaltes im Futter lag die Rapsgruppe bei der Phosphorausscheidung immerhin noch unter den Angaben der DLG für eine Universalmast mit Vormast bei vergleichbarem Leistungsniveau. Bei der Stickstoffausscheidung konnte nur die Sojagruppe punkten. Die Stickstoffausscheidungen lagen dabei gemäß den DLG-Vorgaben zwischen denen einer 2-Phasenmast mit Vormast und einer 3-Phasernmast mit Vormast.
Für Mastverfahren mit starker Senkung der Stickstoff- und Phosphorausscheidung eignet sich Rapsextraktionsschrot nicht beziehungsweise nur in geringen Einmischraten.
    Projektinformation
    Projektleiter: Dr. W. Preißinger
    Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
    Laufzeit: Juni 2016 bis März 2017