Einsatz von heimischen Erbsen in der Fütterung von Mastschweinen: Auswirkungen auf Futterverbrauch und Leistung

Erbsen
Landwirten und somit auch schweinehaltenden Betrieben werden Ausgleichszahlungen für konkrete Umweltleistungen ("Greening") gewährt. Das Greening beinhaltet unter anderem das Vorweisen von ökologischen Vorrangflächen. Hier werden mindestens 5 Prozent der Ackerfläche bei Betrieben über 15 Hektar gefordert. Diese ökologischen Vorrangflächen können unter anderem den Anbau von stickstoffbindenden Pflanzen wie zum Beispiel großkörnigen Leguminosen realisiert werden. Zu diesen zählen auch Erbsen. Diese Variante erscheint vor allem für Veredelungsbetriebe interessant. Da stickstoffbindende Pflanzen im Sinne des Greening aktuell den Faktor 1,0 aufweisen sind exakt 5 Prozent der Ackerfläche nötig. Auf diesen Flächen dürfen jedoch seit 2018 keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Bei mittleren Erträgen stehen einen spezialisierten Schweinemäster somit rund 3 bis 5 Prozent Erbsen in der mittleren Mastration zur Verfügung.
In diesem Versuch soll deshalb untersucht werden, wie sich niedrige bis mittlere Erbsenanteile in den Mastrationen auf Futteraufnahme und Leistung auswirken.

Versuchsdurchführung

Zum Einsatz der Erbsen wurden ein Versuch mit Mastschweinen am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum in Schwarzenau angelegt. Für den Versuch wurden 192 Tiere ausgewählt und auf 2 Behandlungsgruppen aufgeteilt. Die Tiere wurden in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Betonspalten ohne Einstreu gehalten.
  • Kontrolle: Eiweißträger ausschließlich Sojaextraktionsschrot
  • Testgruppe: Erbsen und Sojaextraktionsschrot als Eiweißträger; Erbsenanteil 3, 5 und 10 Prozent in Anfangs-, Mittel- und Endmast

Eingesetzte Versuchsrationen

Die Zusammensetzungen der eingesetzten Versuchsmischungen sind in nachfolgender Tabelle dargestellt.
Zusammensetzung der Versuchsrationen
Anfangsmast,
Kontrolle
Anfangsmast,
Testgruppe
Mittelmast,
Kontrolle
Mittelmast,
Testgruppe
Endmastmast,
Kontrolle
Endmastmast,
Testgruppe
Gerste (%) 30 30 35 35 40 40
Weizen (%) 50 48,5 47,5 45 47 42
Sojaextraktionsschrot, LP (%) 17 15,5 15 12,5 11 6
Erbsen (%) 0 3 0 5 0 10
Mineralfutter (%) 3 0 2,5 0 2 0
Mineralfutter, methioninreich (%) 0 3 0 2,5 0 2,5

Ergebnisse

Futteranalysen

Die nachfolgende Tabelle zeigt Energiegehalte sowie die analysierten Rohprotein- und Aminosäuregehalte
Energie- sowie analysierte Rohprotein- und Aminosäuregehalte der Versuchsrationen
Anfangsmast,
Kontrolle
Anfangsmast,
Testgruppe
Mittelmast,
Kontrolle
Mittelmast,
Testgruppe
Endmast,
Kontrolle
Endmast,
Testgruppe
Umsetzbare Energie (MJ) 13,3 13,5 13,3 13,3 13,4 13,5
Rohprotein (g) 175 176 177 165 151 152
Lysin (g) 11,5 10,7 10,4 9,6 8,1 8,1
Methionin plus Cystin (g) 5,8 6,0 5,7 5,2 4,9 5,4
Threonin (g) 6,8 6,6 6,6 5,9 5,5 5,5
Tryptophan (g) 1,7 1,7 1,8 1,8 1,8 1,6

Mast- und Schlachtleistungen

In der Gesamtmast erreichten die Kontrolltiere mit 838 Gramm exakt um 30 Gramm höhere Tageszunahme als die Tiere der Testgruppe mit Erbsen. Dieser Unterschied war statistisch noch abzusichern. Der Futterverbrauch war mit etwas über 2 Kilogramm beziehungsweise knapp 2,1 Kilogramm pro Tier und Tag in beiden Gruppen für das Mastabteil mit Flüssigfütterung gering. Unterschiede zwischen den Gruppen konnten nicht abgesichert werden. Gleiches galt auch für den Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs mit 2,47 beziehungsweise 2,58 Kilogramm.
Mast- und Schlachtleistungen
Kontrolle Testgruppe
Tägliche Zunahmen (g) 838 808
Futterverbrauch (g/Tier, Tag) 2,04 2,09
Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 2,47 2,58
Rückenmuskelfläche (cm²) 59,8 58,4
Fettfläche (cm²) 15,0 15,1
Muskelfleischanteil (%) 61,2 61,0
Fleischanteil im Bauch (%) 59,4 59,4
Bei den Schlachtleistungen waren keine Unterschiede im Fleisch- beziehungsweise Fettansatz zu erkennen. Der erzielte durchschnittliche Muskelfleischanteil von über 60 Prozent bei 800 Gramm täglichen Zunahmen ist als sehr gut zu bezeichnen.

Stickstoff- und Phosphorbilanzierung

Die anhand der Futterinhaltsstoffe und Zuwachs berechneten Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor waren in beiden Gruppen nahezu gleich. Mit 41 beziehungsweise 42 Gramm Stickstoff- und 5,3 beziehungsweise 5,1 Gramm Phosphoranfall je kg Zuwachs lagen die Ausscheidungen unterhalb den DLG-Vorgaben für eine 3-Phasenmast mit Vormast bei 850 Gramm Tageszunahmen.

Zusammenfassung und Fazit

Der Einsatz von Erbsen in Anteilen von 3 bis 10 Prozent in der Ration führte im Versuch zu geringeren täglichen Zunahmen von 30 Gramm. Dieser Unterschied war statistisch noch abzusichern. Berücksichtigt man dabei noch, dass in der Anfangs- und Mittelmast der Kontrollgruppe mehr Lysin analysiert wurde als vorab kalkuliert war, relativiert sich dieser Unterschied. Auf die Schlachtkörpermerkmale, insbesondere dem bezahlungsrelevanten Muskelfleischanteil hatte die Erbsenfütterung keinen Einfluss. Sowohl die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor als auch die Futterkosten waren in beiden Versuchsgruppen vergleichbar. Die Verwertung von Erbsen aus ökologischen Vorrangflächen ist somit durchaus positiv zu sehen.