Druckhydrothermische Aufbereitung von Körnermais und Sojaextraktionsschrot in der Ferkelaufzucht

Aufbereiteter Sojaextraktionsschrot und aufbereiteter Körnermais

druckhydrothermisch behandelt

Trotz sorgfältiger Auswahl der Futtermittel für Absetz- und Aufzuchtferkel stellt die Absetzphase nach wie vor einen großen Stress für die Tiere dar. Die Futterumstellung auf feste Nahrung, die noch nicht gänzlich abgeschlossene Entwicklung und die noch unzureichende Enzymaktivität im Magendarmtrakt sowie der Verlust der Umgebung und die Belastung mit Keimen sind einige Beispiele für die Herausforderungen in der Ferkelfütterung.
Die druckhydrothermische Verarbeitung von Futtermitteln beziehungsweise Rationskomponenten soll die Verwertung von Nährstoffen und Energie für Ferkel optimieren. Neben Bestandteilen wie Faser und Oligosaccharide spielen auch antinutritive Faktoren wie zum Beispiel Trypsininhibitoren in der Ferkelfütterung eine Rolle. Die Verarbeitung von Sojaextraktionsschrot und Mais durch druckhydrothermische Verfahren kann einen Beitrag für eine erhöhte Inaktivierung dieser antinutritiven Faktoren leisten. Es wird zudem erwartet, dass die druckhydrothermische Behandlung der einzelnen Komponenten zu einer höheren Verdaulichkeit führt und somit die Ferkel bei ihrer jungen Entwicklungsphase unterstützen. Ziel der Untersuchung war es die Komponenten Mais und Sojaextraktionsschrot druckhydrothermisch zu verarbeiten, ins Ferkelaufzuchtfutter einzumischen und die Aufzuchtleistung zu erfassen.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Schwarzenau durchgeführt. Er gliederte sich in zwei Fütterungsabschnitte mit jeweils 21 Tagen Dauer. Für den Versuch wurden 60 Absetzferkel ausgewählt und nach Lebendmasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt:
  • A: Kontrollgruppe, keine Behandlung von Körnermais oder Sojaextraktionsschrot
  • B: Druckhydrothermische Behandlung von Körnermais
  • B: Druckhydrothermische Behandlung von Sojaextraktionsschrot

Ergebnisse

In nachfolgender Tabelle sind die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch sowie der daraus errechnete Futteraufwand für die beiden Aufzuchtabschnitte sowie für die gesamte Aufzucht zusammengestellt. Die Versuchsfuttermischungen wurden ab Einstallung in das Versuchsabteil vorgelegt. Bis zum Versuchsstart konnten sich die Ferkel 5 Tage lang an die Abrufstationen gewöhnen.
In den Gruppen A und B wurden mit 520 und 518 Gramm im Mittel des Versuchs nahezu identische tägliche Zunahmen festgestellt. Auch wenn mit 547 Gramm um knapp 30 Gramm höhere tägliche Zunahmen in Gruppe C beobachtet wurden, sind die Unterschiede statistisch nicht abzusichern. In der Betrachtung der einzelnen Phasen ist festzustellen, dass im 1. Versuchsabschnitt die Tiere der Gruppe B gegenüber denen von Gruppe A signifikant höhere tägliche Zunahmen aufwiesen (433 gegenüber 368 Gramm), so zeigte sich im 2. Abschnitt in dieser Gruppe mit 608 Gramm der niedrigste Wert. Sowohl gegenüber Gruppe A mit 681 Gramm als auch Gruppe C mit 704 Gramm waren die Unterschiede signifikant.
 Gruppe AGruppe BGruppe C
Tägliche Zunahmen, Abschnitt 1 (g)368433398
Tägliche Zunahmen, Abschnitt 2 (g)681608704
Tägliche Zunahmen, gesamt (g)520518547
Futterabruf, Abschnitt 1 (g/Tier, Tag)534668520
Futterabruf, Abschnitt 2 (g/Tier, Tag)105410391072
Futterabruf, gesamt (g/Tier, Tag)788849789
Futteraufwand, Abschnitt 1 (kg/kg Zuwachs)1,491,571,30
Futteraufwand, Abschnitt 2 (kg/kg Zuwachs)1,551,711,54
Futteraufwand, gesamt (kg/kg Zuwachs)1,521,641,45
Auch wenn im Mittel des Versuchs zwischen 788 und 849 Gramm Futter pro Tier und Tag abgerufen wurden, sind die Unterschiede statistisch nicht abzusichern. In der Betrachtung der einzelnen Phasen ist festzustellen, dass im 1. Abschnitt die Tiere von Gruppe B mit 668 Gramm signifikant mehr Futter aufnahmen, als Tiere der Gruppe A mit 534 Gramm und Tiere der Gruppe C mit 520 Gramm. Im 2. Versuchsabschnitt waren die Unterschiede nicht signifikant und der Futterabruf pro Tier und Tag belief sich auf 1039 Gramm (Gruppe B), 1054 Gramm (Gruppe A) und 1072 Gramm (Gruppe D).
In beiden Aufzuchtphasen und im Versuchsmittel wurde in Gruppe C der günstigste Futteraufwand errechnet. Gegenüber Gruppe B waren die Unterschiede durchgängig signifikant. Im Versuchsmittel betrug der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs 1,45 Kilogramm in Gruppe C, 1,52 Kilogramm in Gruppe A und 1,64 Kilogramm in Gruppe B.
Auf die Kotkonsistenz in den Buchten war kein Effekt der Fütterung zu erkennen.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Über die gesamte 6-wöchige Aufzucht führte die druckhydrothermische Verarbeitung von Körnermais beziehungsweise Sojaextraktionsschrot gegenüber der Kontrolle zu keiner Veränderung der Futteraufnahme und der Aufzuchtleistung. Allerdings zeigte die druckhydrothermische Verarbeitung von Körnermais im ersten Aufzuchtabschnitt (9-18 Kilogramm schwere Ferkel) einen positiven Effekt. Der Futterabruf war gegenüber der Kontrollgruppe und gegenüber der Gruppe mit aufbereitetem Sojaextraktionsschrot signifikant erhöht. Die höhere Futteraufnahme bei der Gruppe mit verarbeitetem Mais zeigte eine höhere Zunahme, führte allerdings im ersten Aufzuchtabschnitt nicht zu einem günstigeren Futteraufwand. Möglicherweise führt die Verarbeitung von Körnermais zu einer Verbesserung der Schmackhaftigkeit des Futters, was insbesondere jüngere Tiere zu einer höheren Futteraufnahme animiert. Die druckhydrothermischen Verarbeitung von Körnermais ist somit insbesondere bei jüngeren Tieren beziehungsweise zum Zeitpunkt des Absetzten zu diskutieren