Mastversuch mit starker und sehr starker stickstoffreduzierter Fütterung

Mastschweine an Abrufstatione

Vor dem Hintergrund einer erneuten Novellierung der Düngeverordnung von 2017 und der von den Betrieben vorzulegenden Stoffstrombilanz wird es immer wichtiger, die Stickstoff- (N) und Phosphor- (P) Ausscheidungen durch die Tiere zu minimieren. Zahlreiche Versuche mit Mastschweinen belegen, dass sich durch die Reduzierung des Rohproteingehaltes in der Futtermischung bei gleichzeitiger Zulage von Aminosäuren keine beziehungsweise nur geringfügige Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistungen ergeben, wenn sich die N-Reduzierung im Bereich einer stark N-reduzierten Fütterung nach DLG-Vorgaben bewegte.
In vorliegender Untersuchung wurde eine N-Absenkung nach den DLG-Vorgaben von 2019 für eine sehr stark N-reduzierte Fütterung beziehungsweise eine noch etwas weitere Absenkung angestrebt.

Versuchsdurchführung

Der Fütterungsversuche wurde am Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 96 Mastläufer ausgewählt und nach Lebendmasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf vier Versuchsgruppen aufgeteilt. Der Versuch gliederte sich in 3 Fütterungsphasen (30 bis 60, 60 bis 90 und 90 bis 120 Kilogramm Lebendmasse).

Versuchsgruppen

  • A: stark N-reduzierte Fütterung nach DLG-Vorgaben von 2014; Aminosäureergänzung auf Basis Bruttoaminosäuren; 17, 12,5 und 6 Prozent Sojaextraktionsschrot in den einzelnen Fütterungsphasen
  • B: stark N-reduzierte Fütterung nach DLG-Vorgaben von 2014; Aminosäureergänzung auf Basis dünndarmverdaulich; 17, 12,5 und 6 Prozent Sojaextraktionsschrot in den einzelnen Fütterungsphasen
  • C: sehr stark N-reduzierte Fütterung nach DLG-Vorgaben von 2019; Aminosäureergänzung auf Basis dünndarmverdaulich; 13,5, 9 und 4,5 Prozent Sojaextraktionsschrot in den einzelnen Fütterungsphasen
  • D: weitere N-Absenkung unter die DLG-Vorgaben von 2019, Aminosäureergänzung auf Basis dünndarmverdaulich; 11, 7 und 2,5 Prozent Sojaextraktionsschrot in den einzelnen Fütterungsphasen
Den Versuchsrationen wurden bis zu sechs Aminosäuren zugelegt. Das Futter wurde den Tieren über Abrufstationen mit automatischer Futterverwiegung tierindividuell zugeteilt. Die Tiere waren zu Versuchsbeginn im Mittel 74 Tage alt und hatten eine Lebendmasse von rund 30,5 Kilogramm. Die Tiere wurden wöchentlich gewogen. Bei Erreichen von etwa 120 Kilogramm Lebendmasse wurden die Tiere im Versuchsschlachthaus Schwarzenau geschlachtet.

Ergebnisse

Futteruntersuchungen

In nachfolgender Tabelle sind die analysierten Gehalte an Rohprotein und Lysin für die Versuchsrationen in den einzelnen Mastabschnitten zusammengestellt.
Analysierte Rohprotein- und Lysingehalte im Futter
Versuchsgruppe AVersuchsgruppe BVersuchsgruppe CVersuchsgruppe D
Rohprotein (g/kg Futter)Fütterungsphase 1178181174162
Fütterungsphase 2159165159148
Fütterungsphase 3147146142134
Lysin (g/kg Futter)Fütterungsphase 110,711,110,710,6
Fütterungsphase 29,18,38,78,2
Fütterungsphase 38,18,08,67,7

Mastleistungen und Schlachtkörpermerkmale

Die Mast- und Schlachtleistungen sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. In der Gesamtmast wurden keine signifikanten Unterschiede bei den Tageszunahmen zwischen den Gruppen festgestellt. In Gruppe A beziehungsweise D wurden mit 800 beziehungsweise 799 Gramm nahezu identische Werte erzielt. Jedoch zeigten sich insbesondere in der 1. Fütterungsphase in Gruppe B signifikant niedrigere tägliche Zunahmen. Der Futterabruf lag in allen Gruppen im Mittel zwischen 2,1 und 2,2 Kilogramm pro Tier und Tag. Signifikante Unterschiede zeigten sich dabei nur in der 1. Fütterungsphase. Im Mittel der Mast errechnete sich ein Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs von 2,7 Kilogramm in den Gruppen A und B sowie von 2,8 Kilogramm in den Gruppen C und D.
Das bezahlungsrelevante Merkmal Muskelfleischanteil war mit Werten zwischen 60,3 Prozent in Gruppe D und 61,0 Prozent in den Gruppe A und B im Geschlechtermix als hoch einzustufen.
Mastleistungen und Schlachtkörpermerkmale
Versuchsgruppe AVersuchsgruppe BVersuchsgruppe CVersuchsgruppe D
Tägliche Zunahmen (g)800764784799
Futterabruf (kg pro Tier und Tag)2,22,12,22,2
Futteraufwand (kg pro kg Zuwachs)2,72,72,82,8
Muskelfleischanteil (%)61,061,060,460,3
Fleischanteil im Bauch (%)60,160,759,360,2

Stickstoff- und Phosphorausscheidungen

Bei den Stickstoffausscheidungen war zwischen den Versuchsgruppen A und B aufgrund des gleichen Anteils an Sojaextraktionsschrot kein Effekt zu erwarten. Auch in Versuchsgruppe C ergab sich wegen des etwas ungünstigeren Futteraufwandes noch keine Reduzierung. In Versuchsgruppe D wurde gegenüber allen anderen Gruppen eine Reduzierung der Stickstoffausscheidung von 8 Prozent ermittelt. Durch die Reduzierung des Anteils an Sojaextraktionsschrot zugunsten von Getreide verringerten sich auch die Phosphorgehalte in den Rationen und somit auch die Ausscheidungen an Phosphor.

Zusammenfassung und Fazit

Durch die Reduzierung von Sojaextraktionsschrot und Zulage von essentiellen Aminosäuren in Rationen für Mastschweine lassen sich Stickstoff- und Phosphorausscheidungen reduzieren. Bei einem Leistungsniveau von 800 Gramm täglichen Zunahmen werden Leistungen und Schlachtkörpermerkmale auch bei Stickstoffabsenkungen, die leicht unterhalb der DLG-Empfehlungen von 2019 für eine sehr stark stickstoffreduzierte Mast liegen, nicht negativ beeinflusst.