Unterschiedlich hohe Roggenanteile im Futter von Ferkeln und Mastschweinen

Aktuell rückt Roggen wieder stärker in den Fokus der Tierernährung. In der Vergangenheit war der Befall mit Mutterkorn ein Risiko für den Einsatz in der Fütterung. Neue Hybridroggensorten sind jedoch weniger anfällig für Mutterkorn. In der Fütterung von Schweinen kann Roggen gegenüber anderen Getreidearten aufgrund einiger positiver Eigenschaften sogar punkten und sich unter Umständen als vorteilhafter erweisen. So wird Roggen positiv für die Darmgesundheit betrachtet. Roggen kann im Vergleich zu den anderen Getreidesorten den Dickdarm sehr gut mit Ballaststoffen versorgen und mit einer gesteigerten Butyratbildung im Dickdarm systematisch die Gesundheit der Tiere unterstützen.
In einem ersten Versuch vom Absetzen bis zur Schlachtung wurden unterschiedliche Roggenanteile in der Ferkelaufzucht und Schweinemast geprüft. Dieser Versuch wurde an Abrufstationen durchgeführt. Im einem weiteren Versuch mit Ferkel wurde der Einsatz von Roggen unter praxisnahen nochmals geprüft.
Versuchsdurchführung
Mit Roggen aus der Ernte 2024 startetet der zweite Versuch mit zeitlichem Abstand Ende 2024.
Beide Versuche wurden am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter durchgeführt.
Versuch 1 (Ferkelaufzucht und Schweinemast)
Tier Tiere wurden nach Körpermasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf folgende Versuchsgruppen verteilt:
Versuchsgruppen in der Ferkelaufzucht
- A: Kontrolle, ohne Roggen
- B: Roggen nach DLG-Empfehlung von 2006: 10 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I, 20 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II
- B: Roggen "hoch": 15 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I; 25 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II
- C: Roggen "sehr hoch": 20 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I, 30 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II
Versuchsgruppen in der Schweinemast
- A: Kontrolle, ohne Roggen
- B: Roggen nach DLG-Empfehlung von 2006: 35 Prozent in der Anfangsmast, 50 Prozent in der Mittel- und Endmast
- C: Roggen "hoch": 40 Prozent in der Anfangsmast, 60 Prozent in der Mittel- und Endmast
- D: Roggen "sehr hoch": 50 Prozent in der Anfangsmast, 70 Prozent in der Mittel- und Endmast
Versuch 2 (Ferkelaufzucht)
Die Ermittlung des Futterverbrauchs erfolgte täglich für jede Bucht über eine Spotmix Waage- und Transporteinheit (Spotmix Vista II). Die Körpermassen wurden wöchentlich am Einzeltier erfasst.
Der Versuch gliederte sich drei Fütterungsabschnitte: Eine Woche Absetzfutter, zwei Wochen Ferkelaufzuchtfutter I und drei Wochen Ferkelaufzuchtfutter II. Die nur eine Woche dauernde Absetzphase wurde für die Auswertung mit der ersten Aufzuchtphase zusammengefasst, so dass sich zwei Auswertungsabschnitte mit einer Dauer von jeweils 3 Wochen ergaben.
Tier Tiere wurden nach Körpermasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf folgende Versuchsgruppen verteilt:
Versuchsgruppen
- Kontrolle, ohne Roggen
- Roggen, 10 Prozent im Absetzfutter, 15 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I und 25 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II
Ergebnisse
Versuch 1, Ferkelaufzucht

Auch auf den Futterabruf pro Tier und Tag war mit Werten zwischen 736 Gramm in Gruppe D und 780 Gramm in Gruppe A kein statistisch signifikanter Einfluss festzustellen.
Beim Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs zeigten sich bei mittleren Roggenanteilen mit 1,43 Kilogramm beziehungsweise 1,44 Kilogramm die günstigsten Werte. Die Unterschiede waren gegenüber der Kontrollgruppe mit 1,50 Kilogramm sowie der Gruppe mit dem höchsten Roggenanteil und 1,51 Kilogramm signifikant.
- Milchsäure: Anstieg von 3,0 auf 8,0 Gramm pro Kilogramm
- Essigsäure: Anstieg von 21,0 auf 25,7 Gramm pro Kilogramm
- Propionsäure: Anstieg von 6,8 auf 11,0 Gramm pro Kilogramm
- Buttersäure: Anstieg von 4,8 auf 9,0 Gramm pro Kilogramm
Versuch 1, Schweinemast

Auch auf den Futterverbrauch pro Tier und Tag ergab sich mit Werten zwischen 2,19 Kilogramm in den Gruppen A und D sowie 2,31 Kilogramm in Gruppe C kein statistisch abzusichernder Effekt.
Es zeigte sich aber in den Roggengruppen mit 2,76 bis 2,80 Kilogramm ein signifikant höherer Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs als in der Kontrolle mit 2,65 Kilogramm.
Die Mehrzahl der Schlachtkörperparameter wurde durch den steigenden Roggenanteil im Futter nicht signifikant beeinflusst. Das betraf insbesondere den bezahlungsrelevanten Muskelfleischanteil. In den einzelnen Gruppen wurden im Mittel Werte zwischen 59,7 und 60,7 Prozent erzielt.
Versuch 2

Der Futterverbrauch pro Tier und Tag war in der Roggengruppe durchgehend geringer. Signifikante Effekte zeigten sich nur im ersten Auswertungsanschnitt mit 485 Gramm in der Kontroll- und 446 Gramm in der Roggengruppe. Im Mittel des Versuchs wurde ein Futterverbrauch von 769 Gramm in der Kontroll- und von 736 Gramm in der Roggengruppe festgestellt.
Im Mittel des Versuches war Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs in der Kontrollgruppe mit 1,50 Kilogramm signifikant niedriger als in der Roggengruppe mit 1,56 Kilogramm. Auch im 1. Auswertungsabschnitt war der Futteraufwand in der Roggengruppe signifikant höher.
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Versuch 1
- 5 bis 25 Prozent Roggen im Ferkelaufzucht- und 40 bis 60 Prozent im Mastfutter zeigten keine negativen Effekte auf Leistung und Schlachtkörpermerkmale.
- Höhere Roggenanteile von 20 bis 30 Prozent im Ferkelaufzucht- und von 50 bis 70 Prozent im Mastfutter führten lediglich zu numerisch niedrigeren Werten beim Futterverbrauch und den täglichen Zunahmen.
- Es zeigte sich in der Ferkelaufzucht kein gerichteter Effekt des Roggenanteils im Futter auf den Futteraufwand, in der Mast war der Futteraufwand in allen Roggengruppen signifikant höher.
- Bei 20 bis 30 Prozent Roggen im Ferkelaufzuchtfutter zeigte sich eine deutlicher Anstieg kurzkettiger Fettsäuren im Kot.
Versuch 2
- 10 Prozent Roggen im Absetz- und 15 bis 25 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter führten zu signifikant niedrigeren täglichen Zunahmen und einem signifikant höheren Futteraufwand. Die Einsatzempfehlungen der DLG wurden dabei etwas überschritten.
- Der Futterverbrauch war in den ersten drei Wochen in der Roggengruppe signifikant niedriger. Ab der 4. Versuchswoche und im Mittel des Versuchs unterschied er sich nicht signifikant, lag aber in der Roggengruppe numerisch niedriger.
- In der verwendeten Roggencharge wurden knapp 480 Mikrogramm Ergotalkaloide pro Kilogramm gefunden. Dies ist zwar deutlich niedriger als der vorläufige Richtwert für kritische Konzentrationen im Ferkelfutter, überschreitet aber den aktuellen Höchstgehalt für Roggenmahlerzeugnisse im Lebensmittelbereich.
- Zur Interpretation der Ergebnisse ist der hohe Roggenanteil von 10 Prozent im Absetzfutter zusammen mit den im Roggen gefundenen Ergotalkaloiden zu diskutieren.
Die DLG Einsatzempfehlungen für Roggen mit 10 bis 20 Prozent beim Ferkel und von 30 bis 50 Prozent in der Schweinemast wurden insgesamt bestätigt.

