Öko-Schweine erfolgreich mästen - wie nah kommt die Biofütterung an konventionelle Leistungen heran?

fünf Schweine liegen im Stroh

Die Frage, wie leistungsfähig ökologische Schweinefütterung im Vergleich zur konventionellen Mast ist, steht im Zentrum eines aktuellen Mastversuchs. Untersucht wurde, welche Leistungen auch ohne den Einsatz freier Aminosäuren und ohne mikrobielle Phytase erreichbar sind – entsprechend den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Zentraler Ausgangspunkt: Während in der konventionellen Fütterung essenzielle Aminosäuren und die Phosphorverfügbarkeit gezielt über Zusatzstoffe gesteuert werden können, müssen ökologische Rationen vollständig über die Auswahl und Kombination der Einzelfuttermittel optimiert werden. Dies stellt deutlich höhere Anforderungen an die Rationsplanung.

Versuchsaufbau

Der Mastversuch wurde am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter mit insgesamt 192 Mastschweinen durchgeführt. Ziel war ein praxisnaher Vergleich zweier Fütterungssysteme:
  • konventionelle Vergleichsration (dreiphasig; Eigenmischung)
  • ökologische Versuchsration (zweiphasig, Alleinfutterzukauf)
Haltung, Genetik und Management waren identisch, um Fütterungseffekte isoliert bewerten zu können.

Rationen im Überblick

Konventionelle Fütterung

  • Einsatz freier Aminosäuren und mikrobieller Phytase
  • niedrige Rohproteinkonzentration bei hoher Energiedichte
  • stärkebetonte Getreidebasis

Ökologische Fütterung

  • Rohprotein- und Aminosäureversorgung ausschließlich über heimische Eiweißfuttermittel wie Sojakuchen und Ackerbohnen
  • höhere Rohfaserkonzentration und etwas geringere Energiedichte
  • kein Einsatz freier Aminosäuren und mikrobieller Phytase

Mastleistung: kaum Unterschiede

Die Ergebnisse zeigen ein einheitliches Leistungsniveau:
  • Tägliche Zunahmen: 852 Gramm (konventionell) gegenüber 834 Gramm (ökologisch)
  • Mastendgewichte nahezu identisch
  • Mastdauer vergleichbar
Auch der Futterverbrauch war nur leicht erhöht in der Ökogruppe. Insgesamt konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Mastleistung festgestellt werden.

Schlachtleistung: Unterschiede im Detail

Der Muskelfleischanteil lag in beiden Gruppen auf nahezu identischem Niveau (rund 59 Prozent). Unterschiede zeigten sich jedoch im Detail:
  • konventionell: höhere Schlachtgewichte und Ausschlachtung
  • ökologisch: geringere Fettauflagen, teilweise besseres Fett-Fleisch-Verhältnis und höherer Fleischanteil im Bauch
Insgesamt ergaben sich bei standardisierter Bewertung nahezu identische Auszahlungspreise, sodass die Fütterung allein keine wirtschaftlich relevanten Unterschiede erzeugte.

Nährstoffeffizienz: zentrale Systemgrenze

Deutliche Unterschiede zeigten sich bei der Nährstoffeffizienz:
  • Stickstoffeffizienz: 48 Prozent (konventionell) gegenüber 36 Prozent (ökologisch)
  • Phosphoreffizienz: 47 Prozent (konventionell) gegenüber 32 Prozent (ökologisch)
Ursache sind vor allem die höheren Rohprotein- und Phosphorkonzentrationen in ökologischen Rationen sowie die fehlenden Möglichkeiten der Nährstoffpräzision über freie Aminosäuren und mikrobielle Phytase. Die Folge: höhere rechnerische Stickstoff- und Phosphorausscheidungen in der ökologischen Erzeugung. Bei der Einordnung dieser Ergebnisse ist jedoch zu berücksichtigen, dass ökologische Betriebe stärker in betriebliche Nährstoffkreisläufe eingebunden sind. Die Ergebnisse beschreiben daher fütterungsbedingte Unterschiede und keine direkte Umweltbewertung der Produktionssysteme.

Einordnung und Fazit für die Praxis

Ferkel liegt im Stall und schaut in die Kamera
Die Ergebnisse zeigen insgesamt ein hohes und praxisnahes Leistungsniveau der ökologischen Mast im Vergleich zur konventionellen Fütterung. Die täglichen Zunahmen lagen im Versuch mit über 830 Gramm nur geringfügig unter dem konventionellen Niveau, bei vergleichbarem Schlachtkörperwert und nahezu identischem Muskelfleischanteil. Deutlicher als bei der Mast- und Schlachtleistung zeigen sich Unterschiede in der Nährstoffeffizienz: Aufgrund höherer Rohprotein- und Phosphorkonzentrationen sowie der eingeschränkten Steuerungsmöglichkeiten über Zusatzstoffe entstehen in der ökologischen Erzeugung höhere Stickstoff- und Phosphorausscheidungen. Dies ist als systembedingte Grenze der Nährstoffpräzision zu bewerten.

Für die Praxis bedeutet dies: Leistungsfähige ökologische Mastkonzepte sind gut umsetzbar, setzen jedoch eine besonders sorgfältige Auswahl und Kombination der Rohkomponenten voraus. Entscheidend ist die Qualität der Rationsgestaltung sowie eine gezielte Nutzung verfügbarer Eiweiß- und Energiefuttermittel. Der Versuch bestätigt damit, dass moderne Ökofütterung unter optimaler Rationsgestaltung sehr nahe an konventionelle Leistungen heranreichen kann, während die Nährstoffeffizienz weiterhin eine zentrale Herausforderung bleibt.