Pflege von Hecken und Feldgehölzen - Fachgerechter Schnitt
Durch eine vorausschauende Jungbaumpflege können vitale und verkehrssichere Bäume entwickelt werden. Diese frühzeitigen Schnittmaßnahmen ermöglichen in der Regel kleine Schnittstellen und beugen somit größeren Fäulen vor. Bei der
Pflege von Hecken und Feldgehölzen ist die Erhaltung der agrarökologischen Funktionen des Gesamtbestandes während des kompletten Pflegezeitraumes ein wichtiges Ziel.
So geht's nicht
Bei Aufastungen von Bäumen sollten Starkastschnitte mit einem Durchmesser über 10 cm möglichst vermieden werden, da die Überwallung zu lange dauert. Dies kann zu dauerhaften Schäden wie Vitalitätsverlust und größeren Einfaulungen führen. Aus den gleichen Gründen dürfen keine Aststümpfe stehen bleiben, da sie mit der Zeit absterben. Die sich bildende Fäulnis dringt in den Stamm und schädigt den Baum nachhaltig.
Zoombild vorhanden
Foto: Otto Wünsche
Hecken und Feldgehölze als naturschutzrechtlich geschützte Landschaftsbestandteile dürfen durch die Pflegemaßnahmen nicht erheblich beeinträchtigt werden. Das Auf-den-Stock-Setzen von Hecken und Feldgehölzen mit Fräsköpfen ist somit ungeeignet, da diese Geräte die Gehölze erheblich schädigen.
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Foto: Otto Wünsche
Entlang von Verkehrswegen ist der Einsatz von schwenkbaren Schneidgeräten für senkrechte, aber auch waagrechte Schnitte häufig in unserer Kulturlandschaft zu sehen. Derartige Schnitthecken sind sehr arbeitsintensiv und bei weitem nicht so wertvoll wie Hecken mit ungestört blühenden und fruchtenden Gehölzen. Bei Neupflanzungen sollten auch Alternativen wie zum Beispiel Baumreihen in Erwägung gezogen werden.
Auch ein Schnitt auf Kniehöhe führt nicht zur Erneuerung agrarökologischer Funktionen aus der Basis, da der starke Austrieb unterhalb der Schnittstellen die Sträucher zusätzlich instabil macht.
So geht's richtig
Bei der Aufastung von Bäumen soll der Astring, also die ringförmige Verdickung am Astansatz, erhalten bleiben und nicht verletzt werden. Bei glatten und sauberen Schnittstellen wird die entstandene Wunde am schnellsten überwallt.
Der Astring ist bei jeder Baumart nicht gleich gut ausgeprägt und fehlt oft bei spitzwinkeligen Verzweigungen. Hier ist bei der Schnittführung darauf zu achten, dass entstehende Wunden so klein wie möglich bleiben, aber die Schnitte so dicht wie möglich am Stamm geführt werden. Oft muss man einen Kompromiss eingehen, da ein Schnitt dicht am Stamm eine zu große Wundfläche hinterlassen würde, die der Baum nicht überwallen kann. Durch die kleinstmögliche Schnittfläche würde aber ein zu langer Stumpf entstehen.
Bei größeren Ästen ist es meist erforderlich, drei Schnitte durchzuführen, um ein Einreißen bis in den Stamm zu verhindern. Dazu wird der Ast zuerst in einiger Entfernung vom Stamm auf der Unterseite mit einem ersten Schnitt, dem sogenannten
Unterschnitt angeschnitten. Der zweite, sogenannte Oberschnitt von oben nach unten wird nochmals einige Zentimeter nach außen gelegt, bevor der Reststumpf mit dem dritten Schnitt, dem Trennschnitt abgesägt wird.
Unterschnitt angeschnitten. Der zweite, sogenannte Oberschnitt von oben nach unten wird nochmals einige Zentimeter nach außen gelegt, bevor der Reststumpf mit dem dritten Schnitt, dem Trennschnitt abgesägt wird.
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Foto: Otto Wünsche
Aus der Basis treibende Gehölzarten wie Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana), Heckenrose (Rosa canina), Schlehe (Prunus spinosa) und Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) eignen sich für das Auf-den-Stock-Setzen. Bei dieser Pflegemaßnahme werden die gesamten Gehölze etwa eine Hand breit über dem Boden abgesägt.
Die Pflanzen regenerieren sich aus dem Wurzelstock und die Sträucher entwickeln sich mit ihrem typischen Wuchsbild. Bäume wie Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Traubenkirsche (Prunus padus) und Eberesche (Sorbus aucuparia) treiben in der Regel mehrtriebig nach und entwickeln sich zum Großstrauch oder mehrstämmigen Baum.
Glatte Schnitte mit einer (Motor-) Säge fördern die Heilung der Schnittwunden und vermeiden das Eindringen von Pilzen und Insekten.

