Forschungsvorhaben
Verbreitung und Schadbilder durch Stolbur und SBR im Gemüsebau und die Schilf-Glasflügelzikade als Vektor
Zoombild vorhanden
Adulte Schilf-Glasflügelzikade (P. leporinus) auf einer Kartoffelpflanze
Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) ist ein heimisches Insekt, das ursprünglich auf Schilf-Gräsern anzutreffen war. Heute tritt diese primär im Süden Deutschlands auf. Aufgrund der generalistischen Eigenschaften nutzt die Zikade ein breites Spektrum an Wirtspflanzen. Seit 2024 ist das Vorkommen auch in bayrischen Gemüseanbauregionen belegt. Die Schilf-Glasflügelzikade kann den Erregerkomplex aus SBR und Stolbur auch auf Gemüsearten übertragen, was dort zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führt. Seit den späten 2000er Jahren wurde die Zuckerrüben-Krankheit "SBR" (Syndrome Basses Richesses) in Deutschland zunehmend bedeutend. Der Anteil der von dieser Krankheit betroffenen Flächen hat seitdem kontinuierlich zugenommen.
Übertragung von Schaderregern
Durch das Saugen der Adulten Tiere sowie Nymphen (Larven) an Pflanzenteilen können zwei bakterielle Schaderreger übertragen werden. Die Schilf-Glasflügelzikade gilt dabei als Hauptvektor der bakteriellen Erreger:
- Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (γ-Proteobakterium)
- Candidatus Phytoplasma solani (Stolbur-Phytoplasma)
Betroffene Kulturen und Symptome
Im Gemüse wird die Krankheit als "Bakterielle Gemüsekrautwelke" bezeichnet und stellt den Gemüseanbau vor neue Herausforderungen. Zu den betroffenen Kulturen gehören vor allem Rhabarber, Karotte, Rote Beete, Sellerie, Mangold, Pastinake, Wurzelpetersilie, Chicorée und weitere. Zu den Symptomen des Erregerkomplexes zählen Blätterverfärbung, Welken, Geschmacksveränderung und Qualitätseinbußen. Weiche sowie gummiartige Speicherorgane gehören ebenfalls zu den SBR- und Stolbur-Symptomen.
Projektvorstellung
Viele Aspekte der Schilf-Glasflügelzikade sind noch ungeklärt. Um die aktuelle die Situation in Bayern zu erfassen, startete 2026 das Monitoringprojekt in den Gemüsebauregionen Bayerns. Der Fokus liegt dabei auf den Kulturen Möhren, Rote Beete und Kohl. Dafür wurden in Kooperation mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Erzeugerring-Beratern und Beraterinnen in ganz Bayern 48 Klebetafeln in verschiedenen Gemüsekulturen aufgestellt. Die Klebetafeln werden wöchentlich ausgetauscht und durch geschulte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausgewertet. Die wöchentlich beobachtete Anzahl der Adulten Schilf-Glasflügelzikaden fließen in das bayerische Monitoring und darüber hinaus in ein bundesweites Monitoring ein.
Bayerisches Monitoring der Schilf-Glasflügelzikade auf Gemüseflächen 2026
Beschriftete Klebetafel zur Auswertung
Zielsetzung
Ziel des Monitorings ist es, einen Überblick über die Populationsdynamik und Wirtspezifität der Schilf-Glasflügelzikade zu gewinnen. Damit soll die Grundlage geschaffen werden, um zukünftige Entwicklungen schnell zu erfassen und mögliche Pflanzschutzmaßnahmen zu entwickeln. Bisher sind noch wenig Kontrollmaßnahmen bekannt. Wichtig ist es, die Fruchtfolgen zu beachten. Auch Kulturschutznetze können eingesetzt werden.