Pilzkrankheiten in Wintergerste – Monitoring
Aktuelle Hinweise vom 30.04.2026
Die anhaltende Trockenheit, lokale Nachtfröste noch in dieser Woche, Tag-Nacht-Temperaturgradienten von mehr als 20 Grad, intensive Sonneneinstrahlung und ein stetiger Wind, der die relative Luftfeuchte ab Mittag weit unter 40 % drückt, setzt auch die Getreidebestände unter Stress, vor allem auf leichteren Standorten. Nach einem trockenen Wochenende mit frühsommerlichen Temperaturen, werden ab nächster Woche erste Regenfälle erwartet. Erst dann richtet sich der Fokus auch wieder auf mögliche Krankheiten im Getreide, denn hier herrschte in der Trockenheit der letzten Wochen quasi Stillstand.
Bei der Mehrzahl der Wintergersten spitzte zu Beginn der Woche das Fahnenblatt (BBCH 37) oder war bereits vollständig entfaltet (BBCH 39). Lediglich in kühleren Lagen wird dies erst ab der kommenden Woche der Fall sein. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit sind die Bestände weiterhin sehr gesund. Meist finden sich nur auf ein bis zwei der 30, je Standort wöchentlich bonitierten Pflanzen vereinzelt Krankheitssymptome, weit entfernt von den Bekämpfungsschwellen. Ab BBCH 39 werden die Krankheitskontrollen eine Blattetage höher als bisher durchgeführt, auf F-2 und F-3, dem dritten und vierten Blatt von oben.
Nur knapp 10 Prozent Monitoringschläge haben bislang eine Bekämpfungsschwelle überschritten. Meist betrifft dies die Netzflecken, vorwiegend im Norden und Osten Bayerns, Dies ist der Fall, wenn mehr als 20 Prozent der Pflanzen erste Netzflecken auf dem dritten oder vierten Blatt von oben zeigen. Netzflecken erkennt man an den kleinen, kräftig dunkler gefärbten Infektionszentren, später teils auch streifigen Strukturen im Innern der Flecken. Diese sind beim sogenannten „spot-Typ“ eher rundlich, beim „net-Typ“ eher länglich, allerdings stets von einem hellen chlorotischen Hof umgeben. Netzflecken breiten sich auch leicht über die Blattadern hinweg aus, anders als etwa anfangs ähnlich aussehende Ramularia-Flecken, die in der Regel durch Blattadern seitlich scharf begrenzt werden. Nur ein Schlag im Landkreis Haßberge überschritt bislang für Mehltau die Schwelle, mit ersten Pusteln bei mehr als jeder zweiten Pflanze. Bei der eigentlich mehltaugesünderen Sorte Avantasia deutet dies auf trockenheitsbedingten Stressmehltau hin, frühestens mit neuer Feuchte und wärmeren Nächten droht hier eine weitere Ausbreitung.
Für die seltenen Fälle mit Netzflecken über der Schwelle, sollte mit dem Regen ab kommender Woche zeitnah eine Behandlung erfolgen. Hat ein Bestand BBCH 39 noch nicht erreicht, eignen sich dazu zum Beispiel (Aufwandmengen jeweils je ha) 0,8 l Input Classic (oder Cherokee Neo, Flexure, Hint), 0,8 l Input Triple, 1,5 l Delaro Forte, 0,6 l Verben, 1,25 l Xenial, ohne stärkeren Mehltau zum Beispiel auch 1,0 l Balaya, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC oder 150 bis 200 g Prothioconazol über eines der zahlreichen Prothioconazol-Solomittel, wie 0,6 bis 0,8 l Aurelia, Ecana, Tokyo oder Traciafin. In diesen Fällen ist die eigentliche Abschlussbehandlung etwa zwei Wochen später zum Ährenschieben einzuplanen.
Ab BBCH 39/49, was viele Bestände in der kommenden Woche erreichen werden, lässt sich dagegen ein Gerstenbestand mit einer breitwirksamen Abschlussbehandlung ausreichend sicher bis zur Abreife schützen. Sollte sich in den nächsten Tagen, nach Niederschlägen wieder strahlungsreiches Hochdruckwetter einstellen, könnte dies, in ausreichend weit entwickelten Beständen, ein entscheidender Auslöser für die langfristig wichtigste Krankheit der Gerste, die Ramularia-Sprenkelkrankheit sein. Im Fokus der letzten, heuer meist auch der einzigen Fungizidmaßnahme, steht dann wieder dieser Schadpilz. Um die Ramularia-Wirkung zu verbessern und die weiter fortschreitende Resistenzbildung zu vermeiden, sollten 750 g des Kontaktwirkstoffes Folpet eingesetzt werden, enthalten zum Beispiel in Folpan 500 SC, Nafabo oder Amistar Max. Zu 1,5 l Folpan 500 SC, Nafabo oder Amistar Max eigenen sich als breitwirksame Partner zum Beispiel 1,2 l Ascra Xpro, 1,5 l Balaya, 1,0 l Elatus Era, 1,5 l Jordi 1,5 l Revytrex, sowie der Avastel-Pack (1,5 l Pioli + 0,75 l Soratel). Bei etwas geringerer und unsicherer Wirkung, aber günstigeren Gewässerabstandsauflagen, lässt sich Folpet auch durch gut formulierten Schwefel, wie zum Beispiel 4,0 l Thiopron ersetzen.
Bei vielen sehr gesunden Wintergersten lässt sich eine Maßnahme auch bis zum Beginn/Mitte des Ährenschiebens (BBCH 51/55) hinauszögern. Damit gewinnt man, insbesondere auf den besseren Standorten, zusätzliche Sicherheit für eine ausreichende Wirkungsdauer oder kann im Bedarfsfall auch günstigere Azol-Folpet-Kombinationen mit reduzierter Breiten- und Dauerwirkung nutzen.
Weitere Hinweise zu Strategien und Fungiziden finden Sie in den untenstehenden Informationen
Prognose Wintergerstenkrankheiten (SIG)
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