Pilzkrankheiten in Wintergerste – Monitoring

Aktuelle Hinweise vom 09.04.2026

Schon der Winter 2025/26 war erneut zu mild und viel zu trocken. Bis auf Unterfranken mit seinen außergewöhnlichen Schneemengen im Januar, fehlten in weiten Teilen Bayerns 20 bis 40 % der langjährig üblichen Winterniederschläge. Im März und April setzte sich dieser Trend fort. Auch der März war 1,0 °C wärmer als im langjährigen Mittel und brachte nur halb so viel Regen wie üblich. In der Osthälfte Bayerns blieb es sogar noch trockener. Die für Freitag vorhergesagten, moderaten Niederschläge, werden an der zunehmenden Trockenheit in den Feldern nichts ändern, zumal auch in der Folgewoche weiterhin trockener Hochdruckeinfluss vorherrschen soll. Mit Blick auf mögliche Krankheiten ist dies allerdings vorteilhaft, weil den meisten Schadpilzen die nötige Feuchte für neue Infektionen fehlt.
Die Untersuchung der jeweils 30 Einzelpflanzen auf Krankheitsbefall und die Bewertung anhand der zugehörigen Bekämpfungsschwellen erfolgt frühestens, wenn der Bestand das dafür nötige 1-Knoten-Stadium (BBCH 31) erreicht hat. Bei den ersten Wintergersten vom Dienstag war dies nur zum Teil der Fall. Die anhaltend kalten Nächte der letzten Wochen, lokal mit leichtem Frost, verhinderten bislang eine rasche Entwicklung, wie sie in manch früheren Jahre zu beobachten war. Auch die wegen der Regenfälle Ende September erneut sehr späte Saat vieler Wintergersten trug sicher dazu bei.
Auch die ersten Monitoringdaten zeigen weitgehend befallsfreie Wintergersten. Wo erste Krankheiten festgestellt wurden, waren diese meist weit entfernt von Bekämpfungsschwellen, oft war sogar nur Befall auf einer der 30 Pflanzen auf relevanten Blattetagen zu finden. Lediglich auf drei oberfränkischen Standorten war die Schwelle für Rhynchosporium-Blattflecken überschritten, bei den mittelanfälligen Sorten KWS Donau und Sandra, sowie der Sorte KWS Chilis, darunter auch ein typischer Risiko-Schlag mit zusätzlich früher Saat nach Sommergerste. Ein weiterer Schlag im Landkreis Kitzingen mit der Sorte Kiss erreichte die Schwelle für Netzflecken. Ab BBCH 31 wird das später drittoberste, ertragsrelevante Blatt (F-2) geschoben. Nach Krankheiten sollte für die Kontrolle auf den beiden Blattetagen darunter gesucht werden, auf F-3 und F-4, nach Zwergrostpusteln am gesamten Haupttrieb. Eine frühe Fungizidmaßnahme wird erst sinnvoll, wenn Befall über den Bekämpfungsschwellen auftritt. Dies trifft zu, sobald jede fünfte Pflanze Befall mit Netzflecken aufweist, jede zweite mit Mehltau oder Rhynchosporium-Blattflecken, oder drei von zehn Haupttrieben ersten Zwergrost-Befall zeigen. Für Netzflecken und Zwergrost muss zudem günstiges Infektionswetter herrschen, das heißt an mindestens drei Tagen Tageshöchsttemperaturen über 20 °C, mit zusätzlichem Niederschlag (Netzflecken) oder zumindest taunassen Beständen (Zwergrost). Auch Rhynchosporium benötig für die weitere Ausbreitung reichliche Niederschläge. Diese sind aktuell nicht zu erwarten.
Lediglich dort, wo Befall über den Schwellen mit ausreichend Regen, für Netzflecken auch mit anhaltend hohen Temperaturen zusammentreffen, wird aktuell eine Behandlung in der Schossphase empfohlen. Dazu eignen sich, breit wirksam zum Beispiel (Aufwandmengen jeweils je ha) 0,8 l Input Classic ( oder Cherokee Neo, Flexure, Hint), 0,8 l Input Triple, 1,5 l Delaro Forte, 0,6 l Verben, 1,25 l Xenial, ohne stärkeren Mehltau zum Beispiel auch 1,0 l Balaya, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC oder 150 g Prothioconazol über eines der zahlreichen Prothioconazol-Solomittel, wie 0,6 l Aurelia, Ecana, Tokyo oder Traciafin.
Ein pauschales Zumischen etwa von günstigen Prothioconazol-Solomittel zu einer Wachstumsreglermaßnahme, ohne Befall über den Schwellen, sollte unbedingt unterbleiben. Jedes Fungizid selektiert weniger anfällige Typen aus der Pilzpopulation und fördert so, ohne Not, den seit Jahren stattfindenden schleichenden Wirkungsverlust, insbesondere gegen die späte, oft ertragsbestimmende Ramularia.
In der Regel besteht aktuell kein Handlungsbedarf, die weitere Entwicklung kann daher abgewartet werden.
Weitere Hinweise zu Strategien und Fungiziden finden Sie in den untenstehenden Informationen:

Prognose Wintergerstenkrankheiten (SIG)