Jahresbericht 2025 – Virologie

Das virologische Labor an der LfL

Kleinste Pathogene, wie Viren, Viroiden und Phytoplasmen, sind Erreger zahlreicher Pflanzenkrankheiten und können, wenn eine Infektion nicht rechtzeitig erkannt wird, zu einem kompletten Ausfall der Ernte führen. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose von Viren für alle Akteure in der Landwirtschaft von Bedeutung. Dabei stellt das virologische Labor der LfL die zentrale Anlaufstelle in Bayern dar. Für eine gesicherte Diagnose kommen neben biologischen Tests (Indikatorpflanzentest) und serologischen Nachweisverfahren (EILSA-Test) auch vermehrt molekularbiologische Verfahren (PCR-basierte Methoden) zum Einsatz. Durch ein umfassendes Qualitätsmanagement wird zudem sichergestellt, dass die angewandten Methoden den rechtlichen Vorgaben entsprechen.
Neben dem Mitwirken in mehreren Monitoringprogrammen werden an der LfL Proben von Pflanzenbauberatern, Gartenbauern, Landwirten, Züchtern, Universitäten und Hochschulen, aber auch von Privatpersonen auf das Vorhandensein von pathogenen Viren/Viroiden und Phytoplasmen (zellwandlose Bakterien) untersucht. Mithilfe der Ergebnisse können gezielte Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden und damit eine Grundlage für ertragreiche landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte geschaffen werden.
Einen großen Teil unserer Tätigkeit machen die Untersuchungen im Rahmen des Hoheitsvollzuges aus, z. B. für die Ausstellung von Pflanzengesundheitszeugnissen, die für den Export notwendig sind. Zudem testen wir Pflanzen auf das Vorhandensein von Quarantäneschädlingen und Schadorganismen, die aufgrund pflanzengesundheitlicher Vorschriften überwacht werden müssen, beispielsweise bei der Produktion von gesunden Mutterpflanzen.

Untersuchungen im Jahr 2025

Im Jahr 2025 wurden im Labor der Arbeitsgruppe IPS 2c insgesamt 1465 Proben untersucht, dabei konnte in 19 % der Proben eine Virusinfektion nachgewiesen werden. Insgesamt wurden 46 verschiedene Pflanzenarten im Rahmen der Virusuntersuchungen untersucht.
Landwirtschaft
WirtspflanzeNachgewiesene Erreger
Mais (Zea mays)Barley yellow dwarf virus (BYDV)
Augenbohne (Vigna unguiculata)Potyvirus phaseovulgaris (BCMV), Alfalfa mosaic virus (AMV)
Sojabohne (Glycine max (L.) MERR)Potyvirus glycitessellati (SMV)
Lupine (Lupinus)Potyvirus phaseoluteum (BYMV)
Gemüsebau
WirtspflanzeNachgewiesene Erreger
Erdbeere (Fragaria)Nepovirus avii (CLRV)
Gurke (Cucumis sativus)Potyvirus cucurbitaflavitesselati (ZYMV), Potyvirus citrulli (WMV)
Rote Beete (Beta vulgaris subsp. vulgaris)Benyvirus necrobetae (BNYVV)
Spinat (Spinacia oleracea)Cucumovirus CMV
Obstbau
WirtspflanzeNachgewiesene Erreger
Apfel (Malus domestica)Candidatus Phytoplasma mali
Pflaume (Prunus domestica)Potyvirus plumpoxi (PPV)
Zierpflanzenbau
WirtspflanzeNachgewiesene Erreger
Begonie (Begonia)Orthotospovirus impatiensnecromaculae (INSV), Orthotospovirus tomatomaculae (TSWV)
Begonie infiziert mit Orthotospovirus impatiensnecromaculae (INSV)

Begonie infiziert mit Orthotospovirus impatiensnecromaculae (INSV)

Phlox infiziert mit Orthotospovirus tomatomaculae (TSWV)

Phlox infiziert mit Orthotospovirus tomatomaculae (TSWV)

Rettich infiziert mit Comovirus raphani (RaMV)

Rettich infiziert mit Comovirus raphani (RaMV)

Verzwergungsmonitoring im Getreide 2025

Wie in den vorangegangenen Jahren fand im Herbst in enger Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) ein Monitoring auf das Vorkommen von Verzwergungsviren in Ausfallgetreide statt. Bayernweit wurden dabei von 21 Standorten 210 Proben für die Untersuchung eingesandt. Das Monitoring soll damit dem Landwirt einen Überblick über die Befallssituation und das Risiko einer Infektion in später auflaufenden Beständen geben. Die Ergebnisse tragen außerdem dazu bei, die Notwendigkeit einer Bekämpfungsmaßnahme besser abschätzen zu können.
In 22 % der Proben aus dem Jahr 2025 wurde eine Virusinfektion mit einem der beiden Getreideverzwergungsviren detektiert. Dabei wurde das durch Blattläuse übertragene barley yellow dwarf virus (BYDV) in 4 % der Proben detektiert, während das Mastrevirus hordei (WDV), durch Zikaden übertragen, in 16 % der Proben gefunden wurde.

Vergilbungsvirusmonitoring in Zuckerrüben 2025

Seit dem Jahr 2020 wird ein bayernweites Monitoring auf Vergilbungsviren in Zuckerrüben durchgeführt. Insgesamt wurden für das Monitoring 285 Einzelproben von den Mitarbeitern der Landwirtschaftsämter in dem jeweiligen Regierungsbezirk oder von den Zuckerrübenanbauverbänden gezogen und an der LfL im virologischen Labor auf das Vorhandensein von 4 unterschiedlichen Viren untersucht. In diesem Jahr wurden pro beprobten Schlag 6 Proben genommen, womit insgesamt bayernweit 47 Schläge auf eine Virusinfektion mit Vergilbungsviren bei Zuckerrüben beprobt wurden.
Auch in diesem Jahr war der Anteil an positiven Proben relativ gering und lag bei 12 %. Allerdings konnte auf knapp einem Drittel der beprobten Schläge (37 %) eine Virusinfektion nachgewiesen werden. Als häufigste Virusinfektion wurde das Potyvirus betaceum nachgewiesen (in 10 % der Proben), gefolgt von einer Infektion mit dem Beet western yellows Komplex (Polerovirus BMYV oder Polerovius BCHV), während in einer einzigen Probe das Closterovirus flavibetae nachgewiesen wurde.

Erstnachweis des Potyvirus carotae in Bayern

Möhre infiziert mit Potyvirus carotae

Möhre infiziert mit Potyvirus carotae

Im Herbst 2025 erreichte das virologische Labor eine Möhrenprobe (Daucus carota) mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Potyvirus carotae, auch carrot virus Y (CarVY) genannt. Dieses Virus wurde bisher nicht in Deutschland oder der EU detektiert. Untersuchungen ergaben einen positiven Befund auf das Potyvirus carotae. Infektionen mit CarVY weisen charakteristische Verwucherungen auf Karotten auf, die zu knubbeligen Auswüchsen führen können. Zudem können am Laub der Pflanze Chlorosen, Nekrosen oder Rötungen der Blattränder auftreten, abhängig von der angebauten Sorte. Übertragen wird das Virus durch Blattläuse, eine Übertragung durch Samen ist nicht abschließend festgestellt worden. Fraglich ist, wie das Virus nach Bayern eingeschleppt wurde.
Das Virus stellt zum jetzigen Zeitpunkt keine Bedrohung des heimischen Karottenanbaus dar und wurde vom JKI nicht als Quarantäneschädling eingestuft. Im Anschluss an die Infektionen wird in diesem Jahr in der Umgebung der betroffenen Felder die Begleitfauna auf das Virus untersucht. Zudem wird eine Anbaupause auf den betroffenen Feldern empfohlen.

    Qualitätsmanagement

    Auch im Jahr 2025 erfolgte die Weiterentwicklung und Optimierung der im Labor angewandten Methoden, um den Anforderungen und Anfragen unserer Kunden gerecht zu werden und eine gesicherte Ergebnisfeststellung zu gewährleisten. Durch die Vorgaben der EU, dass amtliche Diagnoselabore nach DIN EN ISO/IEC 17025 durch eine unabhängige Stelle begutachtet werden müssen, ist eine Akkreditierung mittlerweile verpflichtend. Diese stellt sicher, dass Diagnoseverfahren hinreichend verifiziert und validiert sind und das entsprechende Labor diese korrekt anwendet. Damit wird eine gewisse Sicherheit der Ergebnisse garantiert.
    In der Abteilung Virologie ist eine Vielzahl der angewandten Methoden bereits akkreditiert (einzusehen im unten stehendem Link "Qualitätsmanagement an der LfL" und der aktuellen Prüfverfahrensliste). Dennoch versuchen wir kontinuierlich unsere Untersuchungsmethoden zu optimieren und zu erweitern, um ein breiteres Diagnosespektrum abzudecken. Darunter fallen die Validierungen bereits anerkannter Methoden auf andere Pflanzenspezies oder neue Viren sowie die Recherche neuer Methoden, die im Rahmen der diagnostischen Untersuchungen eingesetzt werden können.

    Qualitätsmanagement an der LfL Externer Link