Forschungs- und Innovationsprojekt
Untersuchungen zur Erblichkeit des Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (HeriSINS)

Zehn Ferkel saugen an der liegenden Muttersau.

Über fast drei Jahre wurden in Bayern mehr als 100.000 Bonituren bei Saugferkeln und Prüftieren durchgeführt. SINS-Merkmale traten auf einer Vielzahl von Betrieben mit relevanter Prävalenz auf. Einige SINS-Merkmale zeigten eine nennenswerte Erblichkeit. Auch Längenverluste erwiesen sich als erblich, aber ein Zusammenhang zwischen SINS in der frühen Jugend und Schwanzverletzungen in Aufzucht und Mast konnte nicht festgestellt werden.

Ziele und Motivation

Schwanzbeißen und Schwanzlängenverluste sind ein ernsthaftes Problem in der Schweinehaltung. SINS (Swine Inflammation and Necrosis Syndrome) wird mit dem sogenannten sekundären Schwanzbeißen in Verbindung gebracht. Die Hypothese lautet, dass durch die Minderdurchblutung des Schwanz- und Ohrgewebes ein Juckreiz entsteht, der eine Duldung des Verbeißens durch andere Schweine zur Folge hat. Als SINS-Zeichen gelten u.a. Nekrose, Schwellung, Rötung, Exsudation und Borstenlosigkeit. Aus bisherigen Untersuchungen ergaben sich Hinweise auf eine erbliche Komponente. Das Hauptziel des Projekts HeriSINS war die Aufklärung der Relevanz und der genetischen Fundierung von SINS in der bayerischen Schweinezucht.

Methode

Ein Mann hält ein Ferkel in den Händen, während ein zweiter Mann ein Eingabegerät bedient.

Projektmitarbeiter bei der Bonitur eines Saugferkels

Für das Projekt wurde die Infrastruktur der bayerischen Leistungsprüfung genutzt. Im Vorlauf auf das Projekt wurden bereits seit 2022 nur noch unkupierte Tiere geprüft. Drei Zuchtbetriebe der EGZH und 16 Kooperationsbetriebe (Ferkelerzeuger) der Bayern-Genetik und des BVN wurden in das Projekt einbezogen. Die Betriebe wurden ihrem Produktionsrhythmus entsprechend zeitnah zu den Abferkelterminen besucht und die SINS-Merkmale bei den Saugferkeln bewertet. Die für die Stationsprüfung in den beiden Leistungsprüfanstalten Grub und Schwarzenau ausgewählten Tiere wurden dann von der Ankunft in der Quarantäne bis kurz vor der Schlachtung wiederholt bewertet.

Ergebnisse

Im Frühjahr 2023 begannen die vier Projektmitarbeiter mit den Bonituren, welche bis November 2025 regelmäßig stattfanden. Bei den Herdbuch- und Ferkelerzeugerbetrieben wurden ca. 73.000 Ferkel aus 6.180 Würfen auf SINS-Zeichen untersucht. Darüber hinaus wurden in den Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau an mehr als 8.000 Prüftieren ca. 21.000 Bonituren in der Aufzucht und ca. 20.000 Bonituren in der Mast durchgeführt.
SINS-Merkmale sind nach unseren Ergebnissen keine Randerscheinung; sie traten auf einer Vielzahl von Betrieben mit relevanter Prävalenz auf. Es gab große Unterschiede zwischen den Betrieben. Bei der Auswertung der Daten wurde zwischen Mastendprodukten mit einem Piétrain-Vater und Reinzucht- und Kreuzungstieren der Rassen Deutsches Edelschwein und Deutsche Landrasse unterschieden. Bei den Mastendprodukten gab es einen deutlich höheren Anteil an Exsudationen, Borstenlosigkeit und Schwellungen am Schwanz als bei den Mutterrassetieren. Allerdings ist dieser Vergleich wenig aussagekräftig, weil die Bonituren auf verschiedenen Betrieben (Ferkelerzeuger, Zuchtbetriebe) durchgeführt wurden. In Aufzucht und Mast gab es mit Ausnahme der Borstenlosigkeit keine Unterschiede zwischen den Rassen. In der Aufzucht haben weniger als 10 Prozent der Tiere Schwanzlängenverluste erlitten, in der Mast waren es mit etwa 40 Prozent deutlich mehr. Es gab keine Hinweise darauf, dass SINS das Risiko für Schwanzbeißen erhöht. Prüftiere, bei denen als Saugferkel SINS-Zeichen festgestellt wurden, hatten während der Stationsprüfung keine erhöhten Schwanzlängenverluste.
Einige SINS-Merkmale zeigten eine nennenswerte Heritabilität. Auch für Längenverluste konnte eine mode-rate Heritabilität geschätzt werden. Es konnten jedoch keine belastbaren genetischen Korrelationen zwischen SINS in der frühen Jugend und Schwanzverletzungen in Aufzucht und Mast gefunden werden. Damit gibt es keine Möglichkeit, über eine Zucht auf weniger SINS-Zeichen bei Saugferkeln indirekt auch gegen Schwanzverletzungen in Aufzucht und Mast zu züchten. Auch zwischen SINS und den Wachstums- sowie Qualitätsmerkmalen Futterverwertung, Zunahme, Fleischanteil und Rückenmuskelfläche konnten keine genetischen Beziehungen festgestellt werden. Auf der Basis der Ergebnisse des Projekts HeriSINS haben Zucht und Besamung in Bayern beschlossen, SINS-Merkmale bei Saugferkeln unter Tierwohl- und Gesundheitsaspekten in das Zuchtprogramm aufzunehmen.

Projektinformationen
Projektleitung: Dr. Jörg Dodenhoff
Projektbearbeiterin: Dr. Dorothea Lösel
Laufzeit: 01.07.2022 bis 31.12.2025
Projektpartner:
Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybrid­schweine w. V. (EGZH),
Bayern-Genetik GmbH,
Besamungsverein Neustadt an der Aisch e.V.
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Förderkennzeichen: A/21/18