Checkliste zur Düngung – was ist zu beachten

Die Düngung gehört zu den wirkungsvollsten Maßnahmen des erfolgreichen Pflanzenbaus. Um die pflanzlichen Produkte in einer bestimmten Menge und Qualität erzeugen zu können, muss eine ausreichende Nährstoffmenge im Boden vorliegen.
Die optimale Nährstoffnutzung im landwirtschaftlichen Betrieb ist die Basis für eine langfristig gesunde Entwicklung des Betriebs und der Umwelt.
Dazu muss der betriebliche Nährstoffkreislauf aus Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr ausgewogen laufen:
Die Düngeverordnung (DüV), Stoffstombilanzverordnung (StoffBilV) und die Inverkehrbringungsverordnung (WDüngV) legen im Nährstoffkreislauf verschiedene Prüfstellen fest.

Berechnung der organischen Stickstoffmenge im Betrieb

Kalkulation der Lagerkapazität für organische Dünger

Schriftliche Aufzeichnungen über die aufgenommenen und abgegebenen Wirtschaftsdünger

Ermittlung des Düngebedarfs der angebauten Kulturen

Gegenrechnen der zugeführten Nährstoffe und abgefahrenen Nährstoffe von der Fläche (Nährstoffvergleich)

Betriebliche Bilanz zwischen Nährstoffzugang in den Betrieb und Nährstoffabgabe aus dem Betrieb (Stoffstrombilanz)

Vorherige Nächste

1) Vor der Düngung

Vor der Düngung bzw. zu Jahresbeginn ist zu beachten:

Berechnung organischer Dünger (Grenze 170 kg N/ha)

Bild mit einer Kuh, Ziege, Henne und zwei Ferkel
Einem landwirtschaftlichen Betrieb können neben den Ausscheidungen der gehaltenen Tiere auch durch Düngeraufnahme organische Dünger zur Verfügung stehen. Die Stickstoffmenge, die jährlich über organische Dünger im Durchschnitt aller Flächen je Hektar ausgebracht werden darf, ist jedoch wie folgt begrenzt:
Mit organischen und organisch-mineralischen Dünger darf im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen eines Betriebs nur so viel Stickstoff (N) ausgebracht werden, dass 170 kg N/ha und Jahr nicht überschritten werden.
Mit dem zur Verfügung stehenden Berechnungsprogramm kann kalkuliert sowie kontrolliert werden, ob die 170 kg N/ha Grenze im Laufe des Jahres eingehalten werden kann bzw. im vergangenen Jahr eingehalten wurde. Zudem kann die Stickstoffmenge in kg berechnet werden, die über organische Dünger maximal aufgenommen werden kann bzw. mindestens abgegeben werden muss, um im Rahmen der 170 kg N Grenze zu bleiben.

Programm und weitere Informationen zur 170 kg N Grenze

Aufzeichnungs- und Meldeplicht bei Auf- oder Abgabe von Wirtschaftsdüngern

Pfeil nach unten und beidseitiger Pfeil von rechts nach links
Bei Aufnahme und/oder Abgabe von Wirtschaftsdüngern sind die Vorgaben der WDüngV zu beachten.
Nach WDüngV (Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger) besteht bei der Abgabe, dem Befördern und der Aufnahme von Wirtschaftsdüngern für die beteiligten Betriebe eine Aufzeichnungspflicht. Dabei muss dokumentiert werden, zwischen welchen Betrieben welcher Dünger in welcher Menge und mit welchem Nährstoffgehalt gehandelt werden.
Weiterhin hat der Abgeber die Pflicht, sich als Abgeber (Inverkehrbringer) von Wirtschaftsdünger bei der zuständigen Stelle zu melden und registrieren zu lassen.

Berechnung Lagerkapazität organischer Dünger

Bild mit Misthhaufen und Güllegrube
Die im Betrieb anfallenden Wirtschaftsdünger und Gärreste müssen über festgesetzte Zeiten gelagert werden können. Der Betrieb benötigt dazu nachweisbar entsprechend große und ordnungsgemäße Lagerkapazitäten.
Mit dem zur Verfügung stehenden Excelprogramm kann geplant werden, ob der Lagerraum rechtlich groß genug ist, um die anfallenden Wirtschaftsdünger und Gärrest über die festgesetzte Zeit lagern zu können.
Mit diesem Programm können weiterhin die Nährstoffgehalte der Wirtschaftsdünger bezogen auf den Anfall abgeschätzt und in der Nährstoffbilanz für den Ab- bzw. Zugang an Wirtschaftsdünger angesetzt werden. Die berechneten Werte können, mit Ausnahme der roten Gebiete, auch in der Düngebedarfsermittlung zum Ansatz gebracht werden. Das Programm rechnet mit den Anfallszahlen der DüV. In der Praxis kann betriebsindividuell eine größere Lagerkapazität nötig sein.

Programm und weitere Informationen zur Lagerkapazität

Rote Gebiete, Grüne Gebiete - AV DüV

Mit der "Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung und Erleichterungen bei der Düngung" (Ausführungsverordnung Düngeverordnung – AVDüV) wurde eine Gebietskulisse festgelegt. Diese Gebietskulisse teilt die bayerischen Flächen in wenig belasteten Gebiete (sogenannte "grüne Gebiete") und in Gebiete mit einer hohen Nährstoffbelastung (sogenannte "rote Gebiete") ein. In roten Gebieten gelten bei der Düngung zusätzliche Auflagen, in grünen Gebieten sind dagegen Erleichterungen möglich.
Die Informationen zur Nitratgefährdung der Feldstücke sind in iBALIS bei der jeweiligen Fläche hinterlegt.

Weitere Informationen zur AV DüV – Rote Gebiete, Grüne Gebiete

Berechnung Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat und Nmin-Simulation

Grünland, Maisfeld und Raps
Vor der ersten Düngung eines Pflanzenbestands, der auf der Fläche steht/stehen wird, muss der Stickstoff- und Phosphatbedarf anhand des zu erwartenden Ertrags ermittelt werden. Diese Düngebedarfsermittlung muss für jede Kultur und für jeden Schlag bzw. Bewirtschaftungseinheit schriftlich nach einem vorgegebenen Schema erfolgen.
Der Stickstoffdüngebedarf ist die Nährstoffmenge, die den Nährstoffbedarf einer Kultur nach Abzug sonstiger verfügbarer Nährstoffmengen und unter Berücksichtigung der Nährstoffversorgung des Bodens abdeckt.
Der Nmin-Wert, der für die Düngebedarfsermittlung notwendig ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen im Programm simuliert werden. Bei der Simulation des Nmin-Werts handelt es um eine integrierte Funktion im Onlineprogramm „LfL Düngebedarf".
Der berechnete Stickstoffdüngebedarf ist die standortbezogene Obergrenze, die für die Kultur während der gesamten Vegetation gilt. Der Bedarf darf auf Teilgaben aufgeteilt und ausgebracht werden.
Es stehen verschiedene Berechnungsprogramme zur Verfügung.

Programme und weitere Informationen zur Düngebedarfsermittlung

2) Bei der Düngung

Kurz vor der Düngung und während der Düngung ist folgendes zu beachten:

Die Düngeverordnung gibt strikte Ausbringbedingungen vor. Die Schlagworte dazu sind:

  • Ausbringung auf Boden, der nicht wassergesättigt, schneebedeckt oder gefroren ist
  • Gerätetechnik bzw. Einarbeitungspflicht
  • Abstände zu Oberflächengewässer
  • Sperrfristen
ein Schlepper mit Mineraldüngestreuer und ein Schlepper mit Güllefass
Die Bedingungen und Regelungen zur Ausbringung sind unbedingt zu beachten.

Weitere Informationen zu den Regelungen der Ausbringung

3) Nach der Düngung

Nach der Düngung bzw. am Jahresende sind folgende Berechnungen zu erstellen:

Berechnung Nährstoffvergleich nach DüV

Die Nährstoffbilanz, auch Feld-Stall-Bilanz oder Nährstoffvergleich genannt, ist der Vergleich von Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen eines Betriebs.
Bis spätestens 31. März muss auf dem landwirtschaftlichen Betrieb für Stickstoff und Phosphat die Nährstoffbilanz für das abgelaufene Düngejahr erstellt, ausgedruckt und abgelegt werden. Dafür steht ein Online-Programm zur Verfügung.
Bei bestimmten betrieblichen Gegebenheiten sind Betriebe von der Erstellung des Nährstoffvergleichs befreit.

Programm und weitere Informationen zum Nährstoffvergleich

Berechnung Nährstoffvergleich nach Stoffstrombilanz

Bestimmte Betriebe müssen (neben der Nährstoffbilanz auch) einen Nährstoffvergleich nach Stoffstrombilanzverordnung erstellen.
Die Stoffstrombilanz, auch Hof-Tor-Bilanz genannt, ist die Gegenüberstellung von Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr im landwirtschaftlichen Gesamtbetrieb. Im Vergleich zur Feld-Stall-Bilanz werden zusätzlich noch alle Nährstoffströme in und aus dem Stall erfasst. Dazu zählen der Zukauf von Futtermittel und Tieren und die Abgabe von Tieren, Milch, Eier und Wolle. Bei der Stoffstrombilanz dürfen weder Stall- und Lagerungsverluste noch Aufbringungsverluste abgezogen werden.
Das Ergebnis der Stoffstrombilanz hat noch keine rechtlichen Konsequenzen. Allerdings wird dringend empfohlen, sich mit dem Bilanzergebnis auseinanderzusetzen und Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen bzw. umzusetzen. Auch für Betriebe, die erst 2023 stoffstrompflichtig werden, ist schon jetzt eine Berechnung und Prüfung der Stoffstrombilanz ratsam.
Nur so kann frühzeitig auf die Anforderungen der Stoffstrombilanz reagiert werden und in Problemfällen rechtzeitig Lösungsansätze gefunden werden.

Programm und weitere Informationen zur Stoffstrombilanz

Ausgewählte Vortragsfolien

Die wichtigsten Informationen zu den Vorgaben und fachlichen Empfehlungen im Bereich Düngung sind im Gelben Heft zusammengefasst.

Gelbes Heft - Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland