§§ DüV
Düngebedarfsermittlung für Zweitfrucht

Weidelgras-Bestand mit Kräuter

Was ist eine Zweitfrucht?

Zweitfrüchte sind Kulturen, die vor dem 01.08. gesät und bis 31.12., und mitunter noch ein weiteres Mal im Frühjahr geerntet werden (z.B. Weidelgras nach Wintergerste) sowie im Herbst (nach 1.8.) gesäte Kulturen, deren Ernte im darauffolgenden Frühjahr stattfindet (z.B. GPS Getreide vor Silomais).

Stickstoff-Düngebedarfsermittlung für Zweitfrüchte

Neu und einfacher ab Sommer/Herbst 2021
Bei Zweitfrüchten ist ab Sommer/Herbst 2021 der Nmin bereits im Bedarfswert berücksichtigt. Es ist nicht erforderlich, den Düngebedarf für Zweitfrüchte mit oder ohne Berechnungsprogramm in der laufenden Vegetationszeit selbst zu ermitteln. Als Nachweis, dass der Düngebedarf für die Zweitfrucht ermittelt wurde, dient der LfL-Artikel zum Thema Düngebedarfsermittlung Zweitfrucht, der Anfang Sommer im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erscheint. Dies gilt auch für Zweitfrüchte, die mehrmals, z.B. im Herbst und Frühjahr geerntet werden.

Düngebedarf nach Ertragserwartung

Die angebaute Zweitfrucht ist einer der Zweitfruchtgruppen zuzuordnen, die in der LfL-Basisdaten Tabelle 9b genannt sind. Der Bedarfswert für Zweitfrüchte wird für ein bestimmtes Ertragsniveau in der Tabelle ausgewiesen. Ist das erwartete Ertragsniveau im Betrieb niedriger oder entspricht es dem ausgewiesenen Ertrag, ist der Bedarfswert nach Basisdaten die erlaubte Stickstoffmenge, die in Summe über mineralische Dünger und die anrechenbare Stickstoffmenge organischer Dünger ausgebracht werden darf. Bei höheren Ertragserwartungen sind Zuschläge auf den Bedarfswert möglich, wenn entsprechende Ertragsnachweise vorhanden sind.
Die Abschätzung des erwarteten Ertragsniveaus umfasst alle geplanten Ernten der Zweitfrucht im Herbst und/oder Frühjahr, die nach realistischen Gegebenheiten möglich wären. Bei höheren Ertragserwartungen als den in den Basisdaten Tabelle 9b genannten Erträgen sind vor der ersten Düngung der Zweitfrucht handschriftliche Aufzeichnungen inklusive eines Ertragsnachweises nötig.
Im Gegensatz zu Hauptfrüchten wird bei der Berechnung des N-Düngebedarfs von Zweitfrüchten der Nmin nicht separat berücksichtigt, sondern ist stattdessen im Bedarfswert bereits enthalten.

Basisdaten

Düngezeitpunkt und Aufteilung der Düngegaben

Die Düngung selbst sollte bedarfsgerecht auf Einzelgaben aufgeteilt werden. Die Aufzeichnungspflicht der Düngung (innerhalb zwei Tagen) ist zu beachten. Zweitfrüchte, die im Herbst nicht mehr geerntet werden (z.B. Grünroggen) dürfen im Herbst nicht gedüngt werden, sondern nur im Frühjahr.

Kürzung der N-Düngung auf roten Flächen

Wie bei Hauptfrüchten ist auch bei Zweitfrüchten die N-Düngung gegenüber dem ermittelten Bedarf im Durchschnitt aller roten Flächen um 20 % zu reduzieren. Wird die Düngung zu den Zweitfrüchten um mehr als 20 % gekürzt, darf die nachfolgende Hauptfrucht um dies entsprechend höher gedüngt werden.

Phosphat-Düngebedarfsermittlung für Zweitfrucht

Für Phosphat ist wie bei Zwischenfrüchten auch zu Zweitfrüchten keine eigene Düngebedarfsermittlung erforderlich, da dies bei den Hauptfrüchten mitberücksichtigt wird.

Zweitfrüchte, die im Herbst nicht mehr geerntet werden, dürfen im Herbst nicht gedüngt werden.

Für die Düngebedarfsermittlung Zweitfrucht ist keine Stickstoffbodenuntersuchung notwendig!

Die ausgebrachten Düngemengen zur Zweitfrucht sind aufzuzeichnen!

Beispiel zum Düngebedarf einer Zweitfrucht

Im Juli wird Zweitfrucht Weidelgras angebaut. In Summe aller Ernten (Herbst und Frühjahr) wird für das Weidelgras ein Ertrag von 300 dt/ha erwartet. Es soll insgesamt mit 30 m³ Rindergülle (3,9 kg Nges/m³, 1,95 kg NH4-N) gedüngt werden. Wieviel dt Kalkammonsalpeter darf ich noch ausbringen?

Notwendige Größen zur Bestimmung des Düngebedarfs

Zur Kultur können aus dem Basisdaten Tabelle 9b folgende Daten entnommen werden:

  • Zweitfruchtgruppe:
    • Weidelgras
  • Ertragsniveau nach Basisdaten:
    • 250 dt/ha
  • Stickstoffbedarfswert der Zweitfrucht laut Basisdaten:
    • 133 kg N/ha
  • Ertragszuschlag in kg N aufgrund der Ertragsdifferenz:
    • + 5,3 kg N/ha je 10 dt/ha Ertragsdifferenz

Zum Dünger sind folgende Daten nötig:

  • N-Gehalt im org. Dünger:
    • nach Basisdaten Tab. 5a, Berechnung im Lagerraumprogramm oder Untersuchungsergebnis
    • 3,9 kg Nges/m³
  • NH4-Gehalt im org. Dünger:
    • nach Basisdaten Tab. 5a, Berechnung im Lagerraumprogramm oder Untersuchungsergebnis
    • 1,95 kg NH4-N
  • Mindestwirksamkeit des org. Düngers bei der Ausbringung:
    • auf Ackerland nach DüV (Basisdaten Tab. 5a): 60 %
    • auf Grünland und mehrschnittigen Feldfutterbau nach DüV (Basisdaten Tab. 5a): 50 %
    • nach Verhältnis von NH4-N zu N: 50 %
    • Ist der Ammoniumanteil des Düngers (Verhältnis von NH4-N zu N) höher als die Mindestwirksamkeit nach DüV, muss der Ammoniumanteil für die Mindestwirksamkeit verwendet werden.
  • N-Gehalt im Mineraldünger:
    • nach Basisdaten Tab. 3 oder Deklaration
    • 27 kg N/dt

Berechnung

Der erwartete Ertrag von Weidelgras ist 300 dt/ha. In den Basisdaten bezieht sich der ausgewiesene Stickstoffbedarf auf das Ertragsniveau von 250 dt/ha. Ein Zuschlag aufgrund der Ertragsdifferenz darf berechnet werden.

Berechnung des Zuschlags aufgrund der Ertragsdifferenz

  • (300 dt – 250 dt)/10 dt * 5,3 kg N/dt = + 26,5 kg N/ha

Als Stickstoffdüngebedarf in der Vegetation, der über die Düngung gedeckt werden darf, ergibt sich damit

  • 133 kg N/ha + 26,5 kg N/ha = 159,5 kg N/ha
Bei der geplanten organischen Düngung ist der anrechenbare Stickstoff (N) die Größe, die zur Deckung des Stickstoffbedarfs angesetzt wird. Da das Weidelgras zweimal geerntet wird, ist die Wirksamkeit für mehrschnittigen Feldfutterbau zu verwenden.

Anrechenbare organische N-Düngung (geplant)

  • 30 m³ * 3,9 kg Nges/m³ * 50 % Wirksamkeit = 58,5 kg N/ha organisch

Stickstoffmenge, die mineralisch ausgebracht werden darf

  • 159,5 kg N/ha -58,5 kg N/ha = 101 kg N/ha mineralisch

Mineraldüngermenge, die ausgebracht werden darf

  • 101 kg N/ha : 27 kg N/dt = 3,7 dt/ha

Ergänzender Hinweis zur Wirksamkeit organischer Dünger

Bei der Planung der organischen Düngung ist für die Berechnung immer der Gesamtstickstoffgehalt des Düngers die Basis. Im Jahr der Aufbringung wird ein bestimmter Teil des Gesamtstickstoffs pflanzenverfügbar und muss bei der Düngebedarfsermittlung als wirksamer Stickstoffanteil angesetzt werden. Die Mindestwirksamkeit organischer Dünger ist in der DüV vorgegeben und in den Basisdaten Tabelle 5a hinterlegt. Ist laut Untersuchung oder der Berechnung des Nährstoffgehalts des organischen Düngers der Ammoniumanteil des Düngers (Verhältnis von NH4-N zu N) höher als die angegebene Mindestwirksamkeit, muss der Ammoniumanteil in % für die Mindestwirksamkeit verwendet werden.
Beispiel 1
30 m³/ha Rindergülle mit 3,9 kg Gesamt-N und 1,95 kg NH4-N je Kubikmeter sollen auf einem Acker mit Weidelgras ausgebracht werden, das nur einmal geerntet wird. Der Ammoniumanteil ist 1,95 kg NH4-N : 3,9 kg Gesamt-N = 50 %. Die vorgegebene Mindestwirksamkeit von Rindergülle, die auf Ackerflächen ausgebracht wird, ist 60 %. Da die vorgegebene Mindestwirksamkeit höher als der Ammoniumanteil vom Gesamtstickstoff ist, muss die Wirkung der Rindergülle mit einer Mindestwirksamkeit von 60 % berechnet werden.
Für die Berechnung des wirksamen Stickstoffanteils folgt daraus:
30 m³/ha x 3,9 kg Gesamt-N x 60 % = 70 kg N.
Somit werden 70 kg N vom Düngebedarf über Rindgülle gedeckt.
Beispiel 2
30 m³/ha Gärrest flüssig mit 5 kg Gesamt-N und 3,2 kg NH4-N je Kubikmeter sollen ausgebracht werden. Da hier der Ammoniumanteil 64 % beträgt und somit größer als die vorgegebene Mindestwirksamkeit ist, muss als Mindestwirksamkeit 64 % angesetzt werden.
Berechnung der ausgebrachten Nges-Menge: 30 m³/ha x 5 kg Gesamt-N = 150 kg Nges
Berechnung des wirksamen Stickstoffanteils: 150 kg Nges x 64 % = 96 kg N.
Somit werden 96 kg N vom Düngebedarf über Gärreste gedeckt.