Vegetation und Pflanzendiversität
Artenreiches Grünland - Ergebnisorientierte Grünlandnutzung

Artenreiche Grünlandfläche

Grünland in Bayern

Grünland stellt mit zirka 33 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bayern eine der wichtigsten Nutzungsformen dar. Es dient in erster Linie der Produktion von Futter und damit der Erzeugung von Milch und Fleisch. In letzter Zeit gewinnt auch die Produktion von Energie (Biogas) zunehmend an Bedeutung. Daneben trägt Grünland zum Schutz von Klima, Boden und Grundwasser bei, ist ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und prägt das Landschaftsbild wesentlich. Über 400 Pflanzenarten sind auf Grünlandstandorte spezialisiert.
Mit einem Maximum von 89 Pflanzenarten auf einem Quadratmeter gehört extensives Grünland neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotoptypen im weltweiten Vergleich.
Schulungsvideo "B40-Kennarten sicher erkennen - Benutzung der LfL-Information Artenreiches Grünland"
Als Ergänzung zu den Texten und Fotos gibt es jetzt auch ein kurzes Video, dass die Nutzung der LfL-Information "Artenreiches Grünland: Ergebnisorientierte Grünlandnutzung – Bestimmungshilfe" zum Erkennen der Kennarten an zwei Beispielen erläutert.

Ergebnisorientierte Grünlandnutzung

In der Förderperiode 2015 bis 2020 wurde in Bayern im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP B40) und Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP H30) die ergebnisorientierte Honorierung für artenreiches Grünland eingeführt. Hier werden anders als bei den bisherigen Programmen keine Maßnahmen wie Düngeverzicht oder Schnitttermine vorgegeben, sondern das Ergebnis ‚artenreiches Grünland‘ honoriert. Auf der Fläche müssen bestimmte Kennarten nachgewiesen werden, um die Förderung zu erhalten. Vorteil ist, dass der Landwirt selbstständig ohne einschränkende Maßnahmen oder starre Termine eine für den Schlag angepasste Bewirtschaftung durchführen kann. Es liegt allerdings auch in der Verantwortung des Landwirtes, dass das Ergebnis in Form des Artenreichtums erreicht und erhalten wird.
Auch in den Übergangsjahren bis zur neuen Förderperiode können Landwirte die Maßnahme weiterführen oder auch neu beginnen.

Kennarten als Indikatoren

Die Kennarten dienen als Indikatoren, um das Feststellen der Artenvielfalt zu erleichtern. Indikatoren sind gut erkennbare Zeiger für mit großem Aufwand messbare Größen. Pflanzenarten, die vor allem in artenreichem Grünland vorkommen, eignen sich als Zeiger (Indikator) für artenreiches Wirtschaftsgrünland.
Als Kennarten wurden typische Grünlandarten ausgewählt, die vor allem in artenreichen Beständen vorkommen (z.B. Margerite, Flockenblume) bzw. Zeiger für naturschutzfachlich wertvolle Pflanzengesellschaften sind.
Neben der Eigenschaft, auf artenreichem Grünland vorzukommen, sollten die Kennarten auch während der Blütezeit auffällig und leicht erkennbar sein, so dass auch ein Laie die in der Fläche vorkommenden Arten in einem farbigen Katalog finden kann.

LfL-Publikation "Artenreiches Grünland - Ergebnisorientierte Grünlandnutzung"

Die LfL-Information "Artenreiches Grünland-Ergebnisorientierte Grünlandnutzung" stellt in kurzen Porträts und Fotografien alle Kennarten bzw. Kennartengruppen vor, die für die Agrarumweltmaßnahme (Kulturlandschaftsprogramm KULAP B40) und Vertragsnaturschutzprogramm (VNP H30) ausgewählt wurden. Einen Überblick über alle Kennarten - mit der Möglichkeit, gefundene Arten anzukreuzen - gibt die zweiseitige Übersicht am Ende des Heftes.
Die Arten werden für die Agrarumweltmaßnahme auf der längsten Geraden durch den Schlag in zwei Abschnitten erfasst. In dem Formular auf Seite 27 können die gefundenen Arten übersichtlich notiert werden. Zur Bewertung der Fläche werden die in jedem Abschnitt gefundenen Kennarten gezählt. Um die Förderung zu erhalten, müssen auf der jeweiligen Grünland-Fläche in jedem Abschnitt vier (KULAP) bzw. sechs (VNP) Arten der Kennartenliste vorkommen.
Die LfL-Information kann als pdf-Datei heruntergelade werde oder als gedrucktes Heft bestellt werden.

Artenreiches Grünland (LfL-Information)

Wie werden die Kennarten erfasst?

Die Erfassung der Kennarten erfolgt durch den Bewirtschafter entlang der längstmöglichen Geraden durch den Schlag (vgl. Abbildungen), dies ist z.B. bei rechteckigen Flächen eine der beiden Diagonalen. Da der Randbereich eines Schlages häufig nicht sehr typisch für die Pflanzenzusammensetzung
der gesamten Fläche ist, geht man zuerst circa fünf Meter in die Fläche hinein. Die Erfassungslinie wird nach Augenmaß in zwei gleich lange Abschnitte unterteilt und die Kennarten für beide Abschnitte getrennt erfasst (vgl. Formular s. 27). Beim Durchqueren der Fläche sollte man alle Arten der Kennartenliste, die in einem etwa 2 m breiten Streifen entlang der Geraden (Bereich der seitwärts ausgestreckten Arme) vorkommen, vermerken, eventuell mehrmals stehen bleiben. Eine jährliche Erfassung wird empfohlen, um gegebenenfalls die Nutzung modifizieren zu können.
Kommen von einer Art nur ganz vereinzelte Exemplare an einer Stelle der Wiese vor, sollte diese nicht in die Bewertung mit einfließen, da hier das Risiko besteht, dass die Art nicht wiedergefunden wird.
Um besonders bei großen Flächen eine Orientierung zu haben und um gerade über die Fläche zu gehen, kann es nützlich sein, am Rande der Fläche Anfang und Ende der Geraden mit einem Stab zu markieren und darauf zuzugehen.
Schema längstmögliche Gerade zur Erfassung der Kennarten, Rechteck

Längstmögliche Gerade - rechteckige Fläche

Schema Kennarten auf einer dreieckigen Fläche erfassen

Längstmögliche Gerade - dreieckige Fläche

Schema Kennarten auf einer unregelmäßigen Fläche erfassen

Längstmögliche Gerade - unregelmäßige Fläche

Wann werden die Kennarten erfasst?

Am einfachsten lassen sich die Pflanzenarten zur Blütezeit identifizieren. Je nach Witterung und Höhenlage ist der Zeitraum von Anfang Mai bis Mitte Juni vor dem ersten Schnitt besonders günstig, um viele Arten blühend anzutreffen. Neben dieser Informationsbroschüre können auch Bestimmungsbücher oder Apps das Erkennen der Arten erleichtern. Der günstigste Termin ist bei trockenen und frischen Wiesen die Blütezeit der Margerite (Nr. 11), bei feuchten Flächen die Blütezeit der Kuckucks‐Lichtnelke (Nr. 18). Einige Arten, wie z.B. die Schlüsselblume, blühen auch schon früher, wenige auch erst später zum ersten
Mal. Deshalb kann der Schlag mehrmalig zu unterschiedlichen Jahreszeiten begangen und die Arten jeweils im Formular ergänzt werden. Wer mehrere Schläge anschauen möchte, kopiert das Formular entsprechend häufig.
Artenreiche Wiese mit Margeriten

Margeriten

Kuckucks Lichtnelken (Lychnis flos-cuculi)

Kuckucks‐Lichtnelken

Kennarten sicher erkennen - Benutzung der LfL-Information Artenreiches Grünland

In der LfL-Information "Artenreiches Grünland-Ergebnisorientierte Grünlandnutzung" werden alle Kennarten bzw. Kennartengruppen in kurzen Porträts mit Fotos vorgestellt. Die Arten sind nach der Blütenfarbe sortiert. Am Rand der Seite hilft ein farbiger Streifen schnell Pflanzen in der gesuchten Blütenfarbe zu finden.
Zu jeder Art/Artengruppe gibt es ein oder mehrere Fotos. Daneben sind stichpunktartig die wichtigsten Merkmale der Art zur Unterscheidung von anderen ähnlichen Arten aufgeführt.Die Merkmale beziehen sich auf die Blüte, den Stängel und die Blätter der Pflanzen.
Möchten Sie in der Wiese eine Art identifizieren, schauen Sie bei der entsprechenden Blütenfarbe zuerst nach den Fotos. Ähnelt die gefundene Art den Fotos, gehen sie die einzelnen Merkmale von Blüte und Blatt durch. Stimmt alles mit den Merkmalen der Art in der Wiese überein? Wenn alle Merkmale passen haben sie die Kennart vor sich und können Sie im Erfassungsbogen (S. 27 bzw. Kopie) abhaken.

Artenreiches Grünland: Ergebnisorientierte Grünlandnutzung – Bestimmungshilfe Externer Link

Wie die Kennarten mit Hilfe der LfL-Information "Artenreiches Grünland: Ergebnisorientierte Grünlandnutzung – Bestimmungshilfe" erkannt werden können, zeigen wir Ihnen hier an zwei Beispielen in einem kurzen Video.

B40-Kennarten sicher erkennen - Benutzung der LfL-Information Artenreiches Grünland Externer Link

Wiesen-Salbei gesamte Pflanze

Pflanze mit violetten Blüten im Mai

Wiesen-Salbei Merkmal LfL-Info

LfL-Information Artenreiches Grünland - Wiesensalbei

Wiesen-Salbei Blütenähre

Blütenähre mit dunkelvioletten Lippenblüten

Wiesen-Salbei Blütenstand Detail

Blüten zu je sechs in einer Höhe

Wiesen-Salbei Stängel

Der Stängel ist vierkantig.

Wiesen-Salbei Blatt

Eiförmiges Blatt

Wiesen-Salbei gegenständige Blätter

Gegenständige Blätter

Wiesen-Salbei gesamte Pflanze

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

Aktuelle Kennartenliste

Um die Bestimmung der Arten zu erleichtern, wurden Artengruppen ähnlicher Arten gebildet. Bei der Identifikation der Arten können Bestimmungsbücher oder auch Bestimmungs-Apps sehr nützlich sein.

Kennarten für artenreiches Grünland in Bayern pdf 327 KB

Kennarten für artenreiches Grünland in Bayern
  1. Schlüsselblume* [Primula veris, Primula elatior, Primula vulgaris]
  2. Sumpfdotterblume [Caltha palustris]
  3. Trollblume [Trollius europaeus]
  4. Echtes Labkraut [Galium verum agg.]
  5. Gelb blühende Schmetterlingsblütler* [Gelb blühende Fabaceae]
  6. Gelb blühende Korbblütler nur mit Zungenblüten, Ausschluss von Wiesen-Löwenzahn* [Cichorioideae, gelb blühend, ohne Taraxacum spec.]
  7. Bocksbart* [Tragopogon spec.]
  8. Blutwurz [Potentilla erecta]
  9. Gewöhnlicher Frauenmantel [Alchemilla vulgaris agg.]
  10. Kohldistel [Cirsium oleraceum]
  11. Margerite* [Leucanthemum vulgare agg.]
  12. Knöllchen-Steinbrech [Saxifraga granulata]
  13. Mädesüß* [Filipendula spec.]
  14. Bärwurz [Meum athamanticum]
  15. Wilde Möhre [Daucus carota]
  16. Sterndolde [Astrantia major]
  17. Gemeines Leimkraut [Silene vulgaris]
  18. Kuckucks-Lichtnelke [Lychnis flos-cuculi]
  19. Nelke* [Dianthus spec.]
  20. Flockenblume* [Centaurea spec.]
  21. Schlangen-Knöterich [Bistorta officinalis]
  22. Bach-Nelkenwurz [Geum rivale]
  23. Wiesenknopf* [Sanguisorba minor, Sanguisorba officinalis]
  24. Braunelle* [Prunella vulgaris, Prunella grandiflora]
  25. Berg-Platterbse [Lathyrus linifolius]
  26. Thymian* [Thymus spec.]
  27. Vogel-Wicke [Vicia cracca]
  28. Wald-, Wiesen-, Sumpf-Storchschnabel* [Geranium pratense, Geranium sylvaticum, Geranium palustre]
  29. Wiesen-Salbei [Salvia pratensis]
  30. Skabiose/Witwenblume/Teufelsabbiss* [Scabiosa spec./Knautia spec./Succisa spec.]
  31. Teufelskralle* [Phyteuma spec.]
  32. Glockenblume* [Campanula spec.]
  33. Vergissmeinnicht* [Myosotis spec.]
  34. Gewöhnliches Zittergras [Briza media]
* Bei mit Sternchen gekennzeichneten Kennarten sind mehrere ähnliche Arten einer Gattung (z.B. Glockenblume) oder bei den Skabiosen, Witwenblumen und Teufelsabbiss auch sehr ähnliche Gattungen zu einer Gruppe zusammengefasst. Hier kommt es nicht darauf an, welche der Arten genau gefunden werden. Die Gruppe zählt nur einmal, auch wenn zwei verschiedene Arten der Gruppe auf dem Schlag vorkommen.

Tag der offenen Tür der LfL: Neues KULAP-Programm "Erhalt artenreichen Grünlandes" (B40)

Besucher suchen die Blumen in der Wiese am Stand der Vegetationskund beim Tag der offenen Tür 2015Zoombild vorhanden

Besucher auf Kennartensuche beim Tag der offenen Tür, Foto: J. Kotzi

Beim Tag der offenen Tür in Grub konnten die Besucher das neue KULAP-Programm "Erhalt artenreichen Grünlandes" (B40) selbst ausprobieren und die Kennarten auf einer ausgedruckten Wiese suchen.
Die LfL-Information "Artenreiches Grünland-Ergebnisorientierte Grünlandnutzung" mit der aktualisierten Artenliste für das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) kann im Internet bestellt oder heruntergeladen werden.

Artenreiches Grünland: Ergebnisorientierte Grünlandnutzung (LfL-Information)

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