Forschungs- und Innovationsprojekt
Klimaschutz- und Anpassungspotenziale in Mooren Bayerns (KliMoBay)

Acker auf Niedermoorboden

Ein fachlicher Teilbeitrag zur Unterstützung des Masterplan Moore in Bayern

Etwa 90 Prozent der bayerischen Moore sind für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung dräniert. Die Standorte verlieren jährlich ca. 1 bis 4 cm Boden durch Mineralisation des entwässerten Torfes, was die zukünftige ökonomische Nutzung gefährdet. Der vorher im Torf gebundene Kohlenstoff wird in Form von Kohlenstoffdioxid (CO2) frei, wodurch landwirtschaftlich genutzte Moore zu einem großen Anteil zu den Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft beitragen. Ein zentrales Ziel des Masterplan Moore ist es, die Emissionen aus den Mooren Bayerns bis 2050 um mindestens ein Drittel zu senken.
Durch Wiedervernässung der drainierten Moore kann der Prozess der Mineralisation aufgehalten oder zumindest vermindert werden. Bodeneigenschaften, wie Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt, Trockenrohdichte und hydraulische Leitfähigkeit sind wichtige Grundlagen für die Bewertung des aktuellen Moorzustands im Hinblick auf Klimarelevanz, Gewässerqualität und von Wiedervernässungschancen und –risiken.

Ziel

Folgende Fragestellungen sollen im Projekt bearbeitet werden:
  • Wie beeinflussen Bodeneigenschaften die Bodendegradation und Mineralisation in entwässerten Mooren?
  • Wo und wie stark begrenzen Bodenhorizonte die langfristige Nutzbarkeit von Mooren, z. B. Stauhorizonte oder grobe Substrate?
  • Wo begünstigen Bodeneigenschaften eine mögliche zukünftige Wiedervernässung?
  • Wo liegen rechtliche und sozioökonomische Restriktionen und Gunsträume für einen raschen Moorschutz?

Methode

alte KarteZoombild vorhanden

Ausschnitt aus einer Moorkarte des LfL-Moorarchiv

Historische Informationen zum Zustand der bayerischen Moorböden (Karten, Profilschnitte und Bohrkernbeschreibungen) liegen im analogen Moorarchiv der LfL und werden durch Digitalisierung nutzbar gemacht und erstmals inhaltlich ausgewertet.
Um Degradationsprozesse in entwässerten Mooren und Konsequenzen für die Wiedervernässbarkeit zu ermittlen, werden die Geländehöhen in Testgebieten genau vermessen und mit historischen Bodenprofilschnitten verglichen. Zusätzlich werden bodenphysikalische und bodenchemische Eigenschaften der verschiedenen Horizonte gemessen.
Rezente Sackungsraten werden in den Testgebieten durch ein neu zu installierendes Sackungsmonitoring gemessen. Dazu werden Sackungsmesseinrichtungen – im Wesentlichen gut verankerte Pflöcke – eingebaut und die Höhe über der Geländeoberfläche kontinuierlich gemessen. Da sich die Geländeoberfläche in Mooren durch Quellung und Schrumpfung in Abhängigkeit der Wasserstände ändert werden parallel dazu Wasserstandsmessungen durchgeführt. Damit kann das kurzfristige Quellen und Schrumpfen vom langfristigen Moorverlust durch Mineralisation unterschieden werden.
Zur Priorisierung von Handlungsräumen für einen raschen Moorschutz werden GIS-basierte flächendeckende Fachinformationen zu Restriktionen und Potenzialen ausgewertet. Zusammen mit den Ergebnissen des Sackungsmonitorings und der Analyse der Bodeneigenschaften werden diese dann genutzt um Szenarien und Karten der Klimaanpassungserfordernisse und –potenziale für bayerische landwirtschaftlich genutzte Moorböden zu erstellen.

Ergebnisse

Momentan wird die Einrichtung des Sackungsmonitorings und die Digitalisierung der Informationen des Moorachiv vorbereitet.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Annette Freibauer
Projektbearbeitung: Dr. Anna Kühnel, Nadine Conze
Laufzeit: 01.03.2019 - 31.12.2022
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)
Gesamtprojektleitung: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
Projektpartner: Technische Universität München (TUM), Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)