Qualitätsvorernteschätzung für Speise- und Veredelungskartoffeln 2018

viele Speisekartoffeln

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Qualitätsvorernteschätzung lassen einen leicht unterdurchschnittlichen Ernteertrag bei Speise- und Qualitätskartoffeln erwarten. Die Qualität wird durch Gesamtmängel in Höhe von 5,9 % beeinträchtigt. Dadurch kann etwa 1 Mio. t Speise- und Veredelungskartoffeln erwartet werden. Die Ergebnisse lassen eine weitgehend ausgewogene Größensortierung der Kartoffeln erwarten. Allerdings kann es regionale und standortspezifische Unterschiede geben, da die regional sehr trockene Witterung in 2018 zu merklichen Ertragsausfällen führen kann. Bisher ist insgesamt von einer guten Lagerfähigkeit der Knollen auszugehen.

Ziel

Bayern ist das Bundesland mit dem zweitgrößten Kartoffelanbau. In den großen Anbauregionen Bayerns spielt die Kartoffel eine große Rolle für die Wertschöpfung in der Landwirtschaft und das Bestehen von Betrieben. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreiche Vermarktung der Kartoffeln. Dies setzt wiederum Kenntnisse über die aktuelle Marktsituation voraus. Wesentlicher Einflussfaktoren auf den Kartoffelmarkt sind die verfügbaren Mengen (Anbaufläche, Ertrag) und die zu erwartende Qualität. Die Vorernteschätzung soll einen Teil dieser Informationen zeitnah zur Ernte bereitstellen und für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter eine neutrale und unabhängige Hilfe bei der Preisfindung sein.

Datenerhebung

Im August 2018 zogen Mitarbeiter des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung in Bayern (LKP) e.V. und der Erzeugerringe 64 Proben (46 Speise-, 18 Veredelungskartoffeln) in 22 Landkreisen mit dem größten Kartoffelanbau. Die Kartoffelknollen von 2 x 4 m2 je Probe wurden gewogen und eventuell vorhandene Mängel von Experten beurteilt. Zudem wurde die Größensortierung der Knollen ermittelt. Neben der Ertrags- und Qualitätsbonitur wurden auch weitere Daten zur Düngung, Bodenart und Bewässerung erhoben.

Wichtiger Hinweis: Die Erträge der Vorernteschätzung liegen meist 10 bis 20 % über der tatsächlichen Erntemenge, da ertragsmindernde Faktoren wie z.B. Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden.

Kartoffelanbau in Bayern im Erntejahr 2018

Abbildung 1:	Kartoffelanbaufläche im Jahr 2018 in BayernZoombild vorhanden

Abbildung 1: Kartoffelanbaufläche im Jahr 2018 in Bayern

Im Jahr 2018 werden in Bayern ca. 43.400 ha Kartoffeln angebaut, dies entspricht einem Anstieg von 6,2 % gegenüber dem Vorjahr (Quelle: InVeKoS). Damit ist die Kartoffelanbaufläche erstmals seit 2011 wieder deutlich angestiegen (Abbildung 1). Nach Abzug der Flächen für Stärke- und Pflanzkartoffeln stehen für die Nutzung als Speise- und Veredelungskartoffel rund 26.500 ha zur Verfügung.
Mit der Mehrfachantragstellung 2015 wurden die Invekos-Codes geändert. Eine unmittelbare Differenzierung nach den unterschiedlichen Nutzungstypen von Kartoffeln ist seither nicht mehr möglich.

Ergebnisse

Einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2018 gibt Tabelle 1.
Tabelle 1: Gesamtüberblick über die Ergebnisse
Alle Speise Veredlung
Rohertrag dt/ha 439 461 388
Mängel % 5,9 4,9 8,4
Marktfähige Ware dt/ha 413 437 359
Stärkegehalt % 13,7 12,5 16,9
Sortierung *
< 30 mm % 1,7 1,3 2,5
30 - 40 mm % 9,2 7,7 12,7
40 - 50 mm % 25,9 24,2 29,7
50 - 60 mm % 39,0 39,4 38,6
60 - 70 mm % 18,7 21,0 13,5
> 70 mm % 5,5 6,4 3,0
*) Ergebnisse gerundet, dadurch kann die Gesamtsumme von 100 % abweichen

Qualitätsschätzung

Abbildung 2: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 2: Übersicht über die Qualitätsmängel

Die Qualität der Kartoffeln wird maßgeblich durch die vorhandenen Mängel definiert. Davon hängen wesentlich die Verwertbarkeit der Kartoffeln und Preisgestaltung ab. Insgesamt liegen die Proben mit 5,9 % Gesamtmängel im Durchschnitt der Vorjahre. Dabei treten die Mängel Fehlbildungen (62 % der Proben, Ergrünung (59 %) und Fraßschäden (34 %) besonders häufig auf. Rund 45 % der Proben zeigten Oberflächenschorf oder Rhizoctonia. Bezogen auf das Gewicht aller Proben haben Fehlbildungen (1,5 %), Oberflächenschorf (1,1 %), Rhizoctonia (1,0 %) und Ergrünung (0,8 %) die größte Bedeutung.
Im Durchschnitt zeigen die Veredelungskartoffeln mit 8,4 % deutlich mehr Gesamtmängel als die Speisekartoffeln mit 4,9 %. Hier ist bei Speisekartoffeln mit einer überdurchschnittlichen Qualität zu rechnen.
Im Durchschnitt weisen die Veredelungskartoffeln mit 6,8 % mehr Gesamtmängel als die Speisekartoffeln mit 5,3 %. Im Vergleich zum Vorjahr sind bei Speisekartoffeln weniger Gesamtmängel (2015: 7,7 %) gefunden worden, bei den Veredelungskartoffeln sind sie höher (2015: 6,1 %).

Ertrag und Stärkegehalt

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im Jahresvergleich

Über alle Proben hinweg wurde ein mittlerer Rohertrag von 439 dt/ha ermittelt. Speisekartoffeln erreichten einen Rohertrag von durchschnittlich 461 dt/ha, Veredelungskartoffeln 388 dt/ha. Hier zeigen sich aber deutliche regionale Unterschiede. Auf vielen Flächen der Anbaugebiete Frankens und der Oberpfalz ist mit deutlich geringeren Erträgen zu rechnen.
Ausgehend vom Rohertrag und den aufgeführten Mängeln kann der vermarktungsfähige Ertrag ermittelt werden. Dieser beträgt im Durchschnitt aller Proben 413 dt/ha, wobei die Spanne von 218 dt/ha bis 698 dt/ha reicht. Speisekartoffeln erreichen 437 dt/ha, Veredelungskartoffeln 359 dt/ha. Auch hier liegt der Ertrag rund 10 % unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Speisekartoffeln erreichen einen Stärkegehalt von durchschnittlich 12,5 %, was leicht unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegt. Dagegen wurde ein hoher Stärkegehalt von 16,9 % ermittelt. Im Mittel aller Proben liegt der Stärkegehalt mit 13,7 % im Schnitt (Abbildung 3).

Größensortierung

Abbildung 4: Anteil der Größenkaliber am GesamtertragZoombild vorhanden

Abbildung 4: Anteil der Größenkaliber am Gesamtertrag

Auch die Größensortierung ist entscheidend. Bei Speisekartoffeln finden im Lebensmitteleinzelhandel zu große und zu kleine Kaliber nur schwer Käufer, so dass sie der Handel nicht oder nur unter Preisabschlägen abnimmt. Bei Veredelungskartoffeln erschweren zu kleine Kaliber die Verarbeitung. Insgesamt lassen sich also zu kleine und zu große Kaliber nur schwer vermarkten.
Die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2018 zeigen eine insgesamt ausgewogene Größensortierung (Abbildung 4).
Über alle Proben hinweg betrachtet liegen im Bereich von 40 bis 60 mm 65 % des Ertrags, einschließlich der Kalibrierung von 40 bis 70 mm fallen rund 84 % der Kartoffeln in den mittleren Größenbereich. Die Untergrößen (< 30 mm) und Übergrößen (> 70 mm) haben einen Anteil von 7,2 %. Insgesamt wurden etwas weniger kleine Knollen als im Vorjahr bonitiert.

Abschätzung der verfügbaren Menge

Abbildung 5: Hochrechnung des erwarteten Ertrags nach GrößenkaliberZoombild vorhanden

Abbildung 5: Hochrechnung des erwarteten Ertrags nach Größenkaliber

Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Ware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 1 Mio. t. Damit stünden trotz deutlich größerer Anbaufläche etwas weniger Kartoffeln zur Verfügung, als im Vorjahr (Abbildung 5).

Bewässerung

Abbildung 6: Einfluss der Bewässerung auf die GrößensortierungZoombild vorhanden

Abbildung 6: Einfluss der Bewässerung auf die Größensortierung

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Bewässerung zunehmend von Bedeutung für den Ertrag und Qualität von Kartoffeln wird. Daher wird seit 2015 im Rahmen der Vorernteschätzung auch die Bewässerung der Flächen erhoben.
Rund ein Drittel der beprobten Flächen wurden bewässert. Trotz der anhand der vorliegenden Daten begrenzten Vergleichbarkeit ist kann davon ausgegangen werden, dass die Erträge bewässerter Flächen liegen im Schnitt etwa 10 bis 20 % höher liegen. Neben der Ertragssteigerung oder -stabilisierung kann die Bewässerung vor allem aber zu einer ausgewogeneren Größenverteilung mit Hang zu größeren Kalibern beitragen (Abbildung 6).

Schlussfolgerungen

Entgegen der Erwartungen zeigt die Vorernteschätzung für Speise- und Qualitätskartoffeln 2018 ein zufriedenstellendes Ergebnis. Jedoch hängen die tatsächliche Erntemenge und Qualität stark von der weiteren Witterung und den Rodebedingungen ab. Anhaltend warmes Wetter beim Roden beeinflusst die Lagerfähigkeit negativ. Auch weiterer Schädlingsbefall (z.B. Drahtwurm) kann je nach Witterung noch an Bedeutung gewinnen. Dagegen ist der Anteil an Fäulnis sehr gering, was sich positiv auf die Lagerfähigkeit auswirken dürfte.
Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen des Teilprojekts 9.1 der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Kontakt:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte
Menzinger Str. 54
80638 München
Tel.: Telefon: 089/ 17800-333
Fax: Telefax: 089/ 17800-332
E-Mail: maerkte@lfl.bayern.de