Qualitätsvorernteschätzung für Speisezwiebeln 2021

Zwiebeln

gelbe Zwiebeln

Zusammenfassung

Im Jahr 2021 ist in Bayern mit einem vermarktungsfähigen Zwiebelertrag von 582 dt/ha zu rechnen. Die Anbaufläche ist leicht angestiegen auf mittlerweile ca. 3.000 ha. Die witterungsbedingten Mängel sind mit einem Anteil von durchschnittlich 19,8 sehr hoch und beeinträchtigen damit den Anteil der vermarktungsfähigen Ware erheblich. Schosser sowie Beschädigungen und Fäulnis treten in einzelnen Regionen vermehrt auf. Mit 63 % Anteil in den Größenkalibern 50-70 mm ist auch heuer der größte vermarktungsfähige Anteil in diesem Segment zu finden. Trotz schlechter Wetterverhältnisse ist mit einer überdurchschnittlichen Erntemenge zu rechnen.

Ziel
In Bayern wurden im Jahr 2021 Speisezwiebeln auf rund 3.000 ha angebaut. In Gemüsebauregionen und in spezialisierten Betrieben ist die Zwiebelerzeugung ein wesentlicher Faktor in der betrieblichen Wertschöpfung. Das Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte führt in Zusammenarbeit mit dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) und den Erzeugerringen jährlich eine Vorernteschätzung durch, damit gewinnen die Erzeuger frühzeitig einen Überblick über die zu erwartende Zwiebelmenge und Qualität. Zeitnah zur Ernte stellt sie ein Instrument für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter dar, um relevante Informationen für die Planung der Vermarktung und der Preisfindung zu erhalten.
Hinweis: Die Erträge der Vorernteschätzung liegen meist 20 % über der tatsächlichen Erntemenge, da ertragsmindernde Faktoren, wie z.B. Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden. Zudem trocknen Zwiebeln nach der Ernte nochmals stark aus. Dieser Gewichtsverlust ist in den hier vorliegenden Analysen wegen zu großer Unsicherheiten nicht berücksichtigt.
Datenerhebung
In den Landkreisen mit der größten Zwiebelanbaufläche in Bayern, Deggendorf, Dingolfing-Landau, Regensburg und Straubing-Bogen, wurden auf insgesamt 27 Flächen Proben gezogen. Sie bilden die Grundlage der Datenerhebung für die Vorernteschätzung 2021. Es wurden Daten zur angebauten Sorte, dem Frischertrag sowie der Größensortierung erfasst. Zudem wurden weitere Standortparameter wie die Bodenart und die Nährstoffversorgung erhoben Zur Feststellung der Qualität erfolgte eine Bonitur der vorhandenen Mängel. Aus den gewonnenen Daten konnte der vermarktbare Ertrag berechnet werden.
Die Hochrechnung der verfügbaren Mengen basiert auf dem berechneten Marktertrag je ha und der bayerischen Zwiebelanbaufläche im Jahr 2021 (InVeKoS-Daten).

Ergebnisse
Einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2021 gibt Tabelle 1.
Tabelle 1: Überblick über Ertrag und Größensortierung
20202021Ø 2016 - 2021
Rohertrag frischdt/ha565733574
Mängel%6,819,86,5
Marktfähige Ware frischdt/ha511582529
Größensortierung
< 40 mm%3,32,81,8
40 - 50 mm%7,014,09,3
50 - 60 mm%16,130,426,0
60 - 70 mm%34,533,036,8
> 70 mm%39,119,726,0
Abbildung 1: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 1

Qualitätsschätzung
Die Qualität der Zwiebeln ist das entscheidende Kriterium für die Vermarktung. Zwiebeln mit äußeren oder inneren Mängeln können nicht oder nur schwer vermarktet werden. Insgesamt wiesen bei der Bonitur durchschnittlich 19,8 % vom Rohertrag der frischen Zwiebeln Mängel auf. Schosser (7,1 %), Beschädigungen (7,0 %) und Fäulnis (2,8 %) stellten die häufigsten Mängel dar (Abbildung 1). In einzelnen Proben war der Beschädigungsgrad besonders hoch.
Abbildung 2: Rohertrag (frisch) und erwarteter Marktertrag im Jahresvergleich AZoombild vorhanden

Abbildung 2

Ertrag
Als mittlerer Rohertrag über alle gezogenen Proben wurden 733 dt/ha ermittelt. Der durchschnittliche vermarktungsfähige Ertrag von 528 dt/ha ergibt sich durch den Abzug der Gesamtmängel (Abbildung 2). Dieser ist im Erntejahr erheblich höher als im Vorjahr.
Abbildung 3: Anteil der Größenkaliber am GesamtertragZoombild vorhanden

Abbildung 3

Größensortierung
Neben der Qualität stellt die Größensortierung einen entscheidenden Faktor für die Vermarktung von Speisezwiebeln dar (vgl. Abbildung 3). Kleine Kaliber finden meist nur schwer Abnehmer. Abschläge im Preis müssen in Kauf genommen werden.
Bei der Vorernteschätzung 2021 entfallen 63 % der Zwiebeln auf die vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugten Kaliber von 50-70 mm. Der Summenanteil der beiden Kaliber ist im Vergleich zu den Vorernteschätzungen der letzten 5 Jahre annähernd gleich. Dagegen sind die Prozentanteile bei den kleineren Kaliber 40-50 mm deutlich größer und in der Fraktion > 70 mm deutlich kleiner als im Vorjahr und im Durchschnitt der letzten 5 Jahre.
Zwiebelanbau in Bayern im Erntejahr
Gegenüber den letzten drei Jahren ist die Anbaufläche in Bayern um ca. 10 % angestiegen, es werden ca. 3.000 ha Zwiebeln angebaut. Hauptanbaugebiete für Zwiebeln sind die niederbayerischen Ackerstandorte. Im nördlichen Oberbayern (DAH, FFB) und Mittelfranken (N, FÜ) befinden sich weitere kleinere Anbauverdichtungen.
Abbildung 4: Hochrechnung des erwarteten Ertrags nach GrößenkaliberZoombild vorhanden

Abbildung 4

Abschätzung der verfügbaren Menge
Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Frischware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 206.488 t. Bei einer um 10 % größeren Anbaufläche bedeutet dies einen Mehrertrag von ca. 40 % an der Gesamterntemenge (Abbildung 4).
Die Erntebedingungen beeinflussen die tatsächliche Erntemenge und Qualität wesentlich. Die Witterung spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Langanhaltendes kaltes und nasses Wetter vor und bei der Ernte wirken sich auf Rodebedingungen und die Lagerfähigkeit aus. Einbußen in der Qualität und damit einhergehende Verluste können durch optimale Lagerbedingung minimiert werden. Natürliche Verdunstung und Austrocknung im Lager stellen einen weiteren schwer kalkulierbaren Faktor in der Ertragsschätzung dar. Heuer beeinträchtigen die witterungsbedingten Mängel den Ernteertrag und vor allem die Lagerfähigkeit der Ware. Hinzu kommen die sich bereits abzeichnenden schlechten Rodebedingung, die den Ertrag schmälern werden.

Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Dr. Maria Linderer
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM)

Menzinger Str. 54
80638 München
Tel.: 08161/8640-1318
Fax: 08161/8640-1332
E-Mail: maria.linderer@lfl.bayern.de