Rückblick auf zehn Jahre Bekämpfungsversuche gegen Drahtwurm

Mit Drahtwurm befallene Kartoffelknolle
Drahtwürmer, wie die Larven des Saatschnellkäfers genannt werden, sind sowohl in konventionell als auch in ökologisch bewirtschafteten Flächen auf dem Vormarsch. Die Tiere können während ihres drei- bis fünfjährigen Entwicklungszyklus an unterirdischen Pflanzenteilen von Getreide, Mais, Hackfrüchten, Leguminosen und gärtnerischen Kulturen große Schäden verursachen. Da Grünland den natürlichen Entwicklungsort für die Schadtiere darstellt, finden sich dort besonders viele Larven. Nach Umbruch von Grünland oder grünlandähnlichen Flächen ist deshalb in den Folgekulturen mit besonders starken Schäden über mehrere Jahre zu rechnen.
Ursachen
In Kartoffeln fressen die Drahtwürmer Bohrgänge in die Tochterknollen. Die so geschädigten Partien können nicht mehr als Speise-, Veredelungs- oder Pflanzkartoffeln vermarktet werden und sind darüber hinaus kaum lagerfähig. Die zunehmenden Schäden durch den Drahtwurm haben nach unseren Erfahrungen folgende Ursachen:
  • verstärkter Zwischenfruchtanbau beziehungsweise Feldfutterbau; dies führt zu einem ganzjährigen Grünhalten der Flächen (vergleichbar mit Grünland)
  • Flächenstilllegungen
  • Zunahme der Verunkrautung, insbesondere des Queckenbesatzes auf Ackerflächen
  • Verbleib des Getreidestrohs auf den Feldern

Feldversuche zur Verminderung der Drahtwurmschäden im Kartoffelbau

Da sich an diesen befallsfördernden Ursachen in der landwirtschaftlichen Praxis kaum etwas ändern lässt, wurden von uns in den letzten zehn Jahren zahlreiche Feldversuche mit dem Ziel der Verminderung der Drahtwurmschäden im Kartoffelbau durchgeführt. Im Einzelnen waren dies:

  • Kalkstickstoff (Aufwandmenge 400 kg/ha); in einer Prüfvariante wurde der Dünger unmittelbar vor der Pflanzung der Kartoffeln ganzflächig ausgebracht und flach in den Boden eingearbeitet und in einem zweiten Versuchsansatz zum Häufeln gestreut.
  • Knollenbehandlung mit Gaucho 600 FS (Wirkstoff: Imidacloprid) mit 0,35 l/ha und 0,7 l/ha. Das Insektizid ist inzwischen als Beize gegen Blattläuse als Virusvektoren in Kartoffeln zugelassen, allerdings mit 0,3 l/ha in einer niedrigeren Aufwandmenge als von uns vor dieser Zulassung in den Drahtwurmbekämpfungsversuchen eingesetzt!
  • Flächenbehandlung mit Insektizidgranulaten. Dazu wurden unmittelbar vor der Pflanzung zum einen das Nematizid „Nemathorin“ (Wirkstoff: Fosthiazate) und zum anderen das in Deutschland jetzt nicht mehr zugelassene Mocap 20 GS unmittelbar vor der Pflanzung ganzflächig ausgebracht und flach in den Boden eingearbeitet.

Ergebnisse

Zur Kartoffelernte wurden die Knollen auf Fraßstellen bonitiert und daraus die Befallshäufigkeit ermittelt. Wie aus der Tabelle 1 ersichtlich ist, konnte in den Versuchen keine der geprüften Varianten überzeugen. Mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 57 Prozent schnitt Mocap 20 GS noch am besten ab. Zu berücksichtigen ist hier aber, dass der Befall in der Kontrolle mit 7 Prozent sehr niedrig war, was in der Regel die Wirkung stark begünstigt. Unabhängig davon, ist das Präparat in Deutschland nicht mehr zugelassen und somit auch nicht einsetzbar. Alle anderen Prüfvarianten kamen im Mittel über einen Wirkungsgrad von maximal 34 Prozent nicht hinaus. Auffallend war, dass der Bekämpfungserfolg von Jahr zu Jahr stark schwankte. Beispielsweise konnte durch Kalkstickstoff und Gaucho 600 FS im Versuchsjahr 2000 keine Befallsreduzierung erreicht werden. Vermutlich hat die Frühjahrswitterung einen entscheidenden Einfluss auf den Bekämpfungserfolg. Unter trockenen Bedingungen (wie im Frühjahr 2000) hält sich der Drahtwurm in tieferen Bodenschichten auf. Damit ist er außerhalb des Wirkungsbereichs der eingesetzten Bekämpfungsmittel. Ähnliche Probleme mit der Wirksamkeit sind auch bei frühen Pflanzterminen zu erwarten, weil sich dann die Larven noch in ihren Winterquartieren tief im Boden aufhalten.

Drahtwurmbekämpfung über die Fruchtfolge

Ein zweiter Bekämpfungsansatz bestand darin, den Drahtwurm nicht nur in Kartoffeln, sondern am selben Standort über die Dauer einer dreigliedrigen Fruchtfolge hinweg in allen Kulturen zu bekämpfen. Dazu wurde das Saat- beziehungsweise Pflanzgut der einzelnen Fruchtfolgeglieder auf einem Teil des Schlages mit dem Wirkstoff Imidacloprid inkrustiert. Für Mais war dies „Gaucho“, für Getreide „Manta Plus“ und für Kartoffeln „Monceren G“ mit den in den Kulturen dafür zugelassenen Aufwandmengen. Im dritten Versuchsjahr wurde dann zur Ernte der Drahtwurmbefall in Kartoffeln bonitiert.

Ergebnisse

Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, konnte durch den Einsatz von Imidacloprid in allen Fruchtfolgegliedern der Drahtwurmbefall an Kartoffeln im Mittel über drei Versuchsorte gegenüber der Variante „ohne Saatgutbehandlung“ lediglich um 19 % reduziert werden. Der unbefriedigende Wirkungsgrad ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Imidacloprid die Drahtwürmer nicht abtötet, sondern lediglich eine repellente Wirkung ausübt. Dadurch können zwar das Saatgut und der Keimling geschützt werden, die Anzahl der Drahtwürmer im Boden wird jedoch nicht vermindert.
Weil die repellente Wirkung nur etwa 10 Wochen anhält, es bei Kartoffeln aber um den Schutz der Tochterknollen geht, ist ohne Populationsminderung keine effektive Schadensverhinderung gegeben.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich aus den Versuchsergebnissen ableiten, dass die von uns geprüften Behandlungsstrategien zur Drahtwurmbekämpfung bestenfalls Teilerfolge ermöglichen. Auch ist in naher Zukunft nicht mit der Zulassung von anderen hoch wirksamen Präparaten zu rechnen. Für den Praktiker kommt es deshalb darauf an, auch alle acker- und pflanzenbaulichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Schäden möglichst gering halten zu können. Dazu zählen:

  • mehrfache Stoppelbearbeitung, um die sehr trockenheitsempfindlichen Eier und Larven zu schädigen oder um sie mechanisch abzutöten
  • regelmäßige Proberodungen (Ausgraben von 15 bis 20 Stauden), um den Befallsgrad an den Tochterknollen laufend verfolgen zu können; wird der für die Vermarktung kritische Wert erreicht, hilft nur noch ein sofortiges Ernten, um die Qualität und damit die Vermarktungsfähigkeit zu sichern
Auf Flächen mit hohem Ausgangsbesatz an Drahtwürmern stoßen diese Maßnahmen jedoch schnell an ihre Grenzen. Sofern nicht generell auf weniger drahtwurmempfindliche Kulturen ausgewichen werden kann, ist deshalb nur der Anbau von Stärkekartoffeln zu empfehlen.

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