Krautfäulebekämpfung - Termin und Mittelstrategie muss stimmen

Phytophthorastängelbefall an Kartoffeln

Primärbefall der Krautfäule

Wann kommt die Krautfäule? Diese Frage stellt sich für den Kartoffelanbauer jährlich neu.

Auffallend ist, dass es immer dann zu vorzeitigen Epidemieausbrüchen kommt, wenn aufgrund intensiver Niederschläge im Mai bis Mitte Juni der Boden über einen längeren Zeitraum stark durchfeuchtet war. Die ersten Symptome treten dann meist in Form von Stängel- oder Wipfelbefall auf. Zur Vermeidung größerer Ertragsausfälle ist ein umfangreicher Fungizideinsatz in den meisten Jahren unumgänglich.

Behandlungen in den Morgenstunden durchführen

Zu welcher Tageszeit sollten die Fungizidbehandlungen durchgeführt werden? Diese Frage wird von Praktikern häufig gestellt. Dabei gilt folgendes: Systemische Wirkstoffe müssen von der Pflanze aktiv aufgenommen werden. Kartoffelstauden die unter Hitze- oder Trockenheitsstress leiden sind dazu kaum in der Lage. In Schönwetterperioden müssen diese Fungizide deshalb in den frühen Morgenstunden ausgebracht werden. Grundsätzlich ist dieser Zeitraum auch für die Kontaktmittel als optimal anzusehen. Da Präparate mit ausschließlicher Kontaktwirkung jedoch auf der Blattoberfläche verbleiben, kommen auch die frühen Abendstunden als Behandlungszeitpunkt in Frage. Mittags und Nachmittags ist aufgrund verstärkter Luftbewegung (auch von der Erdoberfläche nach oben) die Abtriftgefahr besonders hoch. Aus diesem Grund sollten zu diesem Zeitpunkt keine Fungizidspritzungen durchgeführt werden. Einen Überblick über die Mittelpalette gibt das pdf-Dokument Fungizide gegen Kraut- und Knollenfäule.

Fungizide gegen Kraut- und Knollenfäule pdf 37 KB

Welches Fungizid für die Erstspritzung?

In dieser Situation hat sich der Einsatz eines systemischen Mittels als vorteilhaft erwiesen. Systemische Fungizide dringen in den Stängel ein und reduzieren somit das latente (nicht sichtbare) Befallsniveau. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn zwischen Fungizidspritzung und Auftreten erster Krautfäulesymptome 10 bis 14 Tage liegen. Mit Hilfe von Prognoseverfahren kann man den Infektionsdruck annäherungsweise abschätzen. Wird dabei ein geringer Krankheitsdruck angezeigt, sind reine Kontaktmittel für die Erstbehandlung ausreichend.

Welche Fungizide für die Folgebehandlung?

Krautfäulebefall der KartoffelZoombild vorhanden

sporulierender Phytophthora-Blattbefall

Auch hier richtet sich die Mittelwahl in erster Linie nach der Witterung. Darüber hinaus ist aber auch das aktuelle Befallsgeschehen zu berücksichtigen. Kontaktfungizide können bei geringem Krankheitsdruck (z. B. trockene Witterungsabschnitte) gefahrlos eingesetzt werden. Bei unbeständiger Witterung und bei Auftreten von Stängelbefall sind lokalsystemische oder systemische Fungizide von Vorteil. Ist die Befahrbarkeit der Bestände unsicher, ist man mit diesen Mitteln wegen den längeren Spritzabständen wesentlich flexibler. Sogenannte Stoppspritzungen sind anzuraten wenn sporulierender Befall auftritt. Bewährt hat sich in dieser Situation vor allem die Tankmischung aus cymoxanilhaltigen Fungiziden und fluazinamhaltigen Fungiziden. Aufgrund der Resistenzsituation sollte Ridomil Gold MZ und Fantic M WG bei sichtbarem Krautfäulebefall nicht mehr angewendet werden. Aus dem selben Grunde muss der Einsatz dieser Mittel auf eine bis maximal zwei Behandlungen eingeschränkt werden, sonst können erhebliche Minderwirkungen eintreten. Einen Überblick über die optimale Positionierung der Fungizide in Abhängigkeit vom Infektionsdruck und Kartoffelwachstum gibt das Bild links. Die Einzelheiten zu den (teil)systemischen Krautfäulefungiziden und den Kontaktfungiziden sind in den pdf-Dokumenten zum Leistungsvergleich von Kontaktfungiziden und systemischer Krautfäulefungizide in Kartoffeln aufgezeigt. Im ebenfalls angefügten pdf-Dokument Resistenzmanagement bei Krautfäulefungiziden wird auf das Resistenzrisiko hingewiesen.

Abschlussbehandlung

Für die Abschlussbehandlung kommt ein fluazinamhaltigen Fungizid und Ranman Top in Frage. Diese Produkte weisen eine sporenabtötende Wirkung auf. Dadurch kann die Gefahr von Knolleninfektionen reduziert werden. Darüber hinaus ist aber wichtig, dass zwischen dem Absterben des Kartoffelkrautes und der Ernte mindestens drei Wochen Zeitabstand liegen. Solange sind nämlich Phytophthora-Sporen, die von den Kartoffelstauden abgewaschen werden, im Boden infektiös. Auch die Schalenfestigkeit nimmt in diesem Zeitraum erheblich zu. Dadurch ist die Gefahr von Knollenverletzungen bei den Rodearbeiten wesentlich geringer. Knollenfäuleerreger (Phytophthora infestans, Fusarium spp, Erwinia ssp. u.a.) haben somit weniger Eindringmöglichkeiten.

Hintergrund

Grundsätzliches zum Fungizideinsatz

Kontaktmittel bilden bei optimaler Spritztechnik einen dichten Belag auf der Blattoberfläche, der das Eindringen von Pilzsporen in das Pflanzengewebe verhindert. Die Präparate wirken deshalb ausschließlich vorbeugend und können eine Infektion nur bei termingerecht durchgeführter Erst- und Anschlussspritzung verhindern. Das heißt, die Behandlung muss vor dem Befallsbeginn erfolgen. Der Spritzbelag ist in niederschlagsreichen Witterungsperioden oder bei starkem Neuzuwachs in kürzeren (ca. sieben Tagen), bei Trockenphasen oder Wachstumsstillstand in längeren Zeitabständen (ca. 10 Tage) zu erneuern.
Lokalsystemisch und systemisch wirkende Fungizide werden von Stängel und Blatt in kurzer Zeit (ein bis zwei Stunden) aufgenommen. Diese Präparate sind deshalb gegen nachfolgenden Regen weniger empfindlich und erlauben Spritzabstände von 10 bis 14 Tagen. Außerdem zeigen diese Mittel auch dann noch eine Wirkung, wenn der Pilz bereits in das Pflanzengewebe eingedrungen ist (vorbeugende und heilende Wirkung). Zu berücksichtigen ist aber, dass eine Infektion nur in der frühen Phase (maximal 48 Stunden nach deren Beginn) gestoppt werden kann. Länger zurückliegende Infektionen oder gar sichtbarer Befall können auch mit diesen Präparaten nicht mehr abgetötet werden.
Grundsätzlich gilt, dass die lokalsystemischen bzw. systemischen Fungizide ebenfalls sicherer wirken, wenn sie vor der Infektion eingesetzt werden, weil dann der in allen Präparaten zusätzlich vorhandene Kontaktmittelwirkstoff voll zur Geltung kommt.

Infizierte Knollen sind der Ausgangspunkt für die Epidemie

Verursacht wird die Kraut- und Knollenfäule (Braunfäule) durch den Pilz Phytophthora infestans. Der Krankheitserreger überdauert den Winter in infizierten Kartoffelknollen. Diese stellen im Frühjahr den Ausgangspunkt für die Epidemie dar. Aus Untersuchungen, die zusammen mit dem Lehrstuhl für Phytopathologie der TU-München/Weihenstephan durchgeführt wurden, ist abzuleiten, dass früher die erkrankten Knollen in den Feldmieten oder in den schlecht klimatisierten Kartoffelkellern verfault sind und im Frühjahr bei der Pflanzgutaufbereitung ausgelesen wurden. In modernen Kartoffellägern mit Temperatursteuerung überstehen diese Knollen den Winter größten Teil unbeschadet und werden im Frühjahr ausgepflanzt. Besonders unter feuchten Bodenbedingungen kommt es dann zu starkem Primärbefall. Sind die Böden aufgrund ergiebiger Niederschläge wie z. B. im Jahre 2000 im Weser-Ems Gebiet oder im Raum München in der frühen Vegetationsphase (Mai bis Anfang Juni) häufig nicht befahrbar, ist deshalb mit massivem Anfangsbefall auch am Stängel zu rechnen. Die Folge ist, dass wir heutzutage bei feuchter Frühjahrswitterung einen weit höheren Primärbefallsdruck haben als in den Zeiten, in denen die Feldmiete Standart bei der Kartoffellagerung war. Auch das im Vergleich zu früher häufigere Auftreten von Stängelsymptomen ist damit zu erklären.

Warndienst

Der Warndienst signalisiert den optimalen Behandlungstermin
Eine erfolgreiche Bekämpfung der Krautfäule in Kartoffeln steht und fällt mit der termingerechten Erstspritzung. Darüber hinaus muss das eingesetzte Fungizid zum Befallsgeschehen passen. Um den Landwirten und Beratern mehr Entscheidungssicherheit bei der Fungizidstrategie und bei der Terminierung der Bekämpfungsmaßnahmen zu geben, bieten die Pflanzenschutzdienste der Länder einen bundesweiten Phytophthora Warn- und Beratungsdienst an. Umfragen unter den Landwirten und unsere Abrufzahlen im Internet belegen eine hohe Nachfrage nach diesem Informationsangebot.
Worauf stützt sich der Warndienst?
Kernstück dieses Krautfäule-Informationsdienstes ist die aktuelle witterungsbedingte Epidemiebewertung durch das Computerprogramm "SIMPHYT". Als erstes prognostiziert das Model den Spritzstart. Dabei werden Auflauftermin, Sortenanfälligkeit und besonders kritische Anbaubedingungen in die Prognose mit einbezogen. Die Empfehlung für den Beginn der Spritzung wird von dem Simulationsmodell mit einer Vorlaufzeit von ca. 10 Tagen berechnet. Dadurch bleibt unter normalen Wetterbedingungen dem Landwirt genügend Zeit um die erste Fungizidspritzung durchzuführen.
Aus der Bewertung der Witterung im Hinblick auf den Infektionsdruck können die Spritzabstände für die Folgebehandlungen sowie eine optimierte Fungizidwahl abgeleitet werden. Dafür werden die agrarmeteorologischen Daten der letzten 14 Tage berücksichtigt. Dieser Zeitraum entspricht in etwa einem vollständigen Entwicklungszyklus des Pilzes auf einem Blatt vom Setzen der Infektion, über die latente Phase (Befall ist noch nicht sichtbar) und die infektiöse Phase (Sporen werden produziert) bis zum Absterben des befallenen Blattgewebes. Neben dem Infektionsdruck ist die Neuinfektionsrate (Okkupation) der Krautfäule an den Einzeltagen eine weitere wichtige Größe, die vom Modell berechnet wird. Sind die Witterungsbedingungen für den Pilz über einen längeren Zeitraum so ungünstig, dass Neuinfektionen nicht möglich waren, stirbt der Pilz in den Blättern ab. Unter diesen Bedingungen kann man Fungizidspritzungen solange aussetzen, bis wieder positive Neuinfektionsraten errechnet werden.
Parallel dazu organisieren Mitarbeiter der Pflanzenschutzdienste ein- bis zweimal pro Woche eine flächendeckende Befallserhebung (Monitoring) auf für die Region repräsentativen Praxisschlägen. Beispielsweise werden allein in Bayern durch die Ämter für Landwirtschaft und Ernährung über 50 Schläge kontrolliert und ausgewertet. Die Boniturergebnisse dienen in erster Linie zur Kontrolle der vom Computer erstellten Befallsprognosen. Durch die Einbeziehung dieser Erhebungen in den Warn- und Beratungsdienst ist ein hoher Grad an Entscheidungssicherheit gewährleistet. Die Erfahrungen, die seit 1997 in Bayern in Beratung und Praxis sowie im Exaktversuchswesen gesammelt wurden, bestätigen die hohe Treffsicherheit.
Wo bekomme ich die Informationen?
In Bayern bieten die Erzeugerringe in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Landwirtschaft und Ernährung auf Regierungsbezirksebene einen Fax-Dienst an. Darin werden neben den Ergebnistabellen auch regionalisierte Kommentare zur Krautfäulesituation sowie Fungizidempfehlungen gegeben. Der Fax-Dienst steht jedem Erzeugerringmitglied gegen einen geringen Kostenbeitrag offen. Anmeldungen nimmt die zuständige Erzeugerringgeschäftsstelle entgegen. Zusätzlich werden auf Landkreisebene durch die Anrufbeantworter der Ämter entsprechende Informationen bereitgestellt. Örtliche Besonderheiten stehen bei diesem Informationsangebot im Vordergrund. Auch in den anderen Bundesländer stehen vergleichbare Informationsangebote zur Verfügung. Auskunft dazu erteilen die regionalen Pflanzenschutzdienste.

Eine Übersichtstabelle mit einem kurzen Textteil zu anstehenden Fragen der Krautfäulebekämpfung findet sich wöchentlich auch in der Fachpresse.

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Gegenüberstellung der Krautfäulefungizide

In einer Reihe von Übersichten sind die Fungizide gegen die Kraut- und Knollenfäule dargestellt. So findet man neben einem Leistungsvergleich der Kontaktfungizide, einen der systemischen Krautfäulefungizide. Des Weiteren sind die optimalen Einsatztermine von Krautfäulefungiziden und das Resistenzmanagement bei den Fungiziden im Kartoffelbau dargestellt. Mehr