Forschungs- und Innovationsprojekt
CYDIA-Mini – Mit neuen Methoden und Technologien gegen den Apfelwickler im ökologischen und konventionellen Erwerbs- und Streuobstanbau für Bayern

Der Apfelwickler ist nach wie vor der Hauptschädling im Apfelanbau. Von Mai bis August kann man den kleinen, unauffällig grauen Falter in ökologischen und konventionellen Obst- und Streuobstanlagen finden. Die Schäden durch den Apfelwickler entstehen durch die Fraßtätigkeit der Larven im Apfel. In Bayern gibt es in den meisten Regionen zwei Generationen, mit dem Höhepunkt der ersten Eiablage Mitte Juni und in der zweiten Generation Mitte August. Die natürliche Apfelwicklerpopulation schwankt von Jahr zu Jahr, was auf natürliche Schwankungen im Fruchtertrag (Alternanz) zurückzuführen ist oder durch sonstige Klimaeinflüsse wie z.B. Frost beeinträchtigt wird. Mitunter werden somit Schäden von nur ca. 0,1% in befallsarmen bis hin zu 100 % in befallsstarken Jahren verzeichnet.

Vorhaben und Methoden

Im Projekt Cydia Mini soll die Verwirrung als biotechnische Bekämpfungsalternative untersucht werden. Hierzu wird das Pheromon (=artspezifischer Duftstoff) der Weibchen so stark in der Anlage ausgebracht, dass die Männchen die Weibchen nicht mehr lokalisieren können und es somit zu keiner Fortpflanzung kommt. Diese Methode funktioniert gut in großen zusammenhängenden Anbaugebieten, wenn sie flächendeckend eingesetzt wird. In kleineren Obstanlagen, wie sie in Bayern häufig vorkommen besteht die Herausforderung darin, diese Pheromonwolke dauerhaft in der Plantage zu halten. Inwiefern sich diese Methode auch für kleinere Obstanlagen eignet und worauf beim Einsatz besonders zu achten ist soll im Rahmen dieses Projektes erforscht werden.
Daneben soll auch die Wirksamkeit verschiedener Granulosevirenpräparate untersucht werden. Es handelt sich dabei um ein Virus aus der Familie der Baculoviren, welches spezifisch gegen die Larven des Apfelwicklers wirkt. Das Mittel muss von den Larven beim Fraß aufgenommen werden. Im Darm löst sich der den Virus umgebende Hüllkörper (Granula) auf und infiziert die Larve, welche dann innerhalb einer Woche stirbt.
Beide Methoden sind auch für den biologischen Obstbau zugelassen und wirken spezifisch gegen den Apfelwickler.

Monitoring

Es soll auch in der Saison 2026 wieder ein Monitoring des Apfelwicklerflugs durchgeführt werden. Hierfür kommen sogenannte Deltafallen (siehe Bild unten) zum Einsatz. In der Innenseite befindet sich eine Leimtafel mit einem Lockstoffköder. Dieser imitiert das Pheromon der Weibchen und lockt somit die männlichen Artgenossen an. So kann der Flugverlauf der adulten Falter bestimmt werden, auf den ca. zwei bis drei Wochen später versetzt der Schlupf der Larven aus den Eiern erfolgt. Dieses Wissen ist wichtig, um die Larven optimal bekämpfen zu können. Es ist angedacht, die Lockstoffe verschiedener Hersteller bezüglich ihrer Fängigkeit miteinander zu vergleichen.
Neben dem Monitoring kann ein passender Bekämpfungstermin auch mit einem Prognosemodell bestimmt werden. Dieses arbeitet mit Gradtagen und berechnet eine mögliche Entwicklung auf Grundlage der Temperatursummen der vergangenen Tage sowie durch die aktuelle Wettervorhersage für die Zukunft. Wichtig dabei zu beachten ist, dass es sich nur um ein Modell handelt. Wie akkurat dieses im Vergleich zur Wirklichkeit (Fallenfänge) ist soll ebenfalls in diesem Projekt beurteilt werden.
Aufnahme einer Larve des Apfelwicklers im Kerngehäuse mit Fraßspuren

Larve im Kerbgehäuse

Pheromonfalle zum Apfelwickler-Monitoring hängt in Apfelbaum

Pheromonfalle

Leimtafel mit Apfelwickler-Faltern zur Bestimmung des Flugverlaufs

Leimtafel

Ring aus Wellpappe zum Apfangen der Apfelwickler-Larven am Stamm eines Apfelbaums

Ring aus Wellpappe

Frisch versponnene Larve des Apfelwicklers (geöffnet)

frisch versponnene Larve

Ziele

  • Fruchtqualität und Erntemenge von Tafelware sowie Verarbeitungsware im Streuobstanbau erhöhen und damit die Wirtschaftlichkeit des Anbaus verbessern: nur so können diese Biotope langfristig gepflegt und erhalten werden
  • Validierung von Prognosemodellen, um durch optimierte Einsatzzeitpunkte von Bekämpfungsmaßnahmen Behandlungen einsparen zu können
  • Senkung des Apfelwicklerbefalls mit der Verwirrmethode
  • Verminderung der Resistenzgefahr chemischer und biologischer Pflanzenschutzmittel
  • Reduzierung des Einsatzes von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln
  • Erhöhung der Biodiversität auf obstbaulich genutzten Flächen
  • Schutz der natürlichen Ressourcen

Ergebnisse

Mit Ergebnissen ist nach der ersten kompletten Vegetationsperiode 2026 zu rechnen. Ein kleiner Vorversuch zum Abfangen der Apfelwicklerlarven mit Wellpappe hat gezeigt, dass eine Ummantelung der Wellpappe mit Wachspapier zu einer Erhöhung der weggefangenen Larven führt.

Projektpartner

  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)
  • Lehr- und Beispielsbetrieb für Obstbau Deutenkofen
  • SWT Weihenstephan-Triesdorf (Versuchsstation Schlachters)
  • Streuobstwiesenkompetenzzentrum Lallinger Winkel
  • Obstbau Jochen Schmidt
  • Obstmanufaktur Heim
  • Bioobstbau Vilser
  • Bioobstbau Grassl-Hof
  • Bio Streuobst-Hof Stöckl
  • Bioobstbau Pompe

Projektinformationen
Projektleitung: Dr. Sybille Orzek (Arbeitsgruppe IPS 3d – Krankheiten und Schädlinge im Gartenbau)
Projektbearbeitung: Luis Seibold, Eva Satzl, Karin Förschl
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Laufzeit: 01.07.25 – 30.06.28
Förderkennzeichen: A/24/24