Pilzkrankheiten in Wintergerste – Monitoring

Aktuelle Hinweise vom 23.04.2026

War schon der März ungewöhnlich trocken, mit bayernweit nur der Hälfte der langjährig üblichen Regenmenge, so könnte der April heuer noch trockener ausfallen. Die letzten, meist nur leichten Schauer vom Sonntag brachten im Mittel der Stationen des LfL-Messnetztes bayernweit nur 4 mm Niederschlag. Lediglich im nördlichen Unterfranken, in Teilen der Oberpfalz, im südlichen Schwaben und Oberbayern, waren es lokal auch 10 bis 20 mm. Im nördlichen Schwaben und Oberbayern fiel dagegen verbreitet kein Tropfen. Gegenüber dem langjährigen Mittel fehlen an den meisten Stationen mehr als 70 Prozent der Monatssumme für einen April. Laut Wettervorhersagen ist auch in den kommenden Tagen kaum Regen zu erwarten. Für die meisten pilzlichen Schaderreger sind Trockenheit und Kälte aktuell ungünstig. Selbst das wenige Nass nahm zuletzt teils böiger Wind rasch wieder aus den Beständen. Für Pilze wie Mehltau und Roste, die mit weniger Feuchte auskommen, waren wiederum die vergangenen Nächte, zuletzt lokal auch wieder mit Frost in Bodennähe, deutlich zu kalt. Insgesamt bleibt die Krankheitssituation in den Wintergetreidebeständen damit weiterhin sehr entspannt.
Wegen Trockenheit, leichten Nachtfrösten, großen Tag-/Nacht-Temperaturunterschieden treten allerdings weiterhin auch rein abiotische Stresssymptome auf. Meist sind dies chlorotische Blattspitzen oder -flecken, denen jegliche pilzliche Struktur, wie wegwischbare Pusteln (Mehltau, Rost), Sporenträger oder Fruchtkörper im Innern der Flecken fehlt. Fungizide haben dagegen keine Wirkung.
Im Vergleich zu manch wärmeren Jahren, wo die Schossphase der Wintergerste sehr rasch verläuft, ist die Entwicklung heuer, unter der anhalten kühlen Witterung, etwas verzögert. Viele, aber noch nicht alle Bestände hatten zu Wochenbeginn das 2- oder 3-Knotenstadium (BBCH 32/33) erreicht, jeder sechste Schlag verharrte noch in BBCH 31, bei genau so viel Schlägen, spitzte dagegen bereits das Fahnenblatt (BBCH 37). Die Krankheitsbonituren vom Montag bestätigen im Wesentlichen das Bild der beiden Vorwochen. Meist findet man sehr gesunde Wintergersten, die lediglich geringen Befall, weit entfernt von Bekämpfungsschwellen zeigen.
Auf lediglich fünf der 59 Schläge, im Norden und Osten Bayerns, war die Schwelle für Netzflecken überschritten, bei den jeweils nur mittel-resistenten Sorten Esprit, Kiss, KWS Donau und SY Baracooda, sowie ebenso bei der Sorte Bianca im Landkreis Kelheim. Auf zwei dieser SchIäge war, nach der Vorfrucht Sommer- oder Wintergerste, zusätzlich das Risiko über die Fruchtfolgestellung erhöht. In einem weiteren Schlag, im Landkreis Haßberge, überschritt der Mehltau die Schwelle, bei der Sorte Avantasia. Insbesondere für Netzflecken, ebenso dort wo sich erste Zwergrostpustel zeigen, im Monitoring auch erst bei fünf Schlägen, fehlen beiden Pilzen die zusätzlich nötigen Tageshöchsttemperaturen von 20° C an mindestens drei Tagen. Den wärmeliebenden Mehltau bremsen vor allem die sehr kalten Nächte effektiv ein.
Nur wenn tatsächlich mehr Regen fallen und die Temperaturen höher ausfallen sollten als vorhergesagt, könnte bei Befall über den Schwellen, in seltenen Fällen eine Behandlung noch in der Schossphase sinnvoll sein. Dazu eignen sich, breit wirksam zum Beispiel (Aufwandmengen jeweils je ha) 0,8 l Input Classic (oder Cherokee Neo, Flexure, Hint), 0,8 l Input Triple, 1,5 l Delaro Forte, 0,6 l Verben, 1,25 l Xenial, ohne stärkeren Mehltau zum Beispiel auch 1,0 l Balaya, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC oder 150 bis 200 g Prothioconazol über eines der zahlreichen Prothioconazol-Solomittel, wie 0,6 bis 0,8 l Aurelia, Ecana, Tokyo oder Traciafin.
In der Mehrzahl der weiterhin sehr gesunden Wintergersten, besteht dagegen kein Handlungsbedarf. Hier zeichnet sich bereits jetzt ab, dass wie in so vielen Jahren, auch heuer eine Fungizidmaßnahme in der Wintergerste, frühestens ab vollständig geschobenen Fahnenblatt (BBCH 39), ausreichen kann. Der Termin richtet sich nach dem Witterungs- und Befallsverlauf der nächsten beiden Wochen.

Weitere Hinweise zu Strategien und Fungiziden finden Sie in den untenstehenden Informationen:

Prognose Wintergerstenkrankheiten (SIG)