Japankäfer: Einen Befall erkennen (Erkennungsmerkmale, Schadbild und Wirtspflanzen)

Ein Japankäfer auf einem BlattZoombild vorhanden

Eindeutiges Erkennungsmerkmal des Japankäfers: Die weißen Haarbüscheln am Hinterteil. Foto: Luca Gaggini, EPSD Schweiz

Der Japankäfer (Popillia japonica) ist ein invasiver Schädling, der zahlreiche Pflanzen befällt und erhebliche Schäden verursachen kann. Seine rasche Vermehrung macht ihn zu einem ernstzunehmenden Risiko für verschiedene Nutz- und Grünflächen.

Typische Erkennungsmerkmale, charakteristische Fraßbilder sowie bevorzugte Wirtspflanzen ermöglichen es, einen Befall frühzeitig zu erkennen und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Erkennungsmerkmale

Japankäfer GrafikZoombild vorhanden

Merkmale des Japankäfers. Foto: SPOTTERON Citizen Science & Monitoring Apps

Der Japankäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer und ist mit 8 bis 11 Millimetern Länge und etwa 6 Millimetern Breite ungefähr so groß wie eine Kaffeebohne. Kopf und Halsschild sind metallisch grün gefärbt, die Flügeldecken kupferfarben schimmernd. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal des Japankäfers sind die weißen Haarbüschel: Entlang der Seiten des Hinterleibs befinden sich jeweils fünf, zusätzlich zwei weitere am hinteren Ende des Körpers. Diese Merkmalskombination ermöglicht eine eindeutige Unterscheidung von ähnlichen Arten.

Japankäfer: Seine einheimischen Verwandten und Verwechslungsmöglichkeiten

Bei Gefahr zeigen die adulten Käfer häufig ein charakteristisches Verhalten: Sie spreizen ein hinteres Beinpaar seitlich vom Körper ab. Dieses auffällige Alarmverhalten kann ebenfalls zur Unterscheidung von ähnlichen Arten herangezogen werden. Die Larven des Japankäfers entwickeln sich als Engerlinge und können eine Größe von bis zu 30 Millimetern erreichen. Eine sichere Bestimmung ist jedoch nur unter dem Mikroskop möglich, etwa anhand der V-förmig angeordneten Borsten auf dem letzten Hinterleibssegment.
Japankäfer neben Kaffeebohne zum Größenvergleich

Der Japankäfer im direkten Größenvergleich mit einer Kaffeebohne. Foto: Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Ein Japankäfer sitzt auf einen Blatt und spreizt das hintere Beinpaar ab

Typisch für die Käfer ist ihr Alarmverhalten mit abgespreizten Hinterbeinen. Foto: Christian Schweizer, Agroscope

Eine Japankäferlarve

Die Larven des Japankäfers entwickeln sich als Engerlinge. Foto: Giselher Grabenweger, Agroscope

Biologie und Lebensweise

Unter mitteleuropäischen Klimabedingungen entwickelt der Japankäfer in der Regel eine Generation pro Jahr. Der vollständige Entwicklungszyklus vom Ei bis zum adulten Käfer wird bei günstigen Temperaturen innerhalb eines Jahres durchlaufen.
  • Nach der Paarung im Spätsommer legen die Weibchen bevorzugt in feuchten Wiesen- und Weideböden etwa 40 bis 60 Eier ab. Aus diesen schlüpfen Larven, sogenannte Engerlinge, die unterirdisch leben, nur wenig mobil sind und sich von Pflanzenwurzeln ernähren. Im Verlauf des Jahres durchlaufen die Larven mehrere Entwicklungsstadien. Im Spätherbst ziehen sie sich zur Überwinterung in tiefere Bodenschichten zurück.
  • Mit steigenden Bodentemperaturen im Frühjahr wandern die überwinternden Larven wieder in die oberen Bodenschichten und setzen dort ihre Nahrungsaufnahme fort. Anschließend verpuppen sie sich im Boden und entwickeln sich zu geschlechtsreifen Käfern.
  • Die adulten Käfer schlüpfen frühestens im Mai/Juni und beginnen kurz darauf mit der Paarung. Die Hauptflugzeit erstreckt sich in Bayern etwa von Ende Juni bis August. Hat sich eine Population in einer Region etabliert, kann es in diesem Zeitraum bei geeigneten Witterungsbedingungen zu einem massenhaften Auftreten der Käfer kommen. Ihre Aktivität ist stark temperaturabhängig und liegt bevorzugt zwischen 21 °C und 35 °C. Bei kühlem oder schlechtem Wetter zeigen die Käfer deutlich weniger Aktivität.
  • Nach einer Reifungs- und Fraßphase an Blättern, Blüten und Früchten verschiedener Wirtspflanzen beginnen die Weibchen erneut mit der Eiablage.

Verbreitung

Der Japankäfer kann sich auf unterschiedlichen Wegen verbreiten. Ein besonders hohes Risiko besteht darin, dass er über den Reise- und Güterverkehr als blinder Passagier eingeschleppt wird. Darüber hinaus können Eier und Larven in Erdballen von Baumschulware sowie im Substrat getopfter Pflanzen in bislang befallsfreie Gebiete verschleppt werden. Die adulten Käfer können sich auch selbstständig durch Flug über kurze Distanzen ausbreiten. Bei einer geringen Populationsdichte wird von einer maximalen jährlichen Ausbreitung von etwa 1,5 km ausgegangen. Bei einem massenhaftem Auftreten der Käfer kann sich die Ausbreitung auf bis zu 10 km pro Jahr erhöhen.
Das Risiko einer Ansiedlung des Japankäfers in Mitteleuropa gilt als hoch, da sowohl geeignete klimatische Bedingungen als auch ein breites Nahrungsangebot vorhanden sind. Besonders extensive Grünland- und Ackerflächen fördern seine Entwicklung, während reine Nadel- oder Mischwaldgebiete weniger geeignete Lebensräume darstellen. Da in Bayern bislang natürliche Gegenspieler weitgehend fehlen und sich der Käfer schnell vermehren kann, besteht ein erhebliches Schadpotenzial für landwirtschaftliche und gartenbauliche Kulturen und die heimische Natur.

Schadbild

Der Japankäfer verursacht Schäden sowohl durch die adulten Käfer als auch durch die im Boden lebenden Larven. Die erwachsenen Käfer fressen bevorzugt an Blättern, Blüten und Früchten zahlreicher Wirtspflanzen. Charakteristisch ist zunächst der sogenannte Skelettierfraß, bei dem nur die Blattadern stehen bleiben. Bei stärkerem Befall kann daraus vollständiger Kahlfraß entstehen. Auffällig ist zudem das häufige gemeinsame Auftreten vieler Käfer auf einzelnen Pflanzen oder Früchten.
Die Larven entwickeln sich im Boden und ernähren sich überwiegend von Pflanzenwurzeln, insbesondere von Gräsern und krautigen Pflanzen. Zur Eiablage bevorzugen die Weibchen feuchte Grünflächen wie Wiesen und Weiden. Dort kann der intensive Wurzelfraß der Larven zu erheblichen Schäden an der Grasnarbe führen. Typische Folgen sind Verbräunungen, lückige Stellen sowie das Absterben von Pflanzen bei hoher Befallsdichte.
Zwei Japankäfer fressen an einem Blatt mit schon sichtbaren Fraßschäden

Ausgewachsene Japankäfer schädigen durch Blattfraß. Foto: Christian Lindner, Agroscope

Weinblatt das mit Skelettierfraß geschädigt ist

Typisches Schadbild des Japankäfers: Skelettierfraß. Foto: Louis Sutter, EPSD Schweiz

Mehrere Japankäfer befallen eine Pflaume

Die Käfer treten häufig in Gruppen auf und können Früchte, Blätter und Blüten schädigen. Foto: Tanja Sostizzo, Agroscope

Wirtspflanzen

Der Japankäfer besitzt ein breites Wirtspflanzenspektrum mit mehr als 400 bekannten Pflanzenarten. Dazu zählen Bäume, Sträucher, Wild- und Zierpflanzen sowie zahlreiche landwirtschaftliche Kulturpflanzen.

Für Bayern besonders relevante Wirtspflanzen (nach Angaben des Julius Kühn-Instituts) sind:

  • Landwirtschaftliche Kulturen und Gemüse: Mais, Kartoffel, Tomate, Spargel, Bohnen
  • Sonderkulturen: Hopfen, Wein
  • Beerenobst: Himbeere, Brombeere, Erdbeere, Heidelbeere
  • Obstgehölze: Apfel, Kirsche, Pflaume
  • Laubbaumarten und Sträucher: Ahorn, Linde, Ulme, Buche, Eiche, Haselnuss, Schlehe
  • Grünflächen: Rasen, Wiesen und Weiden, Süßgräser
  • Zierpflanzen: Rose, Blauregen, Heide, Flieder, Schneeball