Unkrautbekämpfung durch Einzelpflanzenbehandlung - Rotowiper-Einsatz

Die Unkrautregulierung auf dem Grünland im Einzelpflanzenbehandlungsverfahren ist ein wesentliches Element des Pflanzenschutz nach guter fachlicher Praxis. Unkräuter sollten im Grünland vorrangig durch kulturtechnische Maßnahmen wie z.B. Nutzungshäufigkeit, Düngung, Beweidung oder Übersaat reguliert werden. Mechanische Verfahren haben praktisch keine Bedeutung, da ein narbenschonender Einsatz kaum möglich ist, bzw. die Wirkung begrenzt ist. Schwarzeggen gegen einen Rispenfilz oder das Ampferstechen bilden die Ausnahmen.
SchemazeichungZoombild vorhanden

Arbeitprinzip des Rotowiper-Gerätes

Die Einzelpflanzenbehandlung ist dagegen ein wichtiges Element der Unkrautkontrolle mit zwei Zielrichtungen: Erstens können damit Kulturmaßnahmen unterstützt werden, um den Unkrautbesatz von z.B. Ampfer-Arten, Distel-Arten oder Brennesseln unter der Bekämpfungsschwelle für eine Flächenbehandlung zu halten. Zweitens kann in Folge einer intensiven Nachsaatmaßnahmen, oder auch nach einer flächigen Herbizidbehandlung die Einzelpflanzenbekämpfung gegen eine Rest- bzw. Nachverunkrautung eingesetzt werden.

Vorteil der Einzelpflanzenbehandlung

Der große Vorteil der Einzelpflanzenbehandlung ist die Ausbringung der Herbizide ausschließlich auf die Zielfläche, respektive nur auf die zu bekämpfenden Unkräuter. Damit wird nicht nur die Umwelt, sondern auch der Grünlandbestand geschont und die Kosten für Herbizide werden niedrig gehalten. Die Kehrseite der Medaille ist der i.d.R. hohe Arbeitsaufwand je nach Anwendungstechnik. Bei den personengeführten Ausbringungsgeräten muß letztlich die gesamte Befallsfläche begangen werden, um die Unkrautstellen zu behandeln. Um keine Doppelbehandlungen zu verursachen wird die Verwendung einer Markierungsfarbe (z.B. Basazol-Rot) empfohlen. Für einige Grünlandflächen, wie z.B. Steillagen im alpinen Bereich, ist dies allerdings die einzig mögliche Anwendungstechnik. Auch für Flächen, die nach den Auflagen von Extensivierungsprogrammen, wie z.B. dem bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), bewirtschaftet werden, ist ein Herbizideinsatz allenfalls als Einzelpflanzenbehandlung möglich. Hier sollte allerdings vorab die Einwilligung des zutändigen Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) eingeholt werden.

Streichgeräte

Schaum auf einer PflanzeZoombild vorhanden

Optimaler Schaumbelag Streichbelag

Bei den Streichgeräten wurde versucht den Arbeitszeitbedarf, wie auch die Arbeitsbelastung durch technische Entwicklung zu verringern. Die Verbesserungsansätze sind einerseits größere Arbeitsbreiten (bis ca. 4,5m) und der Umstieg auf maschinengezogene Geräte.
Rotowiper
Aktueller Stand dieser neuartigen Streichgeräte ist der "Rotowiper". Hierbei wird eine mit einem Synthetikgewebe überzogene, umlaufende Walze über Düsen mit einer Lösung blattaktiver Herbizide getränkt. Bei der Überfahrt wird die Herbizidlösung auf die Blätter von überständigen Unkräutern aufgestrichen. Die Arbeitsvoraussetzungen sind somit eine Höhendifferenzierung zwischen Unkräuter und dem wertvollen Grünlandbestand und Verwendung von hoch blattaktiven sowie systemischen Herbiziden.
GrünlandZoombild vorhanden

Rechts: Behandlung mit Harmony (7,5 g / 10 l Streichlösung); links: unbehandelte Kontrolle

Die Höhendifferenzierung ist i.d.R. ab dem zweiten/dritten Schnitt für hochwachsende Unkräuter wie Ampfer und Disteln gegeben. Auch nach einer Beweidung können verschmähte Unkräuter, z.B. Brennesseln und Stumpfblättriger Ampfer, mit dem Rotowiper selektiv behandelt werden.

Der Synthetikbezug der Streichwalze muß während der Überfahrt immer ausreichend mit Herbizidlösung befeuchtet sein, darf aber auch nicht übersättigt sein, um ein Abtropfen und damit Narbenschäden zu verhindern. Um den Benetzungsgrad besser kontrollieren zu können wird die Zugabe einer kleinen Menge Geschirrspülmittel in die Herbizidlösung empfohlen. Mit dem Schaumstand auf der Walze kann dann indirekt der Benetzungsgrad beobachtet werden.
Bei der Präparateauswahl sind Glyphosatmittel als 33 %ige Lösung (z.B. Roundup Ultra, ) mit einer Zulassung gegen Ampfer-Arten und Ackerkratzdistel für die Ausbringung mit speziellen Streichgeräten vorhanden. Diese Behandlung ist hinsichtlich der Kulturverträglichkeit aber sehr problematisch, da keine Streichlösung auf die Grasnarbe abtropfen darf und auch beim Abstreichen keine Kulturpflanzen belastet werden dürfen. Die Anwendung ist daher lediglich für die Ausbringung mit dem Dochtstab empfehlenswert.
Für die großflächige Einzelpflanzenbehandlung mit dem Rotowiper-Gerät empfehlen wir aufgrund der unproblematischen Kulturverträglichkeit die Anwendung der selektiven Grünlandherbizide Harmony, Starane Ranger oder Simplex (umfangreiche Auflagen beachten > siehe Tabelle) zur Ampferbekämpfung. Nach bisherigen Versuchsergebnissen kann bei sachgerechter Einstellung der Streichlösungskonzentration und guter Höhendifferenzierung zwischen Ampfer und Gründlandbestand eine gute Bekämpfungsleistung mit geringerem Mittelaufwand als bei der Flächenspritzung erzielt werden. Da im Streichverfahren unterständige kleinere Ampferpflanzen nicht bzw. nicht ausreichend erfasst werden können ist bei einem stärkern Ausgangsbesatz in der Regel eine Nachbehandlung im Folgejahr erforderlich. Bei geringem Restbesatz kann hierzu auch der Dochtstab verwendet werden.

Fazit
In der Praxis hat sich der Rotowiper als leistungsfähig in der Einzelpflanzenbekämpfung erwiesen. Er ist für größere Grünlandbetriebe oder im überbetrieblichen Einsatz eine sinnvolle Ergänzung für kulturtechnische Maßnahmen zur Unkrautregulierung.

Empfehlungen zur Herbizidanwendung als Einzelpflanzenbehandlung im Grünland

IndikationPräparat
(Wirkstoff)
Applikationstechnik
(Aufwandmenge
auf 10l)
Hinweis
AmpferHarmony SX
(Thifensulfuron)
Dochtstreichgerät
(1,5 - 3,75 g)
Spritzen mit Einzeldüse
(1,5 g)
Rotowiper
(7,5 - 11 g)
Beim Rotowiper-Einsatz ist für eine gute Gräser- bzw. Kleeverträglichkeit und sparsamen Mitteleinsatz eine Höhendifferenzierung des Ampfers von 10 bis 15 cm über dem Grünlandbestand notwendig. Der Ampfer sollte noch keine Samenstände gebildet haben.Zur nachhaltigen Ampferbekämpfung bevorzugt im Sommer/Spätsommer zum 2./3. Aufwuchs (Wartezeit 14 Tage).
AdlerfarnHoestar
(Amidosulfuron)
Spritzen mit Einzeldüse
(1,0 g)
Nach Abschluss des Hauptwachstums des Farns
von Sommer bis Herbst, Wartezeit 21 Tage.
Ampfer,
Acker-Kratzdistel,
Große Brennnessel
Simplex
(Fluroxypyr + Aminopyralid)
Spritzen mit Einzeldüse
(0,1 l)
Rotowiper
(0,4 - 0,6 l)
Anwendung während der Vegetationsperiode bei wüchsiger Witterung, Wartezeit 7 Tage.
Folgende Auflagen müssen beachtet werden:
- Gras, Silage oder Heu darf nur im eigenen Betrieb verwendet werden.
- Wirtschaftsdünger von Tieren, deren Futter von behandelten Flächen stammt sowie Gärreste aus Biogasanlagen dürfen nur im eigenen Betrieb und nur auf Grünland sowie in Getreide und Mais ausgebracht werden.
- Bei Umbruch im Jahr nach der Anwendung dürfen nur Getreide, Mais und Futtergräser nachgebaut werden.
Ampfer,
Löwenzahn,
Brennnessel
Ranger, Garlon
(Fluroxypyr + Triclopyr)
Spritzen mit Einzeldüse
(0,1 l)
Rotowiper
(0,4 ll)
Anwendung in der Wachstumsphase der Unkräuter Mai bis August, vor der Blüte, Wartezeit 14 Tage.
Acker-KratzdistelU 46 M-Fluid
(MCPA)
Spritzen mit Einzeldüse (0,1 l)Anwendung in der Wachstumsphase der Unkräuter Mai bis August, vor der Blüte, Wartezeit 14 Tage.
Ampfer,
Acker-Kratzdistel
Durano TF u.a.
(Glyphosat)
Dochtstreichgerät (3,0 l)Anwendung mit einer 33 %igen Streichlösung nach der Beweidung bzw. einige Wochen nach der Schnittnutzung bei deutlichem Höhenunterschied zwischen Unkraut und Grasnarbe. 14 Tage Wartezeit vor einer Gras- oder Heunutzung. Der Rotowiper-Einsatz wird wegen der Gefahr von Narbenschädigung nicht empfohlen!

Einzelpflanzenbehandlung - Verfahrenstechnik im Grünland

Verfahren / GerätGeräteführung durch PersonGeräteführung durch Maschinerelativer Arbeitsaufwand
Ampferstecherx sehr hoch
Dochtstreichstabx hoch
Dochtstreichrahmenxxmittel
Rotowiper xmittel - niedrig
Rückenspritze mit Einzeldüsex mittel - hoch
Gerätespritze mit mehreren Einzeldüsenxxmittel