Forschungs- und Innovationsprojekt
Langzeitversuch zur Minderung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Ackerbau

Risiken für die Landwirtschaft, den Verbraucher, die Umwelt und den Anwender zu minimieren, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auftreten können, ist ein zentrales Ziel für den Integrierten Pflanzenschutz. Hierfür gibt es präparatespezifische Vorschriften und Regelungen. Im Zulassungsverfahren wird sichergestellt, dass Pflanzenschutzmittel bei sachgerechter Anwendung kaum Risiken bergen.
Hinsichtlich der Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendung ist die wesentliche Frage das so genannte „notwendige Maß“. Diese Frage wird mit einem Langzeitversuch erforscht, der an drei Standorten in Deutschland durchgeführt wird. Diese Versuche sind Bestandteil des Nationalen Aktionsplanes zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. An den Versuchsstandorten in Brandenburg, Bayern und Niedersachsen wird untersucht, wie die langfristige Entwicklung von Schaderregern durch die reduzierte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln beeinflusst wird.
Luftbild der Versuchsfläche im Sommer

Luftbild der Versuchsfläche im Sommer

Langjährig unbehandelte Kontrollparzelle in der Wintergerste kurz vor der Ernte

Unbehandelte Kontrollfläche in der Wintergerste

Teilfläche des Dauerversuchs in Zurnhausen mit der Kultur Winterweizen und der Bodenbearbeitung Pflug im Sommer 2015

Teilfläche Winterweizen

Unkrautauflauf in den Kontrollparzellen im Mais mit Bodenbearbeitung Pflug (links) und Grubber (rechts).

Kontrollparzellen im Mais

Beerntung des Mais-Versuchs

Beerntung des Mais-Versuchs

Ziel

Ziel ist das notwendige Maß bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln experimentell abzusichern. Hierzu werden in standorttypischen Fruchtfolgen langjährig unterschiedliche Behandlungsintensitäten (ortsüblich, 25%ige bzw. 50%ige Reduktion und Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel) verglichen. Am Versuchsstandort in Freising wird zusätzlich die Bewirtschaftungsform mit und ohne regelmäßigen Pflugeinsatz untersucht.

Methode

Der Versuch wird als Exaktversuch in randomisierten, vierfach wiederholten Großparzellen angelegt. Die jährlich vollständig angebaute Fruchtfolge besteht aus den Kulturen Silomais, Winterweizen und Wintergerste.
Der Pflanzenschutzmitteleinsatz erfolgt schadschwellenorientiert mit ortsüblichen Aufwandmengen und in der vorgegebenen Reduktion. Das Auftreten von Schaderregern (Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge) wird erfasst und die Wirkung der Behandlungen wird bewertet. Der Versuch wird beerntet und kulturspezifische Qualitätsparameter werden erfasst. Die Ergebnisse werden anhand einschlägiger statistischer Verfahren (Varianzanalyse) verglichen und bewertet.

Ergebnisse

Bisher hatte eine Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes um 25 % keine gravierenden Ertragsverluste zur Folge. Eine darüber hinausgehende Verringerung des chemischen Pflanzenschutzes erhöhte das Risiko von Ertragsverlusten und beeinträchtigt die Erntegutqualität. Der generelle Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verursacht starke Mindererträge und stellt den wirtschaftlichen Anbau, je nach Kultur, stark in Frage. Bei pflugloser Bodenbearbeitung wirkt sich die Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes im Allgemeinen stärker ertragsmindernd aus.
Publikationen
Projektinformation
Projektleitung JKI: Dr. Jürgen Schwarz, Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz, Kleinmachnow
Projektleitung LfL: Klaus Gehring, Institut für Pflanzenschutz, Herbologie, Arbeitsgruppe IPS 3b, Freising-Weihenstephan
Projektmitarbeiter: Stefan Thyssen, Thomas Festner
Laufzeit: 2005-2019
Finanzierung: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Projektpartner: Julius-Kühn-Institut (JKI)