Forschungs- und Innovationsprojekt
Effektives Management von Wasser-Kreuzkraut im bayerischen Grünland

Blüten des Wasserkreuzkraut in Nahaufnahme
Wasser-Kreuzkraut (Senecio aquaticus), auch Wasser-Greiskraut genannt, ist eine typische Pflanze extensiv genutzter Feuchtwiesen, die zum Teil hohen naturschutzfachlichen Wert haben. Seit einigen Jahren tritt die Art im voralpinen Grünland des Allgäus und Oberbayerns verstärkt auf. Aufgrund des für Kreuzkräuter typischen Gehaltes an Alkaloiden ist Wasser-Kreuzkraut eine Giftpflanze, die auf Wirtschaftsgrünland für die Futternutzung nicht geduldet werden kann. Ein Besatz mit Wasser-Kreuzkraut im Grünlandaufwuchs gefährdet die Tiergesundheit und verhindert unter Umständen die Futterverwertung. Die bisherigen Regulierungsmöglichkeiten sind wenig effektiv, sehr aufwändig und verbinden nicht optimal die Ansprüche der Landwirtschaft und des Naturschutzes.

Zielsetzung

Das Forschungsprojekt "Management von Senecio aquaticus in Bayern" der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der TUM hat das Ziel, auf der Basis von populationsbiologischen Untersuchungen, von Regulierungsversuchen und einer mit historischen Landnutzungsanalysen verbundenen regionalen Bestandsanalyse Regulierungsempfehlungen zu entwickeln und Prognosemodelle und Szenarien für eine zukünftige Entwicklung zu erarbeiten, um eine weitere Ausbreitung von Wasser-Kreuzkraut (Senecio aquaticus) zu verhindern.

Methode

Das Forschungsprojekt ist in drei Teilbereiche gegliedert:

  • Regulierungsrelevante Eigenschaften der Problemart
  • Regulierung in der konventionellen und ökologischen Grünlandbewirtschaftung
  • Regionalisierung von Risikogebieten, Szenarien und Prognose
Hierfür werden umfangreiche Versuche im Gewächshaus und im Freiland sowie Felderhebungen durchgeführt. Die Daten werden mit einschlägigen statistischen Methoden analysiert und ausgewertet.
Wasser-Kreuzkraut - Blüten und Fruchtstände in einer bayerischen Feuchtwiese

Feuchtwiese (1)

Artenreicher Feuchtwiesen-Bestand mit Wasser-Kreuzkraut

Feuchtwiese (2)

Blattrosetten des Wasserkreuzkraut

Blattrosetten

Blütenstände des Wasserkreuzkraut

Blütenstände

Aktueller Stand der Forschungsarbeit

Regulierung unter ökologischer Bewirtschaftung

Die Behandlungen des im Mai 2017 an sieben Standorten im Allgäu eingerichteten Parzellenversuchs wurden über die Vegetationsperiode 2019 weitergeführt. Folgende Daten wurden vor jedem Schnitt erhoben: Wasser-Kreuzkraut-Individuendichte (vegetativ/generativ); Höhe, Rosettendurchmesser, Blütenköpfe/Pflanze von je 12 zufällig ausgewählten Pflanzen pro Parzelle. Auch die Vegetation wurde pro Parzelle erfasst.

Regulierung unter konventioneller Bewirtschaftung

2019 wurden auch die standortangepassten Bekämpfungsvarianten der Case-Control-Studie auf sechs Praxisbetrieben weitergeführt (Nachsaat & Düngung auf Herbizidbehandlungsflächen, Mulch- und Ausstechbehandlungen). Zudem wurde im Frühsommer und im Spätherbst die Individuendichte des Wasser-Kreuzkrautes erhoben.

Untersuchung der Wachstumsansprüche und Konkurrenzleistung

Um das Auflaufen von Wasser-Kreuzkraut-Samen in Bestandeslücken, beispielsweise nach Herbizidbehandlungen oder manuellem Ausstechen, zu unterdrücken, sind Nachsaaten von großer Bedeutung. Aus diesem Grund wurden Saatmischungen mit standortangepassten Pflanzenarten entwickelt und in zwei Versuchsteilen auf ihre Unterdrückungswirkung gegenüber Wasser-Kreuzkraut getestet:
  • Standardisierter Gewächshausversuch im Gewächshauslaborzentrum Dürnast (TUM)
  • Freilandversuch auf einem Versuchsgelände der LfL bei Pulling.
In beiden Versuchen wurde der Auflauf sowie die Biomasseproduktion von Wasser-Kreuzkraut und der Konkurrenzarten erhoben.

Analyse von Bewirtschaftungsformen

Ziel des Teilprojektes ist es herauszufinden, welche Faktoren das Auftreten vom Wasserkreuzkraut begünstigen. Zu diesem Zweck wurden Grünlandschläge von 103 Betrieben untersucht und die Betriebsleiter befragt. Dabei wurden Details zur Bewirtschaftung (auch der von vergangenen Jahren) abgefragt.
Eine Hypothese ist, dass das Wasserkreuzkraut sich im bayerischen Grünland ausbreitet, weil sich das Klima ändert. Darüber hinaus könnte es auch möglich sein, dass veränderte Bewirtschaftungsweisen Bedingungen geschaffen haben, die zu einer Ausbreitung von Wasserkreuzkraut geführt haben.
Derzeit werten wir die aufgenommenen Informationen aus. Mit belastbaren Ergebnissen ist ab Mitte 2020 zu rechnen, da die Auswertungen doch recht umfangreich sind. Es zeichnet sich allerdings ab, dass Bewirtschaftungsfaktoren tatsächlich für das Auftreten von Wasserkreuzkraut von Bedeutung sind.

Ausblick

Die laufenden Freilandversuche werden in der Vegetationsperiode 2020 planmäßig abgeschlossen. Die Auswertung der Versuchsdaten und der Betriebserhebung erfolgt bis Jahresende. Der Abschlussbericht wird im Frühjahr 2021 erstellt und veröffentlicht.
Projektinformationen
Projektleitung: Klaus Gehring, Institut für Pflanzenschutz, Herbologie, Arbeitsgruppe IPS 3b
Projektbearbeitung: Stefan Thyssen, Thomas Festner
Projektpartner: Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz, LfL, Dr. Gisbert Kuhn und Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, TUM, Prof. Johannes Kollmann, Dr. Harald Albrecht und Julia Ditton
Laufzeit: 2017-2022
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/17/05