Winterroggen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Winterroggen Feldbestand

In der Praxis wurde heuer in Bayern mit rund 59 dt/ha ein gutes Ergebnis erzielt. Die Erträge übertreffen das Fünfjahresmittel um 6 dt und das letztjährige Ergebnis sogar um 12 dt/ha.

Etwa ein Fünftel der bayerischen Körner-Roggenfläche wurde im Vorjahr ökologisch bewirtschaftet. Dies ist ein deutlich höherer Prozentsatz als bei Winterweizen und Wintergerste. Betrachtet man nur die konventionellen Flächen, liegt der Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre bei rund 59 dt/ha. Von den Ökoflächen wurden im Schnitt 35 dt/ha geerntet. Der Ertragsunterschied kommt aber nicht nur durch die unterschiedliche Wirtschaftsweise zustande, sondern hängt auch mit der Wahl des Sortentyps zusammen. Während konventionelle Landwirte zu über 80 % die ertragsstärkeren Hybridsorten anbauen, liegt ihr Anteil auf den ökologischen Flächen bei unter 20 %. Dies ergab eine mehrjährige Auswertung von Erntestichproben, die jährlich von etwa 80 zufällig über Bayern verteilten Roggenschlägen erhoben werden.

Verwertungsrichtung - Anbaufläche

Auf rund 39 500 ha wuchs heuer Roggen (inkl. ca. 1600 ha Wintermenggetreide) zur Körnernutzung. Die Anbaufläche lag damit fast 11 % über dem Vorjahresniveau. Auch deutschlandweit wurde der Roggenanbau deutlich ausgedehnt. Neben Körnerroggen stand in Bayern zusätzlich auf 3 200 ha Roggen zur Erzeugung von Ganzpflanzensilage. Für die Silagenutzung werden Körnerroggensorten oder eigens hierfür gezüchtete Roggen verwendet.

Sortenwahl

Bei der Sortenwahl sollte Wert auf hohe Erträge, auf eine geringe Lagerneigung sowie auf möglichst gute Resistenzen gegen Braunrost und Mutterkorn gelegt werden. In manchen Jahren spielt auch Rhynchosporium eine größere Rolle. Da Mutterkorn giftige Substanzen - sogenannte Ergotalkaloide - enthält, gibt es bei der Vermarktung einen Höchstwert für Mutterkorn. Im Futtermittelbereich liegt dieser in der Regel bei 0,1 Gewichtsprozent und bei Brotroggen bei 0,05 %. Bei Letzterem werden außerdem meist ein Hektolitergewicht (HLG) von mindestens 72 kg sowie eine Mindestfallzahl von 120 s gefordert.

Fallzahl

Die Höhe der Fallzahl, die Auskunft über den Grad der Auswuchsschädigung gibt, wird neben der Witterung von der Sorte bestimmt. Herrscht zur Erntereife trockenes Wetter erzielen alle Sorten Fallzahlen, die deutlich über dem geforderten Mindestwert liegen. Einige gängige Hybridsorten weisen bei solchen Bedingungen sogar sehr hohe Werte auf. Dies bereitet dann vor allem Bäckereien, die auf Backhilfsmittel verzichten, Schwierigkeiten, da die Fallzahlen weit über dem für das Verbacken optimalen Bereich liegen. Dann sind fallzahlschwache Partien gesucht. Da von der aufnehmenden Hand jedoch meist nur ein Mindestwert gefordert wird, sind Sorten mit stabil hohen Fallzahlen bei der Vermarktung von Brotroggen von Vorteil. Daneben tragen das Vermeiden von Lager sowie ein frühzeitiger Drusch entscheidend dazu bei, die Fallzahl zu sichern.

Mutterkorn

Auch bei der Mutterkornanfälligkeit gibt es Sortenunterschiede, die unter anderem mit der Pollenschüttung zusammenhängen. Ein hohes Pollenangebot führt nämlich zu einer raschen Befruchtung. Die Blüte wird dann schnell geschlossen und Mutterkornsporen können nicht mehr infizieren.
In der Regel stäuben Populationssorten kräftiger und über eine längere Zeit als Hybriden. Um das Mutterkornrisiko zu senken, wird dem Z-Saatgut von einigen Hybriden (SU Forsetti, SU Cossani, SU Arvid, Piano) deshalb 10 % gut stäubernder Populationsroggen beigemischt. In den LSV und der Mutterkorn-Resistenzprüfung, die Grundlage für die Mutterkorneinstufung ist, werden jedoch nur die reinen Hybridsorten getestet. Durch die Beimischung ist zu erwarten, dass die Mutterkornanfälligkeit bei diesen Sorten in der Praxis etwas geringer ist als in der Sortenbeschreibung dargestellt. Ob die Zumischung von ertragsschwächeren Populationsroggen negative Auswirkungen auf den Ertrag hat, wurde in den LSV nicht geprüft.
Um den Mutterkorngehalt im Endprodukt unbedenklich bzw. möglichst gering zu halten, erarbeitete das Max-Rubner Institut in Zusammenarbeit mit weiteren Experten für den Getreidebau und die Getreideverarbeitung

Landessortenversuche

Heuer wurden in den bayerischen Landessortenversuchen (LSV) 11 Roggensorten an 4 Standorten in zwei Intensitätsstufen geprüft. Die nicht mit Fungiziden und nicht bzw. kaum mit Wachstumsreglern behandelte Stufe 1 hat den Zweck, Informationen über die Resistenzeigenschaften und die Lagerneigung der Sorten zu liefern. Stufe 2 erhält dagegen Fungizide und Wachstumsregler nach Bedarf. Diese Stufe entspricht in etwa der Praxis im intensiven Ackerbaubetrieb und lässt die Ertragsleistung der Sorten erkennen.

Ergebnisse

Durch den zusätzlichen Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden können im fünfjährigen Mittel in Stufe 2 Mehrerträge von 11 dt/ha bzw. 13 % in den bayerischen LSV erzielt werden. Dem stehen Mehrkosten für Pflanzenschutzmittel (ohne Ausbringung) von rund 115 €/ha gegenüber. In den Versuchen war der Mehraufwand meist, jedoch nicht immer wirtschaftlich.
In der Regel führt die Intensitätssteigerung auch zu einer Verbesserung der Kornqualität. Im Mittel der Jahre 2014-18 wurde eine Steigerung des HLG um 0,7 kg und des Tausendkorngewichts (TKG) um rund 2 g beobachtet. Auch die Sortierung verbesserte sich. Der Anteil der Körner über 2,2 mm nahm von 82 auf 87 % zu.
Da die bayerischen LSV-Standorte seit 2017 bei Roggen von sechs auf vier reduziert wurden, ist eine Ertragsauswertung nach mehreren Anbaugebieten nicht mehr sinnvoll. Aufgrund der geringen Anzahl an Roggenversuchen werden alle LSV, die in der Südhälfte von Deutschland stehen, gemeinsam verrechnet und unter der Bezeichnung „Anbaugebiete Süd-Südwestdeutschland“ veröffentlicht. Die Sortenempfehlung hingegen wird nur für Bayern ausgegeben.