Wintergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sechszeilige Wintergerste

In diesem Jahr stand auf rund 214.000 Hektar Wintergerste als Druschfrucht in Bayern.

Im Gegensatz zu den trockenen Vorjahren sorgten bayernweit flächendeckende Niederschläge im Mai und Juni für eine gute Wasserversorgung, die verbunden mit den milden, wüchsigen Temperaturen im Juni ohne längere Hitzephasen auf gute Erträge und eine mindestens durchschnittliche Qualität hoffen ließen. Auch Krankheiten entwickelten sich heuer kältebedingt nur sehr langsam. Wie in den Vorjahren dominierten Ramularia-Blattflecken das Krankheitsgeschehen. Anhaltende Niederschläge ab Ende Juni, teils mit schweren Gewittern und Hagel, führten nicht selten zu Lager und erschwerten die Ernte. Die Zeitfenster waren mitunter sehr klein, der optimale Druschzeitpunkt konnte nicht immer eingehalten werden.

Ertrag und Qualität

Die bislang vorliegenden bayerischen Druschergebnisse aus der Praxis belegen stärker schwankende Wintergerstenerträge von unter 20 bis über 100 dt/ha. Derzeit liegt der mittlere Hektarertrag mit knapp 69 dt/ha deutlich über dem Vorjahresniveau von rund 64 dt und knapp 1 dt über dem 5-Jahresdurchschnitt. Qualitativ muss man heuer - trotz der insgesamt guten Wasserversorgung und günstigen Wachstumsbedingungen im Juni - bei der Wintergerste Abstriche hinnehmen. Bei einem Marktwarenanteil von rund 98 % liegt das Tausendkorngewicht mit 45 g deutlich unter dem fünfjährigen Schnitt von 51 g und repräsentiert somit den geringsten Wert der letzten 5 Jahre. Der Vollgerstenanteil erreicht mit knapp 86 % nicht den mehrjährigen Schnitt von 89 %. Das Hektolitergewicht ist mit 65 kg rund 3 kg unter dem Fünfjahresmittel und 2,5 kg niedriger als im Vorjahr.

Landessortenversuche

In den Landessortenversuchen (LSV) werden die verschiedenen Wintergerstensorten in einer extensiven und einer intensiven Stufe, die der gängigen Praxis im intensiven Ackerbau entspricht, auf ihre Anbaueignung in Bayern geprüft. Das zweizeilige Sortiment wurde auf neun und das mehrzeilige auf sechs Standorten angebaut. Alle Standorte konnten ausgewertet werden.

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die gezielten Wachstumsregler- und Fungizidmaßnahmen brachten in beiden Landessortenversuchen im Mittel über alle Orte Mehrerträge von rund 10 dt/ha. Der Pflanzenschutzeinsatz war bei beiden Versuchen heuer insgesamt über alle Standorte mit rund 50 Euro/ha in etwa gleich lohnend. Allerdings war die Intensivierung nicht überall profitabel. Bei den Zweizeilern konnten die Kosten für den Mehraufwand (Mittel und Ausbringung) an zwei Standorten nicht gedeckt werden.
Insgesamt rentierten sich Anwendungen zum Schutz vor Lager und Krankheiten wegen des erst spät stärker auftretenden Krankheitsdrucks auch heuer wieder nicht in dem Maße wie in den Jahren 2016 und 2013.

Ertragsergebnisse nach Anbaugebieten

Da die Anbaugebiete sich nicht an politischen Grenzen orientieren, sondern nur nach pflanzenbaulichen Gesichtspunkten eingeteilt wurden und somit über Bayern hinausreichen, fließen in die Ertragstabellen auch außerbayerische Werte mit ein. Bei der mehrjährigen Ertragsberechnung werden neben den LSV-Ergebnissen auch die dreijährigen Ergebnisse, die im Rahmen der Sortenzulassung ermittelt wurden, mit einbezogen.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlungen