Wintergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sechszeilige Wintergerste

In Bayern wurde Wintergerste 2018/2019 auf insgesamt rund 245 000 Hektar (inklusive 3200 Hektar Ganzpflanzensilage) angebaut, etwa 7 % mehr als im letzten Jahr.
Die Anbaufläche von Wintergerste als Druschfrucht hat im Vergleich zum Vorjahr um rund 13.000 Hektar zugelegt und erreichte somit wieder in etwa das Niveau von 2015.

Wie schon 2018 war auch heuer die Wasserversorgung der Pflanzen für die Ertragshöhe ausschlaggebend. Die ausgeprägte sechswöchige, ungewöhnlich warme Trockenperiode von Mitte März bis Ende April ließ das Schlimmste befürchten, da die Ausgangsbedingungen für das Vegetationsjahr 2019 hinsichtlich Wasserbilanz wegen des Dürrejahres 2018 deutlich schlechter waren.

Ertrag und Qualität

Mit flächendeckenden Niederschlägen sorgte der kühle Mai schließlich noch rechtzeitig für Entspannung, allerdings regional unterschiedlich. Während es in Südbayern i.d.R ausreichend regnete, blieb es nördlich der Donau vielerorts weiterhin zu trocken. Hier sind vor allem in Oberfranken, der nördlichen Oberpfalz, Mittelfranken und Unterfranken deutliche Mindererträge auf schwächeren, niederschlagsarmen Standorten zu verzeichnen. Die bislang vorliegenden bayerischen Druschergebnisse aus der Praxis belegen stärker schwankende Wintergerstenerträge von unter 25 bis über 100 dt/ha. Derzeit liegt der mittlere Hektarertrag mit rund 68 dt/ha gut 7 dt über dem Vorjahresergebnis und etwa 1 dt unter dem 5-Jahresdurchschnitt von 2014 bis 2018.
Auch heuer konnte die Wintergerste wieder überwiegend ein schönes rundes Korn ausbilden. Die Kornqualität fiel wie schon in den letzten beiden Jahren überdurchschnittlich aus. Das Hektolitergewicht ist mit knapp 70 kg ähnlich hoch wie im Vorjahr und um rund 2 kg über dem Fünfjahresmittel. Das Tausendkorngewicht übertrifft den fünfjährigen Schnitt von 50 g um rund 2 g und auch der Vollgerstenanteil von 91 % ist überdurchschnittlich (86 %).
Witterungsbedingt war auch dieses Jahr die Krankheitssituation – ebenfalls vergleichbar mit 2017 und 2018 – deutlich entspannter als in den Jahren zuvor. Zwergrost und Ramularia-Blattflecken dominierten heuer.

Landessortenversuche

In den Landessortenversuchen werden die verschiedenen Wintergerstensorten in einer extensiven und einer intensiven Stufe, die der gängigen Praxis im intensiven Ackerbau entspricht, auf ihre Anbaueignung in Bayern geprüft. Die zweizeilige Wintergerste wurde mit 13 Sorten auf neun, die mehrzeilige mit 15 Sorten auf sechs Standorten geprüft, wovon bei den Zweizeilern alle, bei den Mehrzeilern fünf Orte ausgewertet werden konnten.
Die gezielten Wachstumsregler- und Fungizidmaßnahmen brachten in beiden Landessortenversuchen (LSV) auf allen Standorten Mehrerträge, im Schnitt bei den Mehrzeilern 13 und bei den Zweizeilern 10 dt/ha. Der Pflanzenschutzeinsatz war insgesamt mit durchschnittlich 65 bzw. 36 Euro/ha lohnend, allerdings nicht auf allen Standorten. Die Kosten für den Mehraufwand (Mittel und Ausbringung) konnten bei den Mehrzeilern in Bieswang und bei den Zweizeilern in Wolfsdorf, Bieswang und Almesbach nicht gedeckt werden.
Insgesamt rentierten sich Anwendungen zum Schutz vor Lager und Krankheiten wegen des geringen Krankheits- und Lagerdrucks auch dieses - ähnlich wie letztes und vorletztes Jahr - nicht in dem Maße wie in den Jahren 2016 und 2013.

Ertragsergebnisse nach Anbaugebieten

Da die Anbaugebiete sich nicht an politischen Grenzen orientieren, sondern nur nach pflanzenbaulichen Gesichtspunkten eingeteilt wurden und somit über Bayern hinausreichen, fließen in die Ertragstabellen auch außerbayerische Werte mit ein. Bei der mehrjährigen Ertragsberechnung werden neben den LSV-Ergebnissen auch die dreijährigen Ergebnisse, die im Rahmen der Sortenzulassung ermittelt wurden, mit einbezogen.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlungen