Wintergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sechszeilige Wintergerste

In Bayern stand Wintergerste in diesem Jahr als Druschfrucht auf rund 226.000 Hektar.

Auch heuer war die Wasserversorgung der Pflanzen für die Ertragshöhe ausschlaggebend. Erst ab Ende April beendeten ergiebigere Niederschläge mit deutlichem Süd-Nord-Gefälle eine 6 Wochen andauernde, ungewöhnlich warme Trockenperiode, ähnlich dem Vorjahr 2019.

Ertrag und Qualität

Flächendeckende Niederschläge im kühlen Mai sorgten schließlich noch rechtzeitig für Entspannung und die milden Temperaturen im Juni ohne Hitzephasen, verbunden mit ausreichend Niederschlägen, begünstigten die Kornfüllung. Allerdings nicht überall. Während es in Südbayern i.d.R rechtzeitig ausreichend regnete, blieb es nördlich der Donau vielerorts weiterhin zu trocken. Hier sind vor allem in Franken und in Teilen der Oberpfalz deutliche Mindererträge auf schwächeren, niederschlagsarmen Standorten zu verzeichnen. Zudem schädigten hier Spätfröste um den 12. Mai mancherorts die Ährenanlagen, weshalb einige Tausend Hektar vorzeitig siliert werden mussten. Witterungsbedingt war die Krankheitssituation auch in diesem Jahr – vergleichbar mit den letzten drei Jahren – entspannt. Meist dominierten Ramularia-Blattflecken das Krankheitsgeschehen.
Die bislang vorliegenden bayerischen Druschergebnisse aus der Praxis belegen stärker schwankende Wintergerstenerträge von unter 15 bis über 100 dt/ha. Derzeit erreicht der mittlere Hektarertrag mit rund 64 dt/ha das Vorjahresniveau von 68 dt/ha nicht und liegt auch rund 5 dt unter dem 5-Jahresdurchschnitt von 2015 bis 2019.
Eine Untersuchung von über 100 zufällig ausgewählten bayerischen Wintergerstenproben liefert Informationen über die Kornqualität. Der Marktwareanteil (>2,2 mm) übertrifft heuer mit 99 % das Fünfjahresmittel von 97 % und auch das Tausendkorngewicht (TKG) ist mit 51,3 g über dem Mittel von 50 g. Das hl-Gewicht verfehlt dagegen mit 67,4 kg den mehrjährigen Schnitt um knapp 1 kg.

Landessortenversuche

In den Landessortenversuchen (LSV) werden die verschiedenen Wintergerstensorten in einer extensiven und einer intensiven Stufe, die der gängigen Praxis im intensiven Ackerbau entspricht, auf ihre Anbaueignung in Bayern geprüft. 15 zweizeilige Sorten wurden auf neun, 17 mehrzeilige Sorten auf sechs Standorten angebaut. Bei beiden Wintergersten-LSV konnte der Standort Bieswang wegen Wildschweinschäden nicht ausgewertet werden. Aufgrund von Spätfrösten gingen die Ertragsergebnisse von Wolfsdorf, Almesbach und Rudolzhofen ebenfalls nicht in die Auswertung mit ein, sodass von den Mehrzeilern vier und von den Zweizeilern nur fünf Standorte wertbar waren.

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die gezielten Wachstumsregler- und Fungizidmaßnahmen brachten in beiden Landessortenversuchen auf allen Standorten Mehrerträge, im Schnitt bei den Mehrzeilern 12 und bei den Zweizeilern 7 dt/ha. Der Pflanzenschutzeinsatz war insgesamt mit durchschnittlich 69 Euro/ha bei den Mehrzeilern lohnender als bei den Zweizeilern mit nur 7 Euro/ha. Die Intensivierung rentierte sich jedoch nicht überall. Die Kosten für den Mehraufwand (Mittel und Ausbringung) konnten am Standort Hausen nicht gedeckt werden. In vier weiteren Versuchen waren Stufe 1 und Stufe 2 in etwa gleich wirtschaftlich.
Insgesamt rentierten sich Anwendungen zum Schutz vor Lager und Krankheiten wegen des geringen Krankheits- und Lagerdrucks auch dieses Jahr - ähnlich wie in den letzten 3 Jahren - nicht in dem Maße wie in den Jahren 2016 und 2013.

Ertragsergebnisse nach Anbaugebieten

Da die Anbaugebiete sich nicht an politischen Grenzen orientieren, sondern nur nach pflanzenbaulichen Gesichtspunkten eingeteilt wurden und somit über Bayern hinausreichen, fließen in die Ertragstabellen auch außerbayerische Werte mit ein. Bei der mehrjährigen Ertragsberechnung werden neben den LSV-Ergebnissen auch die dreijährigen Ergebnisse, die im Rahmen der Sortenzulassung ermittelt wurden, mit einbezogen.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlungen