Wintergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sechszeilige Wintergerste, grüne Ähren.

In diesem Jahr stand auf rund 212.000 Hektar Wintergerste als Druschfrucht in Bayern.

Aufgrund des milden Winters konnten sich die Wintergerstenbestände – auch später gesäte – zufriedenstellend bis gut entwickeln. Die Wintermonate füllten die Bodenwasservorräte oberflächlich meist auf, so dass der ungewöhnlich warme und trockene März allgemein gut überstanden wurde. Spätfröste im März und April richteten keinen Schaden an. Auch Krankheiten entwickelten sich aufgrund der Trockenheit im März und der Kälte im April nur sehr verhalten. Wie in den Jahren zuvor dominierte auch heuer Ramularia das Krankheitsgeschehen.
Der überdurchschnittlich warme Mai ohne Kälteeinbrüche förderte das Wachstum und die Entwicklung der Gerste. Niederschläge von April bis Juni fielen bayernweit oft rechtzeitig, regional allerdings sehr unterschiedlich. Im Süden mehr, im Norden weniger. Vor allem in Teilen Frankens und der nördlichen Oberpfalz führte massiver Wassermangel ab Mai bzw. ab Juni auf schwächeren Standorten zu einer beschleunigten Abreife und notreifen Beständen.

Ertrag und Qualität

Erste Wintergerstenbestände wurden in Bayern ab dem 20. Juni gedroschen. Bislang vorliegende bayerische Druschergebnisse aus der Praxis belegen auch heuer wieder stärker schwankende Erträge von rund 30 dt bis 100 dt/ha. Der mittlere, leicht überdurchschnittliche Hektarertrag liegt derzeit mit 69 dt/ha auf Vorjahresniveau, die Qualität ist mehr oder weniger durchschnittlich, wenn auch deutlich besser als letztes Jahr. Bei einem Marktwarenanteil von 98 % verfehlt das Tausendkorngewicht mit rund 49 g das Fünfjahresmittel knapp um 1 g, der Vollgerstenanteil liegt mit rund 88 % unter dem mehrjährigen Schnitt von 91 %, das Hektolitergewicht bewegt sich mit gut 68 kg im langjährigen Schnitt.

Landessortenversuche

In den Landessortenversuchen (LSV) werden die verschiedenen Wintergerstensorten in einer extensiven (ohne Fungizide, kein bzw. reduzierter Wachstumsreglereinsatz) und einer intensiven Stufe, die der gängigen Praxis im intensiven Ackerbau entspricht, auf ihre Anbaueignung in Bayern geprüft. Das zweizeilige Sortiment wurde auf zehn und das mehrzeilige auf sechs Standorten angebaut. Alle Standorte konnten ausgewertet werden.

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die gezielten Wachstumsregler- und Fungizidmaßnahmen brachten in beiden Landessortenversuchen im Mittel über alle Orte Mehrerträge von jeweils rund 11 dt/ha. Der zusätzliche Pflanzenschutzeinsatz lohnte sich sowohl bei den Zwei- als auch bei den Mehrzeilern über alle Standorte mit rund 54 bzw. 58 Euro/ha in etwa gleich. Die Intensivierung war jedoch nicht überall rentabel. Bei beiden Versuchen konnten die Kosten für den Mehraufwand für Mittel und Ausbringung (Eigenmechanisierung) an jeweils zwei Standorten nicht gedeckt werden.
Insgesamt rentierten sich Anwendungen zum Schutz vor Lager und Krankheiten wegen des erst spät stärker auftretenden Krankheitsdrucks auch heuer wieder nicht in dem Maße wie in den Jahren 2016 und 2013.

Ertragsergebnisse nach Anbaugebieten

Da die Anbaugebiete sich nicht an politischen Grenzen orientieren, sondern nur nach pflanzenbaulichen Gesichtspunkten eingeteilt wurden und somit über Bayern hinausreichen, fließen in die Ertragstabellen auch außerbayerische Werte mit ein. Bei der mehrjährigen Ertragsberechnung werden neben den LSV-Ergebnissen auch die dreijährigen Ergebnisse, die im Rahmen der Sortenzulassung ermittelt wurden, mit einbezogen.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlungen