Wintergerste – Überblick aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Heuer wurde auf rund 204 000 Hektar Wintergerste als Druschfrucht angebaut.
Die Saat der Wintergerste verzögerte sich in Teilen Bayerns aufgrund hoher Bodenfeuchten bis teils Mitte Oktober. Die Bestände kamen zumeist gut durch den Winter. Die Frühjahrstrockenheit führte, vor allem auf leichten Standorten, häufig zu dünnen Beständen, in denen sich später oft Nachschosser bildeten. Wegen der anhaltenden Trockenheit blieb der Krankheitsdruck heuer - wie auch im Vorjahr - gering.
Die häufigste Krankheit war erneut der Ramularia-Blattfleckenkomplex. Verzwergungsviren, die 2024 größere Schäden anrichteten, bereiteten meist keine Probleme. Der sehr sonnige, ab Monatsmitte heiße und regenarme Juni, der vierte zu trockene Monat in Folge, ließ die Wintergerste zügig abreifen.
Ertrag und Qualität
Derzeit wird von einem bayerischen Praxisertrag von durchschnittlich 68 dt/ha ausgegangen. Damit bewegen sich die Hektarerträge auf Niveau des Zehnjahresmittels, aber deutlich unter den guten Vorjahresergebnissen von 74,5 dt/ha. Das Hektolitergewicht (Hl-Gewicht) liegt mit rund 69 kg leicht über dem langjährigen Mittel von knapp 68 kg und auch das Tausendkorngewicht (TKG) ist mit 53 g überdurchschnittlich (49 g). Mit einem Marktwareanteil von 99 % wird ein gutes Ergebnis erzielt und auch die Sortierung über dem 2,5 mm Sieb bewegt sich mit 93 % über dem langjährigen Schnitt von 88 %.
Vergleich Zweizeiler - Mehrzeiler
Zoombild vorhanden
Getreideernte in Frankendorf
In Süddeutschland dominieren, im Gegensatz zum Norden, zweizeilige Sorten. Ihr Anbauanteil lag in Bayern in den letzten Jahren bei 80 bis 85 %. Ein Grund für ihre weite Verbreitung ist, dass die Bestände hier häufiger unter Hitzeperioden leiden, die dann zu schneller Abreife führen können. Unter diesen Stressbedingungen erreichen zweizeilige Sorten mit einer genetisch bedingten guten Kornqualität noch am ehesten die vom Handel geforderten Mindestwerte im Hl-Gewicht sowie eine gute Kornausbildung und ein hohes TKG. Diese Vorteile schätzen vor allem Marktfruchtbetriebe. Bei Eigenverwertung der Gerste spielen diese Parameter keine große Rolle. In der Sortenbeschreibung beträgt der Abstand zwischen den einzelnen Notenstufen beim Hl-Gewicht, z. B. zwischen o und (+), knapp 2 kg/hl.
Ein weiterer Grund für die Dominanz der Zweizeiler im Süden ist die Strohstabilität (Neigung zu Lager, Halm- und Ährenknicken). Obwohl diese bei den meist längerstrohigen Mehrzeilern züchterisch verbessert wurde, gibt es im zweizeiligen Sortiment mehr Sorten, die eine gute Standfestigkeit mit einer geringen Neigung zu Halm- und Ährenknicken kombinieren. Dafür werden ihre oftmals etwas niedrigeren Erträge in Kauf genommen. An Standorten, an denen sowohl der zwei- als auch der mehrzeilige Landessortenversuch (LSV) stehen, zeigte sich im Zehnjahresmittel ein leichter Ertragsvorteil für die Mehrzeiler von im Schnitt 4 %. Nur im mittelfränkischen Rudolzhofen lagen die Erträge mehrjährig etwa gleichauf. Hl-Gewicht und TKG waren dagegen in den zweizeiligen Versuchen im Mittel um gut 1 kg bzw. 5 g höher. Im Marktwareanteil (> 2,2 mm) unterschieden sich die LSV-Sortimente so gut wie nicht. Diese Aussagen gelten nur für das Mittel der beiden Sortimente. Denn es gibt bei den meisten Merkmalen sowohl gute zwei- als auch gute mehrzeilige Sorten.
Landessortenversuche
Im LSV werden alle Sorten bei intensiver (Stufe 2) und extensiver Bestandesführung (Stufe 1) geprüft. In den Intensivvarianten kommen Wachstumsregler und Fungizide nach Bedarf zum Einsatz. In den extensiven Varianten werden keine Fungizide und kein bzw. nur wenig Wachstumsregler eingesetzt.
Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes
In den bayerischen Versuchen bringen die Intensivvarianten im Fünfjahresmittel einen Mehrertrag von 9 dt/ha (10 %) gegenüber Stufe 1 bei zusätzlichen Pflanzenschutzmittelkosten von etwa 135 €/ha (ohne Ausbringung). Dass der Mehraufwand nicht grundsätzlich sinnvoll ist, zeigt sich heuer eindrucksvoll - in fast allen bayerischen Wintergersten-LSV war die Extensivvariante wirtschaftlicher. In diesen Versuchen brachte der Zusatzaufwand nur einen Mehrertrag von maximal 5 dt/ha.
Während im Mittel der Jahre 2021-25 die Intensitätssteigerung zu einer Verbesserung der Kornqualität führte - im Schnitt konnten in Stufe 2 das Hl-Gewicht um gut 1 kg, das TKG um knapp 3 g und der Marktwareanteil von 96 auf 97 % gesteigert werden – ist dies heuer nicht bzw. kaum der Fall.
Während im Mittel der Jahre 2021-25 die Intensitätssteigerung zu einer Verbesserung der Kornqualität führte - im Schnitt konnten in Stufe 2 das Hl-Gewicht um gut 1 kg, das TKG um knapp 3 g und der Marktwareanteil von 96 auf 97 % gesteigert werden – ist dies heuer nicht bzw. kaum der Fall.
Sortenwahl
Bei der Sortenwahl sollte nicht nur auf hohe Erträge in der Intensivvariante geachtet werden, sondern auch die Leistung in Stufe 1 mit einbezogen werden. Denn Sorten, die dort gut abschneiden, sind meist unproblematischer in der Bestandesführung, da sie eine nicht termingerechte oder ausbleibende Pflanzenschutzbehandlung eher tolerieren. Diese Sorten haben in der Regel eine ausgewogene Resistenzausstattung und zeigen keine größeren Mängel in der Strohstabilität. Sinnvoll ist es, eine Sorte zu wählen, die mehrjährig im LSV geprüft wurde. Zur Risikominimierung empfiehlt es sich auch, mehrere Sorten anzubauen.
Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlungen
- Kornerträge zweizeilige Wintergerste nach Anbaugebieten mehrjährig
- Kornerträge zweizeilige Wintergerste nach Anbaugebieten 2026 und mehrjährig
- Kornerträge mehrzeilige Wintergerste nach Anbaugebieten mehrjährig
- Kornerträge mehrzeilige Wintergerste nach Anbaugebieten 2026 und mehrjährig
- Sortenbeschreibung zweizeilige Wintergerste 2026
- Sortenbeschreibung Winterbraugerste 2026
- Sortenbeschreibung mehrzeilige Wintergerste 2026
- Sortenempfehlung zweizeilige Wintergerste 2026/2027
- Sortenempfehlung mehrzeilige Wintergerste 2026/2027
- Ausführlicher Versuchsbericht zweizeilige Wintergerste (externe PDF-Datei)
- Ausführlicher Versuchsbericht mehrzeilige Wintergerste (externe PDF-Datei)



