Pflanzen- und umweltgerechte Düngung von Arznei- und Gewürzpflanzen in Bayern 2020

Traktor mit Schleuderstreuer auf dem Feld

Umsetzung der Düngeverordnung vom 26. Mai 2017 (BGBl. I S. 1305)

Die Feldkulturen der Arznei-, Tee-, Gewürz- und Kosmetikpflanzen (kurz: Arznei- und Gewürzpflanzen) müssen wie alle anderen Feldfrüchte gedüngt werden – bedarfsgerecht und umweltgerecht. Die Düngeverordnung vom 02.06.2017 regelt unter anderem die Ermittlung des Stickstoff- und Phosphor-Düngebedarfs sowie die N- und P-Nährstoffbilanzierung vor allem in der Form, im Umfang und in den Konsequenzen. Die Düngung entsprechend des Bedarfs und des Entzugs der Pflanzen entspricht der guten fachlichen Praxis.

Arznei- und Gewürzpflanzen als Hauptkultur oder als Zweitfrucht

Die Kulturen der Arznei- und Gewürzpflanzen werden in Bayern den Ackerkulturen zugeordnet. In der Regel werden die Arznei- und Gewürzpflanzen als Hauptkulturen angebaut. Wenn eine Kultur als Zweitfrucht angebaut und im Anlagejahr geerntet wird, darf diese gedüngt werden. Die erforderliche Düngebedarfsermittlung kann mit den Bedarfswerten und den Ertragszu- und abschlägen der Hauptfrucht berechnet werden. Es kann dabei entweder der Rechengang für Hauptfrüchte oder für Zweitfrüchte verwendet werden. Wenn eine Kultur als Zweitfrucht angebaut und im Anlagejahr nicht geerntet wird, darf diese nicht gedüngt werden.

Basisdaten und Rechenprogramme für die Düngebedarfsermittlung

Für die Ermittlung des Düngebedarfs stehen die erforderlichen Basisdaten, das Online-Programm "LfL-Düngebedar" sowie das Excel-Programm "zur Berechnung der Düngebedarfsermittlung für Trauben, Heil- und Gewürzpflanzen und sonstige Ackerkulturen" zur Verfügung.
Das Programm des DLR Rheinpfalz (Excel-Programm „Düngebedarfsermittlung N und P für Gemüse und Erdbeere, inkl. Heil- und Gewürzpflanzen“) kann ebenfalls für die Düngebedarfsermittlung für Heil- und Gewürzpflanzen verwendet werden. Der errechnete Düngebedarf muss vom Anwender auf Plausibilität überprüft werden. Auch eine handschriftliche Kalkulation ist möglich. Hierzu wird die Nutzung einer Vorlage, wie sie z.B. im "Leitfaden für die Düngung von Acker und Grünland (Gelbes Heft)" dargestellt ist, empfohlen.
Heil- und Gewürzpflanzen, die in den LfL-Rechenhilfen unter "Heil- und Gewürzpflanzen" nicht zu finden sind, sind im Excel-Programm zur Düngebedarfsermittlung unter "Acker sonstiges" zu berechnen. Die dazugehörigen Daten sind aus den Basisdaten oder aus den "Empfehlungen für Kulturen, für die keine Basisdaten publiziert sind" am Ende dieser Umsetzungsbestimmung zu entnehmen und in das Tabellenblatt „Bedarfswert_sonstiges“ einzutragen. Sind die Werte eingetragen, erscheint die Kultur im Tabellenblatt "Acker sonstiges".

Besonderheiten

Die verschiedenen Arznei- und Gewürzpflanzen weisen viele Besonderheiten auf, so dass auch für den Umgang mit den Basisdaten und die Umsetzung in die praktische Düngung weitere Informationen und Empfehlungen notwendig sind. Diese werden im Folgenden dargestellt und im Zuge der Beratung und des Erkenntnisgewinns in der Praxis laufend ergänzt.

Berechnung des betriebseigenen Frischmasseertrags (Stand 16.03.20)

Für die Düngebedarfsermittlung ist der zu erwartende Frischmasseertrag notwendig. Dabei muss der betriebseigene Frischmasseertrag verwendet werden, der über Verkaufsbelege der Frisch- oder Trockenware nachgewiesen wird. Ist der betriebseigene Ertrag nicht berechenbar oder wird die Kultur zum ersten Mal im Betrieb angebaut, so kann der mittlere Frischmasseertrag aus Tabelle 1d verwendet werden.
Der betriebseigene Frischmasseertrag ist die Frischmasse, die vom Feld abgefahren wird. Als zu erwartender Frischmasseertrag ist der Durchschnitt der letzten 3 Jahre anzusetzen.
In den meisten Betrieben ist lediglich der Drogenertrag, d.h. die lufttrockene Masse (LTM) des getrockneten Endprodukts bekannt. Auf dieser Basis muss auf die Frischmasse (FM) hochgerechnet werden.
Drogengewicht (in dt LTM/ha) x Eintrocknungsverhältnis (EV) = Frischmasse (in dt FM/ha)
Bei Kraut- und Blattdrogen bezieht sich der N-Bedarfswert auf die gesamte Krautfrischmasse. Daher muss bei der Ertragsberechnung das Gewicht der Stängel hinzugerechnet werden, wenn diese auf Grund der Aufbereitung des Ernteguts im erfassten Drogenertrag nicht enthalten sind.
Grundsätzlich gilt: das Gewicht von Pflanzenteilen (z.B: Stängel oder Schalen), die bei der Aufbereitung aussortiert werden, ist z.B. über den Blattanteil im Kraut zu berücksichtigen.
Blattdrogengewicht (dt LTM/ha) x Eintrocknungsverhältnis / Blattanteil (Blatt/Kraut) = Krautfrischmasse (dt FM/ha)
Beispiel Zitronenmelisse:
Blattdrogenertrag 40 dt LTM/ha, EV = 5 (EUROPAM-Daten), 1/3 Stängelanteil bzw. 2/3 Blattanteil im frischen Kraut
Berechnung:
40 dt Blattdrogenertrag/ha x 5 = 200 dt Ertrag frisches Blatt/ha
200 dt Ertrag frisches Blatt/ha : 2/3 Blattanteil = 300 dt Ertrag frisches Kraut/ha
Eintrocknungsverhältnis (EV)
Sofern eigene dokumentierte Daten zum Eintrocknungsverhältnis vorliegen, sollen diese zum Hochrechnen von Drogengewicht auf Frischgewicht verwendet werden. Liegen diese nicht vor, können die Eintrocknungsverhältnisse von EUROPAM (European Herbs Growers Association) als Schätzwert herangezogen werden. Die Eintrocknungsverhältnisse von EUROPAM sind für alle Kulturen in Basisdaten Tabelle 1d aufgeführt. In Tabelle 1d sind zudem für einzelne Kulturen Kraut-/Blatt- und Stängelerträge separat angegeben.

Blatt- und Stängelanteile

Gewichtsanteile (frisch) aussortierter Pflanzenanteile verschiedener Kulturen aus Versuchs- und Praxiserfahrung (werden ergänzt):
50 % Stängel bei Petersilie, Dill (Dillspitzenproduktion), Koriander, Schnittsellerie, Liebstöckel, Brennnessel, Pfefferminze, Salbei
1/3 Stängel, 2/3 Blatt bei Zitronenmelisse
50 % Kapseln bei Mohn
Mit zunehmendem Alter des Aufwuchses steigt der Stängelanteil. Je nach betrieblichen Bedingungen und Erntestrategien können daher begründete Anpassungen am Stängelanteil vorgenommen werden. Diese sind zu dokumentieren. Wird bei der Krauternte eine hohe Stoppel auf dem Acker belassen, ist der Stängelanteil im Erntegut geringer. Dadurch reduziert sich zwar die Abfuhr, der N-Bedarf des Aufwuchses bleibt jedoch gleich.

Ansatz Nmin-Gehalt im Boden

Sobald der Düngebedarf für eine Arznei- und Gewürzpflanzenkultur schriftlich ermittelt werden muss, ist ein Nmin-Wert anzusetzen. Ob dabei ein schlagspezifischer Nmin-Gehalt empfohlen wird oder der publizierte Nmin-Gehalt der LfL genutzt und angerechnet werden kann, ist in der folgenden Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1: Bestimmung des Nmin-Gehalts zu den verschiedenen Terminen der N-Düngebedarfsermittlung
Termin der N-DüngebedarfsermittlungSchlagspezifischer Nmin-Gehalt Publizierter Nmin-Gehalt (nicht: Rote Fläche)Bemerkung
Frühjahr, KulturbeginnXoderXFür Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Frühjahr, Kulturbeginn, Vorkultur mit großen ErnterückstandsmengenX (empfohlen)oderXFür Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Sommer, KulturbeginnXoderXFür Zweitfrucht
Petersilie und Schnittlauch,
2. Kulturphase „nach dem 1. Schnitt“
X   Probenahme ca 1 Woche vor Düngung, Nmin Untersuchung über ER-Gemüse
Frühjahr, bei Austrieb (mehrjährige Kultur)X (empfohlen, keine Simulation möglich)oderXFür Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Falls bei Arznei- und Gewürzpflanzen keine eigene Nmin-Untersuchung vorliegt, kann für die Berechnungen im Frühjahr der publizierte Nmin-Wert für „Sonstige Kulturen“ in der Tabelle „Hauptfrüchte mit einer mittleren (0-60 cm) Durchwurzelung des Bodens (kg N/ha)“ verwendet werden. DerNmin-Wert wird von der LfL im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt und im Internet veröffentlicht und ist in Abhängigkeit von der Durchwurzelungstiefe der Kultur aus den Nmin-Tabellen anzurechnen.

Ausführungsverordnung DüV – Rote Gebiete, grüne Gebiete

Durchwurzelungstiefe

Mann nimmt Probe von BodenZoombild vorhanden

Ziehung Nmin- Bodenprobe

Die relevante Durchwurzelungstiefe einer Kultur ist in Tabelle 9d unter „Bodentiefe“ für jede Kultur angegeben. Arznei- und Gewürzpflanzenkulturen, die auf Böden mit flacher (0-30), durchwurzelbarer Auflage stehen, erreichen auf diesen Böden nicht ihre normale Durchwurzelungstiefe. In diesen Fällen und im Fall, dass es sich um eine Kultur handelt, die nur bis 30 cm wurzelt, kann der angegebene Nmin-Gehalt für Hauptfrüchte mit einer mittleren (0-60 cm) Durchwurzelung des Bodens wie folgt reduziert werden: Bei einer Durchwurzelungstiefe des Bodens von circa 30 cm sollten nur 60 Prozent vom Nmin-Gehalt angesetzt werden.
Nmin bei mehrschnittigen Kulturen
Bei Kulturen mit mehreren Ernteschnitten je Vegetationsjahr ist vor dem Ausbringen der Teilgaben nach den Schnitten keine Nmin-Gehaltsbestimmung erforderlich, da keine neue Düngebedarfsberechnung gemacht werden muss. Ausnahmen sind Petersilie und Schnittlauch, die in 2 Kulturphasen mit unterschiedlichen N-Bedarfswerten eingeteilt werden (s.u.). Bei mehr als zwei Schnitten und wenn die Erträge geringer als erwartet ausgefallen sind, wird vor der Düngung des letzten Aufwuchses eine Nmin-Untersuchung empfohlen, um N-Reste im Boden zu nutzen. Als N-Bedarfswert kann der rechnerische Anteil des N-Bedarfswerts für den letzten Schnitt angesetzt werden.
Nmin bei mehrjährigen Kulturen
Ab dem 2. Standjahr wird beim Wiederaustrieb eine schlagspezifische Nmin-Gehaltsbestimmung empfohlen. Eine frühe Bodenprobenahme mit nachfolgender Nmin-Simulation ist leider nicht möglich.

Vorfruchtwirkung von Arznei- und Gewürzpflanzen

Ist eine Arznei- oder Gewürzpflanzenkultur Vorfrucht, ist im Ackerbaubetrieb die Vorfruchtwirkung 0 kg N/ha.
Im Düngebedarfsermittlungsprogramm ist als Vorfrucht „sonstiges“ auszuwählen.
In Gemüsebaubetrieben sind für Dill, Petersilie und Schnittlauch die Vorfruchtwirkung aus der Düngeverordnung und die Umsetzungsbestimmungen der LWG zu berücksichtigen.
Unter den Arznei- und Gewürzpflanzenkulturen befinden sich einige, die große Mengen an Ernterückständen und in diesen auch Nährstoffe auf dem Feld zurücklassen (v.a. Stroh einiger Druschfrüchte und Kraut bei Wurzelfrüchten). Da der N-Gehalt in den Vorfrucht-Ernterückständen in den LfL-Rechenhilfen nicht als Vorfruchtwirkung eingetragen werden kann, wird in diesen Fällen eine schlagspezifische Nmin-Untersuchung vor der Folgekultur empfohlen. Alternativ kann auch eine eigenständige Verringerung des in der LfL-Rechenhilfe ausgegebenen N-Düngebedarfs für die Folgekultur erwogen werden.
Organische Düngung
Die Nährstoffgehalte organischer Dünger und die Mindestwirksamkeit deren Gesamt-Stickstoffgehalts sind in den Basisdaten Tabelle 5 aufgelistet. Aus Gründen der Hygiene und der Minimierung mikrobieller Kontamination wird empfohlen, Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft nicht direkt zur Arznei- oder Gewürzpflanzenkultur, sondern gegebenenfalls zur Vorkultur auszubringen.

Verarbeitungsrückstände – Ernterest oder Organischer Dünger

Im oben beschriebenen Beispiel des Zitronenmelisse Frischmasse-Ertrags entfallen 200 dt auf die Blätter und 100 dt auf die Stängel. Werden bei Zitronenmelisse oder bei anderen Kulturen die aussortierten Stängel innerhalb von fünf Tagen wieder auf dasselbe Feld zurückgebracht und verteilt, können sie als nicht abgefahren und damit als Ernterückstände gewertet werden. Werden sie später oder auf ein anderes Feld verbracht, müssen sie als organischer Dünger behandelt und angerechnet werden. Die N-Mindestwirksamkeit des organischen Düngers „Grüngut frisch“ aus den Basisdaten Tabelle 5 ist anzusetzen. Dazu ist in den LfL-Rechenprogrammen der betriebseigene Dünger als „Grüngut frisch“ anzulegen. Für diesen, also für die Stängelreste aus der Kräuterverarbeitung sind einmal pro Jahr N- und P-Gehalt zu bestimmen. Für 2020 gilt, dass die ermittelten Nährstoffgehalte für alle im Betrieb verarbeiteten Kulturen herangezogen werden dürfen.

Zweitfruchtanbau 2020

Dies betrifft Heil- und Gewürzpflanzen, die 2020 als Zweitfrüchte mit einer Ernte in 2020 angebaut werden. Soll die Kultur zusätzlich im Frühjahr 2021 geerntet werden, ist dieser Aufwuchs in die Düngebedarfsermittlung der Zweitfrucht 2020 einzubeziehen.
Die Düngebedarfsermittlung (DBE) für Zweitfrüchte muss bereits 2020 nach der neuen Düngeverordnung, gültig ab 01.05.2020, durchgeführt werden. Bitte die diesbezüglichen allgemeinen Informationen der LfL beachten.

Düngebedarfsermittlung

Die DBE kann mit Hilfe der entsprechenden Tabellen "von Hand" in einem Formular gerechnet werden. Bequemer sind die edv-Rechenhilfen. Da das Excelprogramm Zweitfrucht der LfL keine Heil- und Gewürzkräuter enthält, wird für die Zweitfrucht 2020 folgendes empfohlen:

Vorgehensweise zur DBE

  1. DBE mit dem Excel-Rechenprogramm für Kräuter als Hauptkultur durchführen; dabei Getreide als Vorkultur und „keine“ Zwischenfrüchte wählen, keine Angaben zur Organischen Düngung machen (Grund: die Freisetzungsraten sind hier noch auf dem Stand der alten DüV). DBE ausdrucken.
  2. Wird zur Zweitfrucht Heil- und Gewürzpflanzen keine organische Düngung ausgebracht, dann ist die DBE damit erledigt.
  3. Im Fall einer organischen Düngung zur Zweitfrucht (z.B. Gärreste oder Stiele aus der Verarbeitung) wird die N- und P-Freisetzung aus diesen Düngern mit Hilfe des Excelprogramms für Zweitfrüchte berechnet. Die Freisetzungswerte von Hand in den unter 1. gemachten Ausdruck der DBE eintragen, vom dort angegebenen N- bzw. P-Düngebedarf abziehen und damit den angegebenen mineralischen Düngebedarf korrigieren.
Diese Vorgehensweise ist CC-kompatibel. Bitte drucken Sie diesen Teil der Internetseite oder das Dokument „Düngebedarfsermittlung 2020 bei Heil- und Gewürzpflanzen als Zweitfrucht.pdf“ aus und legen Sie diese zu Ihrer Dokumentation.

Düngebedarfsermittlung 2020 bei Heil-und Gewürzpflanzen als Zweitfrucht pdf 1,9 MB

Düngung bei verschiedenen Anbau- und Nutzungsformen

Düngung von Druschfrüchten

Der N-Bedarfswert bei Druschfrüchten - wie z. B. bei Arzneifenchel, Kümmel und Nachtkerze (jeweils zur Drogenproduktion) - berücksichtigt sowohl die Frischmasse der abgefahrenen Samen als auch die Frischmasse der Ernterückstände, also des Strohs. Für die Anpassung des N-Bedarfswerts ist alleine der erwartete Samenertrag, d.h. die betriebliche Abweichung vom Tabellen-Standard, relevant. Auch bei Druschfrüchten ist vom Drogenertrag (getrocknete Samen) auf den Frischmasseertrag hochzurechnen, d.h. mit dem Eintrocknungsfaktor (EV 1,5 bei Samen) zu multiplizieren. Der P-Bedarf entspricht dem P-Entzug der Samen. In der LfL-Rechenhilfe wird die Anpassung des N- und P-Bedarfs an das betriebseigene Ertragsniveau automatisch errechnet.
Alle Heil- und Gewürzpflanzen, die nicht zur Drogenproduktion sondern zur Saatgutvermehrung angebaut werden, werden der Wildkräutersamenvermehrung zugeordnet. Saatgutvermehrungsbestände von Wildkräutern oder Wildgräsern fallen allgemein nicht unter die Arznei- und Gewürzpflanzen. Die Nährstoffgehalte und N-Bedarfswerte der Wildkräuter und Wildgräser sind in den Tabellen 1a und 9a (Hauptfrüchte des Ackerbaus) unter "Vermehrungspflanzen" zu finden.

Düngung von mehrschnittigen Kulturen

Kulturen - wie z.B. Zitronenmelisse oder Petersilie - die im Ertragsjahr mehr als einmal geschnitten werden, sind mehrschnittige Kulturen. Dabei ist die Länge der gesamten Kulturdauer ohne Belang.
Bei der Düngebedarfsberechnung ist der Gesamtertrag aller Schnitte eines Vegetationsjahrs als betriebsspezifischer Frischmasseertrag anzusetzen. Die berechnete Düngermenge kann bei Stickstoff wie bisher auf die Phase des Bestandsaufbaus und nach den Schnitten aufgeteilt werden.

Sonderfälle Petersilie und Schnittlauch

Für Petersilie und Schnittlauch gibt die Düngeverordnung unterschiedliche N-Bedarfswerte für den Aufwuchs bis zum ersten Schnitt und für die Aufwüchse nach dem ersten Schnitt vor. Diese Bedarfswerte und die zugrunde gelegten Ertragszahlen stammen aus der Produktion für den Frischmarkt. Bei der Produktion für die Kräuterverarbeitung (Trocknung, Frostung) weichen die Erträge vor allem der ersten beiden Schnitte deutlich vom vorgesehenen Ertragsniveau ab, d.h. es wird deutlich früher geerntet. Daher wird in diesem Fall empfohlen, die Erträge der ersten beiden Schnitte zusammenzufassen und den Düngebedarf mit dem N-Bedarfswert für den 1. Schnitt zu ermitteln, jedoch wie erforderlich die Gaben aufzuteilen. Der Düngebedarf für alle weiteren Schnitte wird dann wie vorgesehen mit dem N-Bedarfswert für “Petersilie nach 1. Schnitt“ bzw. „Schnittlauch, nach 1. Schnitt“ gerechnet. Dabei werden die betriebsspezifischen erwarteten Erträge der Schnitte zusammengefasst, der Düngebedarf gerechnet und die N-Gaben aufgeteilt. Für die zweite N-Düngebedarfsermittlung ist ein schlagspezifischer Nmin-Gehalt zu verwenden. Auch und gerade bei Petersilie und Schnittlauch ist eine Nmin-Untersuchung vor der Düngung des letzten Aufwuchses sinnvoll.
Tabelle 2: Düngebedarfsermittlung für die beiden Kulturphasen bei Petersilie und Schnittlauch, am Beispiel Petersilie
 1. Phase2. Phase
Hauptfrucht 2020„Petersilie, Blätter bis 1. Schnitt“„Petersilie, Blätter bis 1. Schnitt“
N-Bedarfswert160 kg N/ha bei 240 dt Ertrag/ha
100 kg N/ha bei 160 dt Ertrag/ha
Frischmasse-Ertrag Ernteorgan, s.o. (Blätter incl. Stängel)Frischmasse 1. Phase: Summe des 1. und 2. AufwuchsesFrischmasse 2. Phase: Summe aus 3. und folgende Aufwüchse
VorfruchtrealPetersilie bis 1. Schnitt
N-Wirkung = 0
Organische Dünger
zur Vorfurcht

real


0 (Düngung ist in der 1. Phase berücksichtigt)
Organische Dünger
zur Hauptfrucht
realreal org Düngung, die ab 3. Aufwuchs gegeben wird,
 


ggf. Stiele-Rückführung aus Verarbeitung
frühere org. Düngung ist bereits in der 1. Phase berücksichtigt

ggf. Stiele Rückführung aus Verarbeitung
NminPublizierter Wert der LfL
oder schlagspezifischer Wert
Schlagspezifischer Wert

Die Düngebedarfsermittlung für die 2. Kulturphase sollte in einer separat abgespeicherten Berechnung erfolgen, damit die Flächen in der Betriebsübersicht der LfL-Rechenhilfen nicht doppelt berücksichtigt werden.

Düngung von mehrjährigen Kulturen

Ernte in jedem Jahr
Mehrjährige Kulturen - wie z. B. Pfefferminze, Zitronenmelisse, Brennnessel oder Sonnenhut - werden über mehrere Jahre beerntet. Für diese Kulturen ist jährlich eine Düngebedarfsermittlung vorzunehmen. Der N-Bedarfswert in Tabelle 9d bezieht sich auf ein Vegetationsjahr, je nach Datenlage wird zwischen dem 1. Kulturjahr und den Folgejahren unterschieden. Der betriebsspezifische Ertrag des jeweiligen Standjahrs muss bei der Düngebedarfsermittlung eines Schlages herangezogen werden. Bei mehreren Schnitten kann der ermittelte N-Düngebedarf pro Jahr auf die Aufwuchsphasen verteilt werden.
Keine Ernte im Anlagejahr
Bei einigen Kulturen ist im ersten Kulturjahr (Anlagejahr) keine Ernte möglich.
Handelt es sich dabei um die Hauptfrucht (im Mehrfachantrag), besteht ein Düngebedarf. Für 2020 gilt:
  • Zur Düngebedarfsermittlung von Blattfrüchten im Anlagejahr muss die Frischmasse des zu erwartenden Aufwuchses abgeschätzt werden, es darf dabei maximal 50 % des durchschnittlichen Ertrags aus Tabelle 1d angesetzt werden.
  • Zur Düngebedarfsermittlung bei Druschfrüchten kann bis 50 % des Kornertrags, der im Folgejahr erwartet wird, angesetzt werden.
Handelt es sich um die Zweitfrucht, so darf diese im Anlagejahr nicht gedüngt werden.
Ernte nur im letzten Jahr
Einige Wurzelfrüchte erfordern eine mehrjährige Kultivierung bis zur Ernte, z. B. Gelber Enzian, Arzneirhabarber.
In Tabelle 9d sind die N-Bedarfswerte für jedes Kulturjahr angegeben. Diese leiten sich je nach Kultur aus den N-Entzügen im Erntejahr, aufgeteilt auf die übliche Anzahl an Kulturjahren, ab (z.B. Arzneirhabarber) oder aus N-Düngeempfehlungen in der Literatur (z.B. Gelber Enzian). Die erforderliche N-Düngung kann wie gewohnt auf mehrere Gaben aufgeteilt werden.
Bei langsam wachsenden Kulturen, wie zum Beispiel Gelber Enzian, ist nur ein geringer jährlicher P-Bedarf zu erwarten. Dieser wird in den Jahren ohne Ernte über den Bodenvorrat gedeckt. Daher erfolgt bei solchen Kulturen die P-Düngung nur im Erntejahr. In der LfL-Rechenhilfe sind die beiden Kulturphasen getrennt angegeben.
Für starkwüchsige Arten, wie zum Beispiel den Arzneirhabarber, tritt dagegen in jedem Kulturjahr ein P-Düngebedarf ein, um das P-Angebot im Boden bedarfsgerecht und zeitnah zu ergänzen. Dabei kann der P-Entzug des Erntejahres gleichmäßig auf alle Anbaujahre verteilt werden. In den LfL-Rechenhilfen ist dazu der im Erntejahr zu erwartende Wurzelertrag einzutragen. Es wird dann der P-Düngebedarf für das aktuelle Jahr errechnet.
Wurzelernte zu Kulturende nach mehrmaliger Kraut- oder Blütenernte
Bei einigen Kulturen, von denen über mehrere Jahre das Kraut, die Blüten oder die Früchte geerntet werden, können zum Abschluss der Kultur auch die Wurzeln genutzt werden, z. B. bei Sonnenhut-Arten, Schlüsselblume, Liebstöckel.
Für diese sind in Tabelle 9d die jährlichen N-Bedarfswerte angegeben, die sich vorwiegend aus der Krautnutzung ergeben. Bei Sonnenhut, der viel Wurzelbiomasse bildet, wurden die N-Entzüge der Wurzeln auf drei Kulturjahre aufgeteilt und bei der Berechnung des jährlichen N-Bedarfswerts berücksichtigt.
Für die Ermittlung des P-Düngebedarfs werden die Entzüge der Blüten oder des Krauts jährlich und der Entzug durch die Wurzelernte erst im letzten Erntejahr berücksichtigt. Daher ist in der xl-Rechenhilfe in der Zeile „Nebenernteproduktabfuhr“ eine Auswahlmöglichkeit vorgegeben, mit der festgestellt wird, ob im Planungsjahr nur das Kraut oder die Blüten (=Haupternteprodukt; dann Nebenernteproduktabfuhr „nein“) oder auch die Wurzeln (=Nebenernteprodukt; dann Nebenernteproduktabfuhr „ja“) am Jahresende geerntet werden. Falls in Kulturen, in denen es nur ein Haupternteprodukt gibt, fälschlich „ja“ ausgewählt wird, hat dies keinen Effekt auf die Berechnung.

Nährstoffbilanz

In Tabelle 1d sind die Nährstoffgehalte aufgelistet. Diese können zur Berechnung der Nährstoffbilanz herangezogen werden. Alternativ können eigene plausible und repräsentative Analyseergebnisse genutzt werden. In der Nährstoffbilanz dürfen nur die Erträge angesetzt werden, die tatsächlich den Betrieb verlassen. Das heißt, dass die Erträge, die in der Düngebedarfsermittlung angesetzt werden, nicht automatisch die Erträge sind, die in die Nährstoffbilanz einfließen.

Kulturen mit Anbaujahren ohne Ernte

Manche Wurzelkulturen werden erst nach mehreren Kulturjahren geerntet. Werden diese in den Jahren ohne Ernte entsprechend ihres Bedarfs gedüngt, wirken sich solche Kulturen während der erntelosen Jahre ungünstig auf die betriebliche Nährstoffbilanz aus. Im Erntejahr ist dagegen ein Abfuhrüberschuss zu erwarten. Dieser Effekt wird dadurch abgepuffert, dass der betriebliche Durchschnitt der Bilanzierung über mehrere Jahre bewertet wird (N 3-jähriger, P 6-jähriger Durchschnitt). Zudem stehen in den Betrieben häufig unterschiedlich alte Kulturen auf den Flächen, damit regelmäßige Ernten möglich sind. Dadurch gleichen sich Aufbau- und Erntejahre potenziell aus.

Wenn Basisdaten fehlen oder stark von der betrieblichen Erfahrung abweichen

Bei der Artenvielfalt der Arznei-, Gewürz-, Tee- und Kosmetikpflanzen liegen nicht für alle Arten Nährstoffdaten vor. Daher sind in den Tabellen 1d und 9d vorwiegend Nährstoffgehaltsdaten und N-Bedarfswerte von Arten veröffentlicht, für die Nährstoffdaten, Düngeempfehlungen oder/und Codes für den Flächennutzungsnachweis vorliegen. Im Zuge der Beratungen zur Düngeverordnung werden nach Bedarf weitere Empfehlungen ausgesprochen, die von der LfL an dieser Stelle kontinuierlich veröffentlicht werden. In größeren Abständen werden auch die Tabellen 1d und 9d entsprechend ergänzt.

Wenn Basisdaten für Ihre Kultur fehlen:

  • prüfen, ob inzwischen Zahlen in den aktuellen Tabellen 1d und 9d ergänzt wurden
  • prüfen, ob die Kultur unter ‚Empfehlungen für Kulturen, für die keine Basisdaten publiziert sind‘, zu finden ist
  • falls dies nicht der Fall ist, bitte Kontakt mit der Beratungsstelle aufnehmen
Wenn bei der Düngebedarfsermittlung der resultierende Düngebedarf auf Grund der publizierten Basisdaten für eine Kultur deutlich unter der betrieblichen Erfahrung liegt, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Beratungsstelle auf bevor Sie den Dünger ausbringen. Liegt der resultierende Düngebedarf höher als in der bisherigen betrieblichen Düngepraxis, darf und soll weniger gedüngt werden als die Berechnung ergeben hat.
Um noch verlässlichere Bedarfs- und Entzugszahlen für die Düngeplanung bereitstellen zu können, werden in unserem aktuellen Projekt zur neuen Düngeverordnung (DüV) weitere Daten erhoben. Durch die gezielte Probenentnahme bei den betreffenden Kulturen in bundesweiter Zusammenarbeit wird die Datenbasis aktualisiert und verbessert. Aufgrund dieser Daten wird die Umsetzung der neuen Düngeverordnung (DüV) erleichtert werden.

Praxiserhebung: Bedarfsgerechte Düngung (neue DüV) von Arznei- und Gewürzpflanzen

Empfehlungen für Kulturen, für die keine Basisdaten veröffentlicht oder deren Basisdaten aktualisiert wurden (Stand 06.04.2020)

Aktualisierungen

Eisenkraut, Echtes

  • Ernteorgan: Blühendes Kraut
  • EV: 5
  • Nährstoffgehalt in der Frischmasse, (kg/dt): N 0,51; P2O5 0,14; K2O 0,60; MgO 0,08
  • Durchschnittlicher Frischmasse-Ertrag: 230 dt/ha
  • Stickstoff-Bedarfswert: 157 kg N/ha
  • Bodentiefe für anzurechnenden Nmin-Wert: 0-60 cm
Wenn diese Empfehlungen für die Düngebedarfsermittlungen oder den Nährstoffvergleich verwendet werden, muss dieser Abschnitt ausgedruckt zu den Dokumenten gelegt werden.
Hinweis
Wenn diese Empfehlungen für die Düngebedarfsermittlungen oder den Nährstoffvergleich verwendet werden, muss dieser Abschnitt ausgedruckt zu den Dokumenten gelegt werden.
Hinweis zur Nutzung der LfL-Rechenhilfe
Heil- und Gewürzpflanzen, die im Tabellenblatt „Heil- und Gewürzpflanzen“ nicht zu finden sind, sind unter dem Tabellenblatt „Acker sonstiges“ zu berechnen. Die dazugehörigen Daten sind aus den Basisdaten oder dieser Umsetzungsbestimmung zu entnehmen und in das Tabellenblatt „Bedarfswert_sonstiges“ einzutragen. Sind die Werte eingetragen, erscheint die Kultur im Tabellenblatt „Acker sonstiges“. Im Online-Programm „LfL Düngebedarf“ ist das Anlegen einer sonstigen Kultur nicht möglich.