Aufwuchsverlauf von Grünlandbeständen in Bayern

Selbstfahrer beim Mähen von Grünland
Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und der Mengenertrag der Futterpflanzen ändert sich während des Wachstums. Diese Veränderungen bestimmen den Futterwert, der je nach Zeitpunkt des Schnittes erheblichen Schwankungen unterliegt. Eine gute Kenntnis über den Verlauf des Gehaltes an wertbestimmenden Inhaltsstoffen ist für die Gewinnung von hochwertigem Grobfutter deshalb sehr wichtig. Hier soll die Aufwuchsuntersuchung von Grünlandbeständen der LfL Hilfestellung leisten.
Dabei werden wöchentlich Proben von bayernweit verteilten Standorten gewonnen und am LfL-Labor in Grub auf den Gehalt an Rohnährstoffen untersucht. Aus der Entwicklung der Grünlandaufwüchse werden jährlich Ernteempfehlungen abgeleitet. Dafür werden die Regionen Bayerns in fünf Agrargebieten zusammengefasst. In den entsprechenden Ergebnisdiagrammen werden die Gehalte an Rohprotein (XP), Säure-Detergentien-Faser (ADFom) sowie die Energiekonzentration (MJ NEL) und der Ertrag in dt TM/ha über die Kalenderwochen 16 bis 20 hinweg dargestellt.

Was noch steht sollte weg

Grünlandmonitoring 2019 – Sonnentage zum Silieren nutzen

Das Wetter ist einer der einflussreichsten Faktoren im Grünland. Besonders deutlich ist das auch in diesem Jahr zu erkennen. Als Mitte April das Grünlandmonitoring startete herrschte bayernweit Trockenheit. Im Mai kam allerdings dann die Kälte, der Regen und an manchen Orten auch der Schnee zurück. Dadurch konnten die Grünlandbestände noch im Wachstum nachholen und die Inhaltsstoffe der Gräser blieben im Vergleich zum letzten Jahr bis jetzt auch auf einem sehr hohen Niveau.

Schnittreife überall erreicht

Im Alpenvorland und südlichen Allgäu hat durch die angestiegenen Temperaturen der letzten Woche das Wachstum der Grünlandbestände erneut deutlich zugelegt. Die durchschnittlichen Trockenmasseerträge sind von 33 dt TM/ ha auf 40 dt TM/ ha angestiegen. Dadurch hat auch die Verholzung der Gräser zugenommen. Zu sehen ist dies am Anstieg der ADFom-Gehalte, die jetzt im Mittel bei 242 g/ kg TM liegen. In Folge dessen ist der Energiegehalt auf 6,7 MJ NEL/ kg TM gesunken. Damit ist jetzt der optimale Schnittzeitpunkt erreicht. Durch die hohen Niederschlagsmengen in dieser Woche wird die Befahrbarkeit der Böden in den nächsten Tagen noch nicht möglich sein. Beruhigend ist jedoch, dass durch die wieder gesunkenen Temperaturen die Verholzung der Gräser erneut gebremst wird. Daher verändert sich die Qualität der Inhaltsstoffe vorerst langsamer. Beim Silieren sollte allerdings beachtet werden, dass gerade nachdem sehr ergiebigen Regen und kühlen Temperaturen, der vorhandene Milchsäurebakteriengehalt auf den Gräsern sehr gering sein kann und somit ein Einsatz von DLG-geprüften Siliermitteln der Wirkungsrichtung 1 (Verbesserung des Gärverlaufs) zu empfehlen ist.
Im Agrargebiet „Ostbayrisches Mittelgebirge Nord“ ist das Zeitfenster für den optimalen Schnittzeitpunkt ebenso erreicht. Die ADFom-Gehalte liegen derzeit im Mittel bei 230 g/ kg TM. Der Verholzungsprozess wird jetzt zügig fortschreiten sobald die Temperaturen wieder anstiegen. Zudem sinken dann die Energiegehalte rasch unter den gewünschten Gehalt von 6,6 MJ NEL/ kg TM. Jedoch haben in diesem Gebiet bereits zahlreiche Betriebe das Silierwetter genutzt, da aufgrund der knappen Futtervorräte aus dem Jahr 2018 die Grassilage vom 1. Schnitt dieses Jahr früher als normal zur Verfügung stehen muss. Durch den früheren Schnitt stehen jetzt die Niederschlagsmengen der letzten Woche dem zweiten Aufwuchs zum raschen Anwachsen zur Verfügung.

Ergebnisse der Aufwuchsuntersuchungen aus den jeweiligen Agrargebieten

Karte der Agrargebiete BayernZoombild vorhanden

Agrargebiete Bayern

Zur übersichtlicheren Darstellung der Ergebnisse wird Bayern in fünf Agrargebiete eingeteilt. In den unten abgebildeten Ergebnisdiagrammen werden für jedes Agrargebiet die ermittelten Gehalte an Rohprotein (XP), Säure-Detergentien-Faser (ADFom), Energiekonzentration (MJ NEL) je kg Trockenmasse (TM) und der Ertrag in dt TM/ha dargestellt. Die waagrechten gestrichelten Linien stellen die Orientierungswerte für ADFom und NEL dar. Der ADF-Wert sollte möglichst unter 270g/kg TM liegen, da höhere Gehalte die Energiekonzentration mindern. Bei der Grassilage (1.Schnitt) strebt man einen Energiegehalt von 6,4 MJ NEL/kg TM an. Da durch den Siliervorgang Energie verloren geht, ergibt sich daraus, dass das Grüngut einen höheren Energiegehalt von 6,6 - 6,7 MJ NEL/kg TM haben soll.

Hohe Qualität

Wie die Grafiken der sechs Agrarregionen zeigen, ist die Qualität der Grünlandbestände in diesem Jahr bayernweit sehr gut. Bis jetzt, fast Ende Mai, wurde beim ADFom-Gehalt die Grenze von 270 g/ kg TM noch nicht überschritten. Damit sind die Ausgangsbedingungen für eine gute Grassilage geschaffen, auch in den Regionen, wo die Erträge vom 1. Schnitt etwas geringer als gewünscht ausfallen.
Die Aufwuchsuntersuchungen in den sechs Agrargebieten werden bis zur 22. Kalenderwoche weiter fortgeführt.

Großes Dankeschön

Am Ende des bayernweiten Grünlandmonitorings der LfL wollen wir uns bei allen teilnehmenden Betrieben ganz herzlich bedanken! Nur durch ihre Unterstützung ist es möglich, bayernweit Aufwuchsuntersuchungen im Grünland durchzuführen, um dadurch Schnittzeitpunktprognosen abzuleiten. Gerne nehmen wir auch immer neue Betriebe in unser Aufwuchsmonitoring mit auf. Bei wem wir jetzt das Interesse geweckt haben, der darf sich gerne an uns beim Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft (089-99141-401) in Grub wenden.